10. August 2017

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Diakoniechef: Bei Wahlen Randgruppen berücksichtigen

Braunschweig (epd). Angesichts der bevorstehenden Wahlen hat Niedersachsens Diakoniechef Christoph Künkel dazu aufgerufen, Randgruppen stärker wahrzunehmen. Wahlen würden erfahrungsgemäß in der Mitte gewonnen, sagte der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen am Dienstagabend in Braunschweig. "Es wird sich nicht um die Menschen gekümmert, die am Rande stehen - weder die von Armut betroffenen, noch um die äußerst Vermögenden." In Niedersachsen werden die Bürger in den kommenden Monaten gleich zweimal zur Wahl-Urne gerufen: Am 24. September zu den Bundestagswahlen, am 15. Oktober zu den Landtagswahlen.

Es sei Zeit für eine Wende, weil sich in Deutschland eine entsolidarisierte Gesellschaft entwickele, sagte Künkel in seinem Vortrag anlässlich des Auctor-Tags von Kirchen und Stadt in der Braunschweiger St.-Martinikirche. "Am Rande stehen Menschen, die von Armut betroffen sind und welche, die so reich sind, dass sie den Rest der Gesellschaft nicht mehr wahrnehmen."

Leidenschaftlich gern werde über Arme und Bedürftige geredet, aber nicht unbedingt mit ihnen, kritisierte der Theologe. "Arme fühlen sich politisch nicht repräsentiert." Manche politischen Weichenstellungen schürten die Armutsgefahr sogar, betonte Künkel. So müssten Arbeitgeber nicht begründen, wenn sie eine Arbeitsstelle befristeten. Der dadurch entstandene Druck auf die Arbeitnehmer führe dazu, dass sie eher einem niedrigen Lohnniveau zustimmten. Zwar sei die Beschäftigung so hoch wie noch nie. Ein Viertel aller Beschäftigten arbeiteten jedoch im Niedriglohnsektor für unter 10,50 Euro die Stunde.

Der Armut könne nicht ausschließlich mit Kategorien der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe begegnet werden, mahnte Künkel. Es sei auch eine Frage der Gerechtigkeit und des Gesetzes. Es könne nicht sein, dass von Armut Betroffene abhängig von Spenden seien: "Almosenempfänger haben keinen Rechtsanspruch."

Die Stadt Braunschweig und die christlichen Kirchen begehen seit 2010 erneut jährlich den Auctor-Tag. Der Überlieferung zufolge rettete Auctor, der im 5. Jahrhundert Bischof von Metz und Trier war, im Jahre 1200 während des welfisch-staufischen Thronstreits die Stadt Braunschweig, indem er den feindlichen Truppen Philipps von Schwaben mit dem Schwert in der Hand erschien und diese vertrieb. Seitdem galt Auctor als Stadtheiliger, der jährlich in einer großen Prozession verehrt wurde.

Im 12. Jahrhundert soll der Heilige der Legende nach der Markgräfin Gertrud von Braunschweig im Traum erschienen sein und um die Verlegung seiner Gebeine nach Braunschweig gebeten haben. Die Reliquien kamen im Jahr 1113 nach Braunschweig und gelangten dann 1115 in das damals neu gegründete Aegidienkloster.

epd lnb cmo mir
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