Jugend&Kultur&Religion
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Künstlerische Darstellung von Glaube
Verfasserinnen: Nicole Brodersen, Simone Seiler
Betreuende Lehrkraft: Imke Loock
Inhaltsverzeichnis Gebot (Einführung) Einleitung Vergleich der Darstellungen Gottesbilder? Geschichte der rel. Kunst Michelangelos Sixtina (Gott) Dürers Selbstbildnis (Christus) Schlusswort
Und Gott redete alle diese Worte: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist. Mose 2, 20 1-4
Einleitung
"Du darfst dir kein Bildnis von mir machen..." Dieses Gebot ist die Grundlage für unsere Arbeit: "Künstlerische Darstellung von Glaube". Wir setzen uns mit Bildnissen von Gott , Jesus und dem Symbol des Kreuzes auseinander. Wir wollen Schüler verschiedener Altersstufen ihre Vorstellung von Gott und Jesus darstellen lassen. Des weiteren benutzen wir die Jesusdarstellung (Selbstbildnis mit Pelzrock) von Dürer und die Gottesdarstellung von Michelangelo, der, obwohl das Gebot bestand Gott nicht abzubilden, dies tat, in der sixtinischen Kapelle. Wir haben uns dieses Thema ausgesucht, da es für uns interessant ist wie Jesus von Künstlern dargestellt wird und wie Schüler der 4. Und 12. Klasse und Künstler sich mit der Problematik der Gottesdarstellung auseinandersetzen. Da in der Bibel steht, daß Jesus als Mensch auf die Erde gekommen ist, wird er hauptsächlich in menschlicher Gestalt dargestellt. Gott dagegen kann je nach Vorstellung und Glaube verschieden dargestellt werden. Da bis heute nicht klar ist, wie mit diesem Konflikt zwischen Glaube und Kunst umzugehen ist, befassen wir uns im Folgenden mit dieser Problematik.
Vergleich der Schüler-Darstellungen von Gott (und Jesus) Darstellungen der 4.Klasse - von Gott
- Frage nach "seinem genauen Aussehen - fast immer als Mann in Zusammenhang mit Himmel und Erde - Sprüche wie "Gott lebt", "Gott ist die Welt", "Gott ist alles auf der Welt" bei einigen : "Gott ist da oben"- kein Konflikt Gott darzustellen, auch nicht als Mensch - Gott ist gütig und nie zornig - Gottesdarstellung im Zusammenhang mit der Wel - Gott als König oder Hirte - oftmals an Erzählungen der Bibel angelehnt
Darstellungen des 12.Jahrgangs - von Gott und Jesus - Frage, ob es Gott überhaupt gibt- "Es gibt keinen Gott - Konflikt Gott darzustellen - nehmen Aufgabe nicht so ernst (Alien, Fußballer usw.)- Gott ist nie als Mensch oder Gesicht dargestellt- Gottesdarstellung im Zusammenhang mit der Welt - oftmals an Erzählungen der Bibel angelehnt - Interpretationsmöglichkeiten und Fragen werden offen gelassen
Gottesbilder? Unsere heutige Perpektivlosigkeit und Selbstzerstörung resultiert manchmal aus unseren falschen Gottesbildern. Irren ist menschlich, aber erkannte theologische Unwahrheiten nicht zuzugeben und weiterhin als wahr anzunehmen , ist falsch und gerade durch die ‘Theo-Lügen’ wird man schnell aus der Bahn geworfen. In der Physik ist Irrtum auch möglich, aber Lüge hat hier keine Chance. Weil man die Objekte der Physik sehen und darum zählen, messen, nachprüfen kann. Kann man Gott sehen, nachprüfen..? Kann Gott auch ein Gefühl sein, wie z.B. Hoffnung, Sehnsucht etc. ? Ist er einfach nur ‘da’ ? Wie sieht Gott aus and what if God was one of us ? Wie kann ich Gott darstellen? Will ich es denn überhaupt? Und um genau die Darstellung von Gott, von verschiedenen Menschen geht es, wenn Schüler aus der 4.Klasse und aus der Oberstufe versuchen auf einem weißen Blatt Papier mit Stiften -oder nur durch eine Skizze- ihren Glauben , ihren Gott wenn sie glauben, einmal darstellen (können).
Geschichte der religiösen Kunst Den größten Teil der frühchristlichen Kunst findet man auf dem Gebiet des Bestattungskultes. Die ersten christlichen Bilder entstehen wahrscheinlich Ende des 2. Jahrhunderts und sind Wandmalereien in unterirdischen Grabanlagen. Später werden Wände in Häusern mit Gemälden, die religiöse Themen beinhalten, verziert. Ein Beispiel ist das Baptistertium von Dura Europos am Euphrat, das 230 errichtet wurde. Richtig setzt sich die religiöse Bilderwelt erst in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts durch. Um 370 werden Mosaike mit religiösen Motiven immer häufiger. Die Künstler in damaliger Zeit üben mit der Schaffung eines religiösen Bildes eine fromme Tätigkeit aus. Hierbei geht es ihnen nicht um den künstlerischen Effekt, sondern allein um eine gottesdienstliche Handlung. Allerdings ist es ihnen auf Grund des Bibeltextes verboten Gott selbst darzustellen. Der Bibeltext wird aus Furcht vor Gottesbilderverehrung wortgetreu ausgelegt, denn in Exodus steht geschrieben: "Und Gott redete alle diese Worte.... Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, ...." (2. Mose 20,1 und 20,4) "Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen, denn kein Mensch wird leben, der mich sieht." (2. Mose 33,20) Während der ikonoklastischen Krise zwischen 726 und 842 wird sich die Kirche der wichtigen Rolle des Bildes für die Verkündung und Verfestigung der Orthodoxie bewusst. Aber anstatt sich auf die christlichen Gedanken, die hinter dem Bild stehen, zu besinnen, wird das Bild häufig selbst verehrt, ja es werden ihm Wunderwirkungen zugesprochen. Die Folge ist ein erster Bilderstreit. Dieser Streit deutet an, dass das Verhältnis des Christentums zur Kunst voller Widersprüche ist. Der Bilderstreit ist ein 726 n. Chr. In Byzanz begonnener Kampf gegen das überhand nehmende Bilderverehrung, die zum ersten Mal 730 durch ein Edikt verboten wurde. Die Maßnahme erregte im Orient und im byzantinischen Italien die religiöse Leidenschaft. Die Gläubigen spalteten sich in Bilderverehrer, unter denen besonders die Mönche hervortraten und Bilderstürmer oder –verbrenner. Letztere unterstützte Kaiser Leo III. mit dem Hinweis auf das Bilderverbot im AT. Darin folgte ihm sein Sohn Konstantin V., der betonte, ein wirkliches Bild Christi müsse auch dessen göttliche Natur darstellen, dies aber sei unmöglich. Eine Abbildung nur der menschlichen Natur Christi bedeute eine Trennung der beiden Naturen in Christus und sei also mit dem Nestoranismus gleichzusetzen. Mehr noch als sein Vater ging er gewalttätig gegen die Bilderfreunde im griechischen Reich vor. Ihr Anwalt Joh. Von Damaskus erhob den Einwand, gerade die Inkarnation mache eine Darstellung Christi möglich. Die Bilderverehrung gelte nur dem Urbild und sei wesentlich verschieden von der Anbetung, die nur Gott gebühre. (Brockhaus) Um im Rahmen der Verbote eine Vorstellung von Gott zu vermitteln, werden zunächst bis etwa zum 12. Jahrhundert Symbole verwandt, z.B. als Feuer oder als Dreieck mit dem Auge Gottes. Später wird Jesus Christus als Abbild des Göttlichen dargestellt, denn er kann, da er sowohl göttlicher, als auch menschlicher Natur ist und als Mensch auf die Erde kam, auch als solcher dargestellt werden. Wie es die Bibelauslegung der Worte in Genesis und im Johannesevangelium zeigen: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott (...) und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." (Joh. 1, 1 und 14) "Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei,..." 1. Mose 1,26)In vielen Zusammenhängen ist Gott mitgemeint, wo Christus gezeigt wird. Da Christus als Mensch gewordener Gott abbildbar ist, die Künstler Gott selbst jedoch nicht abbilden dürfen, begnügen sie sich zunächst mit der Darstellung einer menschlichen Hand. Diese reicht aus einer Wolke heraus und somit aus dem Unbestimmten, als Synonym für eine Abbildung von Gott. Erstmals wird mit dieser Hand ein Teil von Gott und nicht mehr Gott in Gestalt eines Symbols gezeigt. "Die Kunst gilt als jener bewußte Schritt über den Abgrund zwischen Erfahrung und Entwurf, welcher das Unbestimmte gestaltet." (dtv Lexikon der Kunst 6, 1996) In der Reformationszeit im 14. Und 15. Jahrhundert verurteilen besonders die Kalvinisten, streng an das mosaische Gesetz gebunden, jede bildliche Darstellung Gottes. Die katholische Kirche bleibt weiterhin großzügig, so entsteht der Schöpfergott Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle um 1530. Immer spielt eine zunehmende Plastizität der Darstellung von Gott und Jesus eine große Rolle. Da Gott auch in der Bibel menschliche Eigenschaften hat wird die Darstellung von Gott in menschlicher Gestalt toleriert: "Und Gott sprach...." (1. Mose 1,3) "...und Gott sah..." (1. Mose 1,4) "...und Gott segnete sie und sprach..." (1. Mose 1,22) "Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen nach unserem Bilde..." (1. Mose 1,26) "Als sie nun hörten, wie Gott der Herr in der Abendkühle im Garten wandelte.." (1. Mose 3,8) "Als Gott Adam schuf, machte er ihn Gott ähnlich..." (1. Mose 5,1) Denn Kirchenkunst soll durch Details beweisen, überzeugen, erschüttern und den liturgischen Kult vervollständigen. Die Malerei nimmt nicht nur eine schmückende Rolle ein, sondern soll auch unterrichten und die Gläubigen belehren. Im Rahmen der verschiedenen künstlerischen Auslegungen der Dreifaltigkeit wird Gott am Ende des Mittelalters gegen das 15. Und 16. Jahrhunderts als bärtiger Greis , als Priester und als Papst dargestellt. Auch in der Renaissance haben Künstler auf Grund ihres steigenden Selbstbewusstseins den Drang, Gott im Bild darzustellen. In den häufig vorzufindenden Trinitätsdarstellungen wird er als machtvoller alter Mann gemalt. Er wird unverkennbar als alleiniger Herrscher des Himmels gesehen. Als segnender Greis über die fruchtbare Erde, behält Gott im 19. Jahrhundert in der Malerei weiterhin große Bedeutung. Während das Christusbild in der Kunst des 20. Jahrhunderts fortlebt, ist das Bild Gottes wieder verschwunden.
Michelangelos Sixtinische Kapelle Die Malereien in der Sixtinischen Kapelle wurden am 10. Mai 1508 begonnen und 1511 abgeschlossen. Die Decke ist in neun Spannbögen und je einen Gewölbekopf vorne und hinten eingeteilt. Die Darstellung der gesammten Menschheitsgeschichte wird mit der Schöpfungsgeschichte begonnen und endet mit der Darstellung des jüngsten Gerichts an der hinteren Wand der Kapelle hinter den Altar. Im Vergleich zur ursprünglichen Planung, ist die tatsächliche Dekoration ikonographisch viel komplexer. Es ist eher unwahrscheinlich, dass der Papst Michelangelo diesbezüglich volle Handlungsfreiheit gelassen hat, auch wenn Michelangelo dies ausdrücklich betont. Es wird vermutet, dass er sich , zumindest was die Ikonographie betrifft, Theologen vom päpstlichen Hofe zu Rate gezogen oder der Papst einen groben Entwurf zur Genehmigung vorgelegt hat. Spezialisten meinen, dass Michelangelo dem Gesammtwerk eher einen dynamischen, als illusionistischen Charakter gegeben hat. Die möglichen theologischen Quellen reichen von Benvaturas Lignum Vitae bis zu Augustinus` De Civitate Die. In einigen Punkten wird der Bilderzyklus heute ganz unterschiedlich interpretiert. Doch hinsichtlich der Sinnbezüge zwischen den einzelnen Szenen herrscht Einigkeit. Diesen Bezügen liegt ein System von gedanklichen Verknüpfungen und typologischen Übereinstimmungen zu Grunde, das sich im Laufe der jahrhundertelangen Auslegungstradition der heiligen Schrift entwickelt hat. Für den modernen Betrachter ist dieses umfangreiche und komplexe System nur schwer zu durchschauen, woraus sich auch die interpretatorischen Abweichungen erklären lassen. In dem um die Mittelzone verlaufenden Bereich verweist die Darstellung der Propheten und Sibyllen auf eine Bedeutungsebene, die über die historische und wörtliche Bedeutung der Szenen des Alten Testaments hinausgeht. Diese werden als Präfiguration der neutestamentlichen Ereignisse verstanden und stehen im Zusammenhang mit dem Erlösungsplan, den die Propheten und Sibyllen dank ihrer Gabe der göttlichen Erleuchtung vorausgesehen haben. Die Trunkenheit Noarchs wird als die Figur des verspotteten Christus interpretiert, die Sinnflut als die Taufe, das Opfer Noarchs als Passion und so weiter bis zur Scheidung von Licht und Finsternis als die Präfiguration des Jüngsten Gerichts und des Weltendes. J. O`Malley bemerkte, dass vermutlich auch in der Sixtina gehaltene Predigten einen Einfluss ausgeübt haben, in denen zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Güte und Würde Gottes und Christi in ihren Taten, angefangen bei der Schöpfung, in Form von Lobreden gepriesen wurde. Gepriesen wurde aber auch die Würde des Menschen, der nach dem Ebenbild Gottes geschaffen war. Diese Würde wurde durch die Menschwerdung Christi auf einer höheren Ebene als vor dem Sündenfall wiederhergestellt.
Vierter Spannbogen – Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies Zwischen zwei Stichkappen mit den Vorfahren Christi ist im großen Bildfeld der Sündenfall und die Verreibung aus dem Paradies dargestellt. Beide Szenen sind durch den Baum der Erkenntnis getrennt, um den sich die Schlange in Gestalt einer verführerischen Frau windet. Links ergreift Eva die Hand der Frau und auch Adam wendet sich Richtung Schlange und Baum. Beide Adam und Eva scheinen durch Baumkrone und Fels geborgen, doch neben Eva steht ein kahler Ast, der auf das drohende Unheil hinweist. Rechts verweist ein Engel die beiden mit einem Schwert aus dem Paradies in die kahle Welt. Es scheint als seinen sie in ihrer gebeugten Körperhaltung und mit ihren von Reue und Schmerz und Angst verzerrten Gesichtern als seine sie plötzliche gealtert. In diesem Bildfeld nimmt der Engel die Stelle Gottes ein, wie Gott richtet er zornig mit dem Schwert.
Fünfter Spannbogen – Erschaffung Evas Dieses Bildfeld befindet sich zwischen der Cumäischen Sibylle und dem Propheten Ezechil in der Deckenmitte. Das Bildfeld ist von vier Ignudi und zwei Bronzemedallions gerahmt. In diesem Bildfeld wird der Gegensatz von Schalen und Wachen besonders deutlich. Während Eva voller Kraft zu Gott aufsteht, liegt Adam völlig kraftlos neben einem Baumstumpf an einen Felsen gelehnt. Eva schient weniger aus der Rippe Adams erschaffen worden zu sein, sondern löst sich aus dem Fels hinter ihr. Sie hat den Mund leicht geöffnet als täte sie die ersten Atemzüge. Betend hält sie ihre Hände gegen Gott gerichtet, der gebieterisch die Hand hebt und Eva mit dieser hinauf zu führen scheint. Auf Grund seiner Kleidung, dem violetten Mantel und der roten Tunika, die er auf allen Bildern der Schöpfungsgeschichte trägt, und seiner Haltung wirkt er majestätisch und würdevoll, aber auch wie ein Vater, der liebevoll das von ihm Geschaffene betrachtet, der Blick ist kraftspendend und eindringlich. Im Gegensatz zur Darstellung im Sündenfall, wirken die Körper Adams und Evas jugendlicher. Sechster Spannbogen – Erschaffung Adams Die Erschaffung Adams ist in einem der größten Deckenfelder dargestellt. Die seitlichen Stichkappen zeigen weitere Vorfahren Christi. Es ist das vielleicht berühmteste Bild der Sixtina. Hier ist eines der höchsten Ideale der Renaissnacezeit versinnbildlicht: Die Würde des als Ebenbild Gottes geschaffenen Menschen. Ein wenig kraftlos streckt Adam den Arm zu seinem Schöpfer aus, der von Engeln getragen heranschwebt. Beide Gott und Adam sind ein Ausdruck von Kraft und Vollkommenheit. Hinter Gott, der sein rosa Gewand trägt und der Engelschar, die skeptisch und neugierig auf das Erschaffene blickt, bläht sich der violette Mantel Gottes wie eine schützende Wolke um den Schöpfer auf. Sie werden zum Sinnbild der Vitalität und Energie, die von Gott auf die nach seinem Ebenbild geschaffene Kreatur übergeht. Dem jugendlichen im Profil dargestellten Gesicht Adams fehlt es noch an charakterhaft ausgeprägten Zügen. Das Antlitz Gottes mit den grauen Haaren und dem langen Bart dagegen ist reif und ausdrucksvoll.
Siebter Spannbogen – Scheidung von Himmel und Wasser Zwischen den Figuren der Ignudi und den Bronzemedallions, ist die dritte Episode der Schöpfungsgeschichte dargestellt. An den Seiten befinden sich der Prophet Daniel und die Persische Sibylle. Die Darstellung des frei im grenzenlosen Raum schwebenden Gott. Auch in der Erschaffung Adams erscheint er schwebend, nähert sich hier jedoch dem Stück Erde auf dem Adam liegt. Bei der Erschaffung Evas hingegen steht er ganz auf der Erde. Die einheitliche Darstellung der drei Szenen der Erschaffung der Welt ist möglicherweise eine Anspielung auf die Dreifaltigkeit. Wie auch bei der Erschaffung Adams wird Gott von einer Engelschar getragen, er trägt das rosa Gewand, das diesmal langärmlich ist, sein Mantel ist auch hier wie eine Wolke aufgebläht. Seine Augen scheinen geschlossen zu sein, wie bei jemandem, der sich viel Liebe und Mühe um etwas zu schaffen aufbringt. Zur perspektivischen Verkürzung sagte Vasari: "... an der Decke sieht man eine Gestalt in Verkürzung, die, wohin man in der Kapelle gehen mag, sich stets im Kreise zu drehen scheint." Neu ist die Geste der ausgebreiteten Arme. Durch sie und die gebieterische Handbewegung erhält die Darstellung ihre beeindruckende Intensität.
Achter Spannbogen – Erschaffung der Sonne und des Mondes Die beiden Stichkappen zeigen Familienszenen mit Vorfahren Christi. In dem Bild dazwischen, der Erschaffung von Sonne und Mond ist die Metapher des Fluges verwendet, eine Bewegung voller Energie wie ein heftiger Wind oder ein Sturm. Nur in der Erschaffung Evas ist Gott in Ruhe dargestellt. In allen anderen Bildern der Genesis wird die lebenspendende Kraft des Schöpfers durch eine betonte Dynamik und ausgeprägte perspektivische Verkürzungen vor dem Hintergrund des unendlichen Himmels sichtbar gemacht. Die Figur Gottes erscheint bei der Erschaffung der Sonne und des Mondes zweimal. In den rechten zweidritteln des Bildes scheint Gott die Sonne in den Vordergrund und den Mond in den Hintergrund zu weisen. Er trägt wieder sein rosa Gewand und ist von einer Schar Engel umgeben. Sein Gewand scheint von Szene zu Szene prunkvoller zu werden. Besonders der angestrengte Gesichtsausdruck zeigt Gottes Kraft sogar Gestirne zu erschaffen. Im linken drittel des Bildes ist Gott von hinten zu sehen, hier lässt er durch eine gebieterische Geste die ersten Grasbüschel und Sträucher auf der kargen Erde entstehen.
Neunter Spannbogen – Scheidung von Licht und Finsternis Zwischen den Ignudi und den bronzenen Medallions ist die erste Episode der Schöpfungsgeschichte dargestellt. An den Seiten befinden sich die Libysche Sibylle und der Prophet Jeremia. Der in Unteransicht dargestellte Gott durchquert diagonal den unendlichen Raum und lässt mit der Geste seiner erhobenen Arme in der bedrohlichen Dunkelheit Lichtwirbel aufscheinen. In dieser Geste liegt der eigentliche Beginn der Erschaffung der Welt. Die Arme sind kräftig dargestellt, damit wird verdeutlicht, wie Gott das Licht nach oben und in einer kreisenden Bewegung im Raum verteilt.
Das Jüngste Gericht Das Jüngste Gericht wurde auf Wunsch Papst Paul III. auf die Rückwand der Sixtina hinter dem Altar gemalt. Michelangelo setzte sich zwar intensiv mit der ikonographischen Tradition auseinander, entfernte sich aber bald von ihr. Mit seinem Entwurf wandte er sich vom geordneten Bildaufbau der traditionellen Darstellungen des Jüngsten Gerichts ab und gestaltete es sehr viel bewegter. Im Mittelpunkt des Freskos steht die Figur des göttlichen Richters Christus mit der Gottesmutter. Er ist von einem dichten aufgewühlten Doppelkranz von Aposteln, Propheten und Patriarchen, Sibyllen und Frauen des Alten Bundes, Märtyrern, Jungfrauen und Heiligen umgeben. Anders als gewöhnlich ist er nicht ruhend dargestellt, sondern erhebt sich über der Erde mit dem rechten Arm über dem Kopf und dem linken Arm über der Seitenwunde. Der, trotz der vielen gegensätzlichen Bewegungen, ungewöhnlich einheitliche Eindruck des mit hunderten von Figuren bemalten Freskos entsteht dadurch, dass alle Figuren in ihren Gesten der drehenden Bewegung Christus` folgen. Durch diese Bewegung wird dessen zentral beherrschende Stellung unterstrichen. Doch noch bevor Michelangelo das Fresko fertiggestellt hatte, löste es schon widersprüchliche Reaktionen aus. Anschuldigungen der Öbzönität, der Anstößigkeit und des Verrates an der historischen Wahrheit und der Glaubenslehre wurden laut. Später wurde sogar der Vorwurf der Ketzerei geäußert. Doch weder Paul III. noch sein Nachfolger Julius III. kamen der Forderung Das Fresko zu zerstören nach. Doch unter Paul IV. und Pius IV. Bestand für Michelangelo ernsthaft die Gefahr vor des Heilige Offizium gebracht zu werden. Das Fresko wurde zwar nicht zerstört jedoch verhüllt. Man einigte sich schließlich mit der Kommission des Konzils auf eine Teilweise Verhüllung was die Bedeckung des als obszön betrachteten Bereiche des Freskos. Später bezeichnete man Michelangelos Werk sogar als Vollkommenheit der Kunst. Es wurde allerdings auch später unterschiedlich beurteilt und unterschiedlich gedeutet. Einige sahen es als ein mit der offiziellen Kirchenlehre in Einklang stehendes Bild, als eine Art bedrohliches Memento der Zerbrechlichkeit der menschlichen Natur und ihres unbezwinglichen Hangs zur Sünde. Andere hingegen erkannten in ihm Einflüsse innerkirchlicher Reformbewegungen. Im Gegensatz zu heute bekannten Christusdarstellungen, ist der Christus nach Michelangelo dem damaligen Schönheitsideal angeglichen und verkörpert die Vollkommenheit. Eine Vollkommenheit die auch der Adam Michelangelos zeigt, beide Personen Adam und Christus sind sehr ähnlich gestaltet. Gott ist weise und erfahren, mächtig und gütig dargestellt, das hebt seine hohe Stellung hervor, nur wenige weitere Personen sind ähnlich dargestellt, sind dann aber nicht so prunkvoll gestaltet. Christus wird durch seine Größe, die zentrale Position und den Heiligenschein hinter ihm hervorgehoben.
Albrecht Dürer: Selbstbildnis im Pelzrock 1500, Öl auf Lindenholz,, 67,1x 48,7cm Alte Pinakothek München "Dieses Selbstbildnis ist Dürers berühmtestes und zugleich das letzte der drei gemalten Selbstporträts. Zum ersten und zum letzten Mal in der abendländischen Kunstgeschichte stellt sich hier ein Künstler im Christusschema dar. In der idealisierten Erscheinung tritt uns Dürer in der ‘Imitatio Christi’, der Nachfolge Christi, entgegen. Im täuschenden Illusionismus, mit dem das Bild gemalt ist, verweist er jedoch auch auf die antike Künstlerlegende des Appelles, mit dem er von zeitgenössischen Humanisten verglichen wurde." (Anja-Franziska Eichler:Albrecht Dürer-Könemann Verlag 1999) Albrecht Dürer bildet sich in diesem Bild selbst als Jesus dar, erkennbar durch sein Gesicht, seine Haarpracht, der Kreuzkomposition. Da er sein Alter in der Inschrift mit 28Jahren angibt, muß das Gemälde noch vor dem 21.Mai, dem Geburtstag Dürers, entstanden sein.Ohne das Wissen um den humanistischen Gehalt der Tafel könnte man aus heutiger Sicht annehmen, daß das Selbstporträt Dürers damals provokativ wirkte, stellte sich hier doch zum ersten und zum letzten Mal in der abendländischen Kunstgeschichte ein Künstler in Komposition und Typus christusgleich dar. Strenge Frontalität war bis dahin Christusdarstellungen vorbehalten, Bildnisse folgten traditionell dem Schema des Halb- und Dreiviertelprofils. Dürer wendet auf sein Selbstbildnis das geometrische Proportionsschema an, das seit der byzantinischen Kunst den Darstellungen Christi zugrunde lag und ihm vorbehalten war. Durch dieses Schema erscheinen Christus Bilder als ‘vera icon’, als wahrhafte Porträts des Heilands. Obwohl Dürer seine Besonderheiten, die große Nase und die unterschiedlich großen Augen, naturgetreu wiedergegeben hat, erhält das Selbstbildnis durch die feine, illusionistische Malweise einen sogenannten ‘Schmelz’. Dürer greift mit der Hand, deren Haltung an den Segensgestus Christi erinnert, in seinen vornehmen Pelzrock. Dem Auge als neben der Hand zweiten ‘Werkzeug’ des Malers kommt besondere Bedeutung zu. So spiegelt sich in der Iris des Dargestellten ein Fensterchen, welches nicht als naturalistische Übertragung des Werkstattfensters, sondern als Ausdruck für den antiken Topos ‘oculi fenestra animae’ , dem Auge als Fenster der Seele, zu verstehen ist. Der dunkle Hintergrund unterstützt die Konzentration auf die Gestalt des Künstlers. Die Inschrift auf lateinisch bedeutet: Ich, Albrecht Dürer von Nürnberg, malte mich so mit unvergänglichen Farben im Alter von achtundzwanzig Jahren. Dies bekräftigt die Intension, ein Bildnis für die Ewigkeit zu schaffen. Auch den Vergleich mit dem mittelalterlichen Philosophen Albertus Magnus (um 1206-1280) scheut er nicht und betont, daß Gott beiden ähnliche schöpferische Kräfte verliehen habe. Diese Quellen beweisen, daß Dürer im Selbstporträt die Gott verliehene ‘natürliche’ Christusähnlichkeit des Künstlers in seine Eigenschaft als Schöpfer zum Ausdruck brachte. Insofern erscheint Dürer hier als der neue christliche Apelles, der sich als Schöpfer im Dienste Gottes sieht und als solcher eine zukunftsweisende Rolle einnimmt. Eine frühere Deutung verband die Christusähnlichkeit des Bildes mit dem Willen zur Nachfolge, zur ‘Imitatio Christi’ nach dem gleichnamigen und im Spätmittelalter weit verbreiteten Buch des religiösen Mystikers Thomas a Kempis (1379/1390-1471). Das Selbstbildnis im Pelzrock von 1500 bildet gleichzeitig den Höhe- und den Schlußpunkt der drei gemalten Selbstporträts.
Schlusswort Über Jahrhunderte hinweg wurde Gott als Mann präsentiert, z.B. Michelangelo stellt Gott in männlicher Form dar: ein alter Mann mit weißem Bart. Wenn Gott ein Mann ist, stellt sich die Frage ob das männliche dann auch etwas göttlich ist. Getreu diesem Motto galt der Mann über Jahrhunderte als das Abbild des Schöpfergottes, während die Frau ihm als ‘Helferin’ beistand. Die Frau war das Irdische, die Erbsünde, das ‘Menschliche’ , der Mann war Gott ähnlich und galt als das Heilige. Wer genauer hinschaut entdeckt Gottesdarstellungen schon in weiblicher Form. Der Heilige Geist ist hebräisch übersetzt ein weibliches Wort: "ruach". In der Jackobskirche, im bayrischen Urschalling, gibt es eine Dreifaltigkeitsdarstellung aus dem 14. Jahrhundert: eine junge Frau, mit vollen Lippen und langen Haaren, in der Mitte von Jesus und einer männlichen Gottesgestalt. Der Heiligenschein der schönen Ruach ist sogar etwas höher, größer und strahlender. Ist Gott also ein Mann oder eine Frau? Zu dieser kann man zusammenfassend nach einer kleinen Umfrage sagen, dass Gott weder ein Mann noch eine Frau ist. Gott ist Gott, und der Mensch ist der Mensch. Nicht Gott ist das Geschlechtliche, sondern er hat den Menschen als geschlechtliches Wesen geschaffen. Gott beinhaltet, so die Meinung vieler Menschen, all das, was er in uns Menschen geschaffen hat : das ist das Menschsein, das Personensein ; Gott ist anders! Der Glaube an Gott, egal in welcher Form, bleibt jedem Menschen selbst überlassen. Unsere Arbeit soll nicht wie eine Vorgabe fungieren, vielmehr soll sie zum Nachdenken anregen.
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