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Die Darstellung des Teufels in der heutigen Gesellschaft und „Jugendkultur“ im Vergleich mit der Darstellung in Dürers „Ritter, Tod und Teufel“ 



Dürers „Ritter, Tod und Teufel“ 
Bedeutung des Teufels bei Dürer
Die Darstellung des Teufels am Beispiel einiger Abbildungen heute 
Gesellschaft damals und heute – Jugend und der Teufel 



In der folgenden Ausarbeitung wird exemplarisch die Darstellung des Teufels im Mittelalter den gegenwärtigenTeufelsinterpretationen gegenübergestellt. Der Vergleich von Dürers Meisterwerk mit Comics, Airbrush, Werbung etc. mag kein gelungener sein, jedoch ließen sich kaum mehr seriöse Bilder in der populären  Kultur finden, deren Schwerpunkt beim Teufel liegt. 

Dürers „Ritter, Tod und Teufel“ 




Der Teufel in Dürers „Ritter, Tod und Teufel“ ist nicht, wie zunächst vermutet, in der Figur des neben dem Ritter Reitenden dargestellt, sondern in jener Gestalt, die sich im linken Teil des Kupferstiches darbietet. Sie ist nicht vollständig zu erkennen, da das Hinterteil des Ritterpferdes sie bis auf Haupt und Fuß bedeckt; trotzdem erhalten wir reichlich Informationen über sie. Der Teufel ist also nicht der Blickfang des Bildes, vielmehr scheint er zum Hintergrund zu gehören und gibt dem Betrachter überhaupt wenig Überblick auf seine Gestalt. 
Zunächst läuft der Teufel hinter dem Ritter und erreicht den Eindruck eines Pilgers, der durch seine aufrechte Haltung und der Art, wie er seine Waffe schultert, fast menschlich wirkt. Doch sein eigenartiges Horn auf dem Kopf und seine Waffe finden dergestalt ihre Bedeutung, dass er den Ritter hinterlistig und unritterlich von Hinten packen kann. Insgesamt geht Dürer bei der Gestaltung des Teufels ausschließlich von der Beobachtung der Natur aus. So ist der Teufel ein viehisches Wesen, denn er setzt sich aus Tiergliedern zusammen. Diese sogenannte Permutation macht aus ihm eine
bestialische, tierische und animalische Naturgestalt. Der untere Teil des Teufels setzt sich aus einem Bocksbein und einem enormen Rattenschwanz zusammen, wobei bei genauerer Betrachtung unklar wird, ob die Beine des Pferdes rechts nicht auch dem Teufel zugehörig sein können. Darüber ummanteln Fledermausflügel eine Fellbrust mit Zitze. Der Kopf fügt sich
aus grellen, starren, irren und schielenden Eulenaugen, einem Schweinerüssel, der mit Hauern besetzt ist und an dem  Kehllappen eines Hahnes hängen, aus Ziegenohren und einem Gehörn des Widders zusammen. Auf ihm findet sich ein einzelnd stehendes Horn, das so seltsam ist, dass es keinem Tier zuschreibbar ist. Jedoch ist dieses dritte Horn arglistig, weil seine Spitze statt nach hinten, nach vorn gerichtet ist. 
Zusammenfassend scheint der Teufel ein Ding zwischen Mensch und Tier zu sein, weswegen der Begriff „Naturwesen“ am ehesten auf ihn zutrifft. 



Bedeutung des Teufels bei Dürer


Der Hintergrund dieser Teufelsdarstellung könnte man sowohl in dem mittelalterlichen Volksglauben, als auch in den theologischen oder biblischen Vorstellungen finden. Jedoch entstammt das meiste von dem, was Dürer zusammenfügt, aus dem volkstümlichen Aberglauben, nur Schwein und Bock ist biblischer Provenienz und die Fledermausflügel rühren aus
theologischer Literatur her. Zum Beispiel ritten nach dem Volksglauben Hexen zum Tanz auf Böcken oder Widdern oder verwandelten sich gar in sie. Dass in Dürers Teufelsgestaltung das Bocksbein mit dem Pferdebein gekoppelt ist, macht den Teufel zum „Hinkebein“, wie  man ihn wegen seines Sturzes vom Himmel nennt. In das Schwein und den Hahn verwandelten sich Gespenster, Unholde, Verdammte und auch Teufel. Die Ratte sei ein Teufels- und Hexentier und ihr Schwanz sei besonders giftig. Des Weiteren sei die Eule ein Waldgeist oder Dämon und leiste der Hexe Botendienst. Außerdem nehme die Großmutter des Teufels die Gestalt einer Eule an. Besonders der Blick der Eule sei böse. Zudem schielt der Teufel in Dürers Gestaltung und der damalige Aberglaube besagt, dass schielende Menschen Krankheit und Tod bringen. Und dass Dürer den Teufel mit Fledermausflügeln in Verbindung bringt, ist noch heute populär. 
Diese Vorstellungen des Mittelalters prägten das hohe Kulturgut kaum. Dieser Glaube drückt keine geistige Auseinandersetzung und Bewältigung aus, sondern magische Gebahntheit. Dürer geht also bei seiner Teufelsdarstellung in animalischer Gestalt ausschließlich von volkstümlichen Aberglauben aus. Insgesamt scheint Dürers Teufel zunächst plump, komisch und kurios. Er glotzt stier und er sieht beinahe blöd und
tölpelhaft aus. Aber dieses vorläufige Verharmlosen des Teufel macht ihn erst recht gefährlich. Er ist eine quälende Figur, die vollständig aus widerstrebenden und wirren Elementen besteht. Der physische Widerspruch liegt darin, dass er vom tierischen ins menschliche und vom menschlichen wieder ins tierische geht. Das psychische Wirre darin, dass seine Beschränktheit mit Heimtücke verquickt ist. Der Betrachter ist bei der Beurteilung des Teufels hin und her gerissen zwischen Spaß und Furcht. Dürer schafft es den Teufel die Eindringlichkeit des Existierenden zu geben, indem er erstens in ihm alle populären Teufelsbilder veranschaulicht und ihn zweitens durch Zusammensetzten realistischer Elemente zu einem Naturwesen macht. 
Während der Ritter Gottes Ordnung und der Hund das Streben nach Gott darstellt, bezieht der Teufel die totale Gegenrolle: Er ist die allegorische Unordnung; er ist der wahrhaftige Diabolus. Er will entzweien und durcheinanderwerfen. Er will verwirren. Darin liegt die Gefährlichkeit und Angst des Teufels, dem Naturwesen. 

Die Darstellung des Teufels heute am Beispiel einiger Abbildungen 


In den heutigen Bildern vom Teufel bezieht sich der Gestalter, wie zu Dürers Zeiten, meistens auf die naturalistische Darstellungsform. Sei es in der Werbung  oder bei H.R. Giger   Jedoch handelt es sich bei allen Teufelsinterpretationen um ausgedachte, bzw. phantastische Gestalten, während es Dürer gelingt, den Teufel mittels Zusammensetzen von tierischen Elementen fast realistisch wirken zu lassen. Die heutigen Teufelsbilder gehen zumeist von klassischen Ansichten aus, wie etwa der Teufel Flügel, Hörner, Krallen und große Nasen haben muss und seine Farbe rot zu sein hat. Das ist bei Dürer anders, zwar geht auch er von den Vorstellungen des Volkes aus, aber ihm gelingt eine Steigerung, da er wieder das Prinzip des Zusammentragens anwendet. Schließlich geht er von vielen verschiedenen Aberglauben aus, während sich die gegenwärtige Darstellungsweise auf eine klassische Form des Teufels beschränkt. 

Nur Giger weist vereinzelte Abweichungen auf und stellt als Abbild des Teufels einen Baphometen dar . Des Weiteren wird der Teufel in den heutigen Bildern entweder lustig oder böse dargestellt. Die spaßigen
Teufelsfiguren sind zur Belustigung und setzen sich daher nicht ernsthaft mit der Thematik auseinander. Die Abbildungen jedoch , in denen der Maler den Teufel ernsthaft zu behandeln scheint, sind oft furchterregend und grausam. Die Teufelsgestalt wird zentral und formatfüllend abgebildet, so dass sie vor allem mächtig und angsteinflößend wirkt.

 

Giger benutzt sogar vereinzelt symmetrische Komponenten, wodurch sich die Macht und Größe des Teufels noch verstärkt. Dürer indessen veranschaulicht den Gegenspieler Gottes auf einer ganz anderen Art. Er vereint beide Darstellungsweisen und stellt den Teufel ganz und gar zweideutig dar: Er lässt den Teufel dumm und tölpelhaft
wirken. Er macht ihn für den Betrachter abstoßend und keineswegs mächtig oder furchterregend. Dürer gibt den Teufel eine hintergründige Rolle und schafft so einen Geniestreich. Denn gerade in dieser Rolle ist er dem Menschen am Nächsten und kann unerwartet zerstören. 



Gesellschaft heute und damals - Jugend und der Teufel 


Die gegenwärtige Gesellschaft beschäftigt sich weit weniger mit dem Mythos des Teufels als zu Dürers Zeiten. In der ständischen Gesellschaft war der mittelalterliche Mensch in aller Regel ein gläubiger Christ und setzte sich folglich fast in allen Lebensbereichen mit Gott und dem Teufel auseinander. Dieses dogmatische Christentum beeinflusste dementsprechend auch den Künstler, der infolgedessen den Teufel und den Glauben ernstlich behandelte. Auf den mittelalterlichen Christ und besonders auf den vom dritten Stand, wirkten die Bilder ein; nahmen Einfluss auf ihn. Die
Tatsache, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht zum Lesen imstande war, trug einen großen Teil dazu bei. Diese naive und finstere Haltung findet heutzutage keinen Träger mehr. Man glaubt sich von den dogmatischen Fesseln des Mittelalters gelöst und befreit zu haben. Es gibt keinen einzigen Glauben mehr, sondern viele verschiedene Religionen oder gar keine.
Insgesamt glaubt man heute an die Zukunft: Das fortschreitende Wissen in der Technik, Medizin, in der Weltraumforschung oder in der Informatik. Nur vereinzelt finden sich hier und da ein paar Abergläubische, aber es gibt keinen Menschen mehr, bei dem ein Gemälde auf sein Leben Einfluss nimmt. Insbesondere die Darstellung des Teufels hat heute keine Popularität mehr. Zwar finden sich Teufelsbilder zum Beispiel in der Werbung , aber die Bilder sind aus Gründen der Werbung und nicht des Teufels. 
Einzig nimmt die Begeisterung für den Teufel in der Jugend zu. In Comics  lassen sich immer wieder Darstellungen des Bösen entdecken, wobei sie auf grausamste Art und Weise Gestalt annimmt. Auch bei Giger ist diese abstoßende und ekelhafte Wiedergabe anzutreffen.  Die pornographischen Darstellungen bei Giger lassen eindeutig auf einen satanistischen Hintergrund schließen.

 

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