14. Februar 2017

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Initiative gegen AfD auf dem Kirchentag

Auf dem Kirchentag in Berlin soll die AfD-Politikerin Anette Schultner auftreten. Sie ist zu einer Diskussion über Christen in der AfD eingeladen. Dagegen regt sich Protest, Kritiker starten eine Petition im Internet.

Frankfurt a.M. (epd). Mit einer Unterschriftensammlung im Internet protestiert die Initiative "Keine AfD auf dem Evangelischen Kirchentag" gegen die Einladung der AfD-Funktionärin Anette Schultner zu dem Protestantentreffen im Mai in Berlin. Gerade vor der Bundestagswahl dürfe der Kirchentag "keine Bühne für rechte Propaganda bieten", erklärte die Initiative am Montag. Die Online-Petition richtet sich an das Präsidium des Evangelischen Kirchentags 2017 und fordert dazu auf, die Einladung an die Bundessprecherin der Gruppe "Christen in der AfD" zu überdenken. Zu den Erstunterzeichnern der Petition gehört der Theologieprofessor Siegfried Vierzig von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg.

Im Januar hatte der Kirchentag bestätigt, dass die AfD-Funktionärin Schultner mit dem Berliner Landesbischof Markus Dröge und der Journalistin Liane Bednarz über "Christen in der AfD? Christsein in der AfD" diskutieren werde. Der Kirchentag läuft vom 24. bis zum 28. Mai in Berlin und Wittenberg.

Zwar sei ein Dialog mit AfD-Mitgliedern wichtig, doch dies solle in Gemeinden oder Kirchenkreisen geschehen, nicht bei einer Podiumsdiskussion auf dem bundesweit beachteten Kirchentag, heißt es in der Online-Petition, die unter weact.campact.de unterzeichnet werden kann. Dort komme es "im besten Fall" zum bloßen Austausch von Positionen, doch in jedem Fall biete eine solche Veranstaltung eine Bühne für rechte Propaganda.

Dem widersprach eine Sprecherin des Kirchentags. Der Kirchentag könne zwar "die Argumente nachvollziehen", hieß es am Montag auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Doch eine Auseinandersetzung zu "Christen in der AfD? Christsein in der AfD" gehöre "auf ein Forum wie den Kirchentag".

Im September 2016 hatte das Kirchentags-Präsidium beschlossen, der Kirchentag verstehe sich als ein offenes Forum für faire Debatten über aktuelle Themen in Kirche und Gesellschaft. Wegen seines Parteibuches werde niemand ein- oder ausgeladen. Vom Katholikentag im Mai 2016 in Leipzig waren AfD-Politiker ausgeschlossen worden.

Schon jetzt "feiert die Partei die Einladung als politischen Sieg", heißt es in der Online-Petition. Schultner sei Funktionsträgerin einer Partei, die sich "nicht eindeutig von nationalsozialistischem Gedankengut und antisemitischer Hetze abgrenzt". Sie unterstütze ein Programm, das "dem Kern und den Grundüberzeugungen der Evangelischen Theologie und Sozialethik widerspricht", heißt es.

epd lnb bas mil