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Diagnose: Lehrkraft - Websites zum Thema „Lehrergesundheit“
Der Beruf der Lehrerin / des Lehrers gehört zu jenen Berufen, die ein hohes gesundheitliches Risiko mit sich bringen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass über 40 Prozent der Lehrkräfte in Deutschland aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand gehen.
Die Gründe sind vielfältig. „Lehrer sind als Einzelkämpfer ausgebildet. Sie stehen einer allmächtigen Didaktik und den unerfüllbaren Ansprüchen von Schülern, Kollegen, Eltern, der Schulbürokratie sowie der Öffentlichkeit gegenüber“ . Mit dieser Beschreibung des Sozialwissenschaftlers Nando Belardi korreliert die gesellschaftliche Allmachtsphantasie, dass Lehrkräfte die Probleme lösen könnten, die Politik, Gesellschaft und Eltern nicht in den Griff bekommen.
Im Bewusstsein dieser Ansprüche nehmen viele Unterrichtende in ihren Klassen wahr, dass sie die Voraussetzungen für den Unterricht zuallererst schaffen und seine Bedingungen in mühsamer Anstrengung aushandeln müssen. Zwischen Fremderwartung und täglicher Unterrichtsrealität macht sich das Gefühl der Überforderung und des Versagens breit. Beides drückt sich nicht selten in einer zynischen Haltung gegenüber Schülern und Schule aus.
Ein zusätzlicher Widerspruch liegt darin, dass die meisten Lehrkräfte ursprünglich mit einem anderen pädagogischen Selbstverständnis angetreten sind. So hatten die Grundfunktionen der Schule, die Hilbert Meyer als 'Humanfunktion' und als 'Bildungsfunktion' bezeichnet, eine hohe Priorität in ihrer Arbeit. Schule ist nach diesem Verständnis ein geschützter Raum, in dem Kinder und Jugendliche lernen können, miteinander zu leben und in Menschlichkeit aufzuwachsen und sich zu einem mündigen Menschen entwickeln können.
Dieses Bedingungsgefüge von ursprünglichem Selbstverständnis, äußeren Erwartungen und Realität führt bei vielen Lehrkräften zur bewährten Überlebensstrategie, „Schwächen und Probleme zu verdecken, die Klassenzimmertüre zu schließen, im privaten Rahmen den beruflichen Alltag zu verarbeiten und um die wenigen Stellen in der Schule zu konkurrieren.“ Auf Dauer folgen einem solchen Überlebenskonzept gesundheitliche Probleme, die nicht nur für den Einzelnen sondern auch für die Gesundheits- und Bildungspolitik eine besondere Herausforderung darstellen.
Diese Situation wurde in den letzten Jahren von mehreren Seiten erkannt und ist Grundlage verschiedener Websites, die gezielt Untersuchungen zur gesundheitlichen Situation von Lehrkräften publizieren und Empfehlungen für eine gesunde Schule geben. Eine Auswahl soll im Folgenden vorgestellt werden.
Projekt Lehrergesundheit
Das Projekt Lehrergesundheit wurde im Jahre 2001 vom Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend Rheinland-Pfalz an der ADD in Trier eingerichtet.
Einzelheiten sind abzurufen unter: www2.add.rlp.de/icc/ADD/broker?uMen=b5670891-b64e-9401-be59-2613e9246ca9
Thüringer Studie zur Lehrergesundheit
Die wohl umfassendste Befragung zum Thema „Lehrergesundheit“ wurde im Jahr 2006 vom Thüringer Lehrerverband veröffentlicht. 18,5 % aller Thüringer Pädagogen haben sich an der Befragung beteiligt, die an der Universität Potsdam (Prof. Schaarschmidt) ausgewertet wurde. In der abschließend veröffentlichten Studie äußern sich viele Lehrkräfte unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen. Die größte Unzufriedenheit besteht in einer mangelnden Unterstützung durch interne und externe Kräfte. Weitere kritische Einschätzungen betreffen die Bereiche des Verhaltens der Eltern und die Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung. Insgesamt zeigt sich, dass sich die Lehrerinnen und Lehrer mit schwieriger gewordenen Bildungs- und Erziehungsaufgaben weitgehend allein gelassen fühlen. Informationen zu den Ergebnissen der Studie können unter der Adresse „www.tlv.de/index.php?id=223“ abgerufen werden.
Handbuch Lehrergesundheit
Als Beitrag zur Prävention versteht der Bundesverband der Unfallkrankenkassen (BUK) sein Handbuch "Lehrergesundheit - Baustein einer guten gesunden Schule. Impulse für eine gesundheitsfördernde Organisationsentwicklung". Das in Zusammenarbeit mit der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) und dem Gemeindeunfallversicherungsverband (GUVV) Westfalen-Lippe herausgegebene Buch fasst die Ergebnisse und Erfahrungen eines von den Herausgeberverbänden getragenen Modellprojekts zur betrieblichen Gesundheitsförderung zusammen. Das in Berufsbildenden Schulen durchgeführte Projekt hatte die Entwicklung und Evaluation von wirkungsvollen und nachhaltigen Maßnahmen zur Förderung der Lehrergesundheit zum Ziel. Das 262-seitige Handbuch kann als PDF-Datei unter der Adresse "www.schulministerium.nrw.de/BP/Lehrer/ArbeitsUndGesundheitsschutz/HandbuchLehrergesundheit.pdf" kostenlos geladen werden.
Gesundheitsmanagement – Empfehlungen für Schulleiterinnen und Schulleiter
Empfehlungen für Schulleitungen zum Thema „Lehrergesundheit“ wurden vom Krefelder Schulleiter Paul Tresselt ins Netz gestellt. Unter der Überschrift „Gesundheitsmanagement“ macht Tresselt z.B. „Zu wenig Lob und Bestätigung“, „Kein Erfolg bei den Schülern“, „Schlechte Arbeitsbedingungen“, „Zu viele Vertretungsstunden“, „Zu wenig Verantwortung“ oder „Stress und Ärger“ als Ursachen gesundheitlicher Belastungen von Lehrkräften aus. Auf dem Hintergrund seiner Erfahrungen als Schulleiter und früheres Personalratsmitglied nennt er verschiedene Gesichtspunkte, die für ihn wesentlich zu einem guten Gesundheitsmanagement der Schulleitung beitragen. Tresselts Ausführungen können unter der Adresse „www.tresselt.de/gesundheit.htm“ nachgelesen werden.
Anschub.de – Module für eine gesunde Schule
Unter dem Motto „Nur eine gesunde Schule ist eine gute Schule“ hat die Bertelsmann Stiftung mit einer breit angelegte Allianz von Kooperationspartnern ein Projekt ins Leben gerufen, das gemeinsam "innovative inhaltliche und strukturelle Ansätze schulischer Gesundheitsförderung und Prävention" entwickelt soll. Die Initiative – an der auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) beteiligt ist - will damit "einen wirksamen Beitrag zur Steigerung der Erziehungs- und Bildungsqualität von Schulen leisten". Dazu bietet das Projekt verschiedene Module wie z.B. „Schulklima – partnerschaftliches Miteinander“, „Bewegungsfreudige Schule“ oder „Freiflächen – Gebäudemanagement“ an. Die Adresse der Website lautet: „www.anschub.de“.
Lehrerforum NRW – Onlineberatung für Lehrkräfte
„Lehrer/innen stehen oft vor Problemen, die andere Kollegen bzw. andere Schulen schon gelöst haben. Leider wissen weder die Fragesteller, noch die, denen eine Antwort einfallen würde, voneinander. Umgekehrt gibt es an manchen Schulen erfolgreiche Initiativen, oder nützliche Informationen, die nicht nur in zufälligen Gesprächen sondern systematisch an interessierte Kollegen weitergegeben werden sollten.“ Mit diesen Worten beschreibt das Lehrerforum Nordrhein-Westfalen seine Intention. Zielgruppe des Forums sind Lehrerinnen und Lehrer, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Lehramtsstudierende, Anwärter/innen, Berufseinsteiger/innen und Beratungslehrer/innen. Zur besseren Orientierung wurden mehrere Rubriken eingerichtet. So können z.B. unter Überschriften wie „Versetzung, Abordnung“ „Mobbing“, „Gewalt“, „Stressbewältigung für Lehrerinnen und Lehrer“ oder „Burn out“ eigene Fragen eingegeben oder Fragen von anderen Forumsmitgliedern und bereits eingetragene Antworten eingesehen werden. Zur Zeit nutzen rund 1800 Kolleginnen und Kollegen diese Form der Beratung. Das Forum wird durch 54 professionelle Beraterinnen und Berater, wie z.B. Ärzte, Schulpsychologen, Seminarleiter, Lehrer und Schulleiter unterstützt. Die Adresse des Forums lautet: „www.lehrerforum-nrw.de“.
Fit für den Beruf der Lehrerin bzw. des Lehrers – Online-Test für Schulabgänger
Abschließend soll auf eine Webseite der "Bundesleitung des dbb Beamtenbund und Tarifunion" hingewiesen werden, die sich an Abiturientinnen und Abiturienten wendet, die ein Lehramtsstudium beginnen wollen. Auf der Seite steht ein Test bereit, der Schulabgängerinnen und Schulabgängern Fragen zur Selbsteinschätzung anbietet, die auf dem Hintergrund der eingangs erwähnten Potsdamer Studie zur Lehrerbelastung erstellt wurden. Der Test kann unter der Adresse " www.dbb.de/lehrerstudie/start_fit_einleitung.php" aufgerufen werden und beantwortet Frage, ob zentrale Voraussetzungen für die Erhaltung der Gesundheit im Lehrerberuf wie psychische Belastbarkeit, eine optimistische und aktive Lebenseinstellung sowie die erforderlichen sozial-kommunikativen Fähigkeiten bei den Interessentinnen und Interessenten vorhanden sind.
Dietmar Peter
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