Das Geschehen rund um die Krippe miterleben

von Lena Kuhl

 

für Kindergruppen im Alter von 5-8 Jahren

Kinder lassen sich gern Geschichten erzählen. Sie können oft alles um sich herum vergessen und mit den beteiligten Figuren emotional mitgehen. Besonders gut gelingt das, wenn sie beim Erzählen nicht passiv bleiben müssen, wenn sie nicht nur mit dem Hören, sondern auch mit anderen Sinnen und mit dem Tun einbezogen werden. Im Folgenden soll ein Beispiel vorgestellt werden, bei dem die Erzählung der Weihnachtsgeschichte unterstützt und unterbrochen wird u.a. durch das Betrachten und Befühlen von Krippenfiguren, durch das Wiederholen kurzer Sätze und durch das Singen von bekannten Liedern. Wenn sich dabei die Zeitebenen verschieben, so dass ab und zu jedes Kind selbst hier und heute gemeint ist, so geschieht das in der Absicht, das Weihnachtsgeschehen aus der Vergangenheit herauszuholen und im Leben der Kinder zu verankern.

Eine Weihnachtskrippe mit Maria, Josef, dem Kind in der Krippe, Hirten, Schafen und mindestens einem Engel sind in erreichbarer Nähe der Erzieherin bzw. Lehrkraft verdeckt bereitzustellen. Alle Kinder sitzen im Kreis um einen runden Teppich oder eine Decke. Darauf befinden sich mehrere noch nicht angezündete Teelichter und viel freier Platz für alles, was im Laufe der Erzählung hinzugelegt wird. Einige Dinge, die herumgereicht und nachher in die Mitte gelegt werden (Listen, Korb mit Steinen), sollten evtl. zweimal vorhanden sein, so dass bei größeren Gruppen von zwei Seiten begonnen werden kann und die Zeit nicht zu lang wird. Die Lieder sollten den Kindern so bekannt sein, dass sie einfach angestimmt und mitgesungen werden können.

 

1. Teil der Erzählung:
Volkszählung

Vor langer Zeit herrschte ein Kaiser über einen großen Teil der Welt. Er hieß Augustus. Und wenn er etwas anordnete, hatten alle zu gehorchen. Nun wollte er unbedingt wissen, wie viele Menschen zu seinem Weltreich gehörten, wie viele Männer, wie viele Frauen und wie viele Kinder. Also wurde angeordnet, dass alle Menschen sich in lange Listen eintragen mussten. So ging jede und jeder in seinen Heimatort und machte einen Strich auf der Liste, entweder bei den Männern, bei den Frauen oder bei den Kindern.

Liste (je nach Gruppengröße eine oder zwei) herumgeben mit Stift, jedes Kind macht einen Strich in der Spalte der Kinder, dann werden die Listen in die Mitte gelegt.

Gemeinsames Lied: "Ja, Gott hat alle Kinder lieb..."

 

2. Teil der Erzählung:
Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem

In Nazareth, einer kleinen Stadt im Land der Bibel, wohnten Maria und Josef. Ihr Heimatort war Bethlehem, und darum mussten sie dorthin gehen, um sich in die Listen des Kaiser Augustus einzutragen. Josef wusste genau, dass der Kaiser große Macht hatte, und so bereitete er sich auf den weiten Weg vor. Er wusste auch, dass es ein anstrengender Weg wurde. Und er dachte mit Sorge an Maria, die ein Kind bekommen sollte. Ob sie diesen weiten Weg wohl schaffen würde? Und wo sollte sie das Kind zur Welt bringen? Es war alles sehr ungewiss, und das beschwerte ihn sehr. Er betete zu Gott: "Guter Gott, sei du bei uns!"

Ein Korb mit Steinen wird herumgegeben. Die Erzieherin bzw. Lehrkraft beginnt, einen Stein um die Decke in der Mitte zu legen mit den Worten: "Guter Gott, sei du bei uns!" Die Kinder machen das nach.

Ganz fürsorglich kümmerte sich Josef unterwegs um Maria, so dass sie den weiten Weg schließlich gemeinsam schafften.

Maria und Josef-Figuren weitergeben und in die Mitte stellen

 

3. Teil der Erzählung:
Das Kind wird geboren

Als sie endlich in Bethlehem waren, kam auch der Zeitpunkt, an dem das Kind zur Welt kommen sollte. Sie fanden einen Stall als Unterkunft, und dort wurde das Kind geboren. Maria wickelte es in Windeln und wiegte es sanft in den Armen, wie jede Mutter es mit ihrem Kind tut.

Lied: "Josef, lieber Josef mein..."

(Aufstehen, Singen und Wiege-Bewegungen, während des Singens stellt die Erzieherin / Lehrkraft die Krippe mit dem Kind in die Mitte zu Maria und Josef)

Maria legte das Kind in eine Futterkrippe, denn ein richtiges Bettchen oder eine Wiege hatte sie nicht.

 

4. Teil der Erzählung:
Die Hirten auf dem Feld

In derselben Zeit, und zwar war es mitten in der Nacht, waren in der Nähe in den Bergen einige Hirten auf dem Feld. Die hatten damals ein sehr schweres Leben. Meistens lebten sie in kleinen Gruppen zusammen, hatten keine Familie und konnten so gut wie nie in einem Haus oder sogar in einem richtigen Bett schlafen. Oft wurden sie von den Leuten im Ort verachtet, weil sie so ganz anders lebten als sie.

Die Hirten hüteten also auch in dieser Nacht ihre Schafe. Die Schafe waren ihnen sehr wichtig, und sie kümmerten sich ständig um sie. Auch wenn in der Nacht alle schliefen, hielt einer Wache, damit den Schafen nichts Schlimmes passierte.

Hirten-Figur herumgeben, in die Mitte stellen. Schaf herumgeben, in die Mitte stellen

In dieser Nacht geschah etwas Seltsames! Obwohl es noch Mitternacht war und es eigentlich stockdunkel sein müsste, wurde es plötzlich hell am Himmel.

Teelichter anzünden

Die Hirten begannen, den Himmel abzusuchen: Was war das? Warum war es so hell? Und sie fürchteten sich ein wenig, weil sie sich das überhaupt nicht erklären konnten. Sie fragten sich: Was soll das bedeuten?

Lied: "Was soll das bedeuten..."

 

5. Teil der Erzählung:
Engel schicken die Hirten zur Krippe

Als es so hell geworden war, dass es ihre Augen fast nicht mehr ertragen konnten, sahen sie plötzlich einen Engel. "Fürchtet euch nicht," sagte er zu ihnen. "Ich verkündige euch eine große Freude: Jesus Christus ist geboren, und er wird allen Menschen Heil bringen."

Und der Engel sprach weiter zu den Hirten: "Ihr könnt es selber sehen: Geht nach Bethlehem. Dort werdet ihr ein Kind finden, das in einer Krippe liegt." Und dann waren ganz viele Engel da, die alle Gott lobten.

Engel-Figur weitergeben, in die Mitte stellen. Dabei sprechen: "Fürchtet euch nicht – Jesus Christus ist geboren!"

Als die Engel verschwunden waren, machten sich die Hirten sofort auf den Weg. Sie konnten gar nicht schnell genug zu dem Kind kommen, von dem sie gehört hatten.

Aufstehen, langsam um die Mitte herumgehen, schließlich hinhocken.

Und sie fanden es tatsächlich, und dazu Maria und Josef, denen sie von ihrem Erlebnis aufgeregt erzählten. Maria wunderte sich über die Worte der Hirten; sie bewegte sie lange in ihrem Herzen.

Lied: "Ihr Kinderlein kommet..."

 

6. Abschlusstanz

In der ganzen Welt feiern Menschen die Geburt dieses Kindes. Überall wird Weihnachten gefeiert, auch in Finnland zum Beispiel. Von dort stammt das Lied, das ihr jetzt hört. Es ist ein Tanzlied. Vielleicht mögt ihr  dazu tanzen oder euch zur Musik bewegen. Zwischen all den finnischen Wörtern könnt ihr etwas hören, was euch bekannt vorkommt. "Halleluja". Halleluja ist ein Ruf der Freude, der in allen Sprachen gleich klingt.

Hier kann ein sehr einfacher Reigen getanzt werden zu: "Halleluja" (eigentlich ein Ostertanz!)

auf der CD "Volkstänze – rockig, traditionell, meditativ. Vol.2" JUSESO Thurgau, Impulsstelle für Kirchliche Jugendarbeit, zu beziehen über: Balsies, Rolf-Dieter, Versand und Verlag, Eckernförder Straße 341, 24107 Kiel

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 4/2002

PDF