14. September 2018

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Landesbischof Meister: Gründe für Missbrauch genau prüfen

Hannover/Osnabrück (epd). Nach dem Bekanntwerden einer Studie zum sexuellen Missbrauch an Minderjährigen in der katholischen Kirche fordert der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover, weiter intensiv nach den Ursachen zu forschen. "Neben der klaren Aufforderung der Prävention bleibt auch für die evangelische und katholische Kirche die Herausforderung, genau zu schauen, ob es systemische Gründe gibt, die diese Missbrauchssituation innerhalb der Kirchen erleichtert haben", sagte Meister der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstag).

Dies müsse theologisch und organisationspraktisch immer wieder neu durchdacht werden. Meister sprach sich weiterhin für eine Null-Toleranz-Strategie aus. Laut Medienberichten erfasst die Studie, die die katholische Deutsche Bischofskonferenz am 25. September vorstellen will, zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3.677 sexuelle Vergehen durch 1.670 Kleriker an überwiegend männlichen Minderjährigen.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, äußerte sich bestürzt über den in der Studie dokumentierten Missbrauch. "Dieser Missbrauch ist völlig unentschuldbar und ist natürlich ein dunkler Schatten auf unserer jüngeren Geschichte", sagte er am Donnerstag dem Radiosender Bayern 2. Ein vom Papst für Februar anberaumtes Treffen der Vorsitzenden aller weltweiten katholischen Bischofskonferenzen im Vatikan hält Sternberg für dringend geboten:" Alles das, was passiert, könnte man als längst überfällig bezeichnen." Zugleich forderte er eine intensive Präventionsarbeit.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und die Wochenzeitung "Die Zeit" hatten am Mittwoch über die Studie zum sexuellen Missbrauch an Minderjährigen in der katholischen Kirche berichtet. Demnach waren mehr als die Hälfte der fast 3.700 Opfer maximal 13 Jahre alt, in etwa jedem sechsten Fall kam es zur Vergewaltigung.

Die Opfergruppe "Eckiger Tisch" und die Initiative "Wir sind Kirche" sprachen von erschütternden Zahlen. Die Deutsche Bischofskonferenz kritisierte die Vorab-Veröffentlichung scharf, nannte die Ergebnisse aber "bedrückend und beschämend".

Die Bischofskonferenz hatte 2014 die Studie an ein Konsortium unter Leitung von Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim vergeben. Beteiligt sind auch das Kriminologische Institut und das Institut für Gerontologie der Universität Heidelberg sowie der Lehrstuhl für Kriminologie der Universität Gießen.  

epd lnb bas mig
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