4. November 2018

Nachricht

Als die Synagogen brannten - Internetseite informiert über Pogrome in Niedersachsen

Celle (epd). Eine neue Internetseite informiert über die Pogrome gegen Juden in Niedersachsen vor 80 Jahren. Auf www.pogrome1938-niedersachsen.de wird die Zerstörung von Synagogen und die Verhaftung von Juden zwischen Dornum an der Nordsee und Hann. Münden am 9. November 1938 und an den Folgetagen auf Fotos und in Texten dargestellt. "Damit soll die Erinnerung wachgehalten und gezeigt werden, dass nicht Einzelne den braunen Terror auf die Straße gebracht haben, sondern dass viele Menschen dabei zugesehen haben", sagte Landtagspräsidentin Gabriele Andretta (SPD) bei der Vorstellung der Website am Freitag in Celle.

Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten, ergänzte, die Pogrome seien zwar reichsweit zentral gesteuert gewesen: "Doch das Ausmaß der Brutalität vor Ort war das Ergebnis des Handelns und Entscheidens lokaler Akteure." So wurde in Peine der 17-jährige Hans Marbuger am 10. November verhaftet und kurz danach wieder freigelassen. SS-Männern zwangen ihn, zur Synagoge mitzukommen. Sie setzten das Gebäude in Brand, anschließend erschoss SS-Hauptsturmführer Paul Szustak den jüdischen Jungen.

1950 verurteilte das Schwurgericht Hildesheim Szustak zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe  - es war das härteste Urteil in einem Prozess wegen Tötungen während der Reichspogromnacht. 1956 wurde die Strafe in zehn Jahre Zuchthaus umgewandelt. "Es gab ab Ende der 40er-Jahre viele Prozesse und Verurteilungen. Allerdings kamen Täter oft schnell wieder auf freien Fuß", sagte Wagner. Heute erinnert in Peine am Ort der einstigen Synagoge ein Mahnmal an die Zerstörung. Eine Straße ist nach Hans Marburger benannt.

Die Website macht zu 53 Orten Angaben über Opfer und Täter, die juristische Aufarbeitung und das heutige Gedenken. Bis Ende des Jahres soll es Informationen zu 100 Städten und Gemeinden geben. Die Stiftung hat zusammen mit Studierenden der Geschichte der Leibniz Universität Hannover sowie Gedenkstätten, Initiativen und Einzelpersonen die Seite erarbeitet. Insgesamt zerstörten Nationalsozialisten während der Novemberpogrome im Deutschen Reich 1.400 Synagogen und Betstuben. 30.000 Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt.

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epd-Service

Internet:
www.stiftung-ng.de
Die neue Internetseite: www.pogrome1938-niedersachsen.de

Orte:
Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Im Güldenen Winkel 8, 29223