Jugend&Kultur&Religion

Albert-Schweitzer-Schule Nienburg


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D O G M A -  
Ein Film von Engeln zwischen Religion und Pop-Kultur

 

VerfasserInnen: Corinna Biewener, Frederike Damrath, Tim Knackstedt, Tanja Schwohl, Thees Spreckelsen

Betreuende  Lehrkraft: Dr. Henning Schöpke

 

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1. Einführung in die Thematik und Heranführung des Lesers

2. Beschreibung der Bearbeitungsmethode

3. Inhaltszusammenfassung des Films „Dogma"

II. Hauptteil

1. Charakterisierung der im Film auftretenden Engel

1.1 Loki

1.2 Bartleby

1.3 Metatron

2. Engel in der Bibel – Herausarbeitung der Unterschiede und Parallelen zum Film

3. Einbeziehung und Verfremdung von Symbolen im Film

4. Das Engelbild der Jugendlichen heutzutage anhand einer Umfrage und Vergleich zur Darstellung im Film

5. Diskrepanz zwischen institutionalisiertem Glauben (Institution Kirche) und dem Glauben an sich als Kernaussage von „Dogma"

III. Schlussteil

1. Zusammenfassung der Ergebnisse

2. Persönliche Wertung

3. Kritik an der eigenen Arbeit

4. Weiterführende Denkanstöße

IV. Anhang

Quellenverzeichnis, Produktionsdaten, Abdruck von Quellen

 

I. Einleitung

I. 1. Einführung in die Thematik und Heranführung des Lesers

Sie sind überall und allgegenwärtig. Nicht nur in der Weihnachtszeit quellen die Läden über von ihnen in den unterschiedlichsten Formen als Dekorationsartikel oder als Motive für Grußkarten. Die elegante Luxuskarosse „Silver Seraph" von Rolls-Royce trägt ihren Namen. In der Kunstgeschichte, der Esoterik und im modernen Kulturleben sind sie nicht mehr wegzudenken. Auch unsere heutige Sprache ist voll von Anspielungen auf sie: Die Engel. Man spricht von einem Unschuldsengel und einem rettenden Engel, vom blauen Engel oder vom eiskalten Engel. Wenn in einer Gruppe das lebhafte Gespräch plötzlich verstummt und ein Augenblick der Stille entsteht, ist „ein Engel durch das Zimmer gegangen". Wie oft berufen wir uns bei einer ungewöhnlichen Bewahrung vor Schaden auf unseren Schutzengel?

Ein Kinofilm über diese himmlischen, geheimnisvollen und faszinierenden Wesen heißt „Dogma". Er ist aber insofern etwas außergewöhnliches, da er nicht das eher traditionelle Engelbild verwendet, welches sonst in vielen anderen Spielfilmen, dem typischen Medium unserer Zeit, wie „Stadt der Engel", „Himmel über Berlin" oder „Jede Frau braucht einen Engel" projiziert wird. Wer „Dogma" gesehen hat – und der Film ist es auf jeden Fall wert, gesehen zu werden - weiß, dass er anders ist. Diese Arbeit soll zeigen, dass Engel auch ihre Schattenseiten haben können, manchmal die Menschheit verachten und im Konflikt mit Gott stehen können. Das wirklich Neue an „Dogma" von Kevin Smith ist, dass alle Engel im Film komplexe Wesen sind, die eine eigene Persönlichkeit besitzen: Sie handeln aus Zorn, Sehnsucht und anderen Emotionen. Zahlreiche Rollen sind mit bekannten und guten Schauspielern wie Matt Damon, Ben Affleck und Alan Rickman besetzt. Außerdem spricht das Werk dadurch an, dass es die Stilmittel der 90er verwendet, wie z.B. derbe Dialoge über Sex, Drogen und Filme, ohne dabei inhaltlichen Tiefgang zu vernachlässigen. „Dogma" ist schwer in ein bestimmtes Filmgenre zu kategorisieren, da er unzählige Facetten und Wendungen besitzt: Einmal eine harmlose, vor Wortwitz sprühende Stand-Up-Comedy, dann wieder eine fantastische, rasante Geschichte über Himmel, Hölle und Erde und im nächsten Moment eine herausfordernde, fast provozierend-blasphemische Infragestellung der christlichen Kirche und des Glaubens. Man muss sich früher oder später die Frage stellen, warum Kevin Smith seinen neuesten Film gerade „Dogma" genannt hat. Ein Dogma hat zum einen eine allgemeine Bedeutung, die ein Dogma als eine „Aussage, die den Anspruch der absoluten Gültigkeit, Wahrheit erhebt" definiert, und zum anderen eine christliche Bedeutung, wobei es dann eine „geoffenbarte und kirchlich verkündete christliche Glaubenswahrheit" darstellt. Letztendlich bleibt im Film aber offen, ob wirklich die Dogmatik des Katholizismus, also die Institutionalisierung des Glaubens, kritisiert werden soll.

Dies soll in dieser Arbeit ansatzweise untersucht werden und auch die Frage, was die Engel in „Dogma" von ihren „Originalen" in der Bibel unterscheidet. Warum bilden die Engel oftmals eine Ausnahme in der weitverbreiteten Skepsis der Jugend gegenüber Übersinnlichem? Denn trotz aller Zweifel an ihrer Existenz haben es die Engel geschafft, sich ihre Anziehungskraft und Beliebtheit zu erhalten.

I. 2. Beschreibung der Bearbeitungsmethode

Die Idee, am Schülerlandeswettbewerb Jugend & Kultur & Religion 2000/2001 teilzunehmen, entsprang ursprünglich unserem Religionskurs. In dem derzeitigen Semester lautete unser Unterrichtsthema „Engel im Blickwinkel der Gottesfrage". Nach einer intensiven Diskussion unter den Schülern beschlossen wir, uns alle mit der Darstellung von Engeln in verschiedenen Filmen zu beschäftigen. Aus diesem Grund sahen wir uns alle gemeinsam den klassischen Engelfilm „Himmel über Berlin" von Wim Wenders an. Anschließend schlossen wir uns zu kleineren Gruppen zusammen, um separat einen selbstgewählten Film zu bearbeiten.

Zwei der fünf Mitglieder unserer Gruppe kannten zu diesem Zeitpunkt bereits den Film „Dogma" aus dem Kino. Sie überzeugten die anderen spontan von der Idee, sich mal mit diesem ganz anderen Engelbild zu beschäftigen. Kurz danach trafen wir uns privat und schauten zum ersten Mal alle gemeinsam den interessanten Film. In einer der folgenden Religionsstunden war es unsere Aufgabe, „Dogma" dem Kurs vorzustellen und darüber zu diskutieren. Danach setzten wir uns wiederum zusammen und arbeiteten ein vorläufiges Bearbeitungskonzept aus, in dem jeder ihm wichtig erscheinende Gedanken einbringen konnte. Dieses legten wir unserem Fachlehrer vor, der uns mit hilfreichen Anmerkungen unterstützte. In den folgenden Wochen setzten wir uns detaillierter mit dem Thema auseinander, recherchierten in Bibliotheken, Archiven und im Internet und sahen den Film noch einige Male, wobei wir versuchten, das Augenmerk jedes Mal auf eine andere Komponente des Films zu richten. Die einzelnen Punkte unseres Konzepts nahmen bald konkrete Formen an, und wir verteilten einige Aufgaben zur letztendlichen Ausformulierung an die einzelnen Mitglieder. Ein zentraler Aspekt unserer Arbeit war die Umfrage, zu der wir einen Fragebogen entwarfen und die wir anschließend in der Schule mit den Jugendlichen durchführten. In der Endphase schrieben wir schließlich den größten Teil nieder, lasen ggf. die separat erarbeiteten Teile Korrektur und fügten alles zusammen.

I. 3. Inhaltszusammenfassung des Films „Dogma"

Ein älterer Mann steht nachdenklich auf einer einsamen Strandpromenade. Urplötzlich tauchen drei jugendliche Punks auf Inline-Skates auf und attackieren den Mann ohne erkennbaren Grund auf brutalste Weise mit Hockeyschlägern.

In New Jersey ruft Kardinal Glick die „Katholizismus-Wow-Kampagne" aus, eine Reform der katholischen Kirche im Jahr der Erneuerung, welche die Kirche wieder in den Dialog mit der Gesellschaft bringen soll. Neben vielen anderen Neuerungen ist ein Generalablass ein zentraler Punkt des Plans, der es demjenigen, der am 100. Geburtstag der Kirche durch das Portal der Kathedrale schreitet, ermöglicht, von allen Sünden reingewaschen zu sein.

Die beiden aus dem Himmel nach Wisconsin verbannten Erzengel Loki und Bartleby vertreiben sich ihre Zeit auf Erden u.a. damit, Nonnen zur Abkehr von ihrem Glauben zu bewegen. In geraumer Vergangenheit wurden sie von Gott aus dem Himmel ausgeschlossen und müssen nun zur Strafe bis zum Ende der Welt in Wisconsin bleiben und danach für alle Ewigkeit vor dem Tor zum Himmel ausharren. Doch da erfahren die beiden in einem Brief von dem Generalablass, der ein Schlupfloch in der christlichen Doktrin darstellt und mit dem es ihnen vielleicht doch noch möglich sein könnte zurückzukehren. Aus diesem Grund beschließen Loki und Bartleby, nach New Jersey zu fahren.

Azrael, ein Gesandter der dunklen Mächte der Hölle, tötet die Bewohnerin eines Hauses mit Hilfe der jugendlichen Punks, bei denen es sich in Wirklichkeit um Dämonen aus seinen Gefolge handelt, um dort sein Hauptquartier für weitere Unternehmungen einzurichten.

Die Protagonistin Bethany Sloan arbeitet in einer Abtreibungsklinik, ist geschieden und unfruchtbar. Zusätzlich befindet sie sich die sonst gläubige Katholikin gerade in einer schweren Glaubenskrise. Eines Abends erscheint der Engel Metatron, die Stimme Gottes, im Schlafzimmer der erschreckten und ungläubigen Bethany, um sie mit einem heiligen Kreuzzug zu beauftragen, der darin besteht, Loki und Bartleby davon abzuhalten, die Kirche in New Jersey zu betreten und damit das Dogma von der Unfehlbarkeit Gottes zu widerlegen und dadurch die Zerstörung allen Seins, Armageddon, zu verhindern. Könnten die beiden Engel nämlich in den Himmel gelangen, hätte Gott falsch gelegen, als er bestimmte, sie dürften nie zurückkehren. Ihr sollen zwei Propheten beistehen. Die immer noch skeptische Bethany wird eines Abends auf dem Weg nach Hause von den Punks angegriffen. Im letzten Augenblick retten sie zwei merkwürdige Typen namens Jay, der über ein sehr obszönes Vokabular verfügt, und Silent Bob. Es stellt sich heraus, dass diese die angekündigten Propheten sind und, obwohl Bethany deren sexuellen Anzüglichkeiten missfallen, überredet sie die beiden, mit ihr nach New Jersey zu kommen.

Nachdem sich Loki einen Revolver gekauft hat, um mit diesem statt dem auffälligen Flammenschwert Rache an den ungläubigen Menschen zu üben, damit Gott einsieht, dass er seine früheren Taten bereut und es wert ist, wieder im Himmel aufgenommen zu werden, macht er sich zusammen mit Bartleby im Bus auf den Weg nach New Jersey. Im Bus veranstaltet Loki schließlich ein Blutbad, da er herausfindet, dass einer der Mitreisenden Ehebruch begangen hat.

Bethany, Jay und Silent Bob erleiden derweil eine Autopanne. Gerade als sie resigniert umkehren wollen, fällt Rufus, der schwarze 13. Apostel, vom Himmel und will das ungleiche Team auf seinem Kreuzzug begleiten.

Azrael ist wütend auf seine Dämonen, da sie es bisher nicht geschafft haben, Bethany aufzuhalten. Er beschließt, den gefährlichen „Golgathaner" auf den Plan zu rufen.

Rufus erzählt den anderen u.a., dass Jesus schwarz gewesen sei und dass die Bibel noch in einigen anderen Punkten korrigiert werden müsse, da z.B. er selbst als der 13. Apostel keine Beachtung fände. Währenddessen lernen Jay und Silent Bob in einer Striptease-Bar Serendipity kennen, eine Muse, die in einer kreativen Schaffenskrise steckt und sich daher unter die Menschen begeben hat, um diese zu inspirieren.

Zeitgleich suchen Loki und Bartleby die Vorstandssitzung des Konzerns „Mooby" auf. Die dort anwesenden Leute haben sich mit dem goldenen Kalb „Mooby" einen Götzen erschaffen, den sie nun statt Gott verehren. Folglich haben sie das erste der Zehn Gebote gebrochen. Loki verkündet vor allen anderen zusätzlich alle sonstigen Sünden im Leben der Vorstandsmitglieder, bevor er alle außer einer schuldfreien Frau exekutiert.

In der Bar, in der sich die Kreuzzügler immer noch aufhalten, erscheint der Golgathaner, ein Dämon aus den Exkrementen der Gekreuzigten der Schädelstätte Golgatha, um Bethany zu töten. Es gelingt Silent Bob, ihn mit Hilfe eines Deos zu bezwingen.

Loki und Bartleby reisen per Zug weiter nach Jersey, da Azrael, der eine eigene Agenda zu verfolgen scheint und vorher in Kontakt mit ihnen getreten war, ihnen geraten hat, inkognito weiterzureisen, weil sowohl die Mächte des Himmels als auch die der Hölle hinter ihnen her seien. Nun erfahren die beiden Engel auch, dass bereits der letzte Nachkomme auf sie angesetzt wurde. Auch Bethany und die anderen reisen im Zug weiter. Die beiden parallelen Handlungsstränge werden zusammengeführt, als Bethany und die beiden Propheten Loki und Bartleby kennenlernen. Da sich die beiden Engel an Azraels Rat halten und sich nicht zu erkennen geben, berichtet Bethany im Alkoholrausch von ihrem Vorhaben und gibt sich selbst als letzter Nachkomme preis. Glücklicherweise taucht Rufus, der in seinem Abteil geschlafen hat, auf und erkennt Loki und Bartleby. Zusammen mit Jay und Silent Bob schlägt er die Engel in die Flucht. Von nun an ist Bartleby wütend auf die ungläubige Menschheit. Als Engel beneidet er die Menschen um ihren freien Willen und die Undankbarkeit gegenüber der Nachsicht Gottes mit deren Sündhaftigkeit.

Bethany ist resigniert, nachdem sie mit ihrem Gefolge ebenfalls den Zug verlassen hat. Sie erfährt von Rufus, dass sie entfernt mit Christus verwandt sei. Verwirrt und verzweifelt läuft sie in einen nahegelegenen Wald, wo ihr Metatron erscheint, der sie beruhigt und ermutigt diese Neubestimmung ihrer Identität als letzter Nachkomme Christi anzunehmen. Metatron unterrichtet die Reisenden darüber, dass Gott von seinem letzten Minigolfspiel auf der Erde nicht zurückgekommen und seitdem verschwunden sei. Hätte man ihn in seiner menschlichen Gestalt getötet, wäre er sofort in den Himmel zurückgekehrt, deshalb muss er auf der Erde außer Gefecht gesetzt worden sein. Bethany beschließt schließlich, Kardinal Glick aufzusuchen, um die Kirche schließen zu lassen und so die beiden Engel daran zu hindern, durch das Tor zu gehen. Ihr Vorhaben bleibt jedoch erfolglos. Als sie in einer Bar über das weitere Vorgehen beraten, trifft Azrael ein, um Bethany persönlich aufzuhalten. Serendipity erzählt, sie habe herausgefunden, dass Azrael hinter allem steckt. Dieser bringt jedoch zunächst die Kreuzzügler mit seinen Punks in seine Gewalt, da er seinerseits die Vernichtung der Welt plant, weil er vor langer Zeit von Gott in die Hölle verbannt wurde und diese nun um jeden Preis wieder verlassen will. Zu seinem Plan gehörte u.a. auch, Gott unschädlich zu machen. Jetzt will Azrael das letzte Hindernis, den letzten Nachkommen, beseitigen.

Loki und Bartleby treffen bei der Feierstunde der Erneuerungsweihe ein, und Bartleby überzieht die anwesenden Menschen mit dem angeblichen Zorn Gottes.

Silent Bob erschlägt Azrael mit dem Golfschläger, den er dem Kardinal zuvor gestohlen hat, denn da der Schläger gesegnet ist, ist es möglich, damit den Dämon umzubringen. Anschließend machen sich alle schleunigst zur Kirche nach New Jersey auf, wo Bartleby und Loki bereits ein Blutbad veranstaltet haben. Serendipity erklärt, dass, falls einer der Engel aus der Kirche kommt, er dann menschlich sei und nicht getötet werden dürfe, da er sonst sündenfrei in den Himmel fahren könne und damit das Ende der Existenz, die Apokalypse, besiegele. Loki ist bereits ein Mensch, aber noch nicht sündenfrei. Er versucht, Bartleby aufzuhalten, wird dann aber von ihm getötet. Während die anderen gegen Bartleby kämpfen, läuft Bethany zu einem nahegelegenen Krankenhaus, weil sie herausgefunden hat, dass dort ein künstlich am Leben erhaltener Mann liege, der beim Minigolfen zusammengeschlagen worden sei. Jay schießt Bartleby die Flügel ab und macht ihn dadurch zum Menschen. Bethany gelingt es, die Beatmungsmaschine abzustellen und damit Gott aus seiner menschlichen Hülle zu befreien. Bartleby wird durch das Erscheinen Gottes, der jung und weiblich ist, daran gehindert, das Portal zu durchschreiten. Gott selbst beschließt, den ehemaligen Engel zu erlösen und das Chaos zu beseitigen. Bethany, die mit ihrer Tat zum Märtyrer geworden ist, starb kurz vor Gottes Ankunft. Gott legt die Hände auf die tödliche Wunde und heilt sie auf wundersame Weise. Danach pflückt Gott ein paar Blumen und macht einen Kopfstand. Metatron verkündet Bethany, sie sei nun nicht mehr der letzte Nachkomme, da sie ein Kind erwarte. Bethanys himmlische Mitstreiter verabschieden sich und fahren zusammen mit Gott gen Himmel.

II. Hauptteil

II. 1.1 Charakterisierung von Loki

Loki ist ein ehemaliger Racheengel, der im Auftrag Gottes sündige Menschen getötet hat. Er war derjenige, der „Sodom und Gomorra" zerstörte und den Ägyptern die „zehnte Plage" brachte. Er wurde aus dem Paradies verbannt, nachdem sein Freund Bartleby ihn überredet hatte, sich gegen Gott zu stellen und Mitleid mit den Menschen zu haben. Darauf hin „kündigte" Loki und fristet sein Dasein nun bis ans Ende der Menschheitsgeschichte auf der Erde.

Loki ist ein Wesen, das überhaupt kein Verständnis für Leute hat, die gegen die Zehn Gebote verstoßen. Als er nun erfährt, dass sie wieder „nach Hause" können, ist er ganz erpicht darauf, die Götzenanbeter (die Hersteller des „Goldenen Kalbes Mooby") zu vernichten. Er ist aufbrausend und kaum zu stoppen. Die sofortige Hinrichtung des Ehebrechers im Bus zeigt auch seinen tiefen Glauben an die Gebote Gottes und seine zügellose Art, mit Sündern umzugehen.

Nach der Szene im Zug erfolgt ein leichter Wechsel seines Charakters. Er hat plötzlich Angst vor den Konsequenzen einer Rückkehr ins Paradies und kann den plötzlichen Hass von Bartleby gegenüber den Menschen nicht verstehen. Er erkennt, dass es Bartleby nur um einen Kampf gegen Gott geht und versucht ihn aufzuhalten. Loki will ihn daran hindern, die Kirche zu betreten und damit die Fehlbarkeit Gottes zu beweisen. Aufgrund dessen wird Loki am Ende von Bartleby getötet.

II. 1.2 Charakterisierung von Bartleby

Der Engel Bartleby ist ein großer, schlanker, sportlicher Typ mit braunen kurzen Haaren. Weder die Art und Weise wie er spricht, noch wie er sich kleidet, lässt jedoch den Beobachter daran zweifeln, dass er ein ganz normaler Mitzwanziger ist. Aber tatsächlich war er viele tausend Jahre ein Gregori mit den Aufgaben, zu wachen und zu verkündigen, und hat gemeinsam mit Loki den Zorn Gottes über die Menschen gebracht. Die Menschen taten ihm damals allerdings leid, weswegen er nicht immer in Gottes Sinne handelte. Letztlich wurde er zusammen mit Loki aus dem Himmel verbannt und lebt nun seit Sodom und Gomorra auf der Erde im Exil.

Mittlerweile verbringt Bartleby seine Zeit gerne auf dem Flughafen, denn er ist sehr mitfühlend und sieht die Menschen am liebsten in Situationen, in denen sie sich einfach nur freuen können ohne misstrauisch und berechnend zu sein. Er glaubt, die Wiedersehensfreude an Orten wie Flugplätzen sei dazu geradezu ideal.

Obwohl er ein sehr positives Menschenbild hat, möchte er nach Jahrtausenden in Wisconsin sehr gerne wieder „nach Hause" in den Himmel und zögert deshalb keine Sekunde, die Chance des Generalablasses zu nutzen und zurückzukehren. Die Vorfreude auf zuhause ist sogar so groß, dass er schließlich einwilligt, mit Loki ein letztes Massaker durchzuführen, obwohl er sonst das Töten im Namen Gottes für etwas Verwerfliches hält, weil er deswegen auch von Gott verstoßen wurde.

Nach diesen Morden macht Bartleby sich mit seinem Freund Loki auf den Weg zu der Kirche in New Jersey, bei der der Generalablass möglich sein soll. Auf dem Weg dorthin trifft er Bethany und unterhält sich längere Zeit mit ihr, ohne von ihrer bedeutungsschweren Abstammung zu wissen. Dieses Gespräch ist der Auslöser dafür, dass Bartleby seinen Charakter völlig umkehrt. Die Tatsache, dass der letzte Nachkomme Christi ihm offen und ohne Schuldgefühle ins Gesicht sagt, dass sie schon lange nicht mehr an Gott glaube, macht ihn sehr wütend. Nun tun ihm die Menschen nicht mehr leid, stattdessen beginnt er, sie zu hassen. Bartleby und Loki wurden aus dem Himmel verbannt, weil sie sich weigerten, weiterhin das Töten im Namen des Glaubens zu unterstützen, den Menschen dagegen wird jeder Fehler von Gott nachsichtig verziehen. Egal, ob sie an Gott glauben oder nicht, die Menschen dürfen im Gegensatz zu den Engeln ihr Leben wie bisher weiterführen, sie werden nicht verstoßen oder sonst wie bestraft. Als Bartleby dies klar wird, erfährt sein Charakter eine totale Wendung. Er empfindet keinerlei Mitleid mehr für die Menschheit, sondern nur noch blanken Hass. Aus diesem Grund steht für ihn nun auch nicht mehr dir Rückkehr in den Himmel im Vordergrund, sondern die Abrechnung mit Gott. Hat er bislang das Morden an den Menschen immer verurteilt, so bereitet es ihm jetzt in der Szene vor der Kirche Genugtuung.

II. 1.1 Charakterisierung des Metatron

Der in dem Film „Dogma" von Alan Rickman gespielte Metatron erscheint auf den ersten Blick wie eine auf Erden lebende Männergestalt. Sein äußeres Erscheinungsbild zeigt keine Besonderheiten, Auffälligkeiten und auch seine menschlichen Verhaltensweisen, die zum Vorschein treten, erwecken vordergründig den Eindruck, es handle sich um einen „ganz normalen" Menschen.

Dieses Bild wird jedoch zunächst durch seine Allwissenheit und Ungeschlechtlichkeit gestört. Schließlich wird deutlich, dass Metatron ein Seraphim ist. Den Beweiß für den obersten Rang bei den Engeln, den er besitzt, liefert Metathron in seinem feurigen Auftritt und in seiner Flügelspannweite. Seine Flügel kann er nach Belieben aus- oder einfahren, sodass sie von außen nicht zu erkennen sind. Zusätzlich besitzt Metathron die Fähigkeit, den Ort willkürlich zu wechseln, ohne sich hierzu zu bewegen.

Seine mit Abstand wichtigste Funktion ist, dass er die „Stimme des allmächtigen und einzig wahren Gottes" darstellt und somit als Sprachrohr des Herrn dient. Metathron erscheint auf der Erde als Vermittler zwischen Gott und den Menschen, die mit ihrem „akustischen und psychologischen Fassungsvermögen der Stimme Gottes nicht standhalten können". Er vermittelte sogar zwischen Gott und dessen eigenem Sohn, da auch Jesus Christus, als Mensch auf der Erde lebend, die Botschaft seines Vaters nur mit Hilfe eines Sprachrohrs empfangen konnte, ohne an ihr selbst zugrunde zu gehen.

II. 2. Engel in der Bibel - Herausarbeitung der Unterschiede und Parallelen zum Film

2.1 Hierarchie

In der „Verkündigungsszene" am Beginn des Filmes beschreibt der Metatron (s.o.) sich Bethany kurz als den Obersten der Engel, von denen es Seraphime und Cherubine gäbe. Hiermit nimmt der Film nicht nur die Begrifflichkeit der Bibel auf, sondern schließt sich einem biblischen Bild von Engeln und deren Hierarchie an. So kennt die Bibel bei Daniel und in der Offenbarung eine durchaus vielfältige Engelwelt.1

2.2 Gestalt/„Das Engelhafte"

Was macht den Engel in „Dogma" aus? Seine Menschengestalt, die mit Flügeln ausgestattet ist, welche jedoch zu verbergen sind. An der Schlussszene wird deutlich, dass hierin wohl ein Hauptunterschied zum Menschen besteht, genügt doch allein das Abschießen der Flügel, um den Engel zum Menschen werden zu lassen. Zur menschlichen Körpergestalt kommen noch hinzu: Körperlich sichtbare Geschlechtslosigkeit, die Unfähigkeit, Alkohol zu trinken und Unsterblichkeit.

Auch hier lassen sich Übereinstimmungen mit biblischen Darstellungen finden. So werden die Engel Gottes in 1.Mose 19,1 als zwei Fremde dargestellt, die Lot besuchen. Als Konzession an die Verkäuflichkeit des Filmes sind wohl die zwei folgenden Merkmale zu verstehen. Die im Film deutlich benannte Unsterblichkeit mag als Wesensmerkmal von Helfern Gottes anzunehmen sein, ist aber nicht als Zitat zu belegen.

2.3 Wesen: Individuum und Werkzeug

Im Film werden die Engel, über das rein Stoffliche hinaus, als etwas Wesenhaftes dargestellt. „Wesenhaft" meint hier: Sie verfügen über einen eigenen Willen (Freiheit?) und eigene Gefühle, gleichzeitig mangelt es ihnen aber an einem Gewissen. Willen - zumindest zeitweise - hat der Metatron, während der Nicht-Präsenz Gottes die Möglichkeit, „frei" zu entscheiden. Bartleby und Loki sind auf Grund der Opposition gegenüber Gott aus dem Himmel verbannt worden, außerdem tun und lassen sie auf der Erde, was sie wollen.

Hiermit steht der Film im deutlichen Widerspruch zu Aussagen, die in der Bibel zu finden sind. Hier wird ein Engel als Bote, als Beauftragter, als „Werkzeug" Gottes dargestellt. Der Engel hat keinen freien Willen, er ist Gesandter/ Stimme Gottes, jedoch nicht im Sinne des Metatrons, der zwar diese Aufgaben auch erfüllt, aber in diesem Falle eigenständig handelt. Im Allgemeinen werden die Engel in der Bibel nicht so stark betont, sie sind vielmehr „Einrahmung" für Gott. Eigene Kapitel zu den Engeln als individuelle Personen mit Gefühlen gibt es nicht. Es fehlen mit Ausnahme der Reiter-Engel in Offenbarung des Johannes überhaupt explizite Beschreibungen.

2.4 Transzendentale Stellung

In ihrem Gespräch in der Tiefgarage wird dem Zuschauer von Bartleby ein Gott-Engel-Mensch-Verhältnis aufgezeigt. Engel und Gott sind demnach immer dagewesen, die Engel sind Diener Gottes (mit obigen Einschränkungen), mit ihrer Hierarchie bilden sie einen „Hofstaat", eine Zwischenwelt. Nach Bartleby seien hierzu nun irgendwann die Menschen erschaffen worden, denen alles erlaubt worden sei, sogar der Spott, der Widerspruch zu Gott. Und dies alles, ohne dass Gott dagegen vorgehen würde. Gegen Ende spricht der Film, d.h. die Muse, sogar davon, es hätte selbst einen Krieg zwischen den Engeln gegeben. Darüber hinaus trennt der Film sehr scharf zwischen Gott und den Engel, dies ist schon an der Personifizierung Gottes bzw. der Stimme Gottes in Person des Metatron festzustellen.

Hier möchten wir ansetzen, denn gerade die konkrete Trennung zwischen Gott und den Engeln bzw. seiner Stimme und der Person, die seinen Auftrag als Bote überbringt, ist in der Bibel schwierig. Laut Literatur ist zwar im AT stets von einem Boten, einem Engel, in dessen Wortbedeutung schon die Botschaft Gottes liegt, die Rede, aber es wird nie ganz klar, ob nicht hier Gott selbst, oder Gott durch den Engel spricht. Durchaus zu finden ist eine Vielfalt von Engelwesen, die unterschiedlichste Aufgaben erfüllen, nur eben bei der Stimme Gottes ist dies schwierig. Das Eigenleben der Engel, ihre Geschichte quasi, finden wir in der Bibel nicht, ihre Stellung ist, wenn sie denn von Gott losgelöst betrachtet werden, nur in ihrer Nähe zu Gott definiert bzw. in einem hierarchischen System (s.o.), in welchem sie erst durch die Beziehung zwischen Gott und den Menschen ihre Aufgabe bekommen.

Uns scheint es als legitim, die beiden Engel, Loki und Bartleby, als „Gefallene Engel" zu bezeichnen, zum einen, weil dies der Film selber tut, zum anderen, weil man mit „Gefallener Engel" in der Bibel ein aus dem Himmel vertriebener Engel bezeichnet wird, was ja für beide zutrifft. Eine kleine Ungenauigkeit sei hier angemerkt: Während die Bibel mit dem griech. Wort „diabolos" den einen gefallenen Engel, nämlich letztlich den Teufel oder Luzifer beschreibt, gibt es im Film sowohl Luzifer als eben auch die beiden gefallenen Engel.

2.5 Aufgabe/Tätigkeit der Engel

Soweit erkennbar sind drei Aufgaben von Engeln im Film wieder zu entdecken. Erstens ist der Metatron als Bote zu nennen, zweitens die Funktion Lokis als ehemaliger Racheengel, drittens Bartleby als ursprünglich harfespielender, gottlobender Engel. Indirekt sind die Engel noch Gottes Krieger im Kampf gegen den Teufel. Hiermit greift der Film grundsätzlich alle Funktionen der Engel in der Bibel auf. Wenngleich die Beschützerfunktion für Gott wohl eher eine phantastische Zugabe ist und der Lobpreis Gottes, wie er gerade im NT zu finden ist, etwas zu kurz kommen. Die Funktion des Racheengels ist im AT so nicht eindeutig nachzuweisen. Zwar wird die Rache Gottes von ihnen ausgeführt, doch ist die Intention des AT den Israeliten Engel als Beschützer ihres Volkes darzustellen. Der Film wird sogar dem Sprung zischen AT und NT was die Funktion bzw. die Verwendung von Engeln anbetrifft gerecht, so wird der alte Auftrag Lokis, Rache zu üben und „Todsünden" zu bestrafen, aufgehoben, es wird sogar gesagt, Gott sei nicht mehr rachsüchtig. So wandelt sich auch das Gottesbild vom AT zum NT von grausam zu gütig, vergebend.

Kurz sei noch zu bemerken, dass auch beim Auftreten der Engel Parallelen vor allem zum AT zu finden sind. Der Metatron spricht zu Bethany am Anfang aus dem Feuer bzw. kommt in dem selben auf die Erde nieder, es wird nicht ganz deutlich, ob er sogar im Traum mit Bethany spricht, denn als Stimme kommen die göttlichen Wesen von irgendwo her und am Ende entschwinden sie und Gott selbst in feurigem Licht wieder in den Himmel.

2.6 Fazit

Auch wenn der Film sich im Vorspann jede Ernsthaftigkeit abspricht, so ist doch nicht zu verkennen, wie sehr er sich nicht nur an volkstümlichem Gedankengut festhält, sondern fast zitierend biblischen Stoff in bezug auf die Engelgestalten verarbeitet, sowohl was ihre Funktion bzw. Stellung betrifft, als auch in bezug auf ihre Benennung (z.B. Metatron). Dass hier ein gewaltiger Unterschied in der Individualität der Engel zu finden ist, hat wohl mit der Vorgabe eines Filmes zu tun, der ohne sie handlungs-, spannungs- und farblos werden würde.

II. 3. Einbeziehung und Verfremdung von Symbolen im Film

3.1 Erläuterung „Symbole"

Über die Figuren der Engel hinaus verwendet der Film eine Reihe von sowohl biblischen als auch volkstümlich besetzten Symbolen. Als Symbol möchten wir hier nach Gerd Mohr jene Dinge, Personen und Abstrakta (Geschichten, Handlungen) verstehen, über die im Allgemeinen, oder hier auch in der Bibel, im Bezug auf ihren Inhalt/ ihre Konnotationen, eine Vereinbarung herrscht, was ihre Bedeutung sei.

Hier soll nur ein kleiner Überblick geschaffen werden, um allgemein einen Schluss über die Verwendung von Symbolen in „Dogma" zu ziehen.

3.2 Gegenständliches

Es wären zu nennen das Kruzifix, Azraels Teufelshörner, das Goldene Kalb Mooby, das Flammenschwert.

Das Kruzifix, also die plastische Darstellung des leidenden Christus am Kreuz, wird gleich am Anfang des Filmes eingesetzt, um als Gegensatz zu der Figur „Kumpel Christus" die angeblich alte, verstaubte und bedrückende Kirche darzustellen. Das Kruzifix als das Glaubenssymbol schlechthin, eben als Bekenntnis (s.o.), wird hier als Produktsymbol in einem Werbefeldzug dargestellt, seinem Bekenntnis entzogen.

Azrael verbirgt unter seinem Hut zwei kleine Hörner, welche generell als das Symbol des Teufels gelten, siehe z.B. das Abspreizen des Zeige- und Ringfingers als Teufelssymbol bei satanisch Eingestellten oder „Todesmusik"-hörenden Jugendlichen oder die Darstellung in Märchen: „Teufelshörner und Pferdefuß". Gleichzeitig wird, und hierin liegen unserer Meinung nach die Wurzeln, das Bild eines gehörnten Dämonen/Wesen in der Offenbarung aufgenommen.

Eine weitere Rolle spielt „Mooby, das Goldene Kalb", die Figur eines Goldenen Kalbes als Kinderspaß. Verständlich die erste Deutung in Richtung 2.Mose 32,4. Als Zusatz sollte man hier aber noch darauf hinweisen, dass z.B. die Zeitung „Die Welt" in ihrem Kommentar über den Film „Dogma" vom 20. April 2000 (s. Anhang) hierin ein Abbild von Micky Mouse sieht. Insofern ist zu fragen, ob es sich hier um ein reines Symbol der Lästerlichkeit der Medien gegenüber Gott handelt oder vielmehr um einen kleinen Seitenhieb des Produzenten in Richtung der Konkurrenz, zu mal die Manager des Konzerns „Mooby World" nicht wegen „Mooby", sondern wegen ihrer Lebensführung getötet werden.

Während sich Loki mit Bartleby eine Pistole kauft, erzählt er davon, wie praktisch doch sein Flammschwert früher war. Das „Flammenschwert" ist bekanntermaßen ein biblisches Symbol für die Macht. So trägt der Cherubim in 1.Mose 3,24 ein flammendes und blitzendes Schwert.

3.3 Personen

Zu nennen wären hier der Apostel, die Propheten, die Nonne, der personifizierte Gott (einmal der alte Opa am Strand, das andere Mal Gott als lächelndes „Prima-Ballerina"-Mädchen) und Azrael.

Mit dem Apostel und den Propheten nimmt der Film auch hier klassisch besetzte Begriffe für Personen auf, zum einen aus dem AT, z.B. die Propheten Jesaja, zum anderen aus dem NT, die Apostel. Interessant hieran ist nicht unbedingt, dass sie verarbeitet werden, sondern vielmehr in welcher Position und in welchem Verhältnis sie zu den anderen Figuren stehen. So bilden das Dreigespann aus dem Metatron, dem 13.Apostel und den Propheten sowohl hier als auch in der Bibel eine Einheit.

Alle drei Figuren und damit auch deren Inhalt werden karikiert, da sie entweder durch Witzfiguren dargestellt werden (Silent Bob und Jay als sexistische Propheten) oder ihre Person zwar aus der Bibel entlehnt ist, dort aber nicht ausdrücklich vorkommt und dann sogar mit der Idee auftritt, die Bibel zu ändern, und letztlich ganz locker „jugendlich" über Jesu und die Bibelgeschichten plaudert (der 13. „schwarze" Apostel) oder weil sich hier der Metatron zwar würdevoll gibt, aber dann immer mit dem Gejammer über seine beschmutzten Kleider anfängt.

Die Nonne ist für viele Menschen ein Sinnbild für Frömmigkeit und Kirche bzw. christlichen Glauben schlechthin. Auch im Film tritt sie zu erst so auf, Kutte und Spendenbüchse, doch lässt sie sich während eines kurzen Gespräches mit Loki von ihrem Lebensweg abbringen.

Mit Gott als Opa wird ein nach unserer Erfahrung weit verbreitetes Gottesbild aufgegriffen, nur, dass dieses auf die Erde gestellt wird und der gütig guckende Mann zusammengeschlagen wird. Man möchte meinen, Gott als junge Frau symbolisiere etwas wirklich Neues oder mache zumindest ein Wink an emanzipierte Kreise. Es gibt einen Witz der mehr oder minder weit verbreitet ist: „Is God white? -No, she is black". Hierin sehen wir durchaus einen Anknüpfungspunkt für den Film, sowohl für das Gottesbild, als auch für den Apostel und dessen Jesus-Version.

Letztlich am bedeutensten für das Gottesbild, für die Stimme Gottes und den letzten Nachkommen kann man die Tatsache halten, dass dem Zuschauer in diesem Film ein konkretes Bild dieser Personen überhaupt geboten wird, d.h. sie werden von Schauspielern gespielt.

Azrael bleibt der kleine Dämon, der letzten Endes für das große Problem der Apokalypse überhaupt verantwortlich ist. Mit ihm wird ebenfalls eine biblische Figur belebt und konkretisiert.

3.4 Bibelauszüge

Folgende Bibelstellen/biblische Geschichten nimmt der Film auf oder rezitiert sie:

Sodom und Gomorra (1.Mose19), die 10 Plagen in Ägypten (2.Mose7,14-12,51): Diese beiden alttestamentlichen Geschichten werden beim Waffenkauf von Loki als seine Taten genannt, hier ist also Loki ganz konkret der Racheengel gewesen. Die Hochzeit zu Kanaa Joh.2,1-12: Auch diese Geschichte wird direkt zitiert, und zwar vom 13. Apostel bei dessen „Ankunft" auf der Erde, wo er meint „Jesus hat mir mal den Trick mit der Auferstehung erzählt, aber auf der Hochzeit zu Kanaa hab’ ich das vergessen". Jesus auf dem See (Joh.6,16-21), Maria Verkündigung (Luk. 1.26ff.): Die Szene, in der der Metatron Bethany ihren Auftrag zum Retten der Welt gibt kann man wohl mit der Verkündigung der Geburt gegenüber Maria vergleichen. Maria Empfängnis (Mt. 1,18ff.): Am Ende des Filmes wird Bethany durch Handauflegen von Metatron schwanger. Im Allgemeinen wird Bethany ständig mit dem Leben Jesu konfrontiert, so erzählt z.B. der Metatron vom zwölfjährigen Jesus und dessen Reaktion auf die Verkündigung seines Auftrages. Diese „Bibelzitate" geben quasi den biblisch-historischen Rahmen und die für die Handlung nötige Begründung.

3.5 Abstrakta

Dazu zählen: Segen, Glaube, Auferstehung, Theodizee-Frage und das Dogma der kirchlichen Unfehlbarkeit. Der Segen spielt gerade gegen Ende des Filmes eine entscheidende Rolle, gibt er doch, als gesegneter Golfschläger oder Waschbecken in der Bar-Szene die Möglichkeit, das Böse zu besiegen. Im Film wird der Segen als göttliche Kraft, die auf etwas übergeht, begriffen. Dass nun dieser gesegnete Gegenstand ein Golfschläger eines Kardinals ist, macht dies nur etwas lächerlich. Glaube ist ein Symbol/Element, dass den Film entscheidend bestimmt (näheres siehe II.5). Auferstehung wird als Trick (s.o.: 13.Apostel/ vgl. Schlussszene) verstanden und sogar direkt von Gott selbst praktiziert. Auferstehung als eine Kernaussage des Glaubens kommt so im Film als Vollendung der Heilsgeschichte nicht vor. Der Film greift somit die wesentlichen Elemente des Christentums auf, hinterfragt sie, macht sie durchaus auch lächerlich, zweifelt aber ihre Existenz und ihre Möglichkeiten nicht an.

Auch nimmt der Film auf die klassische Frage, warum Gott etwas Schlechtes zuließ bezug. Sie findet sich im Gespräch Bethanys mit Metatron in der Tequila-Bar und wird ohne weitere Begründung mit dem Verweis auf die Wichtigkeit der Mission abgetan. Sowohl im direkten Zitat als auch schon durch das Grundproblem „Alles besteht nur, weil Gott unfehlbar ist" erwähnt der Film das Dogma der kirchlichen Unfehlbarkeit und übt daran scharfe Kritik.

3.6 Fazit

Wie es das Wesen eines Filmes ist, konkretisiert der Film viele z.T. abstrakte Symbole, z.B. den Segen oder die Person Gottes, und macht sie damit für menschliche Kritik fassbar. Es muss dem Film, wie schon bei 2.6 zugestanden werden, dass er souverän und kenntnisreich mit den Symbolen des Christentums und alltäglichen Klischees umspringt, ihnen aber nicht den Rahmen liefert, dessen sie eigentlich bedürften, weil er sie in eine kritische, komische, aber vor allem unernste Geschichte einbindet.

 

II. 4. Das Engelbild der Jugendlichen heutzutage anhand einer Umfrage und Vergleich zur Darstellung im Film

Nach der Betrachtung des Films „Dogma" haben wir uns die Frage gestellt, inwieweit das dort projizierte Engelsbild mit den heutigen Vorstellungen der Jugend übereinstimmt. Deswegen starteten wir eine Umfrage bei 100 Jugendlichen im Alter von 14-20 Jahren. Wir stellten ihnen die Frage nach ihrem Engelverständnis. Zunächst interessierte uns ihre Einstellung zur Religion. Was dabei sehr auffiel war, dass sich mindestens 80% der Befragten als mindestens teilweise religiös einstuften. Auch bejahten die meisten die Frage, ob sie an Engel glauben würden. Manche Jugendliche, die zuvor äußerten, nicht religiös zu sein, waren doch der Meinung, dass es so etwas wie Engel gibt. Als es nun darum ging, worin die Teilnehmer die Funktion und Aufgaben eines Engels sehen, gingen viele nach dem traditionellen Engelsbild. Für sie ist ein Engel ein Bote Gottes, „jemand", der den Menschen Nachrichten im Namen Gottes überbringt. Wie beispielsweise in der Bibel, als ein Engel den Schäfern verkündet, ihnen sei der Heiland geboren (Luk.2,9ff.). Für viele haben die Engel auch eine Beschützerfunktion, übernehmen also die Rolle des Schutzengels und stehen den Menschen in schwierigen Situationen bei.

Zieht man nun Vergleiche zum Film, erkennt man, dass der Metatron in einigen dieser Punkte mit dem allgemein verbreiteten Engelbild übereinstimmt. Er ist die Stimme Gottes. Zusätzlich steht er Bethany bei, nachdem sie gerade erfuhr, sie sei der letzte Nachfahre Jesu.

Im Gegensatz dazu stehen Loki und Bartleby, zwei von Gott verstoßene Engel, die ihre Aufgabe darin sehen, im Namen Gottes Sündiger zu töten. Besonders Loki nimmt seinen Glauben und die dazugehörigen Zehn Gebote sehr ernst und veranstaltet in einer Firma, die durch ihre Herstellung des „Goldenen Kalbes" eine neue Götzenfigur geschaffen habe (und somit gegen das 1. Gebot verstoßen habe), ein Massaker. Auch die Szene im Bus, in der Loki einen Ehebrecher hinrichtet, zeigt deutlich, wie diese beiden Engel vom traditionellen Bild abweichen. Der am Ende des Films von Bartleby geschürte Hass gegenüber Gott und der Menschheit passen ebenfalls nicht zu der Vorstellung eines friedvollen, gottverbundenen Wesens, das den Menschen beisteht.

II. 5. Diskrepanz zwischen institutionalisiertem Glauben (Institution Kirche) und dem Glauben an sich als Kernaussage von „Dogma"

In dem Film „Dogma" berichtet Bethany, die sich momentan in einer Glaubenskrise befindet, aus eigener Erfahrung, dass sie in ihrer Kindheit nie an Gott gezweifelt habe, jedoch im Laufe des Heranwachsens widerfahren ihr zunehmend Schicksalsschläge, die sie an Gott zweifeln lassen. Somit gewinnt die Theodizee-Frage an Gewichtung. Mittlerweile besucht Bethany nicht mehr die Kirche aus Überzeugung, sondern aus Gewohnheit. Ihr Glaubensverlust scheint kein Einzelfall zu sein, sondern das Desinteresse an der Kirche greift zunehmend um sich. So regiert der Schein, gläubig zu sein, und der wahre Glaube geht unter dieser auferlegten Maske mehr und mehr verloren. Die Medien und die Mehrheit der Menschen halten die Kirche für eine veraltete Institution, empfinden sie als überflüssig, und die Bibel gilt als unverständlich und kitschig. Die Kirche reagiert auf diese Änderung mit einem Jahr der Erneuerung für Glaube und Stil. So verändert die Kirche das Kruzifix, welches ein altes Symbol des Glaubens ist, zum „Kumpel Christus", der einem zeichentrickartigen Showmaster ähnelt. Der Versuch, die Kirche wiederum in den Dialog mit der Gesellschaft zu bringen, äußert sich in der Einführung des Generalablasses. Dieses Verhalten jedoch wird von dem 13. Apostel Rufus stark kritisiert, da hier die Menschen auf ihre Erfindungen Gottes Etikett kleben und somit ihre eigene gute Idee mit einer Glaubensstruktur schmälern. Auch die Muse ist nicht positiv auf die Institution Kirche und somit auf den institutionalisierten Glauben zu sprechen, da für sie Glaubensreligionen zu selbstgerecht sind, um zu begreifen, dass es nicht wichtig ist woran die Menschen glauben, sondern der Glaube an sich das einzige ist, was zählt. Die Menschen tragen demnach ihre Herzen am rechten Fleck, schalten jedoch ihren Verstand noch nicht ein.

Zusammenfassend übt „Dogma" im Kern tatsächlich starke Kritik an der Institutionalisierung und „Organisation" des Glaubens durch eine (in diesem Fall die katholische) Kirche, nicht jedoch am Glauben an sich. In der Gesamtbetrachtung scheint der Film sogar ziemlich deutlich für einen persönlichen Glauben zu werben, der dann jedoch ungezwungen von institutionellen Konventionen sein soll.

 

III. Schlussteil

III. 1. Zusammenfassung der Ergebnisse

Die im Film „Dogma" auftretenden Engel sind in fast jeder Hinsicht „menschlich", so z.B. in ihrem Verhalten und ihren Gefühlen, wobei sie verschiedene Rollen einnehmen, beispielsweise ist der Metatron als Sprachrohr Gottes Vermittler zwischen Gott und den Menschen. Darüber hinaus besitzen die himmlischen Wesen aber noch typische Engelsmerkmale wie u.a. Unsterblichkeit und teilweise Allwissenheit.

Die Funktionen der Engel und ihre Stellung in der Hierarchie sind bibelkonform, ebenso ihre Bezeichnung/Namensgebung. Ein wichtiger Unterschied zum Alten und Neuen Testament ergibt sich aus der Darstellung der Engel als eigenständige Individuen im Film.

Durch den Film aufgegriffene Symbole werden konkretisiert, d.h. festgelegt, also mit etwas ganz Konkretem besetzt, was allgemein als negativ zu bewerten wäre. Auf der anderen Seite ist diese gegenständliche, teilweise stark verfremdete Verwendung von Symbolen aber notwendig, um deren Funktion der Komik und damit die Popularität des Films zu erreichen.

Die beiden zentralen Figuren im Film, Loki und Bartleby, stehen im Gegensatz zu dem heutzutage von den Jugendlichen immer noch favorisierten traditionellen Engelbild. Es ist festzustellen, dass der Metatron diesem Verständnis teilweise entspricht.

Der Film möchte deutlich machen, dass es in Wirklichkeit nicht wichtig ist, woran man glaubt, sondern dass der Glaube an sich das Einzige ist, was zählt.

III. 2. Persönliche Wertung

Beim erstmaligen Betrachten des Films standen die meisten Mitglieder unserer Gruppe dem Film „Dogma" zunächst noch skeptisch gegenüber, da viele Zusammenhänge anfänglich vielleicht schwer verständlich aufgrund der vordergründigen Komik sind. Im Laufe der Zeit entdeckten wir aber, dass der Film auf den zweiten Blick viel mehr bietet, nämlich eine neue Art, ein ungewöhnliches Engelbild verbunden mit der dahintersteckenden Bedeutung für die Kirche oder den Glauben ansprechend und sehr geistreich zu verarbeiten. Insgesamt beurteilen wir „Dogma" als eine gewöhnungsbedürftige aber gelungene Darstellung.

III. 3. Kritik an der eigenen Arbeit

Entgegen allen gutgemeinten Ratschlägen ließ unser Zeitmanagement letztendlich zu wünschen übrig. Die Sekundärliteratur muss sorgfältig ausgewählt und ausgewertet werden. Aber vielleicht ist es auch nicht möglich, den gesamten im Film enthaltenen Stoff angemessen zu bearbeiten. Insgesamt ist leider auch zu bemängeln, dass unsere Arbeit evt. für jemanden, der den Film überhaupt nicht kennt, schwer nachzuvollziehen ist.

III. 4. Weiterführende Denkanstöße

„Dogma" erweist sich als eine effektvolle Art, den Glauben bzw. Religion (besonders an Jugendliche) zu verkaufen, der Film ist eine großartige Werbung für den Typen dort oben. Deshalb möchten wir erreichen, dass dem Film Beachtung beschenkt wird, und wir können allen Leuten raten, ihn sich anzusehen, ob nun als reine Komödie oder mit dahinterstehendem Anspruch. Filme wie „Dogma" sollte es viel öfter geben, um nicht nur den stereotypen traditionellen Engelbildern wie in „Stadt der Engel" Vorschub zu leisten, und auch aus dem Grund, damit man die Chance bekommt, Elemente des Glaubens auf verschiedene Weisen zu betrachten, d.h. sich mit seinem Glauben progressiv auseinanderzusetzen.

 

IV. Anhang

IV. Anhang; Quellenverzeichnis

„Bibel/Luther-Bibel, Standardausgabe mit Apokryphen", Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, 1985

Botterweck, G. Johannes/ Ronggren, Helmer/ Fabry, Heinz-Josef (Hg.): „Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament", Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, 1984, Bd. II, III, IV

„Brockhaus in fünfzehn Bänden, Der", F.A.Brockhaus GmbH, Leipzig-Mannheim, 1997

Brunotte, H./ Weber, O. (Hg.): „Evangelisches Kirchenlexikon", Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1956

„Duden Fremdwörterbuch", Bibliographisches Institut & F.A.Brockhaus AG, Mannheim 1991

Heinz-Mohr, Gerd: „Lexikon der Symbole", Eugen Diedrichs Verlag, Düsseldorf, 1971

Kittel, Gerhard (Hg.): „Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament", Verlag von W. Kohlhammer, Stuttgart, 1933, Bd. I, III

Lau, Mariam: „Beten und arbeiten und Blödsinn reden: In ‚Dogma’ ist den Engeln nur auf Erden zu helfen", Artikel aus „Die Welt" vom 20.04.2000 im Feuilleton, verfügbar im Internet unter http://www.welt.de/daten/2000/04/20/0420ku163608.htx (siehe Anhang)

Wolff, Uwe: „Materialien: Die Botschaft der Engel/ Ein erfahrungsbezogener Zugang zur Gottesfrage", Ernst Klett Verlag für Wissen und Bildung GmbH, Stuttgart, 1992

IV. Anhang; Produktionsdaten

Titel: Dogma

Regisseur: Kevin Smith

Autor: Kevin Smith

Produzent: Scott Mosier

 

Darsteller u.a.:

Ben Affleck - Bartleby

Matt Damon - Loki

Linda Fiorentino - Bethany Sloan

Jason Lee - Azrael

Chris Rock - Rufus

Jason Mewes - Jay

Kevin Smith - Silent Bob

Alan Rickman - Metatron

Salma Hayek - Serendipity

Alanais Morisette - Gott

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