Jugend&Kultur&Religion

Gymnasium Ulricianum Aurich


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Big Brother oder Kirche

 

 

 

 

 

 

 

VerfasserInnen: Inga Fröhlich, Daniela Hoffmann, Nicole Stromann, Sabrina Thaden

Betreuende Lehrkraft: Helmut Ubben

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Umfrage zum Thema

3. Big Brother

3.1 Was ist Big Brother?

3.2 Was macht Big Brother so attraktiv?

3.3 Big Brother-Quotenvergleich

3.3.1 Wie kommt es zu diesem Quoteneinbruch?

4. Kirche:

4.1 Jugendarbeit in der Kirche

4.2 Darstellung des Konfirmandenunterrichts in der Matthäus-Gemeinde Wallinghausen

4.2.1 Interview mit dem Pastor der Matthäus-Gemeinde Wallinghausen

4.2.2 Meinungen der Konfirmanden zum Unterricht

4.3 Befragung der Konfirmanden zum Thema

5. Zusammenfassung der Ergebnisse

6. Anhang

 

 

Einleitung

Unser Beitrag zum Wettbewerb "Jugend & Kultur & Religion" hat das Thema "Big Brother oder Kirche".

Wir beziehen uns hierbei auf das Interesse der Jugendlichen an der Kirche und an Big Brother. Grund dieses Thema zu wählen war unsere Vermutung, dass viele Jugendliche sich nicht mehr für die Kirche interessieren und gleichzeitig das Interesse an hochgepushten Fernsehereignissen wie z.B. Big Brother stetig wächst. Um herauszufinden, ob sich unsere Vermutung bewahrheitet, haben wir Jugendliche verschiedenen Alters zu ihren Interessen an Kirche und Big Brother befragt, uns näher über Big Brother informiert und uns die Jugend(mit)arbeit einer Kirchengemeinde unseres Landkreises veranschaulicht.

Im Weiteren stellen wir vor, was die Kirche tut, um die Jugendlichen für sich zu gewinnen. Hierzu befragen wir den Pastor und die Jugendlichen der von uns ausgewählten Kirchengemeinde und besuchen den Konfirmandenunterricht. In diesem Konfirmandenunterricht, der sich von anderen etwas unterscheidet (wird später noch genauer erläutert), befragen wir die Konfirmanden nach ihrer Meinung zu dieser Form von Unterricht und ob sie auch nach der Konfirmation die Kirche als einen Teil ihres Lebens ansehen werden. Ausserdem machen wir eine Erläuterung was Big Brother ist, und was es so attraktiv macht.

 

 

Umfrage zum Thema: Auswertung*

Umfragebogen (siehe Anhang)

Wir haben 40 Jugendliche im Alter von 13-21 Jahren zum Thema Kirche und Big Brother befragt. Hierbei waren 19 der Befragten männlich und 21 der Befragten weiblich. 37 waren Evangelisch und nur 3 Personen waren Katholisch. Wir haben niemanden mit einer anderen Religion befragen können, und auch niemand gab an keiner Religion anzugehören.

Von den 40 Jugendlichen sagten 80% sie würden nicht streng nach den Regeln ihrer Religion leben und 20% meinten sie würden sich nur teilweise an die Regeln halten. 50% der Befragten sagten auch, sie gingen nicht zur Kirche. 7 Personen erzählten, sie gehen zur Kirche, 11 zum Konfirmandenunterricht, 6 nehmen an Jugendfreizeiten teil und 4 Jugendliche sind Mitglieder im Jugendkreis.

13 Interviewte fanden, dass die Kirche genügend Aktivitäten für Jugendliche anbietet, 16 hatten sich noch nicht informiert, und 11 sind mit dem Angebot der Kirchen nicht zufrieden.

Von den 40 Befragten ziehen 75% es vor sich Big Brother anzusehen, als in die Kirche zu gehen, allerdings geben nur 67.5% zu es tatsächlich zu schauen. Von diesen 27 Leuten, die Big Brother schauen, gucken 8 selten, 13 1-3 mal pro Woche, und nur 6 Personen sehen es regelmässig.

Der überwiegende Teil der Befragten, nämlich 90% kauft keine Big Brother Fanartikel. Von den 10%, die es doch tun, gibt einer 5-10 DM im Monat dafür aus und 3 Leute 10-20 DM. Auf die Frage, ob sie andere Aktivitäten wegen Big Brother zurückstellen würden, sagten 72.5% nein, 15% manchmal und 12.5% könnten sich vorstellen öfter Aktivitäten wegen Big Brother zurückzustellen. 80% der Befragten sieht Big Brother nicht als Ersatzreligion während 20% es doch tun.

Aus diesen Umfrageergebnissen kann man schliessen, dass Jugendliche sich kaum noch für die "alte" Form von Kirche interessieren. Das kann man daran sehen, dass die meisten nicht mehr zur Kirche gehen, und auch nicht mehr nach den Regeln ihrer Religion leben. Heute allerdings ist Kirche mehr ein Synonym für Freundschaft und Zusammengehörigkeit. Viele Jugendliche fühlen sich in der Gemeinschaft von Kufigruppe und Jugendkreis wohl. Big Brother ist nicht wirklich ein Ersatz für eine Religion, obwohl viele junge Menschen sich davon angezogen fühlen. Es ist mehr eine Art von Beschäftigung, und wesentlich leichter, als sich aufzuraffen und in die Kirche zu gehen.

Was uns aufgefallen ist bei dieser Umfrage, ist, dass viele Jugendliche mit dem Angebot der Kirche für Jugendliche nicht zufrieden sind. Vielleicht könnten die Kirchen hier noch mehr tun. Allerdings zeigen die 16 Leute, die sich über das Angebot der Kirchen noch nicht informiert haben auch, dass das Interesse auch nicht so da ist.

Die Abweichungen der einzelnen Altersstufen voneinander in unserer Umfrage ist nicht sehr gross. Das einzige was uns aufgefallen ist, ist, dass vor allem Mädchen Big Brother schauen und auch Fanartikel kaufen und jüngere sich mehr von Big Brother angezogen fühlen als Ältere.

 

 

Was ist Big Brother?

Nachdem die 1. Staffel bei den Zuschauern gut ankam, wurde 3 Monate später eine 2. Staffel von Endemol gestartet.

Für 106 Tage ziehen 12 Bewohner, 6 Mädchen und 6 Jungs, die sich untereinander nicht kennen, in ein Haus mit 153 Quadratmeter Wohnfläche ein. Jeder von ihnen hat psychologische und medizinische Tests erfolgreich durchlaufen. Die Gruppe ist von der Außenwelt abgeschirmt (müssen zum Beispiel auf Medien und Telefon verzichten) und die Teilnehmer werden immer und überall von 29 Kammeras observiert. Täglich werden 40 Minuten zusammengeschnitten und auf RTL2 gesendet. Das Leben der Bewohner wird von Aktivitäten wie Holz hacken, Brot backen, Gemüse anpflanzen und ernten bestimmt. Für die Anschaffung weiterer lebensnotwendiger Waren steht ein Budget von 6DM pro Person pro Tag zur Verfügung. Dieses kann jedoch bis zu 30, 40, oder 50% durch Wochenaufgaben erhöht werden.

Alle 2 Wochen muss eine Person die WG verlassen. Die Nominierung, die live auf RTL gesendet wird, findet in der Woche zuvor statt. Jeder Teilnehmer bestimmt im Sprechzimmer, welches schalldicht ist, so dass die anderen Mitbewohner nichts davon hören und sehen können, zwei Mitbewohner, die das Haus verlassen sollen. Die Kandidaten, die - einschließlich einer Publikumsstimme - am häufigsten genannt werden, sind nominiert. Wer letztlich gehen muß, entscheiden die Fernsehzuschauer per TED. Alle Insassen können jedoch aus freien Stücken das Haus verlassen. Wer am Ende den Hauptgewinn von 250000DM mit nach Hause nimmt, entscheiden ebenfalls die Fernsehzuschauer per TED.

Quelle: Fernsehen, Zeitschrift: "Big Brother"

 

 

Was macht Big Brother so attraktiv ?

Für die meisten Leute ist Big Brother sehenswert, weil es etwas Neues, ohne Drehbuch gefilmtes ist. Der Produzent hat keinen Einfluss darauf, was im Container passiert, das gibt einen realen Eindruck. Für die Zuschauer ist es eine Art Voyeurismus, sie können das Leben anderer beobachten, ohne sich wirklich in ihr Leben einzumischen. Einige warten auch einfach nur darauf, nackte Haut zu sehen; sie wollen sehen, ob die Bewohner sich freizügig geben oder verklemmt sind, ob es sich jemand traut im Container Sex zu haben und wie sie sich in Streitsituationen verhalten. Für die Zuschauer ist es eigentlich unwichtig, wie die Bewohner sich wirklich fühlen. Wenn jemand mit seiner Situation nicht mehr klar kommt, schalten die Zuschauer nur ein, um zu sehen, dass es der betroffenen Person schlecht geht und wie sie sich weiterhin verhält. In jedem der Big Brother-Zuschauer steckt auch immer ein kleines bißchen Neugier, wie sich die Bewohner aufgrund geschehener Ereignisse entwickeln, oder ob sie sich weiterhin so geben, wie sie sich im wahren Leben geben würden.

 

 

Big Brother – Quotenvergleich

Während unseren Untersuchungen zum Thema Big Brother - Kirche, startete bei RTL bereits die dritte Staffel von Big Brother. Unerwartet für den Sender, kommt die neue Staffel allerdings nicht mehr so gut bei den Zuschauern an wie die ersten beiden. Die Tageszusammenfassungen auf RTL II erreichen bei den 14- bis 49-jährigen nur noch einen durchschnittlichen Marktanteil von 11.3% (zum Vergleich, die 2. Staffel erzielte noch 20.7%).

Durch diesen drastischen Einbruch mussten auch die Preise für die Werbeeinspielungen gesenkt werden. Bei den Tageszusammenfassungen für Big Brother kostet ein 30-Sekunden-Werbespot rund 28% weniger, nämlich statt 56.621 Mark nur noch 41.013DM.

Im internen RTL Vergleich ist Big Brother auch schon lange nicht mehr die Nummer 1. Am Samstag den 10.02.01 kam Big Brother Die Entscheidung in den RTL Top 5 nur auf Rang 2, mit 3,5 Mio. Zuschauern. Die unumstrittene Nummer 1 bei RTL hieß an diesem Tag, wie so oft, "Wer wird Millionär?" mit Zuschauerliebling Günther Jauch und 12.02 Mio. Zuschauern.

Auch im Vergleich mit anderen Sendern schneidet Big Brother schon lange nicht mehr gut ab. Am Mittwoch den 14.02.01 erscheint die Tageszusammenfassung von Big Brother nicht einmal unter den beliebtesten 20 Sendungen. Die Serie "Buffy - Im Bann der Dämonen" hält diesen 20. Rang mit 2.59Mio Zuschauern. Zum Vergleich hatte Big Brother an diesem Tag gerade nur 1.4 Mio. Zuschauer.

Im direkten Vergleich schneidet Big Brother auch nicht mehr gut ab. Am Dienstag den 27.02.2001 schauten nur 1,2 Mio. Zuschauer die Tageszusammenfassung auf RTL II. Das entsprach einem Marktanteil von 8,2%. Zum Vergleich sahen das Fussballländerspiel Frankreich - Deutschland um dieselbe Zeit in der ARD 6.5 Mio. Zuschauer (MA: 21.2%). Auch die Quizshow Ca$h-Quiz (4,06 Mio.) und die RTL Serie Doppelter Einsatz (5,29 Mio.) erreichten wesentlich mehr Einschaltquoten als Big Brother.

Trotz dieser sehr geringen Einschaltquoten schaffte es Big Brother aber trotzdem zur erfolgreichsten Sendung des Senders RTL II an diesem Tag, auf Platz zwei folgte mit 0.78 Mio. Zuschauern Stargate.

Am 10.02.01 erreichte der scheinbare Big Brother Wochenhöhepunkt "Big Brother Die Entscheidung" gar nur einen lausigen 11ten Rang, als zweiterfolgreichste RTL-Show mit 3.47 Mio Zuschauern und einem Marktanteil von 12.5%. Nummer 1 wurde wieder einmal "Wer wird Millionär?" mit Günter Jauch. (11.84 Mio. Zuschauer, Marktanteil 37.9%) Aber das sogar "Unser Charlie" im ZDF mit 4.22 Mio. Zuschauern deutlich vor Big Brother liegt, sollte den RTL Bossen zu denken geben.

Quellen: Yahoo! Schlagzeilen, Freitag 9. Februar 2001, 14.59 Uhr; http://de.news.yahoo.com/010209/12/1c0rl.html

Videotext

 

 

Wie kommt es zu diesem Quoteneinbruch?

Ein möglicher Grund für diese niedrigen Einschaltquoten könnte die Flut von sogenannten Reality Shows sein, die auf den Zuschauer einströmen. Viele Sender überbieten sich gegenseitig mit immer neuen Big Brother ähnlichen Shows, wie z.B. Girl Camp auf Sat 1, House of Love auf RTL, The Club auf RTLII und Expedition Robinson auf RTLII. Dadurch wird der Zuschauer dieser Art von Unterhaltung überdrüssig.

Auch bei Big Brother gibt es kaum noch etwas neues. Auch wenn die Produzenten mit neuen Ideen, wie Sauna oder Schlafwiese, im Big Brother Haus locken, sind die Geschichten die dort passieren immer dieselben. Die Zuschauer sind eigentlich nicht mehr interessiert, wer mit wem und warum, weil es jedesmal das selbe ist, und man sich teilweise schon vorher ausrechnen kann, was passiert.

 

 

Jugendarbeit in der Kirche

Kirche bedeutet nicht nur öder Gottesdienst oder an Gott glauben, Kirche bedeutet auch Spass und Freizeitgestaltung für Jugendliche.

In fast allen Kirchengemeinden gibt es zum Beispiel einen Jugendkreis, in dem nicht das Christsein im Vordergrund steht, sondern das Zusammensein mit anderen. Regelmäßig treffen sich die Jugendlichen im Gemeindehaus zum Spass haben, Billard spielen oder einfach zum Reden. Einmal im Jahr machen sie eine Freizeit, die gemeinsam geplant wird und auch für nicht so reiche Jugendliche bezahlbar ist.

Weitere Freizeiten sind überregional in den Ferien angeboten, auch für nicht christliche Jugendliche eine Gelegenheit mit gleichaltrigen Jugendlichen in andere Länder zu reisen und mit viel Spass andere Kulturen zu erleben.

Doch die wichtigste Jugendarbeit in der Kirche ist nicht die Freizeitgestaltung, sondern die Hilfe bei Problemen mit den Eltern, anderen Jugendlichen oder wenn man mit seinem Leben einfach nicht mehr zurechtkommt. Es gibt viele Anlaufstellen für Jugendliche, die Mitarbeiter der Kirche helfen die richtige zu vermitteln. Besonders für Mädchen ist das Angebot gross, es gibt Einrichtungen speziell für Mädchen, die nicht mehr wissen wie es weitergehen soll, die misshandelt wurden oder die dort wo sie Leben nicht mehr leben wollen. Es gibt Kurse für Mädchen, damit sie sich in der Welt der Männer behaupten können, Kurse in denen versucht wird wegzukommen von der Abwertung des Weiblichen.

Die Kirche versucht die Jugendlichen aus dem passiv sein herauszuholen und ihnen in Notsituationen beizustehen, die Kirche mit ihrer Jugendarbeit ist eine Zufluchtstelle für christliche und nicht christliche Jugendliche.

Quellen: Materialien der Kirchen

 

 

Darstellung des Konfirmandenunterrichts der Matthäus-Kirchengemeinde Wallinghausen

Wir besuchten den Konfirmandenunterricht in der Matthäus-Gemeinde um miterleben zu können, wie dieser gestaltet wird. Nachdem die 75 Konfirmanden an einem Samstagvormittag um 9.00 Uhr zum Konfirmandenunterricht erschienen, versammelten sie sich an Gruppentische. Nachdem sie dann langsam zur Ruhe gekommen waren, begannen die Pastoren mit dem Unterricht.

Zuerst wurde ein Lied gesungen. Die Begeisterung mitzusingen hielt sich zwar in Grenzen, jedoch sangen mehr Mädchen als Jungs mit. An diesem Samstag wurden sie mit einem Text in die Bibel eingeführt. Danach erhielten die Konfirmanden ein Arbeitsblatt und sollten dieses in Einzelarbeit ausfüllen. Des weiteren wurden ihnen die Inhalte der biblischen Bücher kurz vorgestellt, dadurch erhielten sie einen kleinen Eindruck über die Vielfalt der Bücher. Nach einiger Zeit hörten einige Konfirmanden kaum noch zu. Ein Konfirmand jedoch schien besonders interessiert zu sein, da er viele Fragen richtig beantwortete und aufmerksam zuhörte. Daraufhin bekam er ein kleines Geschenk von dem Pastor.

In der Pause, die ungefähr 30 Minuten dauerte, bekamen die Konfirmanden Brötchen und Kakao. Während dieser Zeit gingen die Konfirmanden nach oben, wo es einen Billardtisch und Sofas gab. Hier hatten sie eine Menge Spass zusammen und hatten die Gelegenheit sich zu unterhalten.

Nach der Pause wurden die Konfirmanden in verschiedenen Gruppen eingeteilt. Innerhalb dieser Gruppen bearbeiteten sie biblische Texte und stellten diese später der Gruppe vor. Der Konfirmandenunterricht wird sehr locker gestaltet. So wurde zum Beispiel ein Religionsquiz veranstaltet, wobei die Konfirmanden Personen in der Bibel erraten sollten. Am Ende erhielten die Besten der Gruppe kleine Geschenke. Obwohl der Unterricht abwechslungsreicher durch diese Spiele wurde, stellten wir fest, das die Konfirmanden, um so später es wurde, kaum noch zuhörten und sich, wie oben schon erwähnt, kaum am Singen beteiligten. Wir empfanden den Unterricht jedoch als positiv, da die Konfirmanden die Chance erhielte, selbst am Unterricht beizutragen.

 

 

Interview mit dem Pastor der Matthäus-Gemeinde Wallinghausen

1. Wie sieht der Ablauf des Unterrichts aus?

Zu unserem Vorkonfirmandenkurs gehören 75 Leute, der Kurs hat begonnen im Dezember 2000 und endet mit der Konfirmation im Mai 2002. Das sind fast 15 Blockunterrichteinheiten, jeweils 1x im Monat am Samstag Morgen.

Beginn ist inoffiziell um halb neun mit einem Frühstück, da kann kommen wer mag, und um neun Uhr haben dann alle da zu sein.

2. Wieso führen sie diese Art von Unterricht durch?

Wir erhoffen uns von dieser Konzeption, dass wir kontinuierlich an einem Thema arbeiten können. Wir hatten vorher zweimal im Monat etwa eine ¾ Stunde Unterricht, und da musste man sich schon heftig erinnern, was man eigentlich gemacht hat mit den Leuten. Und wir Unterrichtenden merken für uns, dass wir durchaus unsere eigene Motivation auch steigern.

3. Wie sind sie auf die Idee gekommen, diese Art von Unterricht einzuführen?

Mein Kollege macht seit 25 Jahren Konfirmandenunterricht und ich seit 11-12 Jahren, und immer nach bewährten Konzept mit den selben Materialien. Und dann ergab sich für mich die Möglichkeit im Kontaktstudium in Göttingen unseren Konfirmandenunterricht von der Konzeption her mal ganz grundsätzlich zu bedenken und auch mit Kollegen dann neu auszudiskutieren, Materialien neu zu erstellen und eine Konzeption völlig neu zu gestalten. Und wir haben in unserem Kirchenvorstand dieses Konzept für vier Jahre zur Probe beschlossen und werden dann auch überlegen, ob wir das so weitermachen wollen, wie wir es jetzt durchführen.

4. Sind sie der Meinung, dass der Blockunterricht bei den Konfirmanden/den Eltern positiv ankommt?

Also das spannende ist ja, wenn wir den Eltern und den Konfirmanden im Oktober vor dem Beginn des Kurses das Konzept vorstellen, dann gibt es ganz leise kritische Anfragen von Sportlerkindern bzw. den Eltern, weil gerade in der Wintersaison auch die Hallenturniere sind, Fussballturniere in der Regel. Ansonsten denke ich, sind die Rückmeldungen, wir hatten neulich einen Elternabend des ersten Kurses mit dem wir das Konzept begonnen haben, sehr positiv, also in dem Maße in dem man Rückmeldungen erwarten kann.

5. Wie wird das gemeinsame Frühstück angenommen?

Es sagten uns neulich Eltern aus dem vorherigen Kurs, dass ihre Kinder es sehr genossen hätten, dass die Pastoren ihnen Brötchen schmieren. Es kommen zwar längst nicht alle zum Frühstück, aber ich glaube, dass es einfach eine gute Gelegenheit für diejenigen ist, die schon um 8.30 Uhr kommen, sie können Billard spielen und Brötchen dazu essen. Wir machen kein Frühstück, bei dem sich jeder selber etwas macht, dass wäre zu aufwendig. Ich denke das gemeinsame Frühstück trägt wirklich zur Kommunikation innerhalb der Gruppe bei.

6. Kommen die Konfirmanden regelmässig zum Unterricht?

Die Konfirmanden erhalten von uns zu Beginn der Unterrichtszeit einen Terminplaner mit allen Terminen der Unterrichtsblöcke ihrer Konfirmandenzeit und auch von besonderen Gottesdiensten. Die Konfirmanden sind selber dafür verantwortlich, dass sie diese Termine wahrnehmen. Bei 15 Blöcken können sie sich sogar einmal frei nehmen, auch für eine Sportveranstaltung, da sind wir nicht kleinlich.

Nach dem Unterricht müssen sie sich ihre Teilnahme durch unsere Mitarbeiter bestätigen lassen, durch eine Unterschrift auf ihrem Terminplaner. Das gilt auch für den Gottesdienstbesuch, bei dieser großen Gruppe könnten wir sonst nicht kontrollieren, wer da gewesen ist. Im Grunde gehen wir ja einen Vertrag ein, wir sagen, wir bereiten uns ordentlich vor im Rahmen unserer Möglichkeiten, die Konfirmanden sagen, wir besuchen 2 mal im Monat den Gottesdienst.

Alle 6 Monate kontrollieren wir die Terminplaner und geben Rückmeldungen, ob die Konfirmanden regelmäßig den Gottesdienst und den Unterricht besuchen, oder nicht.

7. Warum denken sie, lassen sich Jugendliche heute konfirmieren?

Ich denke die Motivationen der Jugendlichen sind verschieden. Es gibt Konfirmanden, die sind interessiert, aber es gibt auch welche, die sitzen ihre Zeit ab, sie werden von ihren Eltern geschickt, die sagen, keine Widerrede, ich bin auch konfirmiert worden, du gehst auch. Kaum einer der Jugendlichen ist so widerstandsfähig gegenüber seinen Eltern, dass er sich widersetzen würde. Außerdem gibt es auch noch diejenigen, die sich sagen, wenn ich das umrechne, erhalte ich einen guten Stundenlohn, das lohnt sich schon.

Diesen Zwiespalt gab es aber schon immer, und ich wüsste nicht, wie spannen man den Unterricht gestalten könnte, damit alle sagen, der ist so super, mich interessieren die Geschenke nicht, auch wenn ich nichts bekommen würde, würde ich auf keinen Fall diesen Unterricht verpassen wollen.

8. Was müssen die Konfirmanden während ihrer Konfirmandenzeit sonst noch machen?

Zu unseren Konfirmandenunterricht gehört auch dazu, dass die Konfirmanden ein Praktikum machen müssen; 20 Stunden Praktikum in einen Gemeindearbeitsbereich oder auch im diakonischen Bereich, dass können sie sich selber aussuchen. Und die Blockunterrichtseinheiten.

9. Was für Erfahrungen haben sie damit gemacht?

Bisher sind die Erfahrungen gut, die Rückmeldungen der Eltern auch, unser Kirchenvorstand fragt immer wieder nach, wie sind so die Ergebnisse, sie sind auch interessiert daran etwas zu hören aus der Gemeinde, und wenn wir das nervlich durchhalten mit 75 Leuten, mal gucken wie lange wir das so machen.

10. Was für weitere kirchliche Aktivitäten bieten sie in ihrer Gemeinde für die Jugendlichen an?

Wir haben zur Zeit 2 Jugendgruppen, eine ist mit 12-15 Leuten relativ stark, die andere mit 3-5 eher schwächlich besetzt; also die beiden gibt es im wöchentlichen Wechsel. Eine Reihe der Jugendlichen der Gruppen waren mit auf der Konfifreizeit, auch als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, dass find ich eine spannende Angelegenheit. Einige sind auch beteiligt an den Vorbereitungen des Kiks (Kinderkirchensonntag) und ich fahre jetzt zum Beispiel in den Osterferien mit der älteren Jugend auf eine Freizeit nach Lörrach. Und wir versuchen insgesamten Gottesdienst für die Konfirmanden/ Jugendlichen auch ein wenig interessanter zu gestalten, z.B. Taufgottesdienst.

11. Nehmen die Jugendlichen ihre Angebote war?

Einige wenige kommen in die Jugendgruppen, die Quote ist aber relativ gering. Man kann nicht erwarten, dass man alle 70 Leute in die Jugendgruppe bekommt, das ist nicht zu schaffen. Aber wenn 5-10 Konfirmanden nach der Konfirmation bleiben, ist das ein guter Wert.

 

 

Meinungen der Konfirmanden zum Unterricht

In der Pause des Unterrichts befragten wir einige Konfirmanden in kleinen Gruppen zu dieser Art von Konfirmandenunterricht und dazu wie es ihnen gefalle. Dabei kamen wir zu folgendem Ergebnis:

Zuerst viel uns auf, dass die Mädchen viel konzentrierter bei der Sache waren. Sie arbeiteten im Unterricht gut mit und nahmen auch unsere Fragen sehr ernst. Die Jungen hatten mehr Probleme sich zu konzentrieren, aber auch von ihnen kamen konstruktive Verbesserungsvorschläge.

Alle Konfirmanden waren zufrieden mit dieser Art von Konfirmandenunterricht. Der Termin gefiel allen sehr gut (einmal monatlich Samstags um 9 Uhr). Sie finden es besser nur einmal im Monat dafür aber länger zum Unterricht zu gehen, als einmal wöchentlich eine Stunde, wie die meisten ihrer Klassenkameraden. Sie haben somit unter der Woche mehr Zeit für sich. Auch finden sie die Uhrzeit gut, denn durch den frühen Beginn können sie sich auch am Nachmittag noch etwas vornehmen.

Es gab allerdings auch einige Verbesserungsvorschläge zum Unterricht: Die Mädchen wollten mehr singen und mehr in Gruppen selbst etwas erarbeiten und nicht lange, unverständliche Vorträge hören. Die Jungen waren einstimmig dafür, dass im Gemeindehaus Getränke angeboten werden sollten. Die Pausen sollten länger sein und es sollte mehr Billardtische geben.

Zum Gottesdienst hatten die Konfirmanden auch noch Verbesserungsvorschläge. Sie wünschten sich bequemere Sitze in der Kirche. Außerdem finden sie den Gottesdienst schwer verständlich und zu sehr auf Erwachsene zugeschnitten. Sie wünschen sich mehr Themen für Jugendliche und einfachere Predigten. Auch empfinden sie den Gottesdienst als zu lang, es fällt ihnen schwer sich so lange zu konzentrieren. Außerdem fänden sie es besser, wenn der Gottesdienst etwas später beginnen würde.

Freiwillig besucht kaum einer der Konfirmanden den Gottesdienst, allerdings müssen sie während ihrer Konfirmandenzeit 30mal teilgenommen haben. Von den Jugendfreizeiten waren alle begeistert, sie wünschen sich öfter solche Unternehmungen, und haben hierzu auch keine Verbesserungsvorschläge.

 

 

Befragung der Konfirmanden zum Thema

Wir haben dieselbe Umfrage, die wir schon vorher einmal durchgeführt hatten auch mit den Konfirmanden gemacht. Dabei hat sich unsere Vermutung, dass Jungs die Kirche negativer sehen als Mädchen, nicht bestätigt. Während nur 20% der Mädchen angaben, teilweise nach den Regeln ihrer Religion zu leben, sagten 68% der Jungs, dass sie dieses tun. An kirchlichen Aktivitäten nehmen Jungs und Mädchen gleichermaßen teil, wobei 15%der Jungs aber eher Big Brother gucken würden als zur Kirche zu gehen. 17,5% der Jungs stellen ausserdem andere Aktivitäten wegen Big Brother zurück ( 3% der Mädchen), wobei nur ein Mädchen und kein Junge angaben, Big Brother sei eine Art Ersatzreligion.

 

 

Zusammenfassung der Ergebnisse

Nachdem wir uns eingehend mit dem Thema "Kirche und Big Brother" beschäftigt haben, sind wir zu dem Ergebnis gekommen, das Big Brother der Kirche nicht vorgezogen wird, sondern das beide einen etwa gleich hohen Stellenwert bei den Jugendlichen haben. So schien Big Brother am Anfang für die Jugend zwar sehr attraktiv, weil es etwas Neues und Interessantes war (siehe "Was ist Big Brother") jedoch verlor es an Begeisterung als eine Staffel der anderen folgte und BB zum Alltag gehörte. Eine Staffel glich der anderen, die Zuschauer konnten sich schon vorher denken, was in der nächsten Staffel passiert, der Ablauf war immer der selbe.

Genauso ist es mit der Kirche, bzw. dem Gottesdienst; denn für Jugendliche ist der Gottesdienst zu eintönig, er hat immer das gleiche Schema. Man hört nur zu, was der Pastor erzählt und wird höchstens in den Gottesdienst mit einbezogen, wenn es um das Singen geht. Viele wünschen sich einen Gottesdienst nur für Jugendliche, in den Themen altersgerecht ausgewählt und dargestellt werden. So könnte man zum Beispiel kirchliche Lieder in die heutige Musik umsetzen oder mit Jugendlichen über aktuelle und wichtige Themen diskutieren, so das der Pastor eventuell zu einer Bezugsperson wird, und man als Jugendlicher zu ihm kommen kann, falls es mal wirklich Probleme gibt.

Die meisten Jugendlichen gehen nach ihrem Konfirmandenunterricht nicht mehr in die Kirche, mit der Begründung, dass die Kirche nicht genügend auf sie eingeht. Während die Produzenten von BB kaum noch die Möglichkeit haben, BB wieder für die Jugendlichen interessant zu machen, hat die Kirche jedoch noch die Chance durch altersgerechte Veranschaulichung die Jugendlichen an sich zu binden.

 

 

Anhang

Umfrage

Männlich 19 Weiblich 21

 

1. Wie alt bist Du?

13-15 15

16-18 14

19-21 11

 

2. Welcher Religion gehörst Du an?

Evangelisch 37

Katholisch 3

Andere 0

Keine Religion 0

 

3. Lebst Du streng nach den Regeln Deiner Religion?

Ja 0

Nein 32

Teilweise 8

 

4. Nimmst Du an Aktivitäten Deiner Kirche teil?

Nein 20

Ja, ich...

...gehe zur Kirche 7

...nehme an Jugendfreizeiten teil 6

...gehe zum Konfirmandenunterricht 11

...bin Mitglied im Jugendkreis 4

 

5. Findest Du, dass die Kirche genügend Aktivitäten für Jugendliche anbietet?

Ja 13

Nein 11

ich habe mich noch nicht informiert 16

 

6. Was würdest Du vorziehen?

Big Brother schauen 30

zur Kirche gehen 10

 

7. Schaust Du Big Brother?

Ja 27

Nein 13

 

8. Wenn ja, wie oft?

Selten 8

1-3 mal die Woche 13

fast immer 6

 

9. Kaufst du Big Brother Fanartikel?

Ja 4

Nein 36

 

10. Wenn ja, wieviel Geld gibst Du im Monat dafür aus?

5-10 DM 1

10-20 DM 3

30-40 DM

mehr

 

11. Stellst Du andere Aktivitäten wegen Big Brother zurück?

Ja 5

Nein 29

manchmal 6

 

12. Würdest Du Big Brother als Ersatzreligion ansehen?

Ja 8

Nein 32

 

 

Fotos

 

Gemeinderaum der Kirchengemeinde Wallenhausen

 

 

Die Jungen bei der Arbeit

 

 

Die Mädchen bei der Arbeit

 

 

Der Aufenthaltsraum mit Billardtischen

 

 

Beim Interview mit uns

 

 

Die Konfirmanden bei der Gruppenarbeit

 

 

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