Jugend&Kultur&Religion
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Ewiges Leben im Cyberspace?! Glauben wir noch an das Ewige Leben?
Verfasserin: Hannah Petschko
Inhaltsverzeichnis I. Einleitung: Was habe ich in dieser Arbeit vor?- Besuche von Internetfriedhöfen - Die Gednkstätte für Connie Small - Die "Hall of Memory" - Der "World Wide Cemetery" - "Virtual Memorials" - "Dearly Departed" - Der "Virtual Memorial Garden" - Katzenfriedhof - Hundefriedhof, Vogelfriedhof, Pferdefriedhof - Der "Tamagotchi – Friedhof" III. Was stelle ich fest in Bezug auf Pietät? IV. Was stelle ich fest in Bezug auf den Begriff "Ewiges Leben"?V. Meine Einstellung zu diesem Thema
1. Einleitung: Was habe ich in dieser Arbeit vor? "Ewiges Leben, was heißt das überhaupt?" habe ich mich zu Anfang gefragt. "Glauben wir noch daran? Oder versuchen wir dadurch nur noch uns die Angst vor dem ,Tod‘ zu nehmen?" Am besten kann man meiner Meinung nach sehen, ob wir noch daran glauben, wenn wir diese Frage anhand von etwas Modernem untersuchen. Und da ist dann das Internet. Im Internet gibt es viele Friedhöfe. An ihrer Machart und den Grabmälern kann man meiner Meinung nach viel erkennen. Wie sieht so eine Seite aus, was wollte derjenige der sie erstellt hat erreichen und erreicht er es mit seinem Aufbau der Seite? Ich habe mir viele Fragen gestellt beim Betrachten der Seiten und häufig auch bewertet. Denn vieles was man sieht ist teilweise recht geschmacklos. Aber die Hauptfrage, mit der ich versucht habe mich zu beschäftigen war, ob die Ersteller dieser Seiten und Trauernde noch an das Ewige Leben glauben oder nicht. Ich bitte um Verständnis, dass ich in dieser Arbeit keinerlei kopierte Grabmäler als Beispiele zeige. Die Angehörigen wären vermutlich ziemlich wütend, wenn sie diese Arbeit in die Hände bekämen und diesen Ärger will ich von vorn herein vermeiden. Ich werde den Aufbau solcher Grabmäler also nur beschreiben und vielleicht manchmal versuchen eine ungefähr gleiche Darstellung zu entwerfen. Ich hoffe, dass man sich den Aufbau dann vorstellen kann. Ich bitte ebenfalls um Verständnis, dass eine Seite auf die ich noch eingehen werde während der Bearbeitungszeit aus dem Netz verschwand.
I. Besuche von Internetfriedhöfen 1. Die Gedenkstätte für Connie Small1 Eigentlich ist das kein wirklicher Friedhof. Es ist mehr eine Seite, oder besser mehrere, voller Erinnerungen an eine Person, Connie Small. Leider ist diese Seite im Laufe meiner Recherchen aus dem Netz verschwunden, so dass ich aus der Erinnerung und aus meinen Notizen heraus berichten muss. Es ist eine Aneinandereihung von Seite, durch Links verbunden, mit einem Fotoalbum, einem Lebenslauf und anderen Erinnnerungen an sie. Man kann eine Nachricht an die Hinterbliebenen im Gästebuch hinterlassen. Von diesen wurde sie auch erstellt.
2. Die "Hall of Memory"2 Die Schwierigkeiten beginnen hier schon auf der Startseite. Es gibt zwar einen Link, der freie Sprachauswahl ankündigt, diese Funktion ist aber "Noch nicht in Betrieb". Für Leute, die kein Deutsch können, ist diese Seite also nicht zu gebrauchen. Die anderen Gedenkstätten machen einem wenigstens gar nicht erst irgendwelche Hoffnungen in bezug auf freie Sprachenwahl. Aber wenn man das ankündigt und dann auch noch den Hinweis es wäre noch nicht in Betrieb auf deutsch einsetzt ist das schon ein starkes Stück. Die Startseite ist recht protzig gestaltet. Die Formulierungen der Texte sind hölzern und nicht sonderlich gefühlvoll formuliert. Zumindest nicht für den Trauerfall. Der Hinweis, die "Hall of Memory" sei ein internationaler Friedhof im Internet erscheint einem angesichts der Probleme bei der Sprachenwahl wie ein schlechter Scherz. Das Angebot der "Hall of Memory" ist jedenfalls, ein virtuelles Denkmal in Form eines Nachrufs, einer Erinnerungsseite oder sonst einer Form für dreissig Jahre ins Netz zu stellen und. Man bekommt dafür eine Beratung für die persönlich beste Form und muss natürlich ordentlich viel Geld zahlen. Man kann für weiteres Geld immer mal wieder Kerzen an das Grabmal stellen. Für Trauernde, die kein Grabmal erstellen wollen gibt es Listen mit Bestattungsinstituten in der Nähe und sonstigen Dingen die man im Trauerfall braucht. Dann gibt es eine Seite mit Literatur zum Tod, die einen schon in ihrer Länge hinterrücks vom Stuhl kippen lässt. Auf einer weiteren Seite kann man mögliche Hintergründe für ein Grabmal sehen, vor einer Gebets- und Andachtsseite mit einer Blume und zwei Steinen soll man wohl beten. Dann gibt es noch zwei weitere Seiten, die man meiden sollte: Die Seite "News" enthält Nachrichten über Todesfälle berühmter Persönlichkeiten in letzter Zeit und über die "Hall of Memory" selbst. Das ist meiner Meinung nach völlig geschmacklos, weil die Angehörigen der Toten vermutlich gar nichts davon wissen. Und das 7 – Tage – Trostgespräch funktioniert auch noch nicht. Diese Seite ist also wohl eher ein geschmackloses Unternehmen das seine Kunden gewinnt, indem es ihnen Prestige vorgaukelt. Die Besitzer sind jedenfalls hoffnungslos geldgierig, was man an den saftigen Preisen merkt.
3. Der "World Wide Cemetery"1 Der Gründer dieses Friedhofes ist bereits tot. Das Angebot dieser Seite ist, für ein wenig Bearbeitungsgebühr entweder eine Seite mit oder ohne Fotos, mit einem Lebenslauf oder sonst einem Grabtext und ein paar Daten für immer ins Netz zu stellen. Es kostet wirklich extrem wenig und mit Fotos nur wenig mehr. Das Grabmal ist sehr schlicht in Schrift und Form und jeder Besucher hat die Möglichkeit eine Nachricht oder "Blumen" für die Hinterbliebenen zu hinterlassen. Die Grabmäler werden hier nach Todesursachen sortiert und natürlich nach Namen. Der Friedhof bietet auch eine Liste berühmter Friedhöfe an, wobei man über einen sogar einen Fotorundgang machen kann. Mich hat dieser Friedhof in seiner Einfachheit überzeugt, ist aber auch nicht perfekt, denn da die Personen nach Todesursachen sortiert sind, und eben Aids, Krebs, Selbstmord und andere schreckliche Dinge da sind, sind diese Seiten besonders bedrückend. Vor allem, da ein natürlicher Tod nicht als Todesursache angegeben werden kann.
4. "Virtual Memorials"1 Je nachdem, ob man nur eine einfache Seite mit selbstgewähltem Hintergrund erstellen will, auf der dann die Daten des Verstorbenen, eine Biographie oder sonst ein Grabtext und ein Link zu einer Homepage des Verstorbenen oder eines Angehörigen zufrieden gibt, oder ob man noch Fotos, Videos und Hintergrundmusik einbauen möchte, kostet es entweder gar nichts oder eben Geld. Je mehr Luxus, desto mehr Gebühren für die Bearbeitung. Was man aber immer mitbekommt ist ein Besucher – Gästebuch in dem Besucher den Hinterbliebenen eine Nachricht hinterlassen können. Was diese Seite außerdem noch anbietet ist ein allgemeines Gästebuch, eine Seite mit Buchangeboten, allerdings wesentlich weniger als in der "Hall of Memory", die man dann gleich bestellen kann, eine Liste mit Sponsoren dieser Seite und die Möglichkeit an seinem Grabmal etwas zu ändern, wobei für häufige Änderungen dann allerdings Gebühren verlangt werden. Die Toten werden nach Nachnamen geordnet und man kann sie sofort finden, wenn man den richtigen Namen eingibt. Hinter jedem Namen sind Geburts – Todesdaten. Außerdem kann man sich den Umweg über die Startseite ersparen und sofort zu einem bestimmten Grabmal klicken. Die Starseite ist zwar nicht unbedingt gefühlvoll im Layout, die Formulierungen aber dafür umso mehr und die Grabmäler erst recht.
5. "Dearly Departed"1 Schon beim "Betreten" dieser Seite wird einem klar, dass diese Seite anders ist. Es ertönt "My heart will go on" von Celine Dion ( reine Musikversion ohne Text ). Das Layout sticht in schöner Schmuckschrift heraus, überfällt einen aber trotzdem nicht sondern ist wunderbar zurückhaltend. Die Formulierungen sind angenehm. Die Grabmäler sind kostenlos und dafür ohne Bilder. Es gibt ein fertiges Formular in das man dann Daten, Namen und einen Text eingeben kann. Man kann hinterher noch etwas an diesem Text ändern. Es gibt ein Gästebuch und eine Uhr, damit man nicht die Zeit vergisst.Man darf sponsorn, wenn man möchte, ansonsten ist ein Grabmal wie gesagt kostenlos. Das einzige, was einen stören könnte ist, dass jedes Mal wenn man auf einen Link klickt zwei Werbefenster erscheinen. Die sind ein wenig pietätlos, aber nicht abstoßend. Und wenn man weiß was erscheint schließt man die Fenster eigentlich automatisch ohne noch lange darauf zu achten. Alles in allem erschien mir dieser Friedhof jedenfalls noch am gefühlvollsten gemacht zu sein.
6. Der "Virtual Memorial Garden"2 Der "Virtual Memorial Garden" ist eine sehr schlicht gehaltene Seite im Netz. Sie wird von einer Frau namens Lindsay Marshall verwaltet und das Erstellen eines Grabmals ist völlig kostenlos, obwohl es für immer im Netz bleibt. Die Grabmäler sind ohne Bilder. Es gibt drei Links auf der Seite: "Informations", "Remember" und "Memorials". Unter "Informations" findet man eine Hilfsseite zum Erstellen eines Grabmals. Außerdem findet man hier die Geschichte dieser Seite. Unter "Remember" kann man Grabmäler erstellen und ansehen, für Mensch und Tier. Die Gräber werden dann nach den beiden Anfangsbuchstaben des Nachnamens der beerdigten Person geordnet und sie tauchen auf einer Seite auf mit vielen Grabmälern, deren Besitzer die gleichen Anfangsbuchstaben haben. Unter "Memorials" kann man sich die Grabmäler nur ansehen. Auf einem solchen Grabmal steht dann der Name des Gestorbenen, seine Geburts- und Todesdaten und ein Text, den man selbst schreiben kann. In welcher Sprache ist egal. Die einzige Einschränkung ist, dass der Internet-Browser das Ganze lesen kann. Außerdem sollte man sich Mühe geben, denn was einmal steht, das steht unverrückbar und es lässt sich nichts mehr ändern. Übrigens gibt es keinerlei Beschränkungen, wie lang ein Grabtext sein soll. Unten sieht man ein Beispiel für ein solches Grabmal. Man muss sich noch vorstellen, dass die Ecken abgerundet sind und in der linken oberen Ecke ein kleiner orangener Punkt zu sehen ist. Das ist ein Link, der zu einem Gästebuch für dieses Grabmal führt. Dort kann sich jeder eintragen, der sich das Grabmal angesehen hat und dem Trauernden eine Nachricht hinterlassen will.
7. Katzenfriedhof1 Hier beginnen jetzt die reinen Tierfriedhöfe. Für sie gelten eigentlich die gleichen Dinge. Kostenlos, solange keine Fotos gewünscht sind. Die Grabmäler sind einfach, aber trotzdem einigermaßen schön und geschmackvoll. Dieser Katzenfriedhof ist sogar schon soweit, dass er andere Angebote hat. Man kann Geschichten über Katzen lesen, von anderen Katzenbesitzern. Und wenn man dann völlig fertig ist, gibt es eine Seite, die einen wieder aufheitert: Der Katzen – Knigge. Eine Auflistung, wie eine gute Katze sich zu verhalten hat und das ist dann natürlich eine Liste all der Dinge, die Herrchen und Frauchen gar nicht gern sehen. Ich hatte nach einem anstrengenden Tag und meinen Recherchen jedenfalls viel Spaß daran.
8. Hundefriedhof, Vogelfriedhof, Pferdefriedhof2 Die Seite ist vom selben Ersteller und natürlich auch im selben Layout wie der Katzenfriedhof. Der einzige Unterschied ist das Titelbild. Da ist bei jedem Friedhof ein Unterschied zu sehen. Es ist eben auf die Tierart abgestimmt. Die Seiten ziehen einen in der Stimmung nicht ganz so hinunter, wie die menschlichen Friedhöfe und ähneln auch mehr Begegnungsstätten für Tierbesitzer.
9. Der "Tamagotchi-Friedhof"1 Hier merkt man, dass die Jugend am Werk war. Dieser Friedhof erinnert eher an eine Begegnungsstätte für Jugendliche, die ein Tamagotchi hatten. Außerdem ist er schon vollbelegt. Es gibt dort verschiedene Schreine in denen jeweils hundert Tamagotchi-Grabmäler sind, bis auf den ersten Schrein, in dem nur ein Dutzend Tamagotchis vermerkt sind. Man muss an den Besitzer mailen, warum man glaubt ein Anrecht auf ein Denkmal zu haben. Man kann zwischen englisch und deutsch als Bedienungssprache wählen, man kann sich in ein Gästebuch eintragen, man kann chatten, man kann sich selbst die Hintergrundmusik auswählen oder eine an den Besitzer schicken, der sie dann ins Netzt stellt. Es ist eben hauptsächlich eine Spaßseite. Tamagotchis sind ja auch eigentlich nur ein Spielzeug und deswegen ist der Umgangston hier auch etwas nüchterner. Die Jugendlichen sind hier jedensfalls nicht, wie man denken könnte, total verrückt, weil sie ein Spielzeug beerdigen wollen sondern nutzen diese Seite um sich auszutauschen.
Was stelle ich fest in Bezug auf Pietät? Vieles habe ich ja schon im Text aufgegriffen. Bei der "Hall of Memory" war die Sprache einfach zu gestelzt und die Preise zu extrem. Aber ansonsten bin ich recht zufrieden mit dem was ich gesehen habe. Was mich nur wundert, ist, dass mir ausgerechnet fast die einzige Seite die auf deutsch war, nämlich die "Hall of Memory" nicht gefallen hat. Alle anderen Seiten waren auf englisch bis auf die Tierfriedhöfe und den Tamagotchi - Friedhof. Wenn man also ein gutes Andenken für Menschen im Internet haben möchte muss man eindeutig englisch können.
IV. Was stelle ich fest in Bezug auf den Begriff "Ewiges
Leben"? Nun, wie man ja bei all dem bemerkt haben könnte, taucht in keinem der Angebote auch nur Ansatzweise der Begriff "Ewiges Leben" auf. Daraus schließe ich, dass zumindest die Initiatoren dieser Seiten nicht unbedingt daran glauben. Sie glauben wohl eher, wie man aus ihren Begründungen für die Seiten erklären kann, an eine ewigwährende Erinnerung. Aber vielleicht ist es ja gerade das, was die Menschen wollen. Eine Sicherheit, dass in Zukunft eine Erinnerung an sie da sein wird auch wenn sie verschwinden. Ich habe mir allerdings nicht die Mühe gemacht, alle Todesanzeigen anzuschauen um das festzustellen. Das wäre zu weit gegangen. Aber es gibt bestimmt auch Menschen, die an das wahre "Ewige Leben" glauben.
V. Meine Einstellung zu diesem Thema Ich muss sagen, dass ich auch mehr an eine "ewigwährende Erinnerung" glaube. Vielleicht habe ich deshalb nirgendwo einen eindeutigen Hinweis gefunden, dass jemand wirklich an das "Ewige Leben" glaubt. Es erscheint mir nach den heutigen Kenntnissen aber eben realistischer, nicht mehr daran zu glauben. Obwohl kein Gegenbeweis vorliegt ist es irgendwie leichter zu ertragen, als die Vorstellung, dass viele viele Tote um uns herum fliegen und uns ständig beobachten. Das wäre mir zuviel. Ich könnte keinen Schritt mehr tun, immer in der Angst etwas Falsches zu tun. Da ist mir die Möglichkeit einer Erinnerung doch lieber.
Literaturverzeichnis: Internetadressen: Connie Small: früher http://www.memorial-site.com/small.htm, jetzt aus dem Netz verschwundenHall of Memory: http://www.hall-of-memory.deWorld Wide Cemetery: http://interlog.com/~cemeteryVirtual Memorials: http://virtual-memorials.comDearly Departed: http://www.dearlydeparted.netVirtual Memorial Garden: http://catless.ncl.ac.uk/VMGKatzenfriedhof: http://www.katzenfriedhof.deAndere Tierfriedhöfe: http://www.hundefriedhof.de, http://www.vogelfriedhof.de, http://www.pferdefriedhof.deTamagotchi – Friedhof: http://www.geocities.com/Tokyo/Flats/6337.dstart.html
Literatur: "c`t 2000 – Heft 17": Report – Memorials im Internet
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