19. Mai 2017

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Initiativen: Zuwachs bei Minderjährigen zeigt Ausmaß der Fluchtkatastrophe

Hannover/Berlin (epd). Der weltweite dramatische Anstieg bei der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zeigt nach Ansicht von Helfer-Initiativen das ganze Ausmaß der Fluchtkatastrophen. "Weltweit waren noch nie so viele Menschen auf der Flucht wie heute", sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge dem epd. "Vor diesem Hintergrund ist es leider nur logisch, dass auch mehr Kinder und Jugendliche ihre Heimat verlassen mussten."

Unicef hatte am Mittwoch in Genf mitgeteilt, dass sich die Zahl der allein fliehenden Kinder und Jugendlichen seit 2010 etwa verfünffacht hat. Allein 2015 und 2016 seien nach den Angaben des UN-Kinderhilfswerks rund 300.000 Jungen und Mädchen unter 18 Jahren in über 80 Ländern getrennt von ihren Eltern registriert worden. In den beiden Jahren 2010 und 2011 waren es insgesamt noch 66.000 Kinder gewesen.

Nach Beobachtungen des Bundesverbandes mit Sitz in Berlin sind die Gründe, warum Kinder und Jugendliche unbegleitet fliehen, vielfältig. "Teils geben Eltern ihre Kinder in einer Notlage anderen Erwachsenen mit, teils werden Familien auf der Flucht getrennt, teils verteilen sich Familien auf drei Boote, damit vielleicht wenigstens ein Familienmitglied die Mittelmeerüberfahrt überlebt", sagte die Sprecherin.

Es gebe auch Einzelfälle, in denen Kinder gezielt vorgeschickt würden, um dann möglichst der Familie das Nachkommen zu erleichtern. "Das ist aber eher die Ausnahme als die Regel." Das von manchen Politikern transportierte Bild der massenhaft vorgeschickten Kinder sei schlicht falsch. "Der überwiegende Teil der Kinder und Jugendlichen wird aus einer Notlage heraus zum unbegleiteten Flüchtling."

Kai Weber vom niedersächsischen Flüchtlingsrat nannte die Vervielfachung der Zahlen "Ausdruck und Ausfluss der Situation vieler Familien, die in der Hoffnung aufbrechen, wenigstens für ihre Kinder eine bessere Zukunft zu erreichen". Nach der Beobachtung des Flüchtlingsrates habe in Niedersachsen die große Herausforderung im Umgang mit unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen in den Jahren 2015 und 2016 bestanden. Es sei damals nicht möglich gewesen, allen Jugendlichen in vollem Umfang gerecht zu werden. Erst jetzt komme die Betreuung, die Rechtsberatung und die Aufarbeitung von Traumata bei den Jugendliche wieder in geordnete Bahnen.

Weber kritisierte in diesem Zusammenhang auch die immer größeren Hindernisse, die Flüchtlingen in den Weg gelegt würden. "Da werden Fluchtrouten dichtgemacht oder, bürokratische Hürden aufgebaut." Wenn in der Konsequenz weniger Flüchtlinge nach Deutschland kämen, hieße das allerdings nicht, dass es weniger Flüchtlinge gebe.

epd lnb bjs mil