Von Ahriman
über Luzifer ins Fegefeuer Die Herkunft
des Leibhaftigen Dualistische Kosmologien
Teufel als
englische Unterklasse
Der Gehörnte
als kirchliches Instrument
Protestantismus
und Teufel
Katholische
Lehrmeinung
Dualistische
Kosmologien
Dualismus
heißt vom Lateinischen übersetzt
Zweiheitslehre. Der Dualismus geht grundsätzlich
davon aus, dass zwei entgegengesetzte Prinzipien
existieren. Auf die Religionen im Allgemeinen
bezogen sind das Gute und Böse, Schöpfung und
Vernichtung, Leben und Tod, Licht und Finsternis,
aber auch Freiheit und Unterdrückung, also haben
wir es mit einem ethischen Dualismus zu tun. Es
sei hier kurz vorweggenommen, dass in diesen
dualistischen Religionen die Macht des Guten
meist stärker ist oder als stärker angesehen
wird.
Der
Begriff Kosmologie ist theologisch die
Argumentation und Erklärung des Gottesdaseins
und der Beweis seiner wahrhaftigen Macht und
Existenz, dies ist meist die Schöpfung. Hieraus
beweist die Theologie vieler Religionen die
Zweckmäßigkeit und Funktionsweise der Welt und
den kirchlichen Machtanspruch und
Wahrheitsanspruch, der zu Zeiten einer
ungebildeten Allgemeinheit stärker war als
heute. Es gibt eine Vielzahl von dualistischen
Kosmologien von der alten persischen Lehre bis
heute in das Judentum oder Christentum. Ob das
gute Prinzip nun Jahwe oder Ahura Mazda und ob
das böse Prinzip nun Luzifer, Satan oder Ahriman
genannt wird, bleibt sich im allgemeinen völlig
gleich. Das gute Prinzip ist stets für die
Schöpfung und Ordnung der Welt, das schlechte
Prinzip stets für Sünde, Krankheit, Leiden und
Chaos verantwortlich. Daraus ergibt sich auch der
Kampf zwischen dem guten und dem schlechten
Prinzip, wobei das gute Prinzip stets als
mächtiger und erfolgreicher und den Menschen
näher dargestellt wird als das schlechte
Prinzip.
Die
alt-persische Lehre weist einen besonders klaren
Dualismus auf. Außerdem sind auch deutliche
Parallelen und Entwicklungen im Judentum und
Christentum zum Parsismus, der von Zarathustra
begründet wurde, vorhanden. Des weiteren ist in
der alt-persischen Lehre ein sehr mythisches und
bildliches Reich des Bösen beschrieben.
Zarathustra, auf den der Parsismus oder
Mazdaismus zurückgeht, war ein prophetischer
Reformator der altiranischen Religion und lebte
wahrscheinlich 800 v. Chr. . Auf Zarathustra
gehen die ältesten Teile der Awesta zurück. Die
Awesta oder ist die heilige Schrift des Parsismus
oder Mazdaismus. Er war nach eigener Auffassung
der Berufene seines Gottes Ahura Mazda den
Menschen den Kampf gegen Ahriman zu verkünden
und somit Ahura Mazda als monotheistischen Gott
zu verehren. Diese ältesten Teile der Awesta
sind als Gathahymnen bekannt. Die Gathahymnen
enthalten prophetische Sprüche, angeblich von
Zarathustra. Sie enthält fünf Teile ( mit
Namen: Yasna, Wispered oder Wisprat, Widewdat,
Yascht, Khorda Awesta). Diese Bücher enthalten
liturgische Texte, Sagen, Opferlieder und
Andachtsanleitungen. Der Parsismus oder
Mazdaismus hat das sogenannte nachbiblische
Judentum und das frühe Christentum ebenso
beeinflusst wie später christliche und
hellenistische Einflüsse im Mazdaismus zu
vermerken sind.
Der
Mazdaismus enthält einen doppelten Dualismus, da
zwischen den Prinzipien Ahura Mazda und Ahriman
unterschieden wird, die für Gut und Böse,
geistige Wirklichkeit und körperliche
Wirklichkeit stehen. Ahura Mazda und Ahriman sind
Zwillingsgeister. Der Gläubige hat die mehr oder
weniger Einfluss auf die Macht des Weltgerichtes,
das 9000 Jahre nach der Schöpfung kommen wird,
indem sich die Menschen für ein Prinzip
entscheiden: Ahura Mazda oder Ahriman. Ahura
Mazda wusste bereits 3000 Jahre vor der Begegnung
mit Ahriman von dessen Existenz, weil er auch
für die geistige Wirklichkeit steht. Diese Zeit
nutzte Ahura Mazda um gute Wesen zu schaffen und
somit ist ihm nach Zarathustra der Sieg gewiss.
Die böse, teuflische Macht und die körperliche
Wirklichkeit, die Ahriman verkörpert, wird in
der Awesta als Druj oder Aeshma bezeichnet. Der
Gerechtigkeitszustand Ahura Mazdas wird als Asha
bezeichnet. Nach dem Aufeinandertreffen der
beiden Geister erfolgte ein Wettkampf in der
Schöpfung und Vernichtung guter bzw. böser
Wesen. Das Weltgericht wird in 9000 Jahren kommen
und die Menschen dienen sozusagen als
Siegesbarometer, da diese durch ihre Treue zu
Ahura Mazda oder Ahriman den Wettkampf
entscheiden. Somit ist das Leben auf der Erde
ganz allgemein der Wettkampf zwischen den
Prinzipien Gut und Böse. Die Druj oder Teufel
Ahrimans sind lügnerisch, trügerisch, sündig
und unrein. Unter der Vielzahl der Schergen
Ahrimans ist der weibliche Teufel druj mit ihren
vier Buhlen Geiz, Ekel (Unhygiene bzw.
Unreinheit), Hure, Unzucht. Wer sich jedoch Ahura
Mazda anschließen will, muss ein Leben nach
strengen ethischen Weltvorstellungen leben. Um
sich die Versuchung des Bösen vom Leibe zu
halten, sind Opfer und Gebete in äußerster
Regelmäßigkeit wichtig. Jedes Übel der Welt
von Krankheit bis Winter ist ein Dämon Ahrimans
und solange diese Übel auftreten herrscht nicht
der Gerechtigkeitszustand Asha. Kurz gesagt: Wer
krank wird oder einmal sündigt, wird als Dämon
betrachtet.
Auch
die Politik nutzte den Mazdaismus um feindlich
gesinnte Völker als Schergen Ahrimans
darzustellen und umfangreiche Kriege zu
rechtfertigen. Als typische Stätten von Dämonen
galten außer feindliche Gebieten Wüsten,
Gräber und der Norden, als Symbol des Dämons
die Kälte. Zunächst wurde die gesamte Natur als
Werk des Bösen angesehen, dies wurde aber mit
der Zeit auf die Unfruchtbarkeit beschränkt.
Natürlich ist auch der Tod das Werk des Bösen,
wobei nur der Tod eines Gefolgsmannes Ahura
Mazdas einen Erfolg Ahrimans bedeutet. Die
Gläubigen Ahura Mazdas sollen deshalb außer dem
Opfer und Gebet auch Kranke heilen, Tote weihen
und für Ordnung und Sauberkeit sorgen. Die
Priesterschaft des Mazdaismus hatte eine klare
Hierachie. Zu ihren Aufgaben gehörte außer den
Gottesdienst-Ritualen wie das heilige Feuer zu
schüren auch die Bildung, die als Zeichen der
Weisheit die Ahura Mazda verkörpert. In der
Praxis war der Mazdaismus entsprechend der
gesellschaftlichen Entwicklung seiner Zeit um
einiges härter mit Sündern als heutige
Religionen, da für vermeintlich kleine
Verbrechen oft Köpfe rollten oder andere
qualvolle Todesarten ersonnen wurden.
Teufel als
englische Unterklasse
Das
vermeintlich Böse wurde auch Bestandteil des
monotheistischen Gottesbildes der Juden und
Christen. Damit nicht genug, Luzifer war sogar
ein äußerst wichtiger und beliebter Engel vor
Gott. Spätestens seit der Abfassung des
Hiobbuches ist er als beinahe ebenbürtiger
Widersacher Gottes aus den Jenseitsvorstellungen
nicht mehr wegzudenken. Versinnbildlicht wird
dies Gegenüber durch die zahlreichen Legenden
vom Fall des Luzifers, der nach einer Fassung mit
einem Drittel der gesamten Heerscharen zur Hölle
fuhr, das ihm von nun an als Dämonen zur Seite
stand. Sowohl die Ursachen für den Fall der
ehemaligen Engel als auch die Zuständigkeiten
werden in verschiedenster Weise überliefert.
Während Luzifers Fall noch recht einmütig mit
seinem Herrschaftsanspruch erklärt wird, gibt es
für die weiteren gefallenen Engel verschiedene
theologische Ansätze.
Dagmar
Scherf stellt fest, dass Engel nicht zur
Grundvorstellung der Jahwe-Gläubigen der
mosaischen Tradition gehörten. Sie führt den
Engelsglauben einerseits auf das babylonische
Exil zurück, von wo die Menschen bei der
Rückkehr die Vorstellung von "geflügelten
Lobpreisern Gottes und Beschützern bzw.
Fürsprechern der Menschen" mitbringen.
(Dagmar Scherf, Der Teufel und das Weib - eine
kulturgeschichtliche Spurensuche, S. 56).
Außerdem werden im Alten Testament Engel als
bene-ha-elohim bezeichnet, was soviel wie
Göttersöhne heißt. Somit wäre es möglich,
dass dieses Drittel der Himmlischen Heerscharen
die Unterordnung als Engel unter Jahwe als einen
Abstieg empfunden hat.
Malcom
Goodwin berichtet (in seinem Buch "Engel -
Eine bedrohte Art") mythisch anmutende
Legenden mit einem theologischen Wahrheitskern:
Die
Legende vom "Schatten Gottes"
beispielsweise umreißt die Entwicklung des
Bösen zwischen dem Alten und dem Neuen
Testament: In frühen Teilen des AT ist der
Schrecken und die Brutalität auch ein Wesenszug
Gottes. Im Neuen Testament hingegen wird der
Satan zum Widersacher Gottes.
Eine
andere Legende betont den freien Willen der
Engel: Je weiter die Engel von Gott entfernt sind
um so "böser" sind sie. Die gottnahen
Wesen sind Engel, in der "Mitte"
befinden sich die Menschen und die am weitesten
Entfernten von Gott sind Dämonen.
Die
Legende von der Lüsternheit begründet den Fall
der Engel mit dem Erblicken und Begehren von
Menschenfrauen aus der Höhe.
Nach
der Legende vom Stolz Luzifers wird Gottes
Lieblingsengel zu seinem Widersacher aufgrund von
Eifersucht und Arroganz sowie
Selbstüberschätzung.
In der
Legende vom Krieg wird beschrieben, dass Gott
zwei Arten von Engeln erschuf, die eine Art mit
freiem Willen und somit mit der Gelegenheit zu
sündigen, die andere Art ohne den freien Willen.
Zwischen diesen Engeln brach ein Krieg aus und
die Engel ohne freien Willen verbannten die
anderen Engel, die sich von Gott abwandten.
In der
Legende von der Passion des Erlösers wird
erzählt, das Jesus eine Falle für Satan war um
die Menschen vor ihm zu schützen. Satan
bestrafte nur zu gerne die Menschen für ihre
Sünden aus seiner Position als Engel im Himmel.
Da er den in der Seele reinen Jesus zu sich nahm
um ihn zu bestrafen, wurde ihm der Zugriff auf
die Seelen der Menschen verwehrt. Er wurde aus
dem Himmel in die Hölle verbannt wird und kann
dort nur noch Menschen bestrafen, die sich von
Gott und Jesus abgewandt haben.
Die
Legende vom Ungehorsam berichtet davon, dass
Satan als Engel Jahwes Schöpfung nicht
wertschätzte, woraufhin ihn Gott verbannte. Mit
Satan gingen ein Drittel aller Engel. Wie auch
immer Satan zum Bösen wurde und wie auch immer
Satan in die Hölle kam, es steht fest, dass
Satan der Widersacher Gottes ist und für die
Sünden der Menschen eine gewisse Zuständigkeit
erlangte.

Der Gehörnte
als kirchliches Instrument
Ohne
Zweifel kommt das Bild des Teufels als gehörntes
Monster aus der griechischen Mythologie. Dabei
ist auffällig, dass das Aussehen des Gehörnten
mit Pan einem Hirtengott der griechischen
Mythologie nahezu übereinstimmt. Pan wird als
missgestaltet, gehörnt, behaart, geißfüßig
und mit einer tiefen, angsteinjagenden Stimme
beschrieben. Von den Wesenszügen sind jedoch nur
Parallelen in puncto Verführung zu nennen. Die
schreckliche Ausgestaltung des Aussehens des
Gehörnten und seine offensichtliche
Boshaftigkeit und Sündigkeit sowie die
Beschreibung von Höllenqualen im Fegefeuer und
in der Hölle ließen gerade im Mittelalter die
Menschen Angst vor dem Bösen und der Sünde
haben, die der Gehörnte als Schreckensgestalt
personifizierte. Dieser Glaube oder Aberglaube,
da in der Bibel ebensowenig zum Aussehen des
Teufels gesagt wird wie zum Aussehen Gottes,
hielt lange an aufgrund der mangelnden Bildung
unter Bürgern und Bauern, die nicht selber die
Bibel lesen konnten - vor der Reformation gab es
ja nur den lateinischen Text - und der Willkür
der Kirche ausgesetzt waren. So konnte die Kirche
erheblichen Machtanspruch stellen und sich enorm
bereichern, wie durch den Ablaß gegen Geld.
Einen
Einblick in die Wirkung der Propaganda können am
ehesten die Darstellungen der damaligen Zeit
liefern.
Protestantismus
und Teufel
Es ist
nun nicht so, dass die Reformatoren den
Teufelsglauben für den Protestantismus erledigt
hätten. Es ist bekannt, dass für Luther die
Existenz des Teufels sehr real war. Er fühlte
sich persönlich von ihm verführt, z.B. bei der
rückblickenden Beurteilung seines Eintritts ins
Kloster. Sowohl die Legende, er habe ein
Tintenfass nach ihm geworfen, als auch seine
Schriften zeugen davon. Ein Hauptmotiv war, dass
der Widersacher die Menschen vom wahren Glauben
an die Gerechtigkeit Gottes abbringen wolle.
Entsprechend verteufelte er die Papst-Kirche.
Das
Böse wird nach Luther nicht von Gott geschaffen,
sondern entspringt der mehrfachen Natur des
Menschen, der das gnädige Angebot Gottes
ausschlagen kann. Der Teufel ist Luther eine
Chiffre für die natürliche Schlechtigkeit der
Welt. Er unterscheidet das Wirken Gottes in der
Schöpfung insgesamt (opus alienum) (also auch in
bösen Menschen) und sein Heilswirken (opus
proprium) an den Gläubigen(vgl. Althaus, Die
Theologie Martin Luthers, S. 150). Er wendet sich
allerdings gegen Spekulationen über die Gestalt
des Teufels (etwa die Luzifer-Legenden), da es
eine Anmaßung des Menschen sei, alles im Himmel
erkennen und erklären zu können. Er spricht von
dem verborgenen Gott, der er trotzt Offenbarung
bleibt. (vgl. Rudolf Hermann, Luthers Theologie,
Berlin 1967).
Vor
diesem Hintergund ist manche Einschätzung, die
uns als mittelalterliche Inhumanität erscheint,
als Ausdruck seines Verständnisses des Teufels
als Gegenstück zu Gottes Willen mit der
Schöpfung zu sehen wie seine Einschätzung von
Behinderten, deren Tötung er dem Fürsten von
Anhalt empfahl:
"Daß
er gänzlich dafür hielte, daß solche
Wechselkinder nur ein Stück Fleisch, eine massa
carnis sein, da keine Seele innen ist; denn
solches könne der Teufel wol machen, wie sonst
die Menschen, so Vernunft, ja Leib und Seele
haben, verderbt, wenn er sie leiblich besitzet,
daß sie weder hören, sehen, noch etwas fühlen,
er macht sie stumm, taub, blind,"
(aus
den Tischreden Weimarer Ausgabe, zitiert nach:
Bildstörung! Der lange Weg vom Tollhaus zur
Werkstatt für Behinderte. Ausstellungskatalog,
Ffm 1999). Auch Kanonen und das Geld galten
Luther als Werkzeuge des Satans (Richard
Friedenthal, Luther, München 1967, S. 358). Die
protestantische Tradition hat jedenfalls die
Konfrontation der Gnade aus Gottes Wort mit dem
Teufel als "Fürst der Welt" z.B. über
Gesangbuchtexte als Motiv in den Köpfen
verankert:
EKG
362 Ein feste Burg ist unser Gott 2.
Strophe:
Und
wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar
verschlingen
So
fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch
gelingen
Der
Fürst dieser Welt, wie sau´r er sich stellt,
tut
er uns doch nicht; das macht er ist Gericht`: ein
Wörtlein kann ihn fällen
Der
Unterschied zwischen den Konfessionen lag damals
weniger in der Vorstellung vom Satan, sondern in
der Frage, wie er denn zu bezwingen sei:
"Denn
die menschliche Natur ist durch die Erbsünde
unter des Teufels Gewalt dahin geben und ist also
gefangen unter des Teufels Reich, welcher manchen
großen weisen Menschen in der Welt mit
schrecklichem Irrtum, Ketzerei und anderer
Blindheit betäubet und verführet, und sonst die
Menschen zu allerlei Laster dahin reißet. Wie es
aber nicht müglich ist, den listigen und
gewaltigen Geist Satan zu überwinden ohne die
Hilfe Christi, also können wir uns aus eigenen
Kräften aus dem Gefängnis auch nicht
helfen." (Augsburger Konfession II Von der
Erbsünde, zitiert nach der Ausgabe Berlin 1960,
S. 157)
Katholische
Lehrmeinung
Bis
heute personifiziert der Teufel oder der Satan
das Böse. Über das Aussehen des Teufels wird
ein großes Geheimnis gemacht und es wird keine
offizielle Erklärung dazu abgegeben. Aufgrund
des Inhalts des Katholischen Katechismus muss man
jedoch stark vermuten, dass auch heute in den
Köpfen der Theologen der Gehörnte als Bild des
Teufels umherspukt. Dabei ist in diesem
Jahrhundert eine nicht immer gradlinige
Entwicklung festzustellen. Ein Wendepunkt war das
II. Vatikanische Konzil. Vorher (Katechismus von
1956) wird noch deutlich von dem
"Verbrechen" Sünde geredet, das den
Menschen den Weg zu Gott in den Himmel verbaut
und sie in die Hölle oder nur ins Fegefeuer
schickt. Durch die Illustration und das Zitat
Mt.4 (Versuchung Jesu) wird hier die
Personifikation des Bösen in alter Form
wiederbelebt. Die vierzehntägliche Beichte oder
fast tägliche Kommunion sind Voraussetzung für
den Ablass, der einen von Sünden auf bestimmte
Zeit entschuldet bis hin zu ewiger
Sündenfreiheit, die nur der Papst aussprechen
kann im heiligen Jahr. Durch diesen Ablass wird
die ganze Welt von ihren Sünden befreit. Auch
der Glaube vom Vorhandensein des Fegefeuers zeigt
noch einmal eine wirklich blühende, paranoide
und schreckliche Phantasie. Durch das Gebet für
die Armen Seelen, die zwar in der Gnade, aber
dennoch nicht schulfrei gestorben sind, werden
die Lebenden verantwortlich für die Dauer der
Höllenqualen der Ahnen. Dies gilt nicht für
diejenigen, die in der Todsünde sterben. Für
sie kann man gar nichts tun, Diese "werden
immerfort von ihrem bösen Gewissen gepeinigt und
wohnen in der Gemeinschaft der bösen Geister und
der anderen Verdammten." (Absatz 130)
In der
Deutschen Ausgabe des Holländischen Katechismus
von 1968 wird mit den Spekulationen über das
Fegefeuer weitgehend abgerechnet. Das Fegefeuer
wird als germanisches Erbe hingestellt. Die
Läuterung als "totale, endgültige
Hinwendung zum Lichte Gottes" (S. 527) wird
zum Mittelpunkt der Betrachtung. Das Gebet für
die Verstorbenen ist hier in seiner Dauer
eindeutig vom Lebenden zu bestimmen. Es fällt
auch auf, dass dieser Katechismus nicht mehr in
der Pauk-Version mit Lernsprüchen daherkommt,
sondern die Läuterung bewusst im Zusammenhang
mit der "Auferweckung am Jüngsten Tag"
darstellt und sogar die Nähe der
protestantischen Vorstellungen betont.
Der
aktuelle Katechismus von 1993 kennt diese
Annäherung nicht. Die Endgültigkeit der
Verdammnis beim Sterben in Todsünde wird -
diesmal unter Betonung der freien Entscheidung
gegen Gott - wieder herausgestellt und die
Luzifer-Legende endgültig (?) zur kirchlichen
Lehre erhoben(vgl. Anhang Zitat aus dem
Katechismus von 1993). Kein Wunder, dass die
Zitate nicht vorrangig aus der Bibel, sondern der
kirchlichen Tradition entnommen sind. Diese
Formulierungen können wohl als Kehrtwende
Richtung Mittelalter bezeichnet werde.
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