16. April 2018

Nachricht

Welle der Kritik wegen Schulklage gegen Inklusionsklasse

Bremen (epd). Die Klage des Gymnasiums Horn in Bremen gegen die Einrichtung einer Inklusionsklasse für Schüler mit geistiger und körperlicher Behinderung hat eine Welle der Kritik ausgelöst. Landesbehindertenbeauftragter Joachim Steinbrück sagte am Dienstag dem epd, der nach deutschem Recht und UN-Behindertenrechtskonvention gültige Auftrag zur Inklusion gelte auch für Gymnasien. "Den Ausgrenzungen behinderter Menschen in Schulen müssen dringend Grenzen gesetzt werden."

Besonders problematisch findet Steinbrück, dass die Schulleitung vor dem Verwaltungsgericht gegen die Entscheidung der Behörde vorgehen will, im Gymnasium Horn eine Inklusionsklasse einzurichten. "Der Klageweg polarisiert ungemein. Eine gerichtsnahe Mediation wäre die bessere Lösung." So könne geklärt werden, welche Bedingungen geschaffen werden müssten, damit Jugendliche auf das Abitur ausgerichtet und gleichzeitig Schüler mit Unterstützungsbedarf angemessen unterrichtet werden könnten.

Schulleiterin Christel Kelm hat die Klage nach einem Bericht des Bremer "Weser-Kurier" (Dienstag) eingereicht, weil sie der Auffassung ist, dass geistig behinderte Kinder dem Anforderungsniveau auf dem Gymnasium nicht gewachsen sind. Darum allerdings gehe es im Inklusionsunterricht auf dem Gymnasium gar nicht, widersprach Steinbrück. "Es geht darum, nach Lernzielen differenziert zu unterrichten."

Kritik kam auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).  "Wir unterstützen alle Bemühungen, die Ausstattung von Schulen im Sinne einer gelingenden Inklusion zu verbessern. Dies ist auch angesichts des Fachkräftemangels und unzureichender Grundausstattung dringend notwendig", sagte ihr Sprecher Christian Gloede. Dass nun ausgerechnet ein Gymnasium den Klageweg beschreite, um Inklusion gänzlich zu verhindern, sei auch Ausdruck eines längst überwunden geglaubten Standesdünkels.

"Diese Klage ist zudem geeignet, die soziale Spaltung in der Stadt voranzutreiben." Gloede sprach in diesem Zusammenhang von offener Ausgrenzung. Die Klage sei auch beschämend, weil suggeriert werde, dass inklusiver Unterricht an einem Gymnasium nicht möglich sei. "Das ist angesichts des soeben eingerichteten Master-Studienganges für Inklusive Pädagogik an Oberschulen und Gymnasien nun völlig absurd."

Der bildungspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft, Matthias Güldner, sagte, die Inklusion von Menschen mit Behinderung sei eine verbindliche Aufgabe für alle Schulen. "Bei der inklusiven Beschulung an Gymnasien geht es auch darum, Kindern mit Förderbedarf eine wohnortnahe Beschulung zu ermöglichen." Inklusions-Klassen gebe es in Bremen bereits an den Gymnasien Links der Weser und Vegesack. "Warum soll am Gymnasium Horn nicht klappen, was an anderen Gymnasien und an Oberschulen, die ebenfalls zum Abitur führen, längst der Fall ist?"

Verständnis kam von der CDU. Ihr bildungspolitischen Sprecher in der Bürgerschaft, Thomas vom Bruch, wertete die Klage als "erneuten Beleg dafür, dass Inklusion nicht diktiert werden kann. Wie ungehört muss sich eine Schule fühlen, wenn sie wie im aktuellen Fall keine andere Möglichkeit als die Bestreitung des Rechtswegs mehr sieht?" Inklusion müsse pragmatisch angegangen werden und nicht ideologisch um jeden Preis: "Das kann auch heißen, dass es Grenzen gibt."

epd lnb sel mil
# epd-Service