11. November 2017

Nachricht

Evangelischer Bischof Manzke von Woelki irritiert

Am Sonntag wird der Kölner Kardinal Woelki vor der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ein Grußwort sprechen. Sein kritischer Blick auf die Ökumene und die protestantischen Glaubensgeschwister sorgen für Zündstoff.

Bückeburg/Bonn (epd). Das Jahr des 500. Reformationsjubiläums hat deutliche Zeichen der Annäherung zwischen Protestanten und Katholiken gebracht, der Wunsch nach einem gemeinsamen Abendmahl indes blieb unerfüllt. Bei der Jahrestagung evangelischer Kirchenparlamente in Bonn stießen zudem jüngste Äußerungen des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki zum Stand der Ökumene auf Widerspruch. Woelki beschreibe "Positionen der evangelischen Theologie und Kirche auf eine Art und Weise, die in das Zeitalter konfessioneller Verzeichnungen gehören", kritisierte der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Karl-Hinrich Manzke, am Freitag.

Angesichts der Annäherung im zurückliegenden Festjahr seien die "Positionszuweisungen des ökumenischen Gegenübers alarmierend". "Zeigen sie doch, dass die Rezeption der erarbeiteten Verständigung über bislang bestehende Differenzen noch einen weiten Weg vor sich hat", sagte der schaumburg-lippische Landesbischof Manzke.

Der Kölner Erzbischof Woelki hatte gegen Ende des Jubiläumsjahres in einem Aufsatz für die "Herder-Korrespondenz" auf bestehende Unterschiede beider Konfessionen hingewiesen und dezidiert die Auffassung vertreten, dass ein gemeinsames Abendmahl derzeit nicht möglich sei. In der Überschrift seines Beitrags forderte er "mehr Ehrlichkeit in der Ökumene". Woelki wird für Sonntag von der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Bonn zu einem Grußwort erwartet.

EKD und katholische Deutsche Bischofskonferenz hatte sich 2015 darauf verständigt, das Jubiläumsjahr der Reformation als Christusfest in ökumenischer Verbundenheit zu begehen. Zeichen der Annäherung waren international eine gemeinsame Feier des Lutherischen Weltbundes (LWB) mit Papst Franziskus am Reformationstag 2016 im schwedischen Lund und ein zentraler Versöhnungsgottesdienst der deutschen Kirchen im März in Hildesheim.

Bischof Manzke sagte am Freitag in Bonn, er hoffe sehr, dass die interne Debatte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz über eine Kommunionsgemeinschaft nicht im Sande verlaufe. "Der lange Atem bleibt Grundvoraussetzung für alle ökumenischen Entwicklungen", sagte der Catholica-Beauftragte der lutherischen Landeskirchen. Nach dem Jubiläumsjahr gehe es darum, das Momentum zu nutzen.

Der Leitende Bischof der VELKD, Gerhard Ulrich, wünscht sich als Folge des 500. Reformationsjubiläums auch ein selbstbewussteres Auftreten evangelischer Christen insgesamt. Es gehe darum, "das Jammern auf hohem Niveau" zu beenden, um zu zeigen, dass Kirche eine kreative Kraft für die gesamte Gesellschaft sein kann, sagte er am Rande der Beratungen der lutherischen Generalsynode.

Nur wenn die evangelische Kirche Verzagtheit ablege und sich mit Menschen anderer Meinung ernsthaft auseinandersetze, sei wirklicher Dialog möglich. "Aus dieser Spannung heraus wächst Identität", sagte der Landesbischof der Nordkirche mit Verweis auf Veranstaltungen im zurückliegenden Festjahr. Als Beispiel nannte er, dass die Nordkirche den streitbaren Autor Feridun Zaimoglu für ein Theaterstück über Martin Luther gewonnen habe, das eine neue Sicht auf den Reformator eröffnete habe. In der Generalsynode der VELKD hatten Vertreter der lutherischen Kirchen zuvor von vielfältigen Kooperationen mit Vereinen und Kultureinrichtungen im zurückliegenden Festjahr berichtet.

Bischof Ulrich äußerte sich vor Journalisten irritiert über einen "Papst-Hype" in einigen lutherischen Kirchen, der dazu führe, dass die Idee des katholischen Kirchenoberhauptes als Sprecher der gesamten Christen neu befeuert werde. "Der Mensch Franziskus kann das, aber der Papst nicht", betonte der oberste Repräsentant der deutschen Lutheraner.

Im Mittelpunkt der bis Mittwoch dauernden Beratungen der Kirchenparlamente stehen eine Bilanz der Feiern zum 500. Reformationsjubiläum und der Blick auf Zukunftsperspektiven für die evangelische Kirche in einer säkularen Gesellschaft. Die evangelische Kirche hatte bis Ende Oktober 500 Jahre Reformation gefeiert. 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte.

epd lnb bas mil
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