Jugend&Kultur&Religion
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fliege – Die Talkshow Kann eine Talkshow mit Pastor der Jugend endlich wieder Bezug zur Religion geben?
VerfasserInnen: Stephan Bechstedt, Sönke Tangermann, Patricia Post, Esther Kindler, Katrin Lunze, Sonja Kogelheide
Betreuende Lehrkraft: Eckhard Pfeiffer
Inhaltsverzeichnis
Einleitung fliege – Die Umfrage fliege – Die Biografie der Talkshow und des Talkmaster fliege – Die Talkshow fliege – Der Vergleich fliege – Das Resumé Quellenangaben
fliege – Wirklich nur was für alte Menschen? Wieso haben wir uns dieses Thema ausgesucht? Gute Frage! Warum eigentlich? Hier kommt nun die Erklärung. Natürlich wurde hin und her überlegt, was man als Thema für den Wettbewerb "Jugend - Kultur - Religion" so nehmen könnte. Uns war klar, dass es eigentlich etwas mit Medien zu tun haben musste. Medien sind immerhin heut zu Tage für die Jugend das wichtigste Unterhaltungsmittel. Aber was haben die Medien mit Religion zu tun? Da kam uns dann Jürgen Fliege in den Sinn. Ein Fernsehpastor! Das war genau das, wonach wir gesucht hatten...
Wettbewerbsthema: Jugend - Kultur - Religion Jugend, weil... ... es eine Talkshow und somit Mediengeschehen ist. Kultur, weil... ... Fernsehen nun mal Kultur bedeutet. Außerdem schreibt Fliege ja auch Bücher. Religion, weil... ... Jürgen Fliege evangelischer Pastor ist und somit den Bezug zur Kirche darstellt.
Somit stand das Thema fest... Doch noch lange nicht das gesamte Werk! Denn, wie bringt man Jürgen Fliege mit der Jugend in Verbindung? Es kamen Sprüche wie "Das guckt meine Oma", "Das ist doch was für Scheintote", etc. Sehr motivierend! Aber gerade da wollten wir ansetzen: Ist die Talkshow Jürgen Fliege wirklich nur was für alte Menschen? Wenn ja, warum? Wer kennt in unserer Generation überhaupt Jürgen Fliege? Da war die erste Aufgabe geboren: Es musste eine Umfrage her! Das Ergebnis davon sehen Sie ein paar Seiten weiter. Außerdem war uns klar, dass erst mal Jürgen Fliege inklusive Talkshow vorgestellt werden mussten. Also wurde geforscht (per Internet, in Büchern, etc.)! Wir sahen uns Sendungen an und bekamen immer mehr Zugang zum Thema. Auch wussten wir bald, dass Jürgen Flieges Shows anders waren als die Shows, die sich die heutige Jugend ansieht. Sprich Arabella oder Andreas Türck. Also musste man vergleichen. Am Ende wollten wir dann abschließend unsere Arbeit werten und den abschließenden Bezug zum Wettbewerbsthema herstellen. Wir hoffen, dies ist uns auf den folgenden Seiten gelungen. Wenn es auch nicht immer einfach war!
fliege – Die Umfrage Als wir das Thema "Jürgen Fliege" auswählten, wollten wir zunächst einmal wissen, wie die Schüler an unserer Schule darüber denken und ob sie ihn überhaupt kennen. Das heißt, wie die Jugend über Jürgen Fliege und seine Talkshow denkt. So starteten wir eine Umfrage in unserer Schule, wobei wir aus jeder Klassenstufe (außer der 9. Klasse, da zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend) eine gesamte Klasse (Durchschnittzahl der Schüler ca. 25) befragten. Dabei wurde zwischen Jungen und Mädchen unterschieden und darunter, welcher Religion sie angehören. Danach stellte wir folgenden Fragen: - Kennst du Jürgen Fliege?Was verbindest du mit dem Namen? - Hast du die Talkshow schon gesehen? Wenn nein, warum nicht? - Spricht sie die Jugendlichen an? Wenn nein, warum nicht? - Hat die Talkshow etwas mit Religion zu tun? Begründe deine Meinung! - Findest du die Idee gut, dass ein Pastor eine Talkshow moderiert? (Fragebogen am Ende dieses Kapitels!) Anhand dieser Fragen sollten die drei Themengruppen "Jugend – Kultur – Religion" miteinander verbunden werden. Dabei waren die Schüler unserer Schule die Jugend, das Fernsehen die Kultur und der Pastor mit seiner eigenen Talkshow die Religion. In unserer Schule werden hin und wieder Umfragen durchgeführt, so dass wir davon ausgingen, dass nicht alles gefälscht sein würde, was angekreuzt werden würde. Außerdem sahen wir die Schüler unserer Schule ganz gut als Grundlage der Umfrage, da alle Fachrichtungen und Interessen unter ihnen vertreten wurden und es somit nicht nur einseitige Antworten geben würde. Da das Fernsehen inzwischen bei fast jedem Haushalt vorhanden ist, und darum auch bei vielen zum täglichen Leben dazu gehört, nahmen wir es als Informationsquelle unserer Umfrage für die Befragten. Meistens gehen Jugendliche aber nicht mehr in die Kirche, sondern lassen sich konfirmieren und sahen da das letzte Mal den Kirchenraum von innen. So konnten wir keinen jeden Sonntag stattfindenden Gottesdienst als Grundlage unserer Umfrage wählen, da vielleicht kaum einer die Fragen hätte beantworten können. Daher suchten wir die Talkshow "fliege" aus, da, wie schon gesagt, fast jede Familie einen Fernseher hat und somit die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass die Sendung schon einmal gesehen wurde oder zumindest vom Namen her bekannt ist wie viele andere Talkshows am Nachmittag.
Auswertung: Insgesamt haben 133 Schüler den Umfragebogen ausgefüllt. Darunter waren 72 Jungen und 61 Mädchen. Das Durchschnittsalter lag bei 15 Jahren. 74% aller Beteiligten waren evangelisch, nur ein ganz geringer Teil (6%) katholisch. Der Rest kreuzte Sonstiges an.Viele Jugendliche kennen Jürgen Fliege (78%), wenn auch nur flüchtig, da sie ihn mindestens beim "durchzappen" der Programme kurz gesehen haben (51%). Fast alle von ihnen, die die Sendung schon einmal gesehen haben, finden diese nicht geeignet für Jugendliche (von 105 Teilnehmern an der Umfrage haben 82% so befunden), da sie ihrer Meinung nach nur "für Rentner" ist, sie "langweilt" oder "zu unspektakulär" verläuft. Auf die Frage, ob die Talkshow etwas mit Religion zu tun hat, haben 56% der Befragten mit "teilweise" geantwortet und ihre Antwort mit der Tatsache begründet, dass Jürgen Fliege Pastor ist. Außerdem werde ihrer Meinung nach viel über religiöse Themen gesprochen und diese vor allem nicht so oberflächlich behandelt. War bis jetzt ein deutlicher Trend gegen die Talkshow zu bemerken, spalteten sich die Meinungen der Jugendlichen bei der abschließenden Frage, ob es gut sei, einen Pastor eine Talkshow moderieren zu lassen. 18% fanden dies eine durchaus denkbare Möglichkeit, 12 % war es egal, 34% waren strickt dagegen, da es nicht erfolgsversprechend sei, und immerhin 21% befürworteten diese Methode, eine Talkshow zu führen. Die Begründung dafür lautete, dass es nicht dasselbe sei wie alle anderen Talkshows oder, weil man dadurch sähe, dass es auch noch seriöse Fernsehsendungen gibt!
Fazit: Im Großen und Ganzen scheint die Jugend in dieser Beziehung nicht viel mit Religion zu tun zu haben, da sich fast immer mindestens die Hälfte der Befragten gegen die Talkshow aussprach, sie für Ältere hielt oder viele sie erst gar nicht kannten. Wir wissen nicht, ob dies oftmals an den Themen liegt. Aber da viele bei dieser Umfrage sagten, die Talkshow sei zu unspektakulär, könnte es sein, dass die Jugend von heute mehr "Action" in allen ihren Interessen braucht. Kann also sogar das Fernsehen, das Unterhaltungsmittel Nummer Eins bei der Jugend, den Jugendlichen die Religion nicht mehr "näher bringen" bzw. "schmackhafter" machen? Auf den nächsten Seiten befinden sich dann der Umfragebogen und die dazugehörigen Auswertungen.
Umfragebogen der Umfrage am Gymnasium Winsen/Luhe Umfrage Religionskurs 11 Projekt Jugend – Kultur – Religion Thema Talkshow Jürgen Fliege Alter:____ Klassenstufe:____ m __ w __ katholische __ evangelische Religion __ sonstiges __ 1. Kennst du Jürgen Fliege ja __ nein __ Was verbindest du mit dem Namen? ______________________________________________________________ 2. Hast du die Talkshow schon gesehen? ja __ nein __ Wenn nein, warum nicht? ( Bei nein, weiter bei 5.) _____________________________________________________________ 3. Spricht sie die Jugendlichen an? ja __ nein __ Wenn nein, warum nicht? _____________________________________________________________ 4. Hat die Talkshow etwas mit Religion zu tun? teilweise __ ja __ nein __ Begründe deine Meinung! _____________________________________________________________ 5. Findest du die Idee gut, dass ein Pastor eine Talkshow moderiert? _____________________________________________________________
fliege – Die Biografie der Talkshow und des Talkmasters Jürgen Fliege wurde am 30. März 1947 geboren. Bereits mit vier Jahren hatte er den Wunsch Pastor zu werden und setzte dies auch in die Tat um, indem er Theologie studierte. Doch schon als Theologie- Student fand er die üblichen Gottesdienste "nicht nahe genug am Menschen". Auf das Studium folgten 15 Jahre in denen er Pfarrämter in Düsseldorf, Essen und Aldenhoven bei Aachen besetzte. Beim evangelischen Kirchentag entdeckte man sein Talent als einfühlsamer und unterhaltender Moderator woraufhin er, vorwiegend im Auftrag der evangelischen Kirche, freiberuflich bei verschiedenen Fernseh- und Hörfunkstationen arbeitete. Er wurde immer wieder gebeten , große kirchliche Veranstaltungen zu moderieren. Das zunehmende Engagement in den Medien zwang ihn, das Pfarramt vorerst ruhen zu lassen, so dass er sich 1988 vom Kirchendienst beurlauben ließ und von der Evangelischen Kirche im Rheinland als Pfarrer im Wartestand bis zum Juli 2001 ohne Bezüge vom Dienst freigestellt wurde. Es folgten einige Fernsehproduktionen von Kindersendungen und die Arbeit als Programmbereichsleiter Kultur bei SAT.1. Am 28. Februar 1994 wurde die erste Sendung der Talkshow "fliege" mit dem Thema "Meine Frau war früher ein Mann" ausgestrahlt. Entwickelt wurde das seriöse Talkshow- Konzept von Johannes C. Weiss, dessen Firma "teletime" die Sendung "fliege" im Auftrag aller Landesrundfunkanstalten und unter der Federführung des Bayrischen Rundfunks seit Beginn der Talkshow produziert. Aufgezeichnet wird in Produktionsstaffeln auf dem Bavariafilmgelände bei München in Halle 8. An einem Produktionstag werden zwei, manchmal auch drei Sendungen aufgezeichnet. Um eine Folge von "fliege" zu realisieren, arbeiten von Technikern über Kameraleute bis zum Moderator rund 50 Leute daran. Doch mit der Produktion und Ausstrahlung der Sendung ist die Arbeit noch nicht getan. In der Redaktion "fliege" treffen täglich mehrere hundert Briefe ein, um die sich qualifizierte Mitarbeiter, sowie ein Psychologe kümmern. Seit 1994 sind es über eine Million telefonischer und mehr als 10 Tonnen schriftlicher Anfragen. Zusätzlich gründeten Jürgen Fliege und Produzent Johannes C. Weiss im Jahre 1995 die "Stiftung fliege", die durch die Hilfe und die finanzielle Unterstützung der vielen Zuschauer bereits vielen Menschen helfen konnte. Die Talkshow läuft mittlerweile seit sieben Jahren und feierte am 15. März 2001 die 1000. Ausstrahlung der Sendung. Mehr als 6000 Talkgäste waren in diesem Zeitraum bei Jürgen Fliege zu Gast und schütteten dort ihr Herz aus oder gaben ratsame Tipps. Über 1,5 Millionen Zuschauer schalten von Montag bis Donnerstag, den Sendetagen, ab 16:00 Uhr den Fernseher ein, um die Talkshow zu sehen, d.h. das Jürgen Fliege mit seiner Talkshow bis zu 15 Prozent der Zuschauer von der privaten Konkurrenz wegholt. Im Herbst 1996 erhielten Jürgen Fliege und sein Team dafür den BAMBI für die beliebteste deutsche Talkshow. Durch seine Äußerungen in der Juli- Ausgabe des Penthouse- Magazins, in der er Gott als "Gangster da oben" bezeichnete und die Verkündigungen des gekreuzigten Christus als "schwarze Pädagogik" hat Jürgen Fliege es sich inzwischen offiziell mit den Amtskirchen verscherzt und es gab Debatten darüber, ob man ihm die Ordinationsrechte entziehen sollte. Inoffiziell jedoch nimmt er wesentliche Aufgaben für die Kirche wahr: Er trainiert z.B. die Sprecher und Sprecherinnen für das "Wort zum Sonntag" und gründete 1999 ein privates Institut für Seelsorge und Kommunikation zur Fortbildung von Pastorinnen und Pastoren. Die Talkshow "fliege" sollte im Jahr 1999 sogar abgesetzt werden, aber es siegte die Einsicht, dass es wohl niemand anderem so schnell gelingen würde, das Vakuum im Programm gleichwertig zu füllen. Jürgen Fliege ist zudem Autor von zahlreichen Kinderbüchern (u.a. "Alles wird wieder gut", "Lieber Jürgen Fliege...-Kinderfragen zu Himmel und Erde") sowie mehrerer Lebenshilfebücher ( wie z.B. das Buch mit den Schlussgedanken aus seiner Talkshow: "Passen sie gut auf sich auf. 101 Nachtgedanken von Jürgen Fliege") Seit 1995 schreibt Jürgen Fliege regelmäßig Kolumnen für "Bild der Frau". Für viele Menschen ist Jürgen Fliege der menschlichste und einfühlsamste Fernsehmoderator. Das liegt vielleicht auch an seinem Motto, dass wahrscheinlich jeden persönlich anspricht: "Passen Sie gut auf sich auf!" Ist vielleicht diese Menschlichkeit und Vertrautheit der Grund, warum Jugendliche bei dieser Sendung eher abschalten, als dranzubleiben?
fliege – Die Talkshow Oft werden Talkshows als flach, dämlich, unintelligent usw. betitelt. Trotzdem sehen eine Menge Menschen auf der ganzen Welt Talkshows wie Fliege, Hans Meiser, Arabella oder Oliver Geißen. Auch Jürgen Fliege wehrt sich vehement gegen den Vorwurf er spiele mit den Gefühlen seiner Gäste. Für ihn hat seine Sendung seelsorgerischen Anspruch. Sie kann helfen und trösten. Aber kommt es überhaupt an, einen Pastor in eine Talkshow zu setzen? Das dachte sich auch die ARD, als sie die ersten Sendungen produzierte und wollte die Tatsache, Fliege ist ein Pfarrer, eigentlich unter den Teppich kehren. Dies ließ Jürgen Fliege jedoch nicht mit sich machen. Fliege möchte nicht der typische Pfarrer sein. Er sucht Nähe zu seinen Gästen und versteht sich eher als Psychotherapeut als als Pfarrer. Nach seiner eigenen Aussage ist er kein Pfarrer, sondern ein Heiler.
Aber was hat das jetzt noch mit Religion zu tun? Ist diese Talkshow nicht wie jede andere? Nein. Bei Jürgen Fliege hat alles eine religiöse Nebenbedeutung. Einige davon werde ich versuchen im Folgenden zu erklären: Magie: Da ist zuerst einmal der Weg von der Tür bis zum Stuhl auf der Bühne, den der Gast zurücklegen muss. Nach Fliege führt er seine Gäste in dieser Zeit über den See Genezareth. Er hilft ihnen auf diesem Weg dazu, die Scheu zu verlieren, macht ihnen Mut. Er glaubt, dass von seiner Sendung eine bestimmte Magie ausgestrahlt wird. Der Zuschauer und der Gast können sich mit dieser Sendung identifizieren. Religiöse Worte hierfür sind z.B. Magie, Entrückung, Verzauberung etc. Segen: Jede Sendung Flieges endet mit den Worten "Passen Sie gut auf sich auf." Für Jürgen Fliege ist dies gleichbedeutend mit einem Segen, den er sowohl den Gästen als auch den Zuschauern mit auf den Weg gibt. Auch wenn in diesem Segen nicht einmal das Wort Gott drin vor kommt, ist es trotzdem ein Segen für die Menschen. Sie fühlen sich dadurch viel mehr angesprochen, denn das Wort Gott hat heut zu Tage für die Menschen immer weniger Bedeutung. Gleichzeitig ist dieser Satz aber auch ein Ritual. Am Ende jeder Sendung wendet sich Fliege an den Zuschauer. Er gibt ihnen mit diesen letzten Worten Anlass noch einmal über das vorher gehörte nachzudenken. Vielleicht sogar sich damit auseinander zu setzen. Dann gibt es noch den Raum. Dieser ist eher schlicht gehalten. Nicht das Drumherum ist wichtig, sondern das Gespräch zwischen Moderator und Gast. Die Wände in blau-gelb und der Namenszug der Show in rot: Das steht für Luft, Feuer, Licht, Geist. Die Bühne (Altar?) ist erhöht und erhöht somit auch den Gast. Fliege versucht oft zwischen Zuschauern (Gemeinde) und Gast zu vermitteln. Der Boden der Bühne ist violett. Dies ist die Farbe der Buße. Trotzdem sollte man die Stühle, die auf dem Boden stehen nicht gerade Beichtstühle nennen, denn auf dem Beichtstuhl sitzt normalerweise der Priester. Als nächstes ist da noch der Gast an sich und seine zu erzählende Geschichte. Oft ist es für die Gäste schwer, ihre Geschichte zu erzählen. Sie wollen nicht alles von sich preisgeben. Da muss dann auch schon mal mehr nachgehakt und manchmal auch eine leichte Drohung ausgesprochen werden. Und als letztes gibt es noch das Publikum. Fliege meint, das er durch das Publikum seine Gäste in den Mittelpunkt rückt. Die Gäste und deren Geschichten. Am Ende jeder Geschichte gibt es Applaus. Ist das die Erlösung? Ist die Beichte nun abgelegt?
Talkshow als Beichtmöglichkeit? Eigentlich ist eine Beichte im ursprünglichen Sinne immer eine Privatsache. Sie ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Somit kann man eine Talkshow auch nicht wirklich als eine Beichte bezeichnen. Es ist eher eine öffentliche Buße, ein Geständnis. Es darf in einer Talkshow nicht gerichtet werde, so Fliege. Weder er noch das Publikum dürfen Absolution erteilen. Für das Publikum ist die Talkshow lediglich eine Stunde Unterhaltung mit der man sich identifizieren kann. Trotzdem will Fliege verhindern, das seine Gäste Opfer des Voyeurismus werden. Daher wendet er sich ihnen direkt zu und bezieht nur wenig das Publikum mit ein. Dieses bietet nur den Resonanzraum für den Betroffenen. Dieser fühlt sich verstanden und merkt, man hört ihm zu. Mehr verlangt er nicht. Auch müssen die Gäste niemals ihre Schuld eingestehen. Außerdem bitten sie nicht wie bei der Beichte um Vergebung. Also: Von einer Talkshow als Beichte kann nicht die Rede sein. Zudem werden alle "Geständnisse" zum Schluss meist von einem Experten gedeutet, um die Identifikation deutlicher zu machen. Dies sind häufig Psychologen. Die Kirche möchte, dass Fliege sich mehr seiner Pastorrolle widmet. Das heißt auch in der Sendung. Er soll Bibelworte sprechen und somit seine Sendung wirklich zu einer Seelsorgetalkshow machen. Die Öffentlichkeit will genau das Gegenteil. Das Geständnis wirkt ohne Bibelworte viel mehr, so ihre Meinung.
Was ist denn nun die Talkshow Fliege? Die einen sagen Beichte, die anderen sagen Ratgebersendung. Mit letzterem haben wir uns überhaupt noch nicht beschäftigt. In jeder Sendung wird geraten, geholfen, getröstet. Es werden Adressen für Betroffene eingeblendet etc. Viele der erzählten Geschichten sind Beispielgeschichten, die jedem passieren können. Das heißt, dass sich die Menschen, die nicht als Gäste bei Fliege, sondern als Zuschauer vor dem Bildschirm sitzen Ratschläge für ihre eigenen Probleme holen. Fliege versucht dann in seinem Schlusswort immer irgendeine Moral zu ziehen. Er sucht mindestens einen Ratschlag den er den Menschen zuhause auf den Weg geben kann. Harte Kritiker sagen sogar, Fliege wäre ein Schönredner. Er deutelt so lange auch an dem grausamsten Schicksal herum, bis man diesem auch noch etwas Gutes abgewinnen kann. Zum Abschluss muss man sagen: Diese Talkshow, von der wir gerade reden, ist auf jeden Fall anders. Ob nun unbedingt religiöser (die Themen kommen denen von Arabella schon sehr nahe!) oder nicht, dass sollte jeder für sich selbst entscheiden. Trotzdem ist die Idee einen Pastor in diese Rolle zu setzen gar nicht mal die schlechteste, oder?
fliege – Der Vergleich Talkshows sind Unterhaltungssendungen, die dazu dienen die Zuschauer im Publikum und vor dem Fernseher mit den Problemen und Geständnissen anderer Personen zu unterhalten und zu belustigen. In Deutschland herrscht mittlerweile ein regelrechter Talkshow-Boom, der einerseits auf die Verblendung und "Dummheit" der Teilnehmer und andererseits auf die Peepshow-Mentalität der Zuschauer zurückzuführen ist. Die Talkshow "fliege" unterscheidet sich bereits in diesem Punkt von allen anderen Talkshows. Sie ist eine Talkshow mit seelsorgerlichem Anspruch, d.h. Jürgen Fliege hilft und tröstet, ohne zynisch mit den Gefühlen seiner Gäste zu spielen. Im Gegensatz dazu sieht man oft in den anderen Talkshows, wie die Zuschauer mit Hilfe des Moderators, auf Kosten der Talkgäste unterhalten und belustigt werden. Jürgen Fliege selbst betont immer wieder die "religiöse und seelsorgerliche Dimension" seiner Sendung, wie z.B. die häufig vorkommenden religiösen Anspielungen in der Durchführung seiner Sendung, die dazu dienen, Trost zu spenden. Jede seiner Sendungen schließt Fliege mit der Aufforderung "Passen sie gut auf sich auf!" Er will diese Formel aber nicht als ein Appell, sondern als einen Segen verstanden wissen. Auf den Einwand, der Name Gottes käme in diesem Segensspruch gar nicht vor, antwortet Fliege mit dem Hinweis, dass man dem deutschen Publikum heutzutage mit Gott nicht mehr kommen könne und die Formel "Passen sie gut auf sich auf!" sei der Versuch einer Übertragung des englischen "God bless you" auf deutsche Verhältnisse. Ein weiterer Unterschied sind die Räumlichkeiten. Die Talkshow "fliege" spielt sich in eher bescheiden eingerichteten Örtlichkeiten ab, so dass das persönliche Gespräch nicht gestört wird. Die Wände sind in blau –gelb gehalten, der Name Fliege in rot. Luft, Feuer, Licht ,Geist: Das scheint farbsymbolisch gewollt zu sein. Der Bühnenboden ist violett – die Farbe der Buße. In den anderen Talkshows sind die Studios so eingerichtet, dass sie für den Zuschauer interessant sind, wie z.B. in der Talkshow "Andreas Türck" auf PRO 7. In dem Studio sind viele Requisiten, die vom Zuschauer nach und nach entdeckt werden sollen und ihn so vom Talkgast ablenken. Ein weiterer Punkt, in dem sich die Studios unterscheiden sind die technischen Eigenschaften. Auf den privaten Sendern werden viele High-tech Geräte benutzt, wie z.B. Lasergeräte und komplizierte Lichtanlagen für Lichtshows oder Musikanlagen für Live-Auftritte von DJ etc, um Zuschauer und Studiopublikum zu beeindrucken. Im "fliege"- Studio dagegen wird wenig technischer Aufwand betrieben. Fliege bittet seine Gesprächspartner mit der Formel "Kommen sie, erzählen sie uns ihre Geschichte!" auf die Bühne. Seine Glaubwürdigkeit und die ehrliche Anteilnahme am Schicksal seiner Gesprächspartner unterscheiden ihn von den anderen Moderatoren. Jürgen Fliege zeichnet sich dadurch ab, dass er nicht nur einfühlsam fragen sondern auch zuhören kann und seinem Gast so das Gefühl gibt, ihn wirklich zu verstehen. Moderatoren auf anderen Kanälen halten Smalltalk mit ihren Gästen und gehen nicht wirklich auf deren Probleme ein, sondern versuchen immer, diese bestmöglich für den Zuschauer interessant zu machen. Die Geständnisse und Probleme der Talkgäste werden bei "fliege" in der Regel einem Experten, meist Psychologen, vorgelegt, die das Gehörte deuten und ein professionelles Gutachten oder einen Rat abgeben. Dies unterstützt die Annahme, dass es eine seelsorgerliche und seriöse Talkshow ist, die dazu dient, den Talkgästen zu helfen und sie nicht nur zur Schau zu stellen, wie andere Talkshows es tun. Die Themen des Fernsehpastors unterscheiden sich jedoch kaum von den Themen anderer Talkshows. Gesundheit, Liebe, Erziehung und Esoterik sind die Hauptthemen. Politische und soziale Themen kommen selten vor. Was sich jedoch unterscheidet sind die Gäste, die zu diesem Thema eingeladen werden. In den Talkshows der privaten Kanäle sitzen oft Gäste, von denen man denkt, dass sie dies nur des Geldes wegen tun und auch bereit sind, sich eine Geschichte auszudenken. Flieges Gäste dagegen wirken authentisch und nicht gekauft. Die Talkshow von Jürgen Fliege ist daher eher als eine unterhaltsame Ratgebersendung zu sehen. Man will mit den Geschichten die Zuschauer beraten, warnen und ihnen helfen, dazu werden Adressen von Selbsthilfegruppen und Spendenkonten eingeblendet und finanzielle Unterstützung gewährt. Dagegen werden die Geschichten in den anderen Talkshows nur auf den Publikumsgeschmack zurechtgeschnitten.
fliege – Das Resumé Nachdem wir uns nun intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt haben, wollen wir zum Abschluss kurz unsere Meinung dazu sagen. Auch wir haben uns einige Sendungen "fliege" im Fernsehen angeschaut. Nach diesen eigenen Erfahrungen und nach den Ergebnissen der Umfrage können wir uns wirklich denken, warum diese Sendung nichts für Jugendliche ist und diese nicht anspricht. Die Jugend von heute braucht Action, Spannung, Nervenkitzel. Und dies, das muss man ganz kritisch sagen, ist bei dieser Sendung nicht vorhanden. Wir denken, um auf unsere These vom Deckblatt zu kommen und diese zu klären, dass diese Talkshow, ob nun mit Pastor oder ohne, auf keinen Fall den Jugendlichen mehr Bezug zur Religion gibt. Die Show kann noch so publikumsnah gestaltet sein, aber für Jugendliche des 21. Jahrhunderts im Zeitalter von Computer etc. ist sie einfach zu langweilig. ABER: Wenn schon eine Talkshow im Fernsehen die Jugend nicht mehr näher zur Religion bringen kann, was denn dann? Wir haben auf diese Frage keine wirkliche Antwort gefunden. Gibt es überhaupt eine? Trotzdem denken wir, dass das Thema in vielerlei Hinsicht einen Bezug zum Wettbewerbsthema darstellt. Wir für unseren Teil haben auf jeden Fall lehrreiche Erfahrungen daraus gezogen.
Quellenangaben
1. DIE WELT online vom 13.07.1999 – Forum http://www.welt.de/daten/1999/07/13/0713fo121285.htx 2. Das Erste online – Unterhaltung – Fliege http://www.das-erste.de/fliege 3. Bayerischer Rundfunk – Pressestelle – 1000. Sendung fliege http://www.br-online.de/inhalt/wir_ueber_uns/pressestelle/aktuelles/0481// 4. Die WDR- Talkshow Gäste und Thema am 25.Mai 2000 Jürgen Fliege http://www.wdr.de/tv/wdr-talkshow/20000552gaestethemen1.html 5. Fliege Talkshow http://www.gep.de/medienpraktisch/amedienp/mp1-98/1-98schi.htm 6. Offizielle Umfrage am Gymnasium Winsen; Durchgeführt vom Religionskurs 11
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