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Teuflische Streifen – Der Teufel im Kino

Traditionelle Verarbeitung des Teufelsmotivs

Der Teufel in der Komödie

Der Teufel im Action-Film

 

 

 

 

Traditionelle Verarbeitung des Teufelsmotivs

In der Geschichte des Films lassen sich mehrere Stränge der Verarbeitung des Höllenmotivs ausmachen.

Während in den 20er Jahren Filmemacher wie Georg Wilhelm Pabst verwinkelte Häuser als stilisierte Höllen inszenierten, verlegen neuere Filme die Hölle vornehmlich in den Dschungel der Großstadt, z.B. nach New York in Mario von Peebles "New Jack City", ohne die Verbindung explizit zu machen. Anders in Science fiction-Filmen wie Alien3, in dem ein ferner Planet als hoffnuungslose Strafkolonie gezeigt wird, auf den das Alien als menschenvernichtendes Monster gebracht wird. Eine Sonderrolle spielen die Filme von Roman Polanski ("Rosemaries Baby"), dessen persönliches Schicksal durch satanistisch motivierte Morde geprägt wurde. Seine Filme arbeiten vielfach wie ein kleines Theater die Angst der Menschen in anonymen Wohnsilos heraus.

In der aktuellen Filmproduktion werden diese Richtungen weiterentwickelt. Neben Action-Filmen verarbeiten aber auch zunehmend Komödien den Teufel. Für beide Richtungen hier Beispiele:

 

 

 

 

Der Teufel in der Komödie

In "Teuflisch" (original "Bedazzled") ist Elliot der Trottel der Firma, gutmütig aber nervig und allenfalls geduldet. Seine Versuche, eine Kollegin auf sich aufmerksam zu machen, enden im Fiasko. Da wendet sich sein Schicksal und beschert ihm eine mysteriöse rotgekleidete attraktive Frau, die ihm im Gegenzug für seine Seele sieben Wünsche erfüllen will.

Die nun folgenden Erfüllungen haben allerdings jeweils ihren Haken, so dass er auch als Supersportler, Hochintellektueller etc. bei den Frauen nicht zum Zuge kommt. Der Plot scheint hiermit vorgezeichnet zu sein. Eine der wenigen Überraschungen ist die Einsicht Elliots in die Hoffnungslosigkeit des Spielchens mit der Teufelin. Als er sich weigert, weiter zu wünschen, lernt er dann aber die Hölle von innen kennen. Doch selbst damit kommt die Teufelin nicht zum Ziel, entlässt ihr Opfer mit guten Wünschen und wendet sich dem nächsten zu. Der Geläuterte versucht hinfort nicht mehr, mehr zu scheinen als zu sein und findet gerade damit das happy-end.

Der Teenager-act kletterte kurz auf den Charts nach ganz oben, wird aber wohl kaum die nächste Saison erleben. Verklemmte Sexualität und Höllenangst zusammenzubringen, ist nun auch nicht besonders originell.

Für die gleiche Zielgruppe wurde wohl auch "Little Nicky – Satan Junior" gemacht, der vor allem durch sein teuflisch schlechtes Benehmen auffällt bei dem Bemühen, die Familienkonflikte in himmlischen Gefilden zu lösen. Hier geht es um Nachfolgeprobleme in Satans Dynastie, die auf der Erde ausgetragen werden.

 

 

 

Der Teufel im Action-Film

Am Ende des 2.Jahrtausends beunruhigt den Vatikan die Weissagung einer "Nacht ohne Morgen" (Filmtitel: "End of days"), falls der Teufel im Körper eines Mannes mit einer satanisch geweihten irdischen Frau ein Kind zeugt. Frei operierende und organisierte Vertreter der Kirche versuchen deshalb, die Beteiligten aus dem Wege zu schaffen. Arnold Schwarzenegger als Bodyguard fängt ahnungslos auf der falschen Seite an und sucht den Körper, dessen sich Satan bemächtigt hat, zu schützen. Der Eifrigste der kirchlichen Verfolger mit Namen Thomas Aquinus (!) wird vom Satan zunächst verletzt, dann an der Decke über seinem Krankenbett gekreuzigt. Bildzitate wie Dalis Kreuzigungsgemälde werden wild gemischt mit Anklängen an kirchliche Tradition (Frauen empfangen Stigmata und werden in Kellern verborgen, die wie Leitständen ausgestattet sind) und missverständlichen Passagen aus der Offenbarung des Johannes.

Während der Vatikan zunehmend hilflos erscheint (Papst im Rollstuhl), demonstriert Satan mit explosionsfähigem Urin seinen Zerstörungswillen. Zwischen einer Kirche im typisch amerikanischen Stil und einem heruntergekommenen Quartier, in dem sich der "Tempel" Satans befindet, schaukeln sich die Kontrahenten in mehreren Showdowns gegenseitig hoch. Zwischendurch wird auch Schwarzenegger gekreuzigt, erlebt aber eine Auferstehung. Die ist aber nur zeitweilig, da er sich zum Schluss opfern muss, um die Teufelsmutter in spe aus den Klauen des zum Monster mutierten Satans zu befreien.

Der Film zitiert scheinbar wahllos Motive aus Frankenstein (der Mob an der Kirchentür) und "Rosemaries Baby" (Rituelle Vergewaltigung) sowie aus der Legende (Arnold lehnt einen Pakt mit dem Teufel ab, obwohl er dadurch seine verstorbene Familie wiederhaben könnte). Dabei bleiben die Botschaften flach, die Männerfreundschaften auch angesichts des Todes stabil und die starke farbige Kommisarin ist von Anfang an mit Satan im Bunde.

Das Drehbuch arbeitet mit dem Halbwissen der Zuschauer und lässt Schwarzenegger die fehlenden Lateinvokabeln für uns nachschlagen. James Bond lieferte mit seinem Zerrbild des bösen Kommunismus widerspruchsärmere und damit glaubwürdigere Feindbilder.

Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass der Teufel im aktuellen Film keine Renaissance erlebt im Sinne einer neuen ethischen Auseinandersetzung, sondern eher ein Remake seiner spannendsten Charakteristika.

Auch das Fernsehen mag da nicht zurückstehen. Die Kultsendung von Stefan Raab ist vom Design her teuflisch. Vor jeder Sendung wachsen dem Medium Hörner. Sollten diese womöglich ein gespaltenes Verhältnis vieler Zuschauer zur totalen Fernsehwelt wiederspiegeln?

 

 

 

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