Ein Retter, der stinkt, und Herodes, der sein Geld verschenkt?
Die Sterndeuter-Geschichte bibliodramatisch in Kindertagesstätte, Förder- oder Grundschule

von Lissy Weidner

 

Die Idee kam von Erzieherinnen: “Seit Jahren beschäftigen wir uns in der Weihnachtszeit mit den Geschichten des Lukas-Evangeliums. In diesem Jahr möchten wir ein Weihnachtsprojekt zu einem anderen Bibeltext machen.” Die Wahl fiel auf die Geschichte von den Sterndeutern nach Mt 2, 1-11, die allgemein eher als die “Heiligen drei Könige” bekannt sind.

 

Eine Geschichte von Sehnsucht und Aufbruch

Die Bibel erzählt nichts von Königen an dieser Stelle. Es heißt, “es kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: ‚Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen!’”

Sterndeuter aus dem Osten, dem alten Babylon. Weise Leute, die die Sterne erforschen, das heißt: die offen sind für Neues, immer auf der Suche. Und die ihre Suche nicht von vorgefassten Meinungen und Antworten einengen lassen. Sie hören die Geschichten ihres eigenen Volkes wie die der vertriebenen Juden, die in Babylon im Exil sind. Geschichten von einem Retter, dem Befreier von Gott. Und von seinem Stern …

Die Sterndeuter sehen den Stern. Sie sehen ihn, weil sie ihn suchen, weil sie offen sind für Neues auch jenseits ihrer Traditionen. Und sie lassen sich anrühren von ihm, lassen sein Licht in ihr Herz strahlen. Der Strahl trifft auf eine ganz tiefe Sehnsucht in ihren Herzen. Vielleicht der Sehnsucht, dem Geheimnis ihres Lebens nahe zu kommen, sich selbst und Gott?

Drei sind es, diese Suchenden. Drei als Symbol für die Ganzheit. Wir kennen sie aus Darstellungen, Bildern und Spielen:

  • mit verschiedener Hautfarbe: nicht nur ein Volk, sondern alle Völker werden vom Licht dieses Sterns berührt.
  • in unterschiedlichem Alter: Sehnsucht zu haben ist nicht auf ein bestimmtes Lebensalter beschränkt.
  • Schließlich stehen sie für die drei Bereiche des einen, ganzen Menschen: Leib, Seele und Geist.


Sie suchen, lassen sich berühren – und sie bleiben dabei nicht stehen!

Weit ist ihr Weg durch Sand und Zweifel. Und die Suchenden wissen nie, wo der Stern sie als nächstes hinführen wird. Geschweige denn, ob er sie zu einem Ziel bringen wird, das die Mühe lohnt.

Aber irgendwann sind sie da, im Stall, an der Krippe. Und sie spüren: “Hier ist das Ziel. Hier sind wir nach Hause gekommen – zu uns selbst und zu Gott.” Sie lassen los, was sie haben und schenken es dem Kind. Sie haben der Sehnsucht ihres Herzens getraut, nach den Sternen geschaut – und Gott im Menschen gefunden.

 

Entscheidungen

An drei Momente aus dem biblischen Text kann auch schon mit kleineren Kindern gut angeknüpft werden:

  • Sie kennen aus ihrem Alltag, dass es Anzeichen für bestimmte Ereignisse oder Sachverhalte gibt, im Dezember noch mehr als sonst (Adventskranz, Nikolausstiefel etc.).
  • Sie erleben die Advents- und Weihnachtszeit noch stärker als wir Erwachsenen als Zeit der großen Wünsche und Sehnsüchte und als Raum, sich von ihnen berühren zu lassen.
  • Sie sind in ihrer Entwicklung nahezu täglich gefordert, sich auf den Weg in Neuland zu machen.

 
Entsprechend kann die Beschäftigung mit der Sterndeuter-Geschichte

  • die Kinder auffordern, für Zeichen und Spuren in ihrer Umwelt offen zu sein und einüben, diese wahrzunehmen und zu deuten;
  • ihnen die Möglichkeit geben, sich ihrer Sehnsüchte bewusst zu werden und ihnen Ausdruck zu verleihen;
  • und sie ermutigen, auch unbekannte Wege zu wagen im Vertrauen darauf, dass sie an deren Ziel erst recht wieder “zu Hause” ankommen bei sich selbst und bei Gott.
  • Darüber hinaus lernen sie die Geschichte Mt 2, 1-11 als zum Weihnachtskreis gehörende Geschichte und den Stern als ein Symbol der Weihnachtszeit kennen.
  • (Der Erzählvorschlag M 2 baut dabei Stall und Krippe aus Lk 2 in die Mt-Fassung ein, da in der Erprobung die KiTa-Kinder auf Jesus in der Krippe bestanden. Wer es bei der reinen Mt-Fassung belassen möchte, lässt die Sterndeuter nur “zu dem Ort” kommen, “wo das Kindlein war” (Mt 2, 9).)

 

Arbeit mit Methoden des Bibliodrama

Bibliodrama ist ein Zugang zur Bibel oder ein Bibel-Erleben mit allen Sinnen und hat seinen Ursprung in der kirchlichen Erwachsenenbildung der siebziger Jahre. Aus der Kontextuellen Theologie heraus erwachsend verwebt es den Text mit dem Lebenskontext der Lesenden wie ein Textil, so dass ein und derselbe Text immer wieder neue Bedeutung erlangen kann. Damit knüpft Bibliodrama an die jüdische Tradition des Midrasch an, in der der Text als loderndes Feuer gesehen wird: mit dem “schwarzen Feuer”, den geschriebenen Buchstaben, und dem “weißen Feuer”, dem, was zwischen den Zeilen steht und was es aus der eigenen Lebenserfahrung heraus zu füllen gilt.

Heute bedienen sich unterschiedliche Bibliodrama-Schulen verschiedener kreativer Methoden aus Musik- und Bewegungslehre, Theaterpädagogik und Psychodrama, Kunst, Werken u.ä. Immer aber geht es darum, biblische Geschichten als Lebensgeschichten zu entdecken, die uns berühren – und in denen ich mir selbst und Gott neu begegnen kann.

 

Grundmerkmale und Phasen des Bibliodramas

  • Grundmerkmale eines jeden Bibliodramas sind:
  • das ganzheitliche Arbeiten mit Körper, Seele und Geist;
  • das “bibliodramatische Dreieck”, in dem der Text, jede und jeder Einzelne und die Gruppe in Beziehung treten;
  • die Verlangsamung des Aneignungsweges.

 
Jeder Bibliodramaprozess besteht aus drei Phasen:

  1. der Körperwahrnehmung,
  2. der kreativen Arbeit (hier vor allem des Rollenspiels),
  3. der vertiefenden Reflexion.

 

Bibliodrama mit Kindern

In den letzten Jahren wurde zunehmend auch mit Kindern bibliodramatisch gearbeitet. Dabei hat sich gezeigt, dass diese Methode geeignet ist, einen ganzheitlichen Bildungs- und Erkenntnisprozess bei Kindern zu fördern. Darüber hinaus wird Kindern gerade in der Phase des bibliodramatischen Spiels ermöglicht, ihre ganz eigenen gedanklichen Konstruktionen zu Gott und der Welt und somit ein Stück eigene Theologie zum Ausdruck zu bringen. Denn im Bibliodrama-Spiel geht es nicht darum, eine Geschichte möglichst textgetreu und “richtig” nachzuspielen, sondern selbst in den Text hineinzugehen und sich mit allem, was ich selbst mitbringe, von ihm bewegen zu lassen.

Gerade in der Arbeit mit Kindergartenkindern muss natürlich einem Erwachsenen-Bibliodrama gegenüber manches verändert werden: Der Text wird nicht aus der Bibel gelesen, sondern die Kinder einbeziehend erzählt, die Art der Spiel-Reflexion sowie vor allem der Zeitrahmen werden dem Alter angepasst. Die Erfahrung zeigt, dass bibliodramatische Arbeit mit Kindern gut möglich ist, wenn

  • die Gruppe nicht zu groß ist (im Kindergarten maximal 20 Kinder, in der Schule maximal eine Klassenstärke),
  • genügend Raum vorhanden ist (z. B. Bewegungs- oder Mehrzweckraum) und
  • der Zeitrahmen für jede einzelne Einheit 60 bis 80 Minuten nicht übersteigt.

 Von den Leitenden eines Bibliodramas ist dabei große Achtsamkeit gefordert: Sie sollen nah am Geschehen sein und gleichzeitig den Überblick behalten, wo sich die Einzelnen, die Gruppe und der Text im Prozess befinden. Und sie müssen ein gutes Gespür dafür entwickeln, wann eigenes Eingreifen einen Prozess hemmt und wann es hilfreich oder sogar geboten ist, um z. B. Einzelne zu schützen.

Vor jeder bibliodramatischen Arbeit mit Kindern sollten die Leitenden den Text selbst auf diese Weise erlebt und den (Bewegungs)-Raum entsprechend vorbereitet haben: Tische, Stühle und nicht benötigte Dinge sind zur Seite gestellt, Sitzkissen liegen im Kreis, eine gestaltete Mitte hilft zur Konzentration und weist schon auf Elemente des Textes hin.

Dann werden die Einheiten folgendem Aufbau nach durchgeführt, wobei einzelne Elemente durchaus wiederholt werden können, wenn das Bibliodrama über mehrere Tage hinweg durchgeführt wird und eine Dopplung den Anschluss am folgenden Tag erleichtert.

 

Aufbau des Bibliodramas

Anfangsritual: Je nachdem, was die Gruppe kennt: Anzünden einer Kerze, ein bestimmtes Lied, ein besonderer Spruch oder auch eine Sprechsteinrunde.

  1. Körperarbeit
  2. Überleitung zum Text
  3. Textbegegnung
  4. Überleitung zum Rollenspiel
  5. Rollenspiel mit selbst gewählten Rollen
  6. Kurze Auswertungsrunde (freiwillig): Was alle erlebt oder/und empfunden haben. Nach ähnlichen Erfahrungen aus dem Alltag der Kinder fragen.
  7. Vertiefung
  8. Schlussritual

 

Konkret:
Drei Einheiten zur Sterndeuter-Geschichte

Der folgende Praxisentwurf wurde im Kindergarten Mariensee erprobt, ist jedoch meines Erachtens mit wenig Aufwand in drei Doppelstunden Religionsunterricht an Förder- oder Grundschulen umzuwandeln. Im Kindergarten dauerten die Einheiten jeweils 70 bis 80 Minuten.

 

0.         Vorbereitung des Raumes an allen Tagen:

Sitzkissen, Teppichfliesen o.ä. liegen im Kreis, in der Mitte ein schwarzes Tuch, auf dem helle Sterne verteilt sind und eine Kerze steht.

An der Stelle im Kreis, wo die Leitung (im Folgenden: L) sitzt, ist – mit einem größeren Tuch abgedeckt und so noch nicht sichtbar – die Landschaft für die Geschichte aufgebaut: ein braunes Tuch für das ferne Land, ein gelbes mit einem angedeuteten Königspalast für Jerusalem, ein grünes mit einem einfachen Klotzhaus für Bethlehem. Holzkegel, Biegepuppen o.ä. für die drei Sterndeuter, den König Herodes, Maria, Josef und Jesus und ein paar Bürger liegen bereit. Im Rekorder ist eine Kassette oder CD mit Weihnachtsmusik eingelegt.

 

1.         Eingangsritual an allen Tagen:

Die Kinder versammeln sich auf dem Flur vor der Tür des Raumes und werden gebeten, schweigend nacheinander hineinzugehen und sich in den Kreis zu setzen. Dies ist erfahrungsgemäß gut möglich, da die Musik und die ungewohnte Atmosphäre des Raumes die Kinder gefangen nimmt. Sobald das letzte Kind sitzt, wird die Kerze entzündet. Es folgt das in der Gruppe/Klasse übliche Anfangsritual für religionspädagogische Einheiten oder den RU.

 

Erste Einheit

2.         Körperarbeit: hier als Wahrnehmungsübung “Forscherreise”

Nach einem kleinen Bewegungslied lädt L die Kinder ein: “Heute sind wir Forscher und gehen auf Forscherreise.” Im Raum sind Zeichen ausgelegt, die die Kinder deuten können. In unserem Projekt in der KiTa waren es:

  • eine Laterne'
    “Dann ist Herbst!”, “Da feiern wir das mit dem Martin und dem Pferd.”
  • der Geburtstagsstuhl
    “…  dass einer Geburtstag hat.”
  • Nussschalen auf dem Teppich in der Puppenecke
    “Da war ein Eichhörnchen!”, “Oder ein Kind hat Nüsse gegessen.”
  • Pappe mit der Spur einer Hundepfote
    “Da ist ein Hund lang gelaufen!”
  • der Adventskranz im Flur
    “Bald ist Weihnachten!”
  • ein leerer Flurhaken
    “Jakob ist krank.” “Oder er kommt spät?”
  • dunkle Wolken beim Blick aus dem Fenster
    “…  weil es Winter ist.” “Gleich regnet das!”

L: “Und was macht ihr dann, wenn ihr raus geht?”
“Ich geh dann nicht raus.” – “Ich doch. Dann zieh ich ‘ne Regenjacke an.”

Danach kommen alle zurück in den Sitzkreis.

 

3.         Überleitung zum Text: nach Sternen schauen

L: “Es gibt auch Forscher, die gelernt haben, was Sonne, Mond und Sterne anzeigen.”

Es wird gesammelt, was die Kinder wissen: “Wenn die Sonne scheint?” – “… ist Sommer!” “Und es ist Tag.” Usw.

L: “Sterne können auch zeigen, wo wir gerade sind oder welche Jahreszeit ist.”

Eine Kindersternkarte geht im Kreis herum, auf der sich durch Drehen Himmelsrichtung und Monat einstellen lassen und dann das entsprechende Sternenbild angeschaut werden kann.

Dann wird gemeinsam die erste Strophe eines umgedichteten Weihnachtsliedes eingeübt (M 1):

Langsam wird es dunkel, langsam kommt die Nacht.
Hab’ ein großes Fernrohr mir mit aufs Dach gebracht.
Schau hoch in den Himmel, kenn dort jeden Stern.
Sternenlicht im Dunkeln mag ich so gern!

Anschließend werden die Vorhänge zugezogen und die Kinder legen sich auf den Rücken mit Blick zur Raumdecke. L. wirft mit einer Taschenlampe ein paar Lichtblitze an die Decke.

“Seht ihr die Sterne?” – “Da in der Ecke!” “Jaa… ” “Jetzt da beim Vorhang.” …

Dann zieht L einmal schnell die leuchtende Taschenlampe von oben nach unten.

“Wisst ihr, was das war?” – “Eine Sternschnuppe!”

“Habt ihr schon mal eine gesehen?” – Immerhin zwei Kinder haben schon einmal Sternschnuppen gesehen: “Als ich mit Mama und Papa gezeltet hab.” – “Im Urlaub.”

“Und weiß ein Kind, was man da machen darf, wenn man eine Sternschnuppe sieht?”

Das Kind, das gezeltet hat, weiß es: “Da darf man was wünschen. Aber nicht sagen!”

“Und hast du dir damals was gewünscht?” – “Jaa!”

“Dann dürft ihr jetzt auch einen Moment ganz still sein und an etwas denken, das ihr euch ganz doll wünscht.”

Dazu wird noch einmal etwa eine Minute lang leise Musik gespielt. (Natürlich wollten einige Kinder verraten, was sie sich gewünscht haben. Und das durften sie auch …)

 

4.         Textbegegnung als Stellgeschichte

Der Raum bleibt dämmrig; die Kinder setzen sich wieder aufrecht.

Das Tuch wird von der vorbereiteten Erzähllandschaft abgedeckt, so dass alle sie sehen.

L. erzählt und bewegt die Figuren entsprechend des Erzählvorschlages (M 2).

Am Ende der Erzählung wird die Erzähllandschaft wieder abgedeckt.

Zum Abschluss der ersten Einheit wird das umgedichtete Lied “Langsam wird es dunkel” (M 1) mit allen vier Strophen gesungen.

 

Zweite Einheit

0.         Vorbereitung des Raumes und
1.         Eingangsritual wie am ersten Tag

Dann wird an der Schnittstelle der Textbegegnung wieder eingesetzt:

 

4.         Modifizierte Textbegegnung als Stellgeschichte:

Zu Beginn darf sich jedes Kind einen Holzkegel aussuchen und vor sein Kissen oder seine Fliese legen. Dann deckt L. die Erzähllandschaft wieder auf, aus der zunächst alle Kegel entfernt sind. Sie fragt die Kinder, wo wer zu Beginn der Geschichte ist und lässt sie die Bürger, die Sterndeuter, Herodes und Maria und Josef aufstellen.

Dann fordert sie die Kinder auf: “Und wo würdet ihr gern sein? Bei den Sterndeutern im fernen Land, am Palast des Königs Herodes, bei den armen Leuten in Bethlehem oder wo sonst?” Die Kinder stellen ihre eigenen Holzkegel an unterschiedliche Orte der Geschichte.

Danach wird die Geschichte vom Vortag gemeinsam mit den Kindern erinnert und die Figuren werden entsprechend dazu bewegt. Ein bis zwei Mal wird unterbrochen und die Kinder werden aufgefordert, auch ihre eigenen Kegel zu verstellen, falls sie zu diesem Zeitpunkt woanders sein möchten als zu Beginn der Geschichte. Dies hilft ihnen erfahrungsgemäß schon, sich stärker mit der einen oder der anderen Person der Geschichte zu identifizieren.

 

5.         Überleitung zum Rollenspiel

Mit Blick auf die Erzähllandschaft wird mit den Kindern überlegt, wer alles in der Geschichte vorkommt. Die benannten Kegel werden jeweils aus der Landschaft herausgenommen und an unterschiedliche Orte im Raum gestellt. Dann wird gefragt, ob noch andere Leute oder Dinge in der Geschichte mitspielen, die jetzt nicht im Raum sind.

Im Kindergarten Mariensee wurden z. B. benannt:

“Die Wachen vom König.”
Holzkegel für Wachen werden an einen Ort gestellt.

“Der Stern.”
Ein (zum Glück fürs Schlussritual vorher gebastelter!) Stern wird abgelegt.

L: “Wir wollen die Geschichte jetzt spielen.”

Die Kinder werden aufgefordert, sich zu den Figuren zu stellen, die sie gern spielen wollen. Dabei ist es nicht wichtig, ob jede Rolle besetzt ist oder ob Rollen mehrfach besetzt sind. Die Kinder organisieren sich erfahrungsgemäß entsprechend sehr gut im Spiel, in dem z. B. Rollen spontan “dazu bestellt” werden, Kinder gleicher Rollen sich beim Sprechen abwechseln etc. Dann erhält jedes Kind ein Rollentuch (und eventuell ein kleines Requisit) und findet seinen Ort auf der Bühne, die die eine Hälfte des Raumes bildet. Kinder, die keine Rolle gewählt haben, werden eingeladen, stumme Rollen zu spielen (“Magst du das Tor am Palast des Königs Herodes sein?” – “Möchtest du vielleicht der Ochse sein, der neben der Krippe im Stall steht? Oder ein Schaf an der Stalltür?”) oder die Rolle eines Zuschauenden zu füllen. Sie bekommen dann jeweils einen Stuhl in die andere Hälfte des Raumes gestellt. Im Schulalter kann den zuschauenden Kindern der Auftrag erteilt werden, ein bestimmtes Kind in seiner Rolle zu beobachten und später seine Beobachtungen mitzuteilen.

 

6.         Rollenspiel

Um den Kindern das Einfinden in ihre Rollen zu erleichtern, wird jedes einzelne Kind von L als “Reporterin” zu Beginn befragt:

“Wer bist du?”, “Was hast du vor?”,“Bist du gern hier?”, o.ä.

Jede Befragung endet mit einem kurzen “Danke, Herodes”,

“Danke, du Sterndeuter” etc.

Dann beginnt das freie Spiel, in dem es kein “richtig” oder “falsch” gibt. Die Kinder spielen, wie sie sich die Geschichte vorstellen und wie sie ihre Rolle füllen.

Im Kindergarten Mariensee z.B. standen die Sterndeuter, die zügig zu Herodes gelaufen waren, nach langem Weg unschlüssig vor Jesus und diskutierten, ob sie “da wirklich reingehen” sollen. “Das ist doch ein Baby. Und Babys machen in die Windel und stinken.” Ein Retter, der stinkt? Nein, sie entschieden, zurück ins ferne Land zu gehen. “Ich bin aber doch der Retter”, rief Jesus ganz aufgeregt. Da stieg Herodes, der eben noch wütend “Nur ich bin König und sonst keiner!” gerufen und in der Rollenbefragung gegrinst hatte: “Ich will alles Geld von den Leuten haben!” von seinem Thron. Jetzt ging er mit seinen Talern aus dem Kaufladen zu Jesus: “Dann geb ich eben dem Retter das Geschenk.” Kniete sich hin und legte die Taler vor Jesus.

Dieses “falsche” Spiel hat alle Zuschauenden tief berührt, so viel Wahrheit und Hoffnung enthielt es.

Ist eine Gruppe oder Klasse noch ganz ungeübt im freien Rollenspiel, kann die Leitung sie durch Fragen ermutigen. Als die Sterndeuter zu Beginn des Spiels zwar eifrig nach Sternen schauten, aber im fremden Land stehen blieben, forderte L sie z. B. auf: “Schaut mal auf den ganz hellen Stern da. Wisst ihr vielleicht, was der bedeutet?” – “… dass ein neuer König da ist.” – “Wollt ihr den sehen?” – “Ja.” Und da gingen sie los in Richtung Königspalast. Die Geschichte nahm ihren Lauf.

Am Ende des Spiels lösen sich die Spielenden durch Ablegen der Tücher wieder von ihrer Rolle.

 

7.         Kurze Auswertungsrunde

Hier wird gefragt,

  • was die Zuschauenden gesehen und erlebt haben,
  • wie sich die Spielenden in ihrer Rolle gefühlt und was sie erlebt haben und
  • was die Kinder vom Gesehenen oder Erlebten aus ihrem eigenen Alltag kennen.

Zum Abschluss wird noch einmal das Lied: “Langsam wird es dunkel… ” (M 1) gesungen.

 

Dritte Einheit

0.         Vorbereitung des Raumes und

1.         Eingangsritual wie am ersten Tag
Anschließend wird die mit Figuren belebte Erzähllandschaft zur Anschauung aufgedeckt und das Sterndeuterlied “Langsam wird es dunkel… ” (M 1) gesungen. Damit ist der Anschluss wieder hergestellt zur Vertiefung:

 

8.         Vertiefung

Je nach Alter der Kinder und / oder Klassenstufe bieten sich unterschiedliche Vertiefungen an:

  • Jedes Kind bastelt ein Fernrohr aus einer Küchenpapierrolle und Goldfolie.
  • Auf dem Rücken liegend leuchtet jeweils ein Kind mit der Taschenlampe ein Zeichen an die Decke des abgedunkelten Raumes. Die anderen Kinder nennen ihre Deutungen dafür, ohne dass diese diskutiert oder bewertet werden.
  • Jedes Kind malt zu Musik ein Bild: “Meine große Sehnsucht” oder “Mein größter Wunsch”. Anschließend kann auch aus den Bildern eine “Ausstellung” gelegt und jedem Kunstwerk ein Titel gegeben werden.
  • Im Klassengespräch kann gemeinsam überlegt werden, wer oder was uns heute den Weg zeigt oder auch, wo wir heut e Zeichen und Spuren Gottes entdecken können.
  • Jedes Kind schreibt ein Elfchen zu der Frage: “Welchem Stern folge ich?”

 

9.         Schlussritual

Im Kreis stehend wird der Liedvers “Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg” (EG 544,1) gesungen. Dabei hält ein Kind einen gebastelten Goldstern an einem Stab (Besenstiel o.ä.) hoch und setzt sich mit ihm in Bewegung. Singend folgen alle in einer Schlange kreuz und quer durch den Raum. Wenn die Kinder mögen, kann der Vers mehrmals gesungen werden, wobei jedes Mal ein anderes Kind den Stern nehmen und vorangehen darf. Am Ende stehen alle wieder im Kreis.

L stellt sich in die Mitte, in die sie ein Körbchen mit kleinen Goldsternen gestellt hat.

Nacheinander bittet sie Kind für Kind, einen Schritt vor in den Kreis zu treten.

Sie spricht dem Kind zu: “[Name des Kindes], Gottes Stern leuchtet auch für dich. Du wirst deinen Weg finden.”

Dann gibt sie dem Kind einen Stern mit auf den Weg und es tritt zurück in den Kreis.

Wenn alle Kinder dran waren: Amen.

 

Materialliste

Für die Raumgestaltung:

  • Rekorder und Kassette/CD mit Weihnachtsmusik (z.B. Hufeisen: “Inmitten der Nacht”)
  • Sitzkissen oder Teppichfliesen für jedes Kind
  • ein schwarzes Tuch und helle Sterne für die Mitte
  • eine Kerze und Streichhölzer

 
Für die Erzähllandschaft:

  • je ein braunes, ein gelbes und ein grünes Tuch
  • Bauklötze für Palast und Häuser, evtl. kl. Schaf

 
Für die Forscherreise:

  • eine Laterne
  • das in der Gruppe oder Klasse für Geburtstage verwandte Zeichen (Stuhl, Kerze, Kranz… )
  • ein paar Nussschalen
  • ein vorbereitetes Plakat mit Spuren von Hunde- oder Katzenpfoten
  • Adventskranz
  • … und was sich sonst noch im Raum, im Flur oder Außengelände eignet.

 
Nach den Sternen schauen:

  • eine Kindersternkarte, besonders geeignet (da wie im Entwurf beschrieben drehbar): “Meine erste Sternkarte zum Selbstbauen” von Arnold Zenkert, zu beziehen über den Verlag für Lehrmittel 07381 Pößneck, ISBN 3-7493-0261-8 .
  • evtl. ein Fernrohr
  • Taschenlampe
  • Musik (s.o.)

 
Für die Stellgeschichte:

  • Holzkegel oder Biegepuppen für die drei Sterndeuter, den König Herodes, Maria, Josef und Jesus und ein paar Bürger
  • Holzkegel für die Kinder. Sind zu wenige Kegel oder Puppen vorhanden, können als Figuren für die teilnehmenden Kinder auch vorher von ihnen als Mensch bemalte Sektkorken verwendet werden.
  • eine Stehlampe o.ä.

 
Für das Rollenspiel:

  • ausreichend unterschiedlich gefärbte Tücher (Bettlaken, ausgediente OP-Tücher o.ä.)
  • wenige Requisiten (evtl. Sternkarte, Fernrohr, “Thron”, Geschenke)

 
Für die Vertiefung:
Je nach Art der Vertiefung, die gewählt wird:

  • vorher gesammelte Küchenpapier-Rollen und Goldfolie
  • Taschenlampen
  • Papier und Wachsmalstifte, Jaxon-Kreiden o.ä.
  • Zettel und Stifte

 
Für das Schlussritual:

  • ein großer, tragbarer Goldstern
  • Körbchen mit je einem kleinen Goldstern für jedes Kind
     


M 2:  Erzählvorschlag zur Stellgeschichte

Es war vor langer, langer Zeit in Israel. Die Menschen fanden es am helllichten Tag so düster, wie es gerade auch bei uns hier im Raum ist. (Stellt ein paar Kegel nach Jerusalem und Maria und Josef nach Bethlehem.) Der König Herodes regierte ungerecht (stellt Herodes nach Jerusalem): die Armen litten Hunger und Not, hatten kaum zu essen und froren. Immer wieder gab es Krieg und die Kinder hatten Angst. Aber die Eltern und die Großeltern erzählten ihren Kindern:

“Es wird einer kommen, der uns aus unserer Not errettet.

Gott hat uns einen Retter versprochen.”

Zu derselben Zeit lebten in einem fernen Land drei Sterndeuter. (Stellt die Sterndeuter ins ferne Land.) Jede Nacht sahen sie durch ihre Fernrohre und schauten, welche Sterne am Himmel standen. Und dann sangen sie zusammen ihr Sterndeuter-Lied:

Alle singen gemeinsam den ersten Vers: “Langsam wird es dunkel… ” (s.o.)

Eines Nachts sahen sie plötzlich einen neuen, hell strahlenden Stern (macht ein helles Licht an, z.B. eine Stehlampe, die an die Decke leuchtet). “Was ist das für ein Stern?”, dachten sie. “Was bedeutet der neue Stern?” Sie schauten in allen Sternbüchern nach. Und da fanden sie es: Dieser helle Stern bedeutete, dass in Israel ein neuer König geboren war (stellt ein Klötzchen oder eine Krippe vor Maria und Josef und legt einen Babykegel hinein); ein König, der den Menschen hilft und gerecht ist. Der Retter, den Gott versprochen hatte!

Die Sterndeuter folgten dem Stern. Sie gingen nach Israel. Zuerst nach Jerusalem, weil da ja der König wohnte. (Bewegt die Sterndeuter dorthin.) Sie gingen durch die große goldene Stadt direkt zum König Herodes. “Ist hier der neue König geboren?”, fragten sie ihn.

Herodes bekam einen Schreck. “Nur ich bin König”, sagte er. “Es gibt keinen andern König!” Da folgten sie weiter dem Stern.

Nach vielen, vielen Tagen kamen sie nach Bethlehem, eine ganz kleine Stadt. (Bewegt die Sterndeuter dorthin.) Dort blieb der Stern stehen, genau über einem Stall für Tiere. Die Sterndeuter wunderten sich: “Sollte der neue König in einem Stall geboren sein?”

Sie gingen hinein. Und da sahen sie eine Frau und einen Mann, die hießen Maria und Josef. Und vor ihnen in der Futterkrippe lag ein kleines Baby: Jesus.

Die Sterndeuter schauten das Baby an und konnten sich nicht satt sehen. Sie spürten: “Dies Kind wird Frieden bringen. Es ist von Gott.” Und sie knieten sich hin.

Sie gaben dem Baby kostbare Geschenke. Königsgeschenke: Gold, wohl riechenden Weihrauch und heilende Myrrhe.

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 4/2010

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