Jugend&Kultur&Religion

Ratsgymnasium Osnabrück


Text als pdf-Datei

-Weltreligionen im Vergleich -Extremismus -Beispiele

 

 

Verfasserin:  Charlotte Schwan

 

Betreuende Lehrkraft: Imke Loock

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Begriffsdefinitionen

a) Jugend

b) Kultur

c) Religion

2. Jugend und Religion in Deutschland

3. Jugendreligionen

4. Rückführung zum christlichen Glauben

5. Vergleich mit anderen Religionen

a) Jugend im Judentum

b) Jugend im Islam

c) Jugend im Buddhismus

6. Jugend und der Satanskult

7. Beispiele großen Versagens

a) Jugend, Kultur und Religion im Nationalsozialismus

b) Jugend, Kultur und Religion und die weibliche Beschneidung

8. Jugend, Kultur und Religion als Einheit

 

 

1. Begriffsdefinitionen

a) Jugend

Allgemein versteht man in den abendländischen Kulturen unter Jugend die Übergangsphase von der Kindheit ins Erwachsenenalter. Dieser Abschnitt wurde gesellschaftlich und historisch bestimmt und gilt als eine sehr eigenständige Lebensphase. Bis Ende des 19. Jahrhunderts genossen nur die adligen männlichen Heranwachsenden diese Phase, während sich in den anderen Schichten das Erwachsenenalter sofort an die Kindheit anschloss.

Man versuchte das Ende des Jugendlichseins daran festzumachen, wann ein Jugendlicher in den Beruf eintritt und/oder beginnt, eine eigene Familie zu gründen. Demnach verlängert sich dieser Lebensabschnitt in den modernen Gesellschaften, weil heute immer mehr Jugendliche später in den Beruf eintreten und auch später die eigene Familie gründen. In nichtabendländischen Gesellschaften ist die Zeit des Jugendlichseins meist kürzer oder fällt ganz weg.

Gesetzlich versteht man unter Jugend den Abschnitt eines Menschen von 14 bis 18 Jahren. Dies ist besonders wichtig für das Jugendstrafrecht, da es im Gegensatz zum allgemeinen Strafrecht Sondervorschriften, Ergänzungen und Abwandlungen gibt, wenn die von Jugendlichen begangenen Straftaten geahndet werden, weil Jugendliche nur bedingt für ihre Taten verantwortlich sein können.

b) Kultur

Das Wort Kultur lässt sich aus dem lateinischen Wort colere ableiten. Dies bedeutet: hegen und pflegen, bebauen, tätig verehren, cultura bedeutet Bebauung, Ausbildung. Ursprünglich ist mit cultura die Bearbeitung und die Pflege des Landbodens gemeint, also agricultura. Erst später wurde das Wort cultura dann im übertragenden Sinne als Pflege und Veredelung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Menschen verstanden und dementsprechend gebraucht.

Wenn also heutzutage jemand fragt, welche Kultur ein bestimmtes Land hat, so will er lediglich wissen, welche Sitten und Bräuche es pflegt, wie das Bildungs- und Erziehungssystem in diesem Land ausgebildet ist, wie weit die Wissenschaft und Technik vorgedrungen sind, welche Religion es ausübt, was für eine Schrift und Sprache das Volk dort benutzt, wie sieht die für das Land typische Kunst aus, was tragen die Menschen dort, wie ist das Siedlungs- und Bauwesen angelegt und welches politische, wirtschaftliche und rechtliche System besitzt dieses Land.

c) Religion

Das Wort Religion entstammt dem lateinischen Wort religio und bedeutet Gottesfurcht. Alle Religionen sind Heilslehren und so aufgebaut, dass es einen Schöpfergott oder ein schöpfendes Prinzip gibt. Die Lehren werden meistens durch sogenannte heilige Schriften vermittelt wie z. B. durch die Bibel im Christentum oder durch den Koran im Islam. Es gibt meistens Menschen, die diese Lehren an Anhänger dieser Religion, die sogenannten Gläubigen, weitergeben, wie z. B. Priester, Religionsgründer usw. Dass es Religion überhaupt gibt, liegt daran, dass sich die Menschen schon seit altersher gefragt haben, wo sie überhaupt herkommen und warum sie auf Erden sind, wie die Natur entstanden ist und warum. Das erklärt auch, warum religiöse Systeme fast so alt sind wie die Menschheit und warum es keine Kultur gab und gibt, die ganz ohne Religion auskommt. Die bewusste Leugnung der Existenz Gottes setzte sich in sozialistisch ausgerichteten Staaten nur im konfuzianisch geprägten China durch, da die Bevölkerungen meist traditionell sehr gläubig waren.

Die Religion ist ein Bestandteil der Kultur. Es gibt keinen Staat, der Religion generell ablehnt. Ganz im Gegenteil: Der Staat ist bemüht, besonders die traditionelle Religion aufrechtzuerhalten. In vielen Teilen der Welt wird die "Ur- Religion" sogar zur Staatsreligion erklärt, was besonders in islamischen Ländern der Fall ist. Dennoch ist die Religion auch Wandlungen unterworfen, z. B. durch historische Ereignisse (in Japan wurde nach 1945 der Shintoismus, der einen übersteigerten Staats- und Kaiserkult beinhaltete und so zur Katastrophe im 2. Weltkrieg beitrug, verboten) oder durch die Fortschritte der Wissenschaft und Technik (der Gottesglaube wird durch zunehmende Erforschung der Natur in den Schatten gestellt).

 

 

2. Jugend und Religion in Deutschland

In Deutschland ist die Religionsfreiheit gegeben. Jeder darf der Glaubensrichtung angehören, die er für sich als richtig anerkennt. Ebenso darf er religiöse Kulthandlungen ausüben, sofern diese nicht die Grundrechte der Mitmenschen verletzen.

In Deutschland sind Staat und Kirche voneinander getrennt, so dass es gar keine Staatsreligion in dem Sinne gibt. Der Staat ist zur "weltanschaulich - religösen" Neutralität gezwungen.

Dennoch bin ich der Meinung, dass der Staat oder zumindest die Kirche in einigen Fällen eingreifen sollte, wie ich später darlegen werde. Die heutige Jugend in Deutschland scheint nicht mehr so gläubig zu sein, wie vor beispielsweise 200 Jahren, als noch Tischgebete gesprochen wurden und man sonntags zur Kirche gegangen ist. Das entfällt heute immer mehr. Sind früher noch viele Jugendliche in den katholischen bzw. evangelischen Religionsunterricht gegangen, so gehen heute immer mehr in den an den Schulen angebotenen "Werte und Normen"-Unterricht.

Der Rückgang des Einflusses der christlichen Religion hat mehrere Gründe:

1) der Trend zu individueller Freiheit

2) die Jugendlichen sind gebildeter als früher und untersuchen den Glauben

3) die Naturwissenschaften stellen Welterklärungsmodelle auf, so dass

- die Jugend nicht mehr an die Schöpfungsgeschichte usw. glaubt, sondern

- daran, dass alles durch Physik und Chemie zu erklären ist. Für sie steckt

- nichts Geheimnisvolles mehr dahinter, weil sich ja jetzt alles erklären lässt.

Dennoch kommen die Jugendlichen nicht ganz ohne Religion aus. Sie merken nämlich, dass sie in der Freiheit, die sie ja ohne Religion haben (sie brauchen sich an keine religiösen Vorschriften halten), gar nicht ohne fremde Hilfe zu Recht kommen. Die Jugend braucht einen Leitfaden. Ihr muss gesagt werden, was richtig und was falsch, was gut und was böse ist, und vor allem eine "Gebrauchsanweisung" für das spätere Leben. Das alles hatte ihr diejenige Religion geboten, die sie jetzt verschmäht: der christliche Glaube. Da sie aber weiterhin der Meinung ist, dass die Kirche mit Taufe, Konfirmation usw. eine ziemliche Bevormundung im eigenen Leben darstellt, muss eine Art Ersatz her, was meistens zum Hereinschlittern in eine Sekte führt. Durch Freunde, die schon Mitglied dieser Sekte sind, erfahren sie dann, wie "gut" diese doch in Wirklichkeit ist und werden fast dazu gedrängt, ebenfalls Mitglied zu werden. Viele Jugendliche meinen dann, dass sie von der Erwachsenenwelt nicht verstanden werden, dass ihnen keine Aufmerksamkeit und Liebe zuteil wird und ihnen erst recht keine Sicherheit und Geborgenheit geboten wird. Sie fühlen sich von allen verstoßen.

In solch einer traurigen Situation üben Sekten magische Anziehungskräfte auf die Jugendlichen aus. Dort wird ihnen ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt, sie meinen, dass gerade jeder einzelne in dieser Sekte zählt und auf ihm das Über leben der Sekte aufbaut. Es werden noch mehr Versprechen gegeben, z. B. dass nur diejenigen Jugendlichen erlöst werden von den Qualen des Lebens und zu Gott in den Himmel kommen, die der Sekte treu bleiben. Meistens übernehmen die Jugendlichen dann Aufgaben wie z. B. Spendensammeln für die Sektengemeinde o. ä. Natürlich müssen sie sich auch hier bestimmten Regeln unterwerfen, aber diese scheinen nicht mehr so "lästig" zu sein, weil das alles, was man für die Sekte tut, ja angeblich hinterher auch "sichtbar" belohnt wird.

Leider merkt die Jugend aber nicht, dass sie in den meisten Fällen dem Untergang entgegenläuft. Wie es aus vielen Sekten bekannt ist, wird in das Leben des Jugendlichen noch weiter eingegriffen, als er das eigentlich wahrnimmt. Z. B. wird kontrolliert, ob das Mitglied auch nach den "Regeln" der Sekte lebt. Es werden Foltermethoden und Gehirnwäschen vorgenommen, um die Mitglieder treu zu halten. Dabei wird ihnen eingeredet, dass sie das alles für ihre Erlösung tun. Ein besonders drastisches Beispiel ist der Satanismus, wo christliche Gebete verkehrt herum aufgesagt werden, die christliche Messe durch die schwarze Messe verspottet wird und die Werte des christlichen Glaubens als falsch dargestellt und verhöhnt werden. Und hier denke ich, dass der Staat und die Kirche vereint eingreifen sollten, denn hier beginnt es, für die Jugendlichen wirklich gefährlich zu werden. Sie kommen von dem Irrwege, auf den sie sich begeben haben, nicht mehr ohne fremde Hilfe ab und bekommen auch gar nicht mehr die Möglichkeit, sich abzuwenden. Von der Sekte werden sie so sehr unter Druck gesetzt, dass die jugendlichen Mitglieder den Hilfeschrei unterlassen. Die Kirche ist jetzt unersetzlich. Sie führt nämlich den Jugendlichen auf den richtigen Weg zurück. Sie vermittelt ihm wieder die richtigen Werte, für die es sich zu leben lohnt, und gibt einen richtigen und wichtigen Leitfaden für das weitere Leben.

 

 

3. Jugendreligionen

Doch schließt sich die Jugend nicht nur Sekten an, sondern heutzutage auch verstärkt den sogenannten Jugendreligionen ( als Begriff 1974 von dem deutlichen Theologen F. W. Haack eingeführt). Alle Jugendreligionen weisen die folgenden gemeinsamen Merkmale auf:

1. ein absoluter Wahrheitsanspruch, ein "rettendes Prinzip",

2. Es gibt eine Gemeinschaft, die auserwählt wurde und eine Familie bildet; nur sie wird später erlöst.

3) Es gibt nur eine unantastbare Führungsperson, die das Oberhaupt der Familie darstellt.

In diesen Religionen wird diese eine Führungsperson fast angebetet und wie ein Gott verehrt. Von den Mitgliedern wird bedingungslose Unterwerfung und völlige Hingabe verlangt. Dadurch wird der persönliche Freiraum der Jugendlichen in sehr hohem Maße eingeschränkt. Jugendliche handeln in diesen Gruppen sehr begeistert und gefühlsbetont, lassen geschichtliche Aspekte außer Acht und wollen die bisherigen Religionen überbieten und überwinden. Sie sehen solche Gruppen als Möglichkeit an, zu zeigen, dass sie mit den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen nicht einverstanden sind und stellen die geltenden Werte und Normen in Frage. Dadurch orientieren sie sich stark am Diesseits, haben eine starke Gruppenidentität, lehnen die kirchlichen Heilsangebote ab und grenzen sich von den herrschenden Familienstrukturen bewusst ab. Besonders die letzten beiden Punkte führten zu einer allgemein ablehnen den Öffentlichkeitshaltung, wodurch sich die Jugendreligionen als verfolgte Minderheiten fühlen. Für die Jugendlichen ist dies eine Art, um gesellschaftliche Probleme auszudrücken und darauf aufmerksam zu machen, dass sie scheinbar unerträglichen individuellen und sozialen Spannungen unterliegen. Damit Jugendliche erst gar nicht in die Versuchung geraten, sich irgendeiner Sekte anzuschließen, sollten sie schon im Religionsunterricht in der Schule und auch zuhause vor denen gewarnt werden. Natürlich üben zuerst die Eltern religiösen Einfluss auf die Kinder aus, aber in der Schule befassen sich die Kinder und Jugendlichen intensiver mit zuerst dem christlichen Glauben und dann mit Sekten. Sie durchdenken das im Religionsunterricht Gesagte und wenden es bei tiefer Überzeugung automatisch an. Durch den Religionsunterricht in der Schule wachsen die Jugendlichen mit der christlichen Religion auf und lassen sich in ihrem Glauben nicht mehr so leicht erschüttern.

 

 

4. Rückführung zum christlichen Glauben

Durch frühe Taufe und später folgende Konfirmation bzw. Firmung wollen die meisten christlichen Eltern mit Hilfe der Kirche ihrem Kind schon das Christen-tum ans Herz legen und den Glauben daran festigen. Durch Geschenke werde die ganzen Zeremonien dann meistens verschönert und die Kinder sind dann stolz darauf.

So gibt es dann doch noch Jugendliche, die im Kirchenchor singen oder sich auf andere Weise für die Kirche arrangieren, denn diese bietet immer mehr religiöse Freizeitaktivitäten. Es werden z. B. Gemeindefahrten oder andere Dinge unternommen, bei denen sich Jugendliche angesprochen fühlen. Da es offensichtlich immer mehr junge Menschen gibt, die sich für fremde Kulturen inte-ressieren, bietet die Kirche auch hier zahlreiche Möglichkeiten, sich zu informieren. Z. B. konnte man sich vor einigen Monaten in der Lutherkirche Gospellieder anhören. Ein buddhistischer Mönch kam zu uns in die Schule und hat von sich bzw. dem buddhistischen Glauben erzählt. Sogar der Dalai Lama aus Tibet kam. Das sind natürlich Attraktionen, die sich kein kulturinteressierter Jugendlicher entgehen lässt. Wenn Kirche und Religionsunterricht in der Schule dann auch noch zusammenarbeiten, können die Informationen gar nicht mehr überboten werden. Natürlich gibt es auch christliche internationale Jugendorganisationen, z. B. der YMCA (Young Men’s Christian Association) oder die "Katholische Aktion". Diese kirchlichen Jugend- und Erneuerungsbewegungen fordern den Menschen zur "inneren Umkehr" auf. Sie wollen zum Ursprung des Christentums zurückkehren und alle Arten von Beeinflussung durch die Geschichte hinauswerfen. Das verstärkte Engagement Jugendlicher für die Kirche begann nach dem 2. Weltkrieg. Viele christliche Jugend- und Friedensbewegungen engagierten sich für eine umfassende Völkerverständigung und eine christlich motivierte Friedens- und Abrüstungspolitik. Da wir aber nicht mehr im Jahr 1948 leben, hat diese Unterstützung von Jahr zu Jahr immer mehr nachgelassen. Aber dennoch nicht zu vergessen ist der Jugendkirchtag in Rom, an dem viele Jugendliche teilnahmen und sich mit Begeisterung die Reden des Papstes angehört haben.

 

 

5. Religionen im Vergleich

a) Jugend im Judentum

Das Judentum wird als eine Religion des Lernens angesehen. Der Vater vermittelt besonders den Söhnen Kenntnisse und gibt die Tradition weiter. Das Lernen ist von klein auf Pflicht, besonders das Studium der Thora aber auch das Lernen des Alltäglichen. Wichtig ist die hebräische Sprache, um die heilige Schrift lesen zu können. Den Lehrern fällt im Judentum eine bedeutende Rolle zu, so z.B. dem Rabbi in der Talmudschule.

Die Jugendlichen werden von klein auf in den jüdischen Tagesablauf einge-spannt. Sie werden in die Gebete und in den wöchentlichen Abschnitt der Thora, der in den Synagogen an jedem Sabbat vorgelesen wird, eingeführt. Z. B. darf beim Seder, dem rituellen Mahl beim Passahfest, das jüngste anwesende Kind vier Fragen zur Besonderheit des Festes (Mah Mishtanah) rezitieren. Wenn die Jugendlichen die Thora studieren, so lernen sie nicht nur die Heiligen Gebote sondern auch die göttliche Schöpfungs- und Weltordnung. Sie lernen also die Gesetze und die Zusammenhänge der bestehenden Welt. Mit dem Lernen der Heiligen Schrift wird auch gleichzeitig Bildung vermittelt. Mit 13 Jahren tritt ein jüdischer Junge, mit 12 Jahren ein jüdisches Mädchen in die religiöse Volljährigkeit ein, was mit einem Fest der "Bar Mizwa" ( = Sohn des Gebotes") bzw. der Bat Mizwa ( = "Tochter des Gebotes") gefeiert wird. Der Junge wird nun den Ältesten der jüdischen Gemeinde vorgestellt und darf von jetzt an während des Gottesdienstes aus der Heiligen Schrift vorlesen. Ursprünglich war diese Feier nur für Jungen gedacht, ab dem 19. Jahrhundert dann aufgrund des Reformjudentums auch für Mädchen. Der Junge stellt sich nun für alle sichtbar unter die Weisungen der Thora. Er beweist durch das Fest, dass er große Freude an Gottes Geboten empfindet, die mehr als bloßen Gesetzesgehorsam meint und Dankbarkeit gegen Gottes Führung der Menschen ausdrückt.

Die erste wichtige Station im Leben eines jüdischen Jungen ist aber nicht erst die religiöse Volljährigkeit, sondern die Beschneidung im Alter von 8 Tagen. Er tritt damit offiziell in den Bund mit Gott ein. Die jüdische Gemeinde in Deutschland heute ist stark überaltert, denn es sterben siebenmal so viele Mitglieder wie dort geboren werden. Die jüdische Bevölkerung nimmt aber wegen der Einwanderung aus Osteuropa zu. Obwohl die jüdischen Gemeinden glaubten, dass diese Einwanderer der religiösen

Tradition des Judentums näher stehen würden als die eingesessenen Gemeindemitglieder, ist bei den Juden, die in den ehemals sozialistischen Staaten gelebt haben die Lösung aus der religiösen Abhängigkeit weit fortgeschritten. Diese kommen mit ihren Problemen wie Arbeitslosigkeit zu den Gemeinden und wollen Hilfestellungen. Die Gemeinden sehen sich selbst als Bewahrer der jüdischen Glaubenstradition.

b) Jugend im Islam

Der Islam bekommt seit einiger Zeit verstärkten Zulauf, z. B. in Schwarzafrika oder unter den Schwarzen in den USA (Black Muslims). Dort ist er auch unter Jugendlichen sehr beliebt. Islamische Philosophen versuchen nämlich, den Koran mit den Ideen des Westens, also z. B. mit den Naturwissenschaften und der Emanzipation, in Einklang zu bringen. Es regiert z. B. kein Monarch mehr. Der Staat wurde in eine repräsentative Regierungsform umgewandelt (laut Koran: "Herrschaft durch Beratung"). Ebenso fördert der Koran die Erforschung und Nutzbarmachung der Natur, was dadurch bewiesen wird, dass die Muslime einige Jahrhunderte lang in den Naturwissenschaften führend waren. Auch werde die Frau rechtlich gleichgestellt, aber die Männer hätten die Rechte jedoch an sich gerissen, indem sie die Polygynie (Mehrehe) massiv missbraucht hätten. Dies sind vernünftige Interpretationen des Korans, dennoch wurden sie von den sogenannten Fundamentalisten zurückgewiesen. Diese fordern eine Rückbesinnung auf die Grundelemente des Islam. Sie lehnen die moderne Bildung, Naturwissenschaft und Technik nicht ab, sondern beschuldigen die Modernisten, die Moralvorstellungen und Lebensformen der westlichen Welt zu verbreiten, also das strenggläubige muslimische Leben durch das lockere westliche Leben zu ersetzen. So machen die Fundamentalisten die westliche Emanzipation der Frau für ein ausschweifendes Sexualleben und für die Zerstörung der Familie verantwortlich. Sie lehnen alles Westliche ab.

In islamischen Ländern gibt es eigens errichtete Schulen, um die Lehre des Islam zu "studieren". Ein Beispiel dafür ist die Schir-Dor-Medrese in Samarkand in Usbekistan.Hier werden Jugendliche untergebracht, um sich der Religion zu widmen, aber auch andere Fächer zu lernen.

Mädchen sind in solchen Schulen nicht zugelassen. Sie werden weiterhin unterdrückt . Schon in sehr frühem Alter werden sie daran gewöhnt, im späteren Leben eine eher passive Rolle zu spielen. Besonders schlecht geht es den Mädchen und Frauen zur Zeit in Afghanistan. Dort haben die Taliban, ein streng muslimische Gruppe, sich ihren Machtbereich gesichert. Seitdem sie dort herrschen, wurde für Mädchen und Frauen der Chador wieder eingeführt. Der Chador bedeckt das Mädchen bzw. die Frau von Kopf bis Fuß. Um zu sehen, wo sie hinlaufen, haben sie vor den Augen ein Gitter. Kein weibliches Wesen hat ein Recht auf Bildung. Arbeit ist strengstens verboten und wird unter Strafe gestellt. Eine Art Polizeitruppe kontrolliert. Dies ist ein Extremfall. Aber trotz aller Bemühungen sind die Mädchen bzw. Frauen den Jungen bzw. Männern im Islam noch nicht gleichgestellt.

c) Jugend im Buddhismus

Im Buddhismus teilt man die Gläubigen in zwei Klassen ein. Die erste Klasse bilden die Mönche, die sich in Klöster zurückziehen und versuchen, durch Meditation und Übungen das Weltliche und Bindende hinter sich zu lassen und so erlöst werden. Die zweite Klasse bilden die Laien, Menschen, die zwar dem Buddhismus angehören, meditieren und auch Übungen machen, aber haupt-sächlich arbeiten gehen oder sich um die Familie kümmern.

Kinder werden meist als Laien erzogen und können dann als Jugendliche entscheiden, ob sie ins Kloster gehen oder Laien bleiben.

Im Gegensatz zum Christentum ist der Buddhismus stark geblieben, z. B. in Thailand und Birma. In Indien ging seine Beliebtheit zwar drastisch zurück, dennoch fand 1956 eine Bekehrung von 3,5 Millionen früherer Mitglieder der Kaste der Unantastbaren statt. Der Buddhismus kann sich den wandelnden Bedingungen sowie einer Vielfalt von Kulturen anpassen, z. B. auch in Deutschland. Er ist kein Widerspruch zu den modernen Wissenschaften. Er vertritt sogar die Ansicht, dass Buddha bei der Hinterfragung von Grund-wahrheiten Experimente zu Hilfe genommen hat.

Der Buddhismus hat aber auch in der westlichen Kultur reichen Einfluss gewonnen. Besonders Jugendliche interessieren sich für ihn. Sie wollen wissen, was das Nirwana oder das Rad der Lehre ist. Demnach erreichte die Deutsche Buddhistische Union (DBU, Sitz in München) Anfang der 90iger Jahre eine Mitgliedschaft von 20.000 deutschen praktizierenden Buddhisten, die sich in ungefähr 180 Gruppen und Zentren organisiert haben. Bis Anfang 1997 wurde sie mehr als verdoppelt. Außerdem lebten hier 40.000 Buddhisten asiatischer Abstammung. In Österreich gibt es bereits eine Österreiche Buddhistische Religionsgemeinschaft (ÖBR, Sitz in Wien). In allen deutschsprachigen Ländern, besonders aber in der Schweiz, wo die meisten Tibeter, die ins Exil geschickt wurden, leben, ist der Buddhismus die am meisten praktizierte Variante.

Auch bei uns an der Schule gibt es viele Jugendliche, die am Buddhismus interessiert sind. Besonders bemerkbar wurde dies, als vor ungefähr einem Jahr der 14. Dalai Lama aus Tibet zu uns in die Schule kam. Es kamen mehr Jugend-liche, als Plätze vorhanden waren, so dass die Anzahl der Schüler begrenzt werden musste. Aufgrund einer Aktion des evangelischen Relgionsunterrichts, an dem ich teilnahm, kam auch ein buddhistischer Mönch zu uns in den Unter-richt. Er erzählte uns eine Menge über sich und seine Religion und zeigte uns einige Übungen, die er im Kloster machen musste. Er forderte uns sogar auf, sie mitzumachen, wenn wir wollten. Es gab keinen Schüler und keine Schülerin, der oder die nicht mitmachen wollte.

Wir haben uns noch Monate später darüber unterhalten. Während der Auseinandersetzung mit dieser neuen Religion ist jeder in die Bibliothek gestürmt und wollte mehr über den Buddhismus wissen. Viele wollten diesen sogar als eigene Unterrichtseinheit einführen, um noch das zu erfahren, was sie noch nicht wussten.

Für die Länder, in denen der Buddhismus praktiziert wird, ist dieser auch nicht fremd, doch auch hier gibt es besonders viele junge Leute, die ihr Heil im Budd-hismus suchen. Sie wollen ins Kloster gehen, und Mönche und Nonnen werden. Sie gehen dorthin, um über ihre eigene Religion mehr zu erfahren, aber auch um sich selbst kennen zu lernen.

Inzwischen gibt es buddhistische Länder, in denen die Mönche und Nonnen nicht mehr den ganzen Tag im Kloster sind oder betteln gehen, sondern einer geregelten Arbeit nachgehen müssen. Wenn sie aber über ein paar Wochen die Zeit für sich brauchen, dürfen sie zum Arbeitgeber gehen und um Urlaub bitten, den dieser natürlich ablehnen kann. Durch diese Regelung gibt es nicht mehr die Möglichkeit für Jugendliche, sich nur dem Klosterleben anzuschließen, um nicht arbeiten gehen zu müssen.

 

6. Jugend und der Satanskult

Besonders die westliche Jugend fühlt sich stark von magischen Handlungen angezogen. In erster Linie denkt sie dabei nicht an Satansanbetungen, sondern an ganz einfache Dinge wie Horoskope, also Voraussagungen über die eigene Zukunft. Natürlich möchte man dann diese Voraussagungen selbst machen können. Es werden alle dazu (angeblich) benötigten "Hilfesmittel" gekauft. Richtig aggressiv und gefährlich wird diese Art von Okkultismus normalerweise nicht.

Anders ist das bei Jugendlichen, die sich satanistischen Rock anhören. Diese Musik verspottet die Werte der menschlichen und christlichen Welt, sexualisiert deren musikalische Sprache und lädt sie mit Aggressionen auf. Die Jugendlichen hören sich das an und werden verleitet, diese Gedanken zu übernehmen, wenn sie denken, dass sie von den Eltern nicht verstanden werden oder dass diese ihnen zu wenig Liebe geschenkt haben. Es sind meistens solche jungen Leute, die mit ihrem Leben nicht fertig werden oder sich gegen die Familie stellen, weil diese ihnen angeblich nicht das geben kann, was sie brauchen. Das führt meistens dazu, dass sich der Jugendliche einer besonders aggressiven Gruppe anschließt, die denkt, dass sie durch Aufruhr die ganze Welt ändern kann. Dies geht nicht ohne Drogenmissbrauch vonstatten, denn dadurch fühlen sich die Jugendlichen stark und angespornt, das zu tun, was sie vorhatten. Man will versuchen, die anderen Menschen, die ja jetzt alle gegen einen sind, mit übersinnlichen Kräften besiegen, die diese gar nicht kennen, also auch nicht gegen sie ankommen können. Hauptfigur ist hier meistens der Satan, da dieser eher mit magischen Kräften in Zusammenhang gebracht wird, als Gott. Damit dieser einem hilft, muss er angebetet und "gnädig gestimmt" werden. Also werden Opfer gebracht, was nicht selten zu Tierquälerei führt. Das alles wird in einer Art Messe, der schwarzen Messe, durchgeführt, die die christliche Messe ersetzen soll. Solche schwarzen Messen arten dann meistens in Orgien aus, von Tierquälerei bis hin zu Drogenmissbrauch und Vergewaltigung. Viele steigern sich in diese Dinge hinein und merken gar nicht, wie tief sie in Wirklichkeit fallen. Das bleibt natürlich auch der Umwelt nicht verborgen. Sie merkt schon, dass mit dem Jugendlichen etwas nicht stimmt, am ehesten die Eltern. Sie versuchen dann mit ihrem Sohn oder ihrer Tochter zu reden. Doch er oder sie lehnt jede Diskussion ab und sagt, dass die Eltern sich in sein oder ihr Leben einmischen wollen, dazu aber gar kein Recht haben, weil er oder sie selbstständig sein kann und es auch ist. Die Hilfe wird in den Wind geschla-gen. .Die ersten Hilfeschreie sind zu hören, wenn es schon längst zu spät ist. Die Mitglieder werden unter Druck gesetzt und so zur Treue gezwungen. Ihnen wird körperlich und seelisch wehgetan. Sie merken dann allmählich, dass der Sata-nismus doch nicht der richtige Weg war, um sich aufzulehnen und erst recht nicht, um das eigene Heil zu finden. Eigentlich wollten sie nur etwas Besonderes sein, stärker sein als die anderen und sich nicht den vorgegebenen Werten anpassen, sondern selbst welche erfinden, die ebenso akzeptabel sind. Ausgelöst werden diese Dinge eigentlich gar nicht von den Jugendlichen selbst, sondern von Musikgruppen, die durch Aggressivität vermitteln wollen, dass die jetztige Welt schlecht ist und verändert werden muss. Sie "preisen" fast den Satan und deuten auf okkulte Handlungen. Ein abschreckendes Beispiel für die Verspottung des christlichen Glaubens habe ich vor 1½ Jahren im Religionsunterricht gehört, als wir genauer untersuchen wollten, warum ein bestimmtes Lied (den Titel habe ich vergessen) von der Musikgruppe "Böhse Onkelz" für einige Zeit verboten wurde. Diese Gruppe hat den Papst und die gesamte Kirche verspottet, schlechtgemacht, in den Dreck erzogen. Es war widerlich, sich das mitanzuhören. Natürlich denken bei solchen Liedern nicht alle Jugendlichen so wie ich. Diejenigen, die gar keinen Religionsunterricht haben, oder bei denen der christliche Glaube nicht so tief verwurzelt ist, fühlen sich schon angesprochen, obwohl der Papst und die Kirche ihnen gar nichts getan haben. In der Klasse haben wir beschlossen, dass man nichts verbieten sollte, aber die anderen Jugendlichen vor solchen Auffassungen bewahren sollte.

 

 

7. Beispiele großen Versagens

a) Jugend, Kultur und Religion im Nationalsozialismus

Nur wenige in der Kirche haben zur Zeit des Nationalsozialismus gegen diesen Staat Widerstand geleistet, ihr Leben riskiert. Leider waren es zu wenige. Die meisten Kirchenleute haben sich diesem NS-Regime angepasst, ihm praktisch geholfen, seine Gegner zu vernichten. Allgemein hat die Kirche nicht aufgeschrien, als Millionen von Menschen in Hitlers Gaskammern verschleppt und ermordert wurden. Keiner in der Kirche hat sich zur Wehr gesetzt, als dem Volk zu dieser Zeit gelehrt wurde, dass Juden, Sinti & Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, politisch Andersdenkende und geistig und körperlich behinderte Menschen Parasiten seien, das deutsche Volk zugrunde richten würden und daher vergast werden müssten. Die Kirche hat nicht protestiert und doch hat sie die Menschen glauben machen wollen, dass sie den Willen Gottes auf Erden vertritt. Sie wusste genau, dass nirgendwo in der Bibel steht:"Du sollst dir unliebsame Personen ermorden". Nirgendwo steht in der Heiligen Schrift, dass man ganze Völker ausrotten und das Blut angeblich rein halten soll. Dennoch hat die Kirche das durchgehen lassen. Sie hat diesem Nazi-Staat dazu verholfen, seine verbrecherischsten Pläne in die Tat umzusetzen, nämlich Millionen von unschuldigen Menschen zu ermorden. In der Bibel steht:"Du sollst nicht morden"! Hat sich die Kirche daran gehalten? Nein! Als Entschuldigung für diese Missetat, um ihren Ruf wiederherzustellen, hat sie dreist behauptet, dass sich sie sich zu dieser Zeit uneinig waren und dass sie nur Befehlen gehorcht hat. Seit wann musste die Kirche dem Staat gehorchen? Waren Kirche und Staat nicht getrennt? Seit wann gehorchte die Kirche, die doch behauptet hat, Vertreter des allmächtigen Gottes zu sein, Hitler und seinen Helfern mehr als Gott? Seit wann standen Hitlers Befehle über Gottes Befehlen? Nein! Die Kirche hat mitgemordet.

Besonders die protestantische Kirche stand auf Hitlers Seite, unter dem Namen "Deutsche Christen". Sie hat dem NS-Regime geholfen und selbst Priester, die

sagten, sie seien von Gott auserwählt, haben Hitler geholfen, ein ganzes Volk dazu zu bringen, Juden zu vernichten.

Christliche Religionslehrer haben in den Schulen gelehrt, was Hitler ihnen befahl. Sie haben gegen die Gebote des Christentums, die den Jugendlichen ein Vorbild sein sollten, Hitlers Rassenlehre unterrichtet und somit das Ermorden von 6 Millionen Juden gerechtfertigt und unterstützt. Sie haben die Jugend in ihrer Freizeit in angeblich gute, christliche Organisationen und Aktionen eingespannt, um ihren Glauben an Hitler zu festigen oder zu prüfen. Die protestantische Kirche in Deutschland hat nicht protestiert, als Hitler zu einem Gott erhoben wurde. Er wurde als Gott gefeiert und wie einer behandelt. Ihm zu Ehren wurden Feiertage eingerichtet und die christlichen Feiertage damit verdrängt und ersetzt. Den Gott aus der Heiligen Schrift gab es gar nichtmehr. Er wurde mit Hitler als etwas Überflüssiges zugrunde gerichtet. Die Kirche hat nicht aufgemuckt, als sie die christlichen Werte nicht mehr lehren durfte, aber dafür Hitlers "Zehn Gebote". Die Kirche hat mitgeholfen, die Jugend zur Zeit des Nationalsozialismus zu verderben. Als jemand, der die ganze Zeit nicht miterlebt hat, kann man leicht sagen:"Du hättest doch dies und das tun können! Warum hast du das nicht verhindert?" Es stimmt zwar, dass man als Außenstehender die Möglichkeiten, die das Volk zum Widerspruch gehabt hat, leicht überschätzt, aber es muss dazu Folgendes gesagt werden:

Es gab doch einige Demonstrationen, die Hitler ein wenig gestoppt haben. Als Beispiel ist das Euthanasie-Programm zu nennen. Als wenige Kirchenleute gesagte haben, dass man Behinderte doch nicht ermordern darf, nur weil sie behindert sind, hat das nicht viel geholfen. Dann haben sich diese Leute an das Volk gerichtet und haben gesagt, dass Ermordung von Menschen gegen die

christlichen Werte verstößt. Daraufhin gab es einen Aufschrei im Volke. Es hat gegen diese Morde protestiert. Und was ist passiert? Hitler hat sie eingestellt! Ein Beispiel dafür, dass die Kirche mehr Einfluss hatte, als sie heute zugestehen will. Aber dennoch hat es Kirchenleute gegeben, die für ihre Überzeugung als Märtyrer gestorben sind. So z. B. Dietrich Bonhoeffer oder Clemens August von

Galen. Sie haben öffentlich Widerstand geleistet. So wagte es Herr von Galen, ohne es wirklich zu wissen, an eine nationalsozialistische Behörde ein nationalsozialistisches Vergehen zu melden. Er bekam natürlich keine Antwort. Das erzählte er den Leuten während seiner Predigt. Er sagte, weil er mitbekam, dass "Kranke aus Marienthal abtransportiert und getötet werden sollten", wörtlich, dass ein derartiges Vorgehen nicht nur den göttlichen und natürlichen Sittengesetzen widerstreitet, sondern auch als Mord nach § 211 des StGB mit dem Tode zu bestrafen ist,...". Demnach hätte Hitler seine eigenen Leute verurteilen müssen. Das jedoch tat er nicht. Den Anzeige Erstattenden hatte man praktisch zurückgewiesen

Bohoeffer gehörte dem Widerstand auf protestantischer Seite an. Selbst als er im April 1943 inhaftiert wurde, hielt er seine Überzeugung aufrecht und konfrontierte das NS-Regime immer wieder mit seiner Meinung. Er wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 9. April 1945, im Konzentrationslager Flossenburg hingerichtet. Ein weiterer kirchlicher Widerstandskämpfer war Martin Niemöller. Er überlebte die nationalsozialistische Zeit. Sofort nach der Machtergreifung predigte er gegen Hitler und wurde 1938 als Hitlers "persönlicher Gefangener" ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt und anschließend 1941 nach Dachau, aus dem er 1945 befreit wurde. Niemöller gab den Kirchen an den Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes eine gewisse Mitschuld. Er war ein ehrlicher Mann und hat wie Bonhoeffer und von Galen die christlichen Sitten und Werte aufrechterhalten wollen, wie einige wenige. Die meisten mussten dafür ihr Leben lassen.

b) Jugend, Kultur und Religion und die weibliche Beschneidung

Ein bekanntes Beispiel für ein Land, in dem offiziell noch die weibliche Beschneidung durchgeführt wird, ist der Sudan. Es ist streng muslimisch, also besitzt eine Religion, der man so etwas Schreckliches gar nicht zutraut. Besonders die Großmütter junger afrikanischer Frauen bestehen darauf, dass die weibliche Beschneidung auch bei den nachfolgenden Generationen durchgeführt werden muss.

Hier könnte der Islam eine Menge tun, denn diese Einstellung der Frauen entsteht aus Irrglauben und Unwissen heraus. Ihnen wurde nämlich erklärt, dass dieser Eingriff notwendig sei, weil er das Mädchen oder die Frau "sauberhalten" soll. Außerdem hätte dies ein Prophet verordnet und in der Sunna-Schrift festgehalten. So meinen alle, die Religion würde das von ihnen verlangen. Im Sudan glaubt man nämlich an die Bisexualität der Götter. So muss der Junge, bevor er in die männliche Gesellschaft aufgenommen wird, sich der "weiblichen" Vorhaut entledigen und das Mädchen, bevor es in die weibliche Gesellschaft aufgenommen wird, sich der "männlichen" Klitoris entledigen. Wenn ein Mädchen sich nicht fügt, wird es als Prostituierte verstoßen.

Viele ältere Frauen wollen die weibliche Beschneidung weiterhin praktizieren, denn erstens glauben sie fest an die Tradition. Sie meinen, dass dies ein wesentlicher Bestandteil ihrer Kultur ist. Andererseits spielen aber auch Gefühle eine wichtige Rolle. Es ist eine Art Rache, die sie vollziehen: Die weibliche Beschneidung ist mit großen Schmerzen verbunden und nicht wieder rückgängig zu machen. Diese Praxis fordert eine hohe Infektion und somit eine hohe Sterberate. Das, was die Frauen durchlitten haben, wollen sie ihren weiblichen Nachkommen nicht ersparen, also zwingen sie ihre Töchter, deren Töchter beschneiden zu lassen, usw. Es gibt einige Mütter, die das nicht wollen und die sich festvornehmen, sich dieser Sitte zu widersetzen. Aber sie schaffen es meistens nicht, denn der Druck des Familienclans ist zu groß. Selbst die Ehemänner stehen ihnen nicht bei. Diese ekeln sich zwar, aber sie wehren sich nicht und nehmen lieber unbeschnittene Frauen oder lassen sich mit Prostituierten ein. Eine Aufklärung des sudanesischen Volkes durch die Vermittlung des wahren Islam könnte diese abschreckende Praxis verhindern. Vielen jungen Mädchen könnte somit die Genitialverstümmlung erspart bleiben. Einen kleinen Fort-schritt in dieser Richtung hat Ägypten gemacht. Dort gab es diese Praxis auch, ist nun aber offiziell verboten. Sie wird zwar noch hartnäckig aufrechterhalten,

aber nur noch von sehr wenigen Familien. In Europa löst dies Empörung aus. Es gibt afrikanische Frauen (leider immer noch zu wenige), die ihre Leiden öffentlich machen. Sie haben von der westlichen Kultur gehört und mitbekommen, dass dies nicht unbedingt sein muss und das es keine Religion gibt, die diese schreckliche Praxis fordert.

So gibt es z. B. die Autorin des Buches "Wüstenblume" oder das noch drastischere Schicksal "Sie versprachen mir ein großes Fest...".

 

8. Jugend, Kultur und Religion als Einheit

Abschließend kann man sagen, dass Jugend, Kultur und Religion eine Einheit bilden. Alle drei Begriffe stehen unmittelbar in Zusammenhang miteinander. Es lässt sich auch eine Abhängigkeit erkennen: Die Jugend ist von der Kultur und der Religion abhängig. Dies kann man sehr leicht einsehen, denn ohne Religion hätte die Jugend keinen Leitfaden und ohne Kultur keine fest eingesessenen Werte und Normen. Das braucht die Jugend aber. Sie braucht ein Lebensideal. Die Kultur ist von der Jugend relativ unabhängig. Die Jugend kann diese höchstens verschmähen und für die Zukunft eine neue einführen, aber sie kann sie nicht vernichten. Sie bleibt trotzdem als ehemaliges Traditionsgut vorhan-den. So ist die Religion auch nicht von der Jugend abhängig. So kann eine Religion abgelehnt und eine andere eingeführt werden. Die Religion bleibt in den grundlegenden Lehren dieselbe, dennoch kann sie durch geschichtlich bedingte Aspekte sehr wohl beeinflusst werden. Es gibt Religionen, die von Teilen der Kultur, z. B. des politischen und wirtschaftlichen Systems abhängen. Z. B. haben die Länder mit dem Islam als Staatsreligion eine andere Lösung gefunden, um die Armen zu ernähren, nämlich durch Almosengabe. Die drei Begriffe sind eng miteinander verstrickt. Die Religion gibt den Jugendlichen einen Leitfaden. Wird das Wort "Kultur" erwähnt, bringt man damit sofort auch die Religion in Verbindung. Der Jugend wird ans Herz gelegt, dass sie die Kultur, d. h. die Sitten und Bräuche ihres Vaterlandes, bewahren soll, soweit das möglich ist. Denn keiner wird den Jugendlichen versuchen beizubringen, dass sie die "Werte" des Nationalsozialismus aufrecht erhalten sollen. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, für dieses Religionsprojekt zu forschen.

Ich habe mich von klein auf gerne mit anderen Religionen befasst. Ich habe dabei versucht, auch das Christentum neutral zu erforschen, und die Lehren daraus zu ziehen. Mich hat sehr interessiert, was andere Religionen über Gott denken, was sie ihm für Eigenschaften zu schreiben. Ich habe mit Leuten gesprochen, die z. B. in den Werte & Normen-Unterricht gehen, weil sie Moslem/Moslemin sind. Sie haben mir erzählt, was ihre Religion lehrt und ich habe daraufhin alles das mit dem Christentum verglichen. Für Sekten habe ich mich interessiert, seitdem zwei Zeuginnen Jehovas bei uns zu Hause geklingelt haben und mich zur Mitgliedschaft bewegen wollten. Ich war gar nicht am Beitritt interessiert. Trotzdem habe ich sie ausgefragt, welche Lehren diese Sekte vertritt. Dann hörte ich im Religionsunterricht über gefährliche Sekten wie Scientology, Sonnentempler usw. aber auch über den Satanismus. Ich wollte wissen, aus welchen Gründen vor allendingen Jugendliche solchen Glaubensge-meinschaften beitreten und sich ihnen unterordnen.

 

Quellen

1) Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2000. © 1993-1999 Microsoft Corporation

2) Markus Hattstein, Weltreligionen, Könemann-Verlagsgesellschaft, 1997

3) Geschichtsbuch Oberstufe, Das 20. Jahrhundert", Band 2

4) Hanny Lightfood-Klein, "Genitialverstümmelung", 1985

5) Dokumentationsserie "Buddhas Wege nach Asien" (im BR)

 

 

zurück 

 

© RPI Loccum