19. April 2017

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HIV-Infizierte noch immer stigmatisiert

Hannover (epd). HIV-infizierte Menschen werden nach Ansicht der niedersächsischen Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) noch immer ausgegrenzt. "In den Köpfen vieler Menschen gibt es gewisse Sorgen", sagte sie am Dienstag bei der Vorstellung der Broschüre "Was uns bewegt. 11 Geschichten von HIV Positiven aus Niedersachsen" in Hannover. Zwar könnten die Betroffenen durch Medikamente heute unbeeinträchtigt mit der chronischen Erkrankung leben und seien voll integriert. HIV-positive Arbeitnehmer etwa seien durchschnittlich nicht häufiger krankgeschrieben als ihre Kollegen. Doch sei es noch ein weiter Weg bis zur gesellschaftlichen Akzeptanz der Krankheit. "Infizierte müssen in ihrem Umfeld offen über ihre Krankheit sprechen können", forderte sie.

In Niedersachsen sind Rundt zufolge 3.400 Menschen definitiv mit dem HI-Virus infiziert. Schätzungen beliefen sich jedoch auf 4.200 Menschen. Bundesweit lebten rund 84.000 Menschen mit dem Immunschwäche-Virus.

Aus medizinischer Sicht habe sich seit den 1980er Jahren sehr viel getan, betonte Marian Künzel vom "Netzwerk Positiv in Niedersachsen". Damals habe die Diagnose "HIV-positiv" den sicheren Tod in spätestens fünf Jahren bedeutet. "Wer heute seine Medikamente nimmt, hat hingegen eine normale Lebenserwartung, ist nicht mehr ansteckend und kann gesunde Kinder bekommen", erläuterte der Braunschweiger Aktivist. Trotzdem würden viele Infizierte weiter stigmatisiert. So bekämen sie etwa nur Arzt-Termine kurz vor Ende der Sprechstunde oder würden gar nicht erst behandelt. Medizinisches oder therapeutisches Personal berühre sie oft nur mit Handschuhen, kritisierte Künzel.

"Die Diskriminierung ist zwar nicht messbar", ergänzte Jean-Luc Tissot ebenfalls vom Netzwerk Positiv in Niedersachsen. Doch sie sei vorhanden. Dass sehe man etwa an den Schwierigkeiten, HIV-Infizierte für öffentliche Kampagnen zu gewinnen, erläuterte er. In der Broschüre des Netzwerks werden elf HIV-Infizierte aus Niedersachsen portraitiert und erzählen vom Leben mit HIV. Tissot und Künzel sind auch darunter. "Es ist für viele Betroffene schwer, ihr Gesicht zu zeigen." Viele schreckten davor zurück, weil sie Angst um ihren Beruf hätten oder Angst, dass ihre Kinder diskriminiert werden könnten, sagte er. Gerade betroffene Frauen oder Infizierte, die auf dem Land leben, hielten ihre Erkrankung so gut es gehe geheim. "Dabei wäre es psychisch viel gesünder, wenn man einfach darüber reden könnte."

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