8. August 2018

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Studie: Schlechtere Arbeitsbedingungen für migrantische Pflegekräfte

Düsseldorf/Vechta (epd). Pflegekräfte mit Migrationshintergrund haben einer am Dienstag veröffentlichten Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge schlechtere Arbeitsbedingungen als einheimische Pflegekräfte. So machen laut Studienautorin Hildegard Theobald von der Universität Vechta 41 Prozent der Migranten mindestens einmal wöchentlich unbezahlte Überstunden, bei den Beschäftigten ohne Migrationshintergrund liege der Anteil bei 18 Prozent. Noch schlechter sehe es bei den ungelernten Pflegekräften aus. Die Studie nimmt die Pflegearbeit in Deutschland, Japan und Schweden in den Blick.

Gestaltungsspielräume bei der täglichen Planung der Arbeit haben laut Studie 23 Prozent der Pflegekräfte mit Migrationshintergrund und 35 Prozent der einheimischen Kollegen. Häufig körperlich erschöpft fühlten sich 88 im Vergleich zu 64 Prozent. Zudem erfahren Migranten, die in der Pflege arbeiten, weniger Wertschätzung von den eigenen Familien und Vorgesetzten. Von ausländerfeindlichen Kommentaren seien 15 Prozent betroffen. In Deutschland haben den Angaben zufolge 14 Prozent der Beschäftigten im stationären und elf Prozent im ambulanten Sektor einen Migrationshintergrund.

Für die Studie wurden Daten aus den Jahren 2005 bis 2012 erfasst, die sich auf insgesamt 2.500 Beschäftigte beziehen. Über Zeitdruck, Erschöpfung und prekäre Arbeitsverhältnisse klagten Pflegekräfte in Deutschland ebenso wie in Schweden und Japan, erläuterte Hildegard Theobald. Die Altenpflege werde angesichts des demografischen Wandels in den Industriestaaten immer wichtiger. Doch ein "best-practice"-Beispiel, das gute Leistungen für Pflegebedürftige, gute Arbeitsbedingungen für Pflegende und eine gesicherte Finanzierung zusammenbringt, gebe es bislang in keinem Land.

Mit Blick auf die Arbeitsbedingungen laufe in Schweden manches besser, lautet ein Fazit. Das skandinavische Land tue sich immerhin durch eine umfassende Qualifizierungsstrategie für die Beschäftigten hervor. Deutschland verfüge über ein relativ hohes Qualifikationsniveau in der ambulanten Pflege, die stationären Einrichtungen stünden in dieser Hinsicht allerdings relativ schlecht da. Die Gerontologin Theobald sprach sich daher für mehr berufsbegleitende Angebote aus.

epd lnb bas/jlk bjs
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