Weihnachten entdecken mit Hilfe bekannten und unbekannten Brauchtums

von Martin Küsell

 

 

Eine Unterrichtsskizze für den Konfirmandenunterricht zum Thema Weihnachten

Die hier vorgeschlagene Unterrichtseinheit "Weihnachten", die für Vor- wie Hauptkonfirmanden gleichermaßen geeignet ist, soll in vier Stunden mit dem Weihnachtsgeschehen der Bibel vertraut machen, indem die Erfahrungen der KonfirmandInnen mit der heutigen Feier des Weihnachtsfestes aufgenommen werden. Beides soll in Zusammenhang miteinander gebracht und das biblische Weihnachtsgeschehen damit erfahrbar und begreifbar werden. Die Figuren der "drei Weisen aus dem Morgenland" sollen dabei als Mittler- und Identifikationsfiguren fungieren. Diese alte Legende soll, erzählerisch ausgestaltet, den roten Faden durch die gesamte Einheit bilden. Leitgedanke ist dabei, über die Weg-Geschichte der Weisen das Motiv "Warten" bzw. "Erwarten" aufzunehmen und mit entsprechenden Erfahrungen der Jugendlichen zu verbinden.

Im Rahmen der Einheit wird Jesus auf eine Stufe mit den Stars und Idolen der Jugendlichen gebracht, da das aller Erfahrung nach bei den meisten Betroffenen eine Steigerung der Wertschätzung bedeutet. Außerdem fühlen wir uns darin bestätigt, da das Evangelium, insbesondere die Weihnachtsgeschichte, ja gerade explizit von der Menschwerdung Gottes spricht. Gott macht sich eben durch diese Selbstherablassung fassbar. Dass der Gottessohn mehr ist als ein Popstar, ist evident, aber eben dies gilt es unterrichtlich zu erarbeiten.

Der folgende Entwurf zielt darauf, den KonfirmandInnen das Weihnachtsgeschehen näher zubringen. Geplant sind vier Unterrichtsstunden. Als roter Faden dient das Thema der drei Weisen aus dem Morgenland, die auf ihrem Weg zur Krippe begleitet werden. Die erste Stunde "Aufbruch zur Krippe" wird im Folgenden ausgeführt. Für die nachfolgenden Unterrichtssequenzen werden lediglich notizartige Vorschläge zur selbständigen Ausgestaltung gemacht.

 

1. Stunde:
Aufbruch zur Krippe

Liedvorschläge zum Anfang der Stunde: Stern über Bethlehem (EG 577), Stern, auf den ich schaue (EG 407). Als Alternative schlagen wir vor, evtl. einen aktuellen Weihnachtssong aus den Popcharts vorzustellen und gemeinsam zu singen. Mit großer Wahrscheinlichkeit stehen uns auch in der diesjährigen Adventszeit wieder etliche mehr oder weniger gelungene X-mas-Titel ins Haus.

Als Einstieg wird den KonfirmandInnen das Bild eines Kometen mit der Frage vorgelegt, was sie darauf erkennen (OHG oder Kopie: M 1). Danach folgt eine kurze Fragerunde, in der einige Informationen über Kometen ins Plenum gegeben werden: Beschaffenheit, Größe und Schweiflänge (M 2) sowie ihre Wirkung auf Menschen (Furcht, Unruhe, Hoffnung). Mit dem Stichwort "Unruhe/Hoffnung" wird zu einer Geschichte übergeleitet, die entweder vom Unterrichtenden erzählt oder von den KonfirmandInnen absatzweise gelesen werden sollte.

Schaut mal alle her. Hört mir zu, ich werde Euch eine Geschichte erzählen. Stellt Euch einmal vor, vor langer Zeit lebte im fernen Arabien ein weiser, wohlhabender Mann, der sich für den Sternenhimmel interessierte. Er hatte schon viele Bücher über die Sternenkunde gelesen und beobachtete allabendlich den Sternenhimmel. Eines Abends entdeckte der plötzlich einen sehr hellen Stern mit einem langen Schweif, den er zuvor noch nie gesehen hatte. Auch an den folgenden Abenden war dieser Stern zu sehen, er wurde sogar immer größer und heller. Als er über die Bedeutung dieser Erscheinung rätselte, fiel ihm auf, dass der Stern einem Finger ähnelte, der weit in den Nordwesten, noch hinter den Horizont zeigte. Da packte ihn die Neugier, und er wollte wissen, worauf der Stern deutete. Vor Aufregung konnte er die ganze Nacht nicht schlafen. Am nächsten Morgen stand er schon ganz früh auf, packte seine Bücher und Fernrohre und wartete ungeduldig auf den Abend. Sobald sich der Stern wieder zeigte, machte er sich auf den Weg und folgte seinem Stern. - Wisst ihr eigentlich, was "Stern" auf Englisch heißt...?

Mit dieser Frage leiten wir zum Thema "Stars" über. "Stars" sind die Sterne der Jugendlichen. Was erwarten sie von ihren "Stars"? An dieser Stelle soll ein Gefühl für den Begriff Erwartung geweckt werden, das im weiteren Verlauf auf die adventliche Erwartung gedeutet werden soll. Wir schlagen eine Kreativphase vor, in der die Jugendlichen zuerst Portraits ihrer Stars ausschneiden und daraus einen "Star"- bzw. Sternenhimmel gestalten. (Material: dunkelblaues Tonpapier für den Nachthimmel, Jugendzeitschriften wie "Bravo", "Mädchen", "Popcorn" oder "Kicker" sowie Schere und Klebstoff.) Ein großer Komet kann schon vor der Unterrichtsstunde aus weißem Transparentpapier angefertigt werden. In einer Runde stellen die KonfirmandInnen dann ihre Stars vor und berichten von ihren Erwartungen, wenn sie zu ihren Stars reisen könnten. Wie würden sie sich verhalten, was würden sie sie fragen, was evtl. von ihnen geschenkt bekommen oder ihnen schenken? Dabei werden die Portraits auf das Tonpapier geklebt.

Der Komet wird dann zu den "Stars" geklebt. Im Anschluss daran wird die Frage behandelt, was der weise Mann wohl von seiner Reise erwarten könnte. Auf diese Weise soll die adventliche Erwartung in den Erfahrungshorizont der Jugendlichen eingebettet werden.

Um den Begriff der Erwartung zu vertiefen, werden jetzt die beiden anderen Weisen aus dem Morgenland eingeführt und deren Aufbrüche und Erwartungen geschildert. Das geschieht wieder mit Hilfe einer Geschichte.

Übrigens, es gab da noch zwei andere Männer, die den Stern gesehen hatten. Ich möchte Euch noch kurz erzählen, wie sie zu ihrem "Star" aufgebrochen sind. Der zweite Weise fackelte nicht lange, er packte seine Siebensachen und stürzte eilige aus dem Haus. Dabei lief er seiner alten Mutter über den Weg. "Aber Junge, wo willst du denn hin? Mitten in der Nacht, und noch dazu in der Adventszeit, wo wir doch die Abende gemütlich mit der Familie verbringen wollen..." Stellt Euch vor: Mitten in der Adventszeit bekommt ihr eine Freikarte für das einzige Deutschlandkonzert Eurer liebste Popgruppe. Und Eure Eltern wollen euch nicht hingehen lassen. Wie würdet ihr Euch da rausreden? Wie würdet ihr zum Ausdruck bringen, dass ihr da einfach unbedingt hin müsst?

Die Einfälle der KonfirmandInnen werden unkommentiert stehen gelassen. Nun folgt die Geschichte des dritten Weisen.

Und dann war da noch ein Dritter, der bemerkte den Stern ebenfalls und vermutete, daß dieses besonders große Exemplar auf einen außerordentlich wichtigen Menschen hinweisen könnte. Ihm war sofort klar: Da muss er hin. Aber nicht mit leeren Händen. Doch was sollte er mitnehmen? Was würdet Ihr mitnehmen? Was würdet Ihr verschenken?

Auch das kann zusammengetragen werden, ohne die einzelnen Voten zu kommentieren. Danach wird die Erzählung fortgesetzt:

Der Mann entschloss sich, das Wertvollste, das er hatte, mitzunehmen. Das war sein Goldvorrat. So ging er schwerbeladen in die Richtung, die ihm der Stern zeigte. In der dritten Nacht kam er zu einer Herberge, in der er auf die beiden anderen weisen Männer traf. Er setzte sich zu den beiden und fragte "Wohin seid ihr unterwegs?"

Wenn es die Zeit zulässt, können drei KonfirmandInnen die Begegnung der drei weisen Männer spielen. Dieser Schritt dient der Ergebnissicherung. Zum Schluss sollte das eingangs gelernte Lied noch einmal wiederholt werden.

Folgende Unterrichtssequenzen könnten an diese Stunde angeschlossen werden:

 

2. Stunde:
Alt- und neutestamentliche Messiaserwartung

Die drei Weisen treffen auf ihrem Weg einen Propheten, der sie mit der Messiashoffnung des Jesaja konfrontiert. Danach stoßen sie auf Elisabeth, die ihnen von ihrer Begegnung mit Maria erzählt. Eine Übersetzung in die Lebenswelt der KonfirmandInnen kann mittels Plakatankündigungen von Konzerten oder Fußballspielen versucht werden. Wie könnte ein Plakat aussehen, das den Messias ankündigt?
 

3. Stunde:
Lust und Leid mit den Geschenken

Zwei der Weisen haben noch keine Geschenke. Folgenden Fragen kann nachgegangen werden: Was kann man sich heutzutage zu Weihnachten schenken? Warum beschenkt man sich zum Christfest und was bezweckt man damit? Was bringen Geschenke zum Ausdruck?
 

4. Stunde:
Das hab ich nicht erwartet!

Kleines Kind oder großer König? Es soll versucht werden, anhand von Kindheitsbiographien heutiger Stars Parallelen und Unterschiede zur Jesusgeschichte zu ziehen. Aus der Krippe zum Star? Kommt Jesus groß raus? Jesus Christ - Superstar?
 

M 2
Informationen über Kometen:

Kometen sind riesige "schmutzige Schneebälle", d.h. ihr Kern besteht aus gefrorenen Gasen und Staub. Die Kerne haben die Größe mehrerer Kilometer. Ihre Atmosphäre ("Koma") besteht aus den Gasen, die durch die Sonnenwärme verdunsten. Die größte beobachtete Koma hatte einen Durchmesser von über 2 Millionen Kilometern. Der längste beobachtete Kometenschweif hatte eine Länge von über 330 Millionen Kilometern (Länger als der Abstand Sonne-Mars!).

Seit jeher lösten Kometen-Erscheinungen bei den Menschen Angst und Unruhe aus. Ein paar Beispiele aus der Neuzeit:
- 1732 vermutete man in Frankreich eine Kollision zwischen der Erde und einem Kometen. Zu horrenden Preisen wurden Plätze im Paradies angeboten.
- 1910 wurden zur Wiederkehr des Halleyschen Kometen in den USA "Anti-Kometenpillen" angeboten.
- 1970 hielten die Araber den Kometen Bennet für eine neue israelische Waffe.

Diese und weitere Informationen sind leicht verständlich im "Guiness Buch der Stern" (Ullstein) 1985 enthalten. Aktuelle Kometenfotografien sind im Internet zu finden; sollte einem dieser Zugriff (noch) verwehrt sein - einfach die KonfirmandInnen fragen!

 

Alle Jahre wieder...

Gibt es an Weihnachten überhaupt noch etwas Neues zu entdecken?

Die Antwort auf diese Frage kann einerseits "Nein" lauten. Denn auch die Weihnachtsbräuche sind in ihrer Vielzahl erforscht. Die Ergebnisse sind denjenigen, die sich dafür interessieren, zugänglich. Aber es lohnt sich dennoch, das Thema aufzugreifen. Vielleicht wird Bekanntes in Erinnerung gerufen, und nicht jede/jeder ist Expertin/Experte. Im Unterricht ist die Methode, die im folgenden vorgestellt wird, ein möglicher Weg, die Schülerinnen und Schüler mit Weihnachtsbrauchtum und seinen Wurzeln bekannt zu machen. Und diese Aufgabe stellt sich für jede Generation neu. Denn mit keinem Fest unseres Kulturkreises verbindet sich so viel Brauchtum wie mit Weihnachten. Es hat längst die Begrenzung, ein christliches Fest zu sein, überschritten, so wie es auch in seiner Geschichte nichtchristliche Elemente aufgenommen hat. Das mit diesem Fest verbundene Brauchtum ist historisch gewachsen. Es war in der Vergangenheit von starken regionalen Eigenheiten geprägt und führte so zu einer großen Vielfalt. Davon ist nicht viel geblieben. Auch lokale Eigenheiten haben sich bis auf Ausnahmen an große Trends angeglichen. Weihnachtssymbole beschränken sich auf wenige, die dafür aber inflationär verbreitet sind. Mit Lichtern geschmückte Tannenbäume stehen inzwischen nicht allein in den Wohnzimmern oder auf Plätzen, sondern in den Geschäften und Privatgärten. Der Lichterbaum am Heiligabend hat damit einen Teil seines Reizes verloren. Engel, Stern u. a. werden in der Werbung vermarktet, und Weihnachtsgebäck liegt bereits Ende September zum Kauf aus. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Es seien drei genannt: Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bestand Deutschland - von den industriellen Ballungszentren abgesehen - aus konfessionell und landsmannschaftlicht homogenen Gebieten. Die Flüchtlingsströme haben hier zu einer starken Mischung geführt. Was die Eltern noch pflegten, wurde vielleicht von den Kindern übernommen, aber nicht mehr von den Enkeln. Die heutige Mobilität setzt diese Prozesse fort. Die Industrialisierung hat zu einer fast beliebigen Vermehrung von Waren, auch von Ess-Waren geführt.

Weihnachten ist ein Fest, das mit allen Sinnen gefeiert wurde, bei dem Gottes Liebe im wahrsten Sinne des Wortes auch durch den Magen ging. Die Esswaren sind aber nicht nur in beliebiger Menge sondern auch zu fast jeder Zeit verfügbar und verlieren so den Reiz des Besonderen oder die ihnen zugeschriebene Bedeutung. Und wo der Herstellungsprozess nicht mehr wahrgenommen werden kann, geht auch die Bedeutung mancher Speisen verloren. Das lässt sich exemplarisch am Christstollen zeigen. In seiner Form soll er an ein Wickelkind erinnern. Wenn aber nicht bekannt ist, dass der Teig eigentlich wie eine Lure gewickelt werden muss, verschwindet auch die Bedeutung "Wickelkind". Außerdem haben Pampers u. a. die klassische Windel verdrängt. So kommt es zur "Stollensaison" im "Stollen-Fachgeschäft". Der Stollen ist ein Gebäck ohne Bedeutung geworden. Zudem hatten viele Speisen und Getränke in der Advents- und Weihnachtszeit ihren festen Tag. So gehörte der Spekulatius zum 6. Dezember, die Moppen zum 26. Dezember und der Christstollen zum 28. Dezember.

Schließlich verblassen infolge der Säkularisierung immer mehr religiöse Inhalte und damit auch Deutungsmuster.

Traditionen sind, wenn sie lebendig sein sollen, einem stetigen Wandel unterworfen. Das war und ist mit dem Weihnachtsbrauchtum nicht anders. Darum wird Altes sich nicht einfach wieder beleben lassen. Neues muss wachsen, damit es lebendig ist. Das schließt allerdings nicht aus, dass Altes aufgenommen und integriert wird. Kinder sollten daher erfahren, woher die Gegenstände und das Brauchtum kommen, die heute unser und ihr Weihnachtsfest prägen, und die Kenntnis der Ursprünge kann zu einem kritischen Umgang mit dem Brauchtum verhelfen.

Warum stellen wir Weihnachtsbäume in die Zimmer und schmücken sie mit Kerzen, Kugeln u. a.? Warum sehen Spekulatius so aus, und warum schmecken sie so? (Oder sollten doch jedenfalls so schmecken.)

In anderen biblischen Zusammenhängen wird das folgendermaßen ausgedrückt: "Wenn dich heute oder morgen dein Sohn fragen wird: Was bedeutet das?, sollst du ihm sagen: Der Herr hat uns mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt." (2. Mose, 13, 14f) Erinnert sei auch an das Frage- und Antwortspiel zwischen Hausvater und Kindern, mit dem bei der jüdischen Passah-Mahl-Feier das Fest, sein Sinn und die Bedeutung der verschiedenen Speisen erklärt werden.

Die Grundidee der hier vorgestellten Methode ist es, über Brauchtum die Bedeutung des Weihnachtsfestes zu erschließen. Dazu werden den Schülerinnen und Schülern Darstellungen verschiedener Bräuche bzw. Traditionen an die Hand gegeben. Die dazugehörigen Gegenstände werden in einem Korb angeboten. Wo die Gegenstände selbst zu groß sind, genügen vielfach auch Teile von ihnen: so kann ein Tannenzweig für den Tannenbaum stehen, eine Scheibe Stollen für den ganzen usw. Einfacher - wenn auch weniger eindrucksvoll - ist es, mit Abbildungen zu arbeiten. Diese werden auf Kärtchen in der Größe DIN A 6 geklebt, die in den "Weihnachtsfarben" rot und grün gehalten sein können.

Es ist nun sowohl möglich, alle Gegenstände innerhalb einer Unterrichtseinheit zu behandeln, als auch an jedem Tag einen Gegenstand auszuwählen. Letzteres erinnert an die Tradition der Adventskalender und dürfte am leichtesten in Grundschulklassen zu verwirklichen sein. Dabei ist die Anzahl der Gegenstände, bzw. der Abbildungen beliebig. Das vorliegende Modell orientiert sich am traditionellen Adventskalender und kommt so zur Zahl 24. Genauso könnte man sich an der Zahl der Schultage zwischen dem 1. Advent und dem Beginn der Weihnachtsferien oder an der Anzahl der Schülerinnen und Schüler orientieren.

Die Vorgehensweise ist in beiden Fällen dieselbe: Die Schülerinnen und Schüler (evtl. auch die Erwachsenen) wählen einen Gegenstand oder eine Karte aus und überlegen, was sie persönlich mit diesem Gegenstand, bzw. der Abbildung verbinden. In einem zweiten Schritt wird überlegt, was dieser Gegenstand ihrer Meinung nach im Zusammenhang mit dem Weihnachtsfest bedeuten könnte. Das Gesagte wird durch Gedanken und Ideen der anderen Schülerinnen und Schüler ergänzt und in Richtung auf eine Aussage gebündelt. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass alle Assoziationen und Gedanken zunächst ihr Recht haben. Es geht also nicht um ein "richtig" oder "falsch" im Verhältnis zur Tradition sondern ggf. um das Aufdecken ursprünglicher Bedeutungen und Deutungszusammenhänge. Die Ergebnisse können auf Kärtchen festgehalten oder in Listen eingetragen werden.

Da Traditionen ein Eigenleben entwickeln, ist gerade im Fall von Weihnachten das Wesentliche manchmal aus dem Blick geraten. Von daher ist es interessant, die behandelten Gegenstände in den Weihnachtsgeschichten nach Lukas (2, 1-20) und Matthäus (2, 1-12) aufzusuchen: Was finden wir wieder? Was finden wir nicht wieder? Aus diesem Grund habe ich z. B. die Windeln mit aufgenommen, obwohl sie anders als die Strohsterne im Brauchtum als Schmuck nicht vorkommen.

Traditionen sind zudem Wandlungen unterworfen. In höheren Klassen ließe sich dies am Beispiel der Kerze herausarbeiten. Die Bedeutung, die sie für Kinder/Jugendliche haben kann, können mit der christlichen Deutung ins Gespräch gebracht werden.

 

Weihnachtsbräuche

Rot - Grün - Weiß

Weihnachtsfarben: rot - Liebe, Freude, (Königs)Würde, Blut Christi;
grün: Treue/Hoffnung; weiß: Unschuld, Christusfarbe

Adventskranz

Vor 150 Jahren - Wichern, Rauhes Haus in Hamburg, ursprünglich 24 Kerzen - Aufnahme des Kreis-/Sonnenmotivs

Barbarazweige

Obstbaumzweige am 4. Dez. geschnitten und in beheizten Raum gestellt, blühen Weihnachten

Biblischer Bezug: "Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamme Isais, und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen." (Jes. 11,1)

Nikolaus /
Knecht Ruprecht

Bischof von Myra 4. Jh.; Heiliger (6. Dez.); verschiedene Legenden

Knecht Ruprecht: Strafende Seite; Rute: vorchristl. Symbol für Leben

Stiefel

Nikolaustag (Legende: Arme Kinder bekommen Kleidung und sogar Schuhe; in den Schuhen steckt Spielzeug/Süßigkeiten)

Krippe

pars pro toto, erstmals erwähnt 1223; Tradition: wahre Krippenlandschaften; Weihnachtsweg; nach der Reformation: Krippe = kath./ Tannenbaum = ev.

Stroh

Krippe; Jahrtausende: Normalität; Strohsterne

Windel

Menschen-Kind durch und durch

Hirten

Die ersten, die von der Geburt des Kindes erfahren

Engel

Bote Gottes; Verkündigung an Maria und die Hirten; himml. Heerscharen

Ochs - Esel - (Schaf)

Tugenden: Stolz - Dummheit - Unschuld

christl.: Beharrlichkeit - geduldiges Tragen - Opfer
Biblischer Bezug: "Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt’s nicht, und mein Volk versteht’s nicht." (Jes 1,3)

3 Weise/Könige

Sternkundige; Geschenke sind "königlich": Gold - Reichtum, Macht; Weihrauch - Opfer; Myrrhe - Arznei (späteres Leiden Jesu?)

Stern

Jahreszeiten, Kalender, Astrologie; führt die Weisen (Sterndeuter)

Geschenke

zuerst nur für Kinder (Nikolaus); seit ca. 250 Jahren auch für Erwachsene;
Geschenke der 3 Weisen

Weihnachtsmann

säkularisierter Nikolaus, 19. Jh., Geschenkebringer, auch Christkind oder St. Claus - mit Rentier erstmals Kinderbuch von Lewis Carol 1821

Kerze

lebendiges Licht, Wärme; Christus, das Licht der Welt; Christus verzehrt sich wie die Kerze für uns; Transparente;

Biblischer Bezug: "Christus, das Licht der Welt"

Tannenbaum

vorchristl.: Baum = Leben; Paradiesbaum; stachelige Tannen an der Tür sollten böse Geister abwehren / 1559 erster Weihnachtsbaum in Straßburg belegt; seit 200 Jahren zum Symbol dt. Weihnacht; Immer-grün = ewige Treue;

Biblischer Bezug: "Ich will sein wie eine grünende Tanne." (Hosea 14,9)

Misteln

vorchristl.: geheimnisvolles Gewächs; wächst nicht in der Erde sondern auf Baum; immergrün - Arznei und Magie (Asterix, Obelix, Miraculix!)

Weihnachtspyramide

Krippe u. Lichterbaum in einem (Erzgebirge)

Apfel

Fruchtbarkeit, Leben; Paradies ( Sündenfall); Farben: rot, weiß

Kugeln

Kreisform in 3. Dimension: Vollkommenheit; wie glitzernde Edelsteine; Verbindung zu Apfel

Ketten

Gefesselter Jesus; Christus befreit

Nüsse

harte Schale (Krippe) - süßer Kern (Christus); verborgener Ratschluß Gottes

Glocke

Friedensruf; Warnsignal; ruft zum Gottesdienst

Lametta

erinnert an Eiszapfen = Winter; kostbarer Schmuck (Könige); vgl. auch Engelshaar

Lebkuchen/
Pfefferkuchen

Leb = Leib = Heil; gebacken mit Zutaten aus der Kräuterapotheke; Pfeffer = alle fremden und darum kostbaren Gewürze; Nelken = Nägel der Kreuzigung

Spekulatius

speculator (lat.) = Aufseher, Bischof; Darstellungen aus den Nikolauslegenden (6. Dez.)

Moppen/Pflastersteine

Stephanus, Steinigung(26.Dez.)

Christstollen

gewickelt und weiß gepudert = Windel; das Kind in der Krippe
(28. Dez. Tag der unschuldigen Kinder)

Stutenkerle

Lebkuchenmännchen; Erinnerung an heidnische Opfer

Wunderkerze

Funkelnde Sterne, Weihrauch (?)

25. Dezember

nach unkorrigiertem julianischen Kalender Tag der Wintersonnenwende, vorchristl. Feste (Julfest); seit 4.Jh. Geburt Christi; Anfangs Konkurrenz zu 6. Januar

6. Januar/Epiphanias

"Tag der Erscheinung", Gott offenbart sich in dem Menschen Jesus; in der Ostkirche bis heute "Weihnachten"; in der Westkirche Bedeutungswandel zu: "Hlg. drei Könige"

Literatur

  • Mehling, Marianne: Die schönsten Weihnachtsbräuche. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München/Zürich 1980
  • Schlißke, Otto: "Apfel, Nuß und Mandelkern". Schriftenmissions-Verlag, Gladbeck 1975
 

Text aus Loccumer Pelikan

4/1996