"Ich steh an deiner Krippe hier …"
Eine Unterrichtsplanung für die Klassen 5 und 6

von Anja Putensen / Hennig-Christoph Schulze / Charlotte Schneider

 

1. Zu den Zielen der Unterrichtsplanung

"Jesus Christus" sehen die Rahmenrichtlinien für die Klassen 5 und 6 als ein "festgelegtes Leitthema" vor, weil "der gekreuzigte und auferstandene Herr […] im Zentrum des christlichen Glaubens" steht2. Dabei soll eine "Antwort auf die Frage, wer Jesus heute ist," erarbeitet werden: "Die Schülerinnen und Schüler sollen verstehen, dass Jesus nicht nur eine historische Gestalt und ein Vorbild ist, sondern dass uns in seinem Reden und Handeln das Reich Gottes als Zusage und Herausforderung begegnet." Dieses soll sich der Lerngruppe durch die "Erarbeitung der Kreuzigungs- und Auferstehungsüberlieferung" erschließen, wobei sich der Bogen von der Arbeit an Bibeltexten bis zur Herausforderung in der individuellen Lebenssituation heute spannen soll.

Statt der Kreuzigungs- und Auferstehungsüberlieferung haben wir die Geburt Jesu als thematischen Aspekt gewählt, um die christologische Sichtweise zu eröffnen. Dafür waren mehrere Gründe maßgeblich:

  • Vordergründig bot sich Weihnachten wegen der Jahreszeit des Unterrichsversuches an, entscheidender aber war, dass dieses Fest im Bewusstsein der Schüler/innen sehr viel fester verankert und mit reicheren Assoziationen verbunden ist als Karfreitag und Ostern.
  • Damit ist der Maßstab der Lebens- und Erfahrungsnähe angedeutet, der wesentliche Bedeutung hat, wenn der Unterricht bis zur Herausforderung in der individuellen Lebenssituation führen soll. Deshalb soll der Unterricht diese modellhaft verdeutlichen.
  • Der vorgängige Bezug auf Traditionen des Weihnachtsfestes dürfte eine Hilfe sein für seine Erweiterung und Vertiefung durch die fundamentale Deutung im Blick auf das "heute" erschienene Heil in Christus.
  • Da das Bibelverständnis der Schüler/innen zwischen Märchenbuch und historischen Berichten schwankt, wird das neue Verständnis als Buch des Glaubens durch die Verankerung im Festgebrauch unterstützt.
  • Im Blick auf die Klasse erwies es sich als schwierig und allenfalls kognitiv vermittelbar, die christologisch verschlüsselten Texte zu Kreuz und Auferstehung zu deuten und in Beziehung zur Weihnachtstradition zu setzen.
  • Diesen Ausgangsüberlegungen entsprechen in der UE mehrere Versuche, durch identifikatorische Medien die Schüler nicht nur über die Geburt Jesu Christi, die zugehörigen Texte usw. reden zu lassen, sondern in den Bedeutungshorizont einzubeziehen. Eine Zentralstellung hat dabei die Mitteltafel des Bladelin-Altars von Rogier van der Weyden (vgl. dazu die ausführliche Deutung durch Gerhard Ringshausen). Die Geburt Jesu ist hier gestaltet als Andachts-, als Anbetungsbild, wobei die Schüler/innen das Bild zunächst als Darstellung der Geburt Jesu im Sinne der lukanischen Überlieferung deuten können, um dann aber in die vergegenwärtigende Betrachtung mit den Augen des Stifters und – durch Ergänzung einer heutigen Person – eines zeitgenössischen Menschen überzugehen. Die Beziehung des Glaubens zum Mensch gewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes gewinnt im Gebet Gestalt, weil die christologische Deutung Jesu diesen als den gegenwärtigen Herrn auslegt. 

 

2. Zusammenhang der Unterrichtsplanung

Die Einführung in das Thema "Jesus Christus" erfolgt zunächst, indem sich die Schüler/innen mit den folgenden Fragen auseinandersetzen: "Woran merkst Du, dass Weihnachten naht?", "Wie werden in Deiner Familie Weihnachtstage vorbereitet?", "Was ist Dir wichtig an Weihnachten?" und "Warum wird Weihnachten gefeiert?" Das Ziel ist das Bewusstwerden und der Austausch subjektiver Erfahrungen.

In der zweiten Stunde soll die Weihnachtsgeschichte nach Lukas erarbeitet werden. Die Schüler/innen sollen erkennen, dass die Frage nach Jesu Geburt erst nach der Kreuzigung und Auferstehung wichtig geworden ist. Dass die Weihnachtsgeschichte von Lukas im nachhinein als Glaubensaussage geschrieben wurde, soll ein fiktiver Brief des Evangelisten Lukas über die Geburt Jesu an seinen Freund Theophilus deutlich werden lassen3.

Die dritte bis fünfte Stunde bilden das Zentrum der Unterrichtsplanung. In den dargestellten Stunden dient der Einsatz des Bladelin-Altars folgenden Zielen:

  • Sicherung der Kenntnis von Lk 2,
  • Vergleich des Bladelin-Altars als "gemalter" Geschichte mit dem erzählten "Gemälde" des Lukas,
  • Einsicht in mögliche Intentionen und die Haltung des betenden Stifters,
  • Verständnis der "Gleichzeitigkeit" von Jesu Geburt und Bladelins Beten,
  • Identifizierender Nachvollzug der Gleichzeitigkeit mit Jesus im Gebet. 

 

2.1 Planung der dritten Stunde:

Der Bladelin-Altar und die lukanische Weihnachtsgeschichte

In der 3. Stunde sollen die Schüler/innen den Bladelin-Altar als "gemalte" Geschichte verstehen und mit der Erzählung des Lukas als erzähltem "Gemälde" vergleichen. Die gemalte Weihnachtsgeschichte von Rogier van der Weyden soll als Konstruktion des Malers verstanden werden.

Zu Beginn sollen die Schüler/innen zwischen der lukanischen Weihnachtsgeschichte und einem Bild der "Geburt Jesu" (M 1) Unterschiede feststellen.* Auf dem Bladelin-Altar erscheint neben Joseph ein weiterer Mann (Bladelin), welcher das Gemälde in Auftrag gegeben hat. Weiter sind auf dem Bild ein Ochse, eine Stadt und herrschaftliche Kleidung zu beobachten – dies deckt sich alles nicht mit der Erzählung nach Lukas. Dem Maler geht es also nicht darum, die Weihnachtsgeschichte genau so darzustellen, wie sie berichtet wird; er verbindet eigene Ziele mit seinem Gemälde. Diese Erkenntnisse sollen im Verlauf der Unterrichtsstunde die Einsicht vorbereiten: so wie der Maler sein Bild nach eigenen Interessen und Gesichtspunkten konstruiert hat, so hat auch Lukas seine Weihnachtsgeschichte "gemalt". Für die Schüler/innen kann sich auf diese Art und Weise ein neuer Zugang zur Bibel herausstellen. Dieser ermöglicht eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Weihnachtsgeschichte, in der Lukas eine Botschaft, das Evangelium Jesu Christi gestalten und mitteilen will.

Betrachtung des Mittelbildes des Bladelin-Altars (Overheadfolie, M 1)

Die Schüler/innen bekommen Zeit, das Bild ruhig auf sich wirken zu lassen und erste Eindrücke aufzunehmen. Anschließend sollen die Schüler/innen zur intensiveren Beobachtung sämtliche Bildelemente nennen und genauer beschreiben.

Für die weitere Arbeit erscheint eine knappe Information über die Entstehungszeit des Bildes nötig. Im kurzen Unterrichtsgespräch sollen alle Schüler/innen erkennen, dass viel Zeit zwischen dem Ereignis der Geburt und dem Malen des Bildes vergangen ist und der Maler lediglich Sekundärinformationen über das Weihnachtsgeschehen hatte.

Vergleich zwischen Altarbild und Lk 2

Die Schüler/innen sammeln in Kleingruppen Unterschiede zwischen dem Bild und der Erzählung des Lukas. Die Ergebnisse der Kleingruppenarbeit werden im Plenum an der Tafel zusammengetragen. Durch diese Arbeitsphase sollen die Schüler/innen merken, dass der Maler ganz eigene Zielsetzungen mit seiner Darstellung verbunden hat; er folgt nicht einfach den Angaben des Lukas. Welche Gründe könnte der Maler gehabt haben, das Bild anders zu malen, als es Lukas erzählt hat? Für die Beantwortung dieser Fragen ist die phantasievolle Identifikation mit dem Maler von besonderer Bedeutung.

Zum Ende der Stunde sollen die Schüler/innen die historisch rekonstruierbaren Voraussetzungen und Interessen des Malers kennen lernen. Die frontale Situation des Rollenspiels durch die Lehrer/innen (M 2) wurde ausgewählt, weil es in spielerischer Form Informationen vermittelt und zudem noch zum Ende der Stunde hin die Aufmerksamkeit der Schüler/innen fesseln kann. Dabei ist es sicher auch denkbar, das Interview freier zu gestalten und dadurch eigene Fragen der Schüler/innen zuzulassen. Abschließend wurde das Interview den Schüler/innen ausgeteilt zum Lesen bis zur nächsten Stunde.

 

2.2 Planung der vierten Stunde:

Der Stifter Pieter Bladelin

Die Gestalt Bladelins fordert die Schüler/innen zur Identifikation auf und eröffnet mit Hilfe eines 1451 spielenden Textes eine christologische Sicht der Geburt Jesu über deren zeitliche Differenz zum Leben Bladelins hinweg. Die Schüler/innen sollen Weihnachten nicht nur als historisches, sondern auch als gegenwärtiges Ereignis verstehen.

Die Overheadfolie mit dem betenden Stifter (M 3, s. S. 179) zu Beginn der Stunde schließt einerseits an die vorherige Religionsstunde und führt andererseits zur Identifikation mit Bladelin. Die Schüler/innen erkennen die Darstellung als Ausschnitt des Bildes der letzten Stunde und beschreiben den knienden Beter. Seine Kleidung mit Pelzbesatz zeigt ihn als reichen und mächtigen Mann. Sein Gesichtsausdruck lässt auf Inbrunst schließen. Er kniet auf der Erde und betet anscheinend. Neben möglichen zusätzlichen Informationen zur Person muss erklärt werden, dass er als Stifter bzw. Auftraggeber dieses Bildes dargestellt ist.

Identifikation der Schüler/innen mit Bladelin

Aus der Lerngruppe ahmen einzelne die Haltung Bladelin nach, indem sie voreinander niederknien. Ihre Empfindungen bei diesem Vorgang lassen den Akt des Niederkniens eher als negativ erscheinen; die Schüler fühlen sich unwohl. So sehen sich die niederknienden Versuchspersonen erniedrigt, da sie in dieser Haltung körperlich kleiner sind als die Stehenden. Es entsteht ein Gefühl der Blöße und Unterlegenheit. Das wirft die Frage auf, warum ein so mächtiger und reicher Mann niederkniet. Normal müssten doch andere vor ihm niederknien!? Die Schüler/innen überlegen, weshalb Bladelin diese Haltung einnimmt: er betet. Dazu kann es im Leben des Bladelin verschiedene Anlässe gegeben haben: Anbetung, Dankbarkeit, Bitten oder …

Was könnte Bladelins Motiv für diese Haltung sein? Nach entsprechenden Vermutungen der Schüler/innen bekommen sie den Text: "Besondere Weihnachten im Jahr 1451" (M 4). Die Aufgabe zum Text nach der Art: "Stellt euch vor, ihr seid Bladelin...," verstärkt die Identifikation der Schüler/innen mit Bladelin. Sie sollen darum weitere Situationen erfinden und bedenken, in denen Menschen oder auch sie selbst beten (könnten). Zum Schluss können einzelne Text-Ergänzungen der Schüler/innen vorgelesen und zur Diskussion gestellt werden.

 

2.3 Planung der fünften Stunde:

Heute ist Christus geboren

Das Ziel dieser Stunde ist es, Weihnachten als allwährendes Fest zu erkennen. Jesu Geburt war nicht nur damals, sondern sie geschieht auch noch heute – jedes Jahr neu und ist somit immer aktuell. Erkennt man dies und überwindet so die zeitliche Differenz, ist der Weg zur Krippe immer offen.

Im Anschluss an die letzte Stunde wird das Thema Beten erneut aufgegriffen. Die Frage nach Formen des Gebets dient als Übergang zu dem Arbeitsblatt (M 5), das die Gestalt und Geschichte Bladelins als Anstoß für seine Gebetswünsche nimmt. Wahrscheinlich haben auch die von den Schülern vorgeschlagenen Möglichkeiten des Schlusses des Bladelin-Berichtes (M 4) bereits Gründe für das Gebet Bladelins genannt. Um den Schülern Bladelins Situation erneut ins Gedächtnis zu rufen und verschiedene Möglichkeiten für das Ausfüllen des Arbeitsblattes zu präsentieren, werden einige Bladelin-Geschichten vorgelesen.

Die Overheadfolie mit dem veränderten Bladelin-Altar (M 6) eröffnet als nonverbaler Impuls den Bezug zur Gegenwart. Die Schüler/innen erkennen die neu eingefügte Person aus der heutigen Zeit und suchen nach Erklärungen. Das Ziel ist es, die "Gleichzeitigkeit" von Jesu Geburt und Bladelin bis zur Gegenwart zu vertiefen. Die Schüler sollen zu der Erkenntnis kommen, dass wenn Bladelin auf dem Bild sein darf, auch die neue Figur nicht fehl am Platz ist. Die Mode der heutigen Zeit (Basecap; Sweatshirt) erleichtert es den Schüler/innen, sich mit dieser Person zu identifizieren; für die Schüler/innen soll die Zeitdifferenz "Jesu Geburt–Bladelin–Heute" aufgehoben sein.

Mit der nachfolgenden Arbeit an einer Collage soll das Thema "Kommt und lasst uns Christum ehren" vertieft werden. Auf dem Arbeitsblatt für die Collage (M 7) wurde bewusst keine Krippe, sondern entsprechend dem Bladelin-Altar nur das Jesuskind abgebildet (Wiedererkennungsprinzip). Durch die Bildfragmente aus heutigen Illustrierten oder eigene Zeichnungen soll die Aufhebung der zeitlichen Differenz nachvollziehend gestaltet werden. Der Hinweis, dass sie auch gern ein Photo von sich selber einfügen können, eröffnet die Möglichkeit der individuellen Stellungnahme (Identifikationsprinzip).

 

3. Stundenentwürfe

3. 1   
3. Stunde
 

Zeit Inhalt / Intention Methoden / Medien
  Begrüßung.  
5 Min. Die Hausaufgaben von ca. vier Sch. werden vorgestellt. Bewertung durch die Mit-Sch. Die Sch. lesen ihre Hausaufgaben vor.
Klassengespräch.
1 Min. Eine mittelalterliche Darstellung der Weihnachtsgeschichte als nonverbaler Impuls. Overheadfolie: Bladelin-Altar (M 1).
15 Min. Genaue Beschreibung der einzelnen Bildelemente durch die Sch. Sie sollen Einzelheiten auf dem Bild wahrnehmen. Die Sch. beschreiben das Bild. Lehrer/in listet die genannten Bildelemente an der Tafel auf.
2 Min. Klärung des Bildalters (Differenzen zur Zeit Jesu). Unterrichtsgespräch.
12 Min. Die Sch. sollen Unterschiede zwischen der Erzählung des Lukas und dem Bild entdecken. Dabei soll eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Weihnachtsgeschichte und dem Bild stattfinden. Kleingruppenarbeit (2-4 Sch. pro Gruppe).
Die Sch. benutzen für Lukas die Textfassung der letzten Stunde.
5 Min. Die Ergebnisse der Kleingruppenarbeit werden zusammengetragen. Unterrichtsgespräch.
Tafel: Gegenüberstellung von Inhalten bei Lukas und dem Bild.
5 Min. Suche nach Gründen, warum der Maler das Bild nicht genau so gemalt hat, wie es Lukas erzählt. Die Sch. schreiben mögliche Gründe auf kleine Zettel, welche dann mit Kreppband an die Tafel geheftet werden (Einzelarbeit).
5 Min. Kennen lernen weiterer Gründe, welche nicht durch Reflexion der Sch. zu finden sind. Interview mit Rogier (M 2): Lehrer/innen spielen ein kurzes Rollenspiel vor. Austeilen des Interview-Textes

  

3.2
2. Stunde
 

Zeit Inhalt / Intention Methoden / Medien
  Begrüßung.  
2 Min. Ein Bildausschnitt wirkt als nonverbaler Impuls auf die Sch. Overheadfolie: Ausschnitt aus dem Bladelin-Altar (M 3)
6 Min. Die Sch. beschreiben das Bild, erkennen einzelne Bildelemente und finden heraus, dass es sich um einen Ausschnitt des Bildes aus der letzten Stunde handelt. Unterrichtsgespräch – die von den Sch. genannten Bildelemente werden an der Tafel notiert.
12 Min. Die Sch. setzen sich mit der Person Bladelins auseinander, erkennen in ihm den Stifter des gesamten Bildes. Außerdem denken sie über seine Haltung beim Beten nach. Unterrichtsgespräch, Overheadfolie, Bildelemente an der Tafel sind Hilfen. Eine Reflexion aus der vorherigen Stunde verdeutlicht, dass Bladelin der Stifter des Bildes ist.
10 Min. Die Sch. setzen sich mit dem Niederknien auseinander. Die Versuchspersonen werden von den Sch. über ihre Gefühle befragt. Sch. erkennen, dass Bladelin als reicher und mächtiger Mann niederkniet. Frontal durchgeführter Versuch: zwei Freiwillige, einer kniet vor dem anderen. Die Ergebnisse werden an der Tafel gesammelt.
2 Min. Die Sch. sollen sich mit Bladelin identifizieren. Vorlesetext: "Besondere Weihnachten im Jahr 1451" (M 4).
10-15 Min. Die Sch. schreiben einen eigenen Schluss zu dieser Geschichte. Arbeitsauftrag an die Sch., Stillarbeit.
  Zum Abschluss können – je nach Zeit – Geschichten vorgelesen und verschiedene Gründe für Bladelins Haltung genannt werden. Sonst dient die Beendigung der Geschichte als Hausaufgabe. Ergebnisse der Stillarbeit werden vorgelesen.


3.3
5. Stunde
 

Zeit Inhalt/Intention Methoden/Medien
  Begrüßung  
3 Min. Anknüpfung an die 4. Stunde: Vorlesen lassen von zwei Vorschlägen für den Schluss des Bladelin-Textes. Frontal.
10 Min. Hinführung zum Thema der Stunde durch Arbeitsblatt "Bladelin". Die Sch. überlegen sich Gebet/Wünsche für Bladelins Sprechblase; Vorlesen lassen der Sprechblasen. Arbeitsblatt: Bladelin mit Sprechblase (M 5); Stillarbeit.
12 Min. Folienarbeit: eine Person aus der heutigen Zeit ist auf der Overheadfolie hinzugefügt worden. Die Sch. sollen erkennen, dass eine zeitliche Differenz vorliegt, und diese auf Bladelin und wenn möglich auf sich selber übertragen. Overheadfolie: Bladelin-Altar mit heutigem Photo (M 6); gelenktes Unterrichtsgespräch.
15 Min. Jeder Sch. macht eine Collage zum Stichwort: "An Jesu Krippe kann man immer beten". Arbeitsblatt: Jesuskind (M 7); Zeitschriften, Kleber, Scheren, Stifte.
5 Min. Beendigung der Stunde.
Sch. dürfen sich die Collagen der anderen anschauen.
 

 

M 4

Vorlesetext zum Weiterschreiben 

        Besondere Weihnachten im Jahr 1451

        (So könnte es gewesen sein)
         

Bladelin ist sehr traurig. Seine Frau ist schwer krank und jeden Tag hat er Angst, dass sie stirbt. Er ist der reichste Mann seines Landes. Doch trotz seines Reichtums, mit dem er die besten der bekannten Ärzte an seinen Hof kommen lässt, verschlechtert sich der Zustand seiner Frau. "Ihre Frau hat eine sehr seltene Krankheit, Herr. Keiner von uns kennt sie, aber wir tun unser Möglichstes!", sagen die Ärzte jeden Tag zu Bladelin und geben ihm neue Rechnungen.

Da zieht Bladelin sich in sein Turmzimmer zurück und betet jeden Tag, Jesus möge seiner Frau und ihm die nötige Stärke geben, diese Krise durchzustehen. Nur gelegentlich isst er etwas oder besucht seine Frau, die blass in ihrem Bett liegt und ihn im Fieber selten erkennt. Sie wird immer schwächer, und in den wenigen wachen Momenten sagt sie: "Hab´ keine Angst, Bladelin. Ich gehe zu Jesus ins Paradies, und dort werden wir uns wiedersehen!" Bladelin ist verzweifelt.

Aber es geschieht das Unfassbare; am Morgen des 24. Dezembers 1451, draußen sinken sanft die ersten Schneeflocken auf den Burghof ... 

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M 6

 

M 7

 

 

Medien und Materialien

M 1: Rogier van der Weyden, Mittelbild des Bladelin-Altars, um 1450-55, Berlin, Staatliche Museen, 91 x 89 cm, Overheadfolie, vgl. S. 170

M 2: Interview mit Rogier van der Weyden

M 3: Der Stifter Pieter Bladelin (Ausschnitt aus M 1) Overheadfolie

M 4: Vorlesetext zum Weiterschreiben: Besondere Weihnachten im Jahr 1451

M 5: Arbeitsblatt: Bladelin mit Sprechblase

M 6: Bladelin-Altar mit eingefügter heutiger Person Overheadfolie

M 7: Arbeitsblatt: Jesuskind vom Bladelin-Altar

 

Anmerkungen

  1. Der Unterrichtsentwurf wurde im Rahmen des Fachpraktikums Ev. Religion während des WS 1999/2000 in einer 5. Klasse der Orientierungsstufe Kaltenmoor in Lüneburg geplant und durchgeführt.
  2. Niedersächsisches Kultusministerium (Hg.), Rahmenrichtlinien für die Orientierungsstufe. Evangelische Religion, Hannover 1992, S. 20 – dort auch die folgenden Zitate.
  3. Überarbeitete Fassung von Dietrich Steinwede, Weihnachten mit Theophilus, in: Walter Neidhart/Hans Eggenberger (Hgg.), Erzählbuch zur Bibel. Theorie und Beispiele, Zürich-Einsiedeln-Köln 1975, S. 214-218.
 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 4/2002

PDF

Rogier van der Weyden  (1399/1400–1464) - Bladelin Triptych - Wikimedia Commons -