11. August 2017

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Erziehungsexperte fordert Intensivkonzept für Brennpunktschulen

Hannover (epd). Der Erziehungswissenschaftler Manfred Bönsch hat davor gewarnt, Brennpunktschulen mit einem hohen Anteil von Flüchtlingskindern alleinzulassen. Der emeritierte Pädagogik-Professor an der Leibniz-Universität Hannover fordert ein Intensivkonzept, kleinere Lerngruppen, mehr Lehrer und mehr Sozialarbeiter für diese Schulen. Die von der niedersächsischen Landesregierung angekündigten 20 zusätzlichen Sozialarbeiter seien viel zu wenig, sagte Bönsch der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag). "Wenn man vermeiden will, dass der überwiegende Teil dieser Kinder im Bildungssystem scheitert, kann man nicht nur kleckerweise helfen."

An manchen Schulen seien 90 Prozent der Kinder Migranten. Viele Schüler kämen zudem aus schwierigsten sozialen Verhältnissen. Einige müssten noch alphabetisiert werden, hätten noch nie eine Schule besucht. Normaler Unterricht im 45-Minuten-Rhythmus sei dann nicht mehr möglich, erläuterte Bönsch.

Gruppen mit zwölf, 15 oder 18 Schülern und zwei oder sogar drei Lehrern könnten helfen. Vor allem an Schulen mit hohem Gewaltpotenzial sei deutlich mehr Personal erforderlich. Zudem müsse es Projektarbeit in Fächern wie Sport, Musik und Kunst geben. Damit könnten nach Ansicht des Experten Verständigungsschwierigkeiten überbrückt werden. Zunächst sei es aber vor allem wichtig, eine Beziehung und Vertrauen zu den Kindern aufzubauen. "Zugespitzt formuliert heißt das: Wir kümmern uns erst um den Menschen und nicht um Mathe."

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