Renate Schick
Marika Gottschalk-Kirchner

„Religion erleben“ mit schwerstmehrfachbehinderten Schülern - Darstellung einer Unterrichtssequenz zum Thema Wasser innerhalb der Unterrichtseinheit Schöpfung

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Vorbemerkungen

Die nachfolgend dargestellte Unterrichtssequenz entstand im Rahmen einer AG, die wir an unserer Schule unter dem Thema „Religion erleben“ für schwerstmehrfachbehinderte Schüler einmal wöchentlich anbieten. Es arbeiten drei Pä-dagoginnen mit einer Gruppe von max. neun Schülern.
Der Wunsch, gerade auch im Bereich Religion Angebote zu machen, die den Wahrnehmungsmöglichkeiten selbst schwerstbehinderter Schüler entsprechen, veranlasste uns zum Schuljahresbeginn 96/97 die AG anzubieten. Wir ver-suchen Inhalte und Aussagen des christlichen Glaubens und seiner Tradition so zu elementarisieren, dass sie für die AG-Teilnehmer erlebbar und erfahrbar werden können.
Bei den Vorüberlegungen einigten wir uns darauf, dass ein fester Rahmen notwendig ist und der Unterricht in einer angenehmen Atmosphäre (Ruhe, sich Zeit lassen, ästhetische Umgebung) stattfinden sollte.

Der Rahmen

Der zeitliche Umfang der AG beträgt immer zwei Unterrichtsstunden, denen ein ritueller Rahmen zugrunde liegt, der den Schülern Möglichkeiten geben soll, etwas Vertrautes wiederzufinden, Sicherheit und Orientierung zu erfahren.
Dies beinhaltet auch gleichbleibende äußere Elemente des Unterrichtes. Die Schüler und Lehrer sitzen im Kreis, eine gute Form, um Gemeinschaft zu erleben; jeder wird gesehen und kann den anderen wahrnehmen (vgl. RRL Begeg-nungsfeld C 2.1.1.).
In der Mitte des Kreises befindet sich ein kleiner Tisch, der mit einer Kerze und einem Tuch in den jeweiligen Farben des Kirchenjahres oder des Themas (z. B. zum Thema Wasser - Kerze und Tuch in Blautönen) gestaltet ist. Den The-men entsprechend stehen noch andere Gegenstände auf dem „Altartisch“, z. B. verschiedene Obstsorten beim Ernte-dankfest oder ein Adventskranz in der Weihnachtszeit.
Den Beginn jeder Unterrichtsstunde zeigt ein kleiner Gong an, der für jeden Einzelnen angeschlagen wird. Es wird den Schülern Raum gegeben, den Gong zu hören und seine Schwingungen wahrzunehmen. Danach wird die Kerze ange-zündet, die Gitarre erklingt und es wird das Lied „Lasst uns miteinander...“ gesungen.
Es folgt eine sehr individuelle Begrüßung jedes Schülers, in deren Zusammenhang dem Namen des Einzelnen eine wichtige Bedeutung zukommt (vgl. RRL Begegnungsfeld B 2.2.1.)
An dieser Stelle schließt sich eine Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema an. Dabei werden die Inhalte mehr-mals wiederholt. Es kann sich je nach Bedarf der Kreis auflösen und der „Altartisch“ an die Seite geschoben werden.
Am Schluss des Unterrichtes steht ein weiteres Ritual, der Segen des Einzelnen, nachdem der äußere, ursprüngliche Rahmen (Kreis, Tisch in der Mitte) wiederhergestellt wurde (RRL Begegnungsfeld A 1.2.4./Begegnungsfeld B 2.1.4.)
Bei dem Segenslied „Gottes guter Segen...“ werden jedem Schüler in individueller Weise „die Hände aufgelegt“, so wie es dem Einzelnen angenehm ist.
Abschließend erklingt das Lied „Gehen wir in Frieden“ als Zuspruch für alle und als Zeichen des Abschlusses.

Literatur:
Lehrplan für den fachorientierten Unterricht Evangelische Religionslehre in den Schulstufen Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe, Werkstufe der Schule für Geistigbehinderte, 1987.

*Die männliche Form gilt für Schülerinnen und Schüler

 

Vorbereitung

Auf dem Tisch liegt eine Decke in grün-blau Tönen, darauf befindet sich:
- ein großer Glaskrug mit Wasser
- ein kleiner Glaskrug mit Wasser
- ein gläserner Kerzenständer mit farblich zum Tuch passender Kerze
- eine durchsichtige Schale (Glas oder Plexiglas)
- eine Kinderbibel

Verlauf Kommentar Materialien

Beginn Kommentar Materialien
Ein Pädagoge geht mit einem Gong von einem Schüler zum nächsten, spricht ihn leise an bzw. berührt ihn und schlägt den Gong neben ihm.


Der Anfang mit dem Gong ist ein Ritual, das den Schülern mit der Zeit vertraut geworden ist und den Beginn der Religions-AG signalisiert. Der Gong wird, je nach Schüler, unterschiedlich laut geschlagen.

Gong mit Schlegel





Ein Päd. zündet die Kerze an und dazu wird das Lied „Lasst uns miteinander..“ gesungen und gespielt.


Einzelnen Schülern wird ein Rhythmusinstrument zum Mitspielen angeboten oder es kann mit Handführung geklatscht werden.

Gitarre
Streichhölzer
Rhythmusinstrumente


Begrüßung
Ein Päd. geht mit der brennenden Kerze zu einem Sch. Päd. singen die Fragestrophe von dem Lied „Wir sitzen im Kreis...“. Ein Päd. spricht den Sch. an, fragt nach seinem Namen. Päd. singen die Antwortstrophe. Der begrüßte Sch. reicht die Kerze mit Handführung an den nächsten weiter.

Blinden Schülern wird vorsichtig die Hand in die Nähe der Flamme geführt, damit sie die Wärme der Kerze spüren können.
Die Schüler erfahren, dass jeder einzelnen wich-tig ist. Bei der Nennung seines Namens wird der Betreffende berührt und erfährt seinen Namen als zu sich gehörig. Die Art der Berührung (leichter Druck auf die Schulter, mit der flachen Hand auf die Brust klopfen z. B.) wird individuell gewählt.

Kerze









Thema
Ein Päd. gießt langsam das Wasser aus dem Krug in die Schale.

Die Schüler nehmen das Plätschern des Was-sers wahr und werden aufmerksam.


Wasser
Krug
Schale

Ein Päd. liest den entsprechenden Text aus der Schöpfungsgeschichte.


Sprache ist ein wesentliches Element unserer Kultur. Das Vorlesen eines Textes trägt zu einer ruhigen und gesammelten Atmosphäre bei.

Bibel


Das Wasser wird nocheinmal mit dem kleinen Krug aus der Schüssel geschöpft und „plätschernd“ gegossen.

Auch wenn die Schüler den Text nicht immer verstehen, sollte nicht darauf verzichtet werden.


 
Anschalten einer CD mit Wassergeräuschen. Zwei Päd. gehen mit der Wasserschüssel, dem kleinen Krug und einem Handtuch zu jedem Sch.. Dabei hält ein Päd. die Schüssel, der andere schöpft das Wasser und lässt es mehrmals über eine Hand/beide Hände des Sch. in die Schüssel zurücklaufen. Anschließend werden die Hände des Sch. abgetrocknet.




Das Wasser sollte nicht zu kalt sein, jedoch deut-lich kühler als handwarm. Die Hände des Schülers sollten dabei nicht in der Schüssel liegen, sondern ggf. leicht am Handgelenk gehalten werden. Wichtig ist es, nicht zu schnell zu gießen, und das Gießen mehrmals zu wiederholen, damit die Schüler „richtig“ wahrnehmen können. Die Handlung sollte sprachlich begleitet, die Dauer individuell gestaltet und die Reaktionen der Schüler gut beobachtet werden. Evtl. wird das Wasser gewechselt. Diese Wiederholung dient der Vertiefung und ermöglicht den Schülern ein Wiedererkennen von etwas Bekanntem.

CD-Player
CD
Wasser-schüssel
kl. Krug
Handtuch









Nachdem alle Sch. das Wasser gespürt haben, liest ein Päd. noch einmal den Bibeltext und gießt anschließend wieder das Wasser plätschernd aus dem Krug in die Schüssel.

   
Die Päd. singen das Lied „Reines Wasser...“.

Einzelnen Schüler begleiten das Lied mit
Rhythmusinstrumenten.

 
Abschluss
Jeder Sch. wird von einem Päd. gesegnet mit der Liedstrophe „Gottes guter Segen sei mit dir...“.

Bei dem Segenslied werden jedem Schüler in individueller Weise die Hände aufgelegt, über den Kopf gehalten oder auf die Schultern gelegt, so wie es für den Einzelnen angenehm scheint.

Gitarre
Rhythmusinstrumente



Abschließend wird das Lied „Geh’n wir in Frieden...“ gesungen.

Dieses Lied markiert den Schlusspunkt der Stunde.

 
Ein Sch. oder Päd. pustet die Kerze aus. Anschließend wird durch ein Hin- und Herschwenken der Kerze ihr Geruch im Raum verbreitet.

Gerade gehörlosen oder blinden Schülern wird so eine zusätzliche Geruchswahrnehmung ermöglicht.


 



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Kontakt | © Religionspädagogisches Institut Loccum

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