Gottesdienst zur Einschulung

Von Simone Mertins

 

Gottesdienst zur Einschulung am 5.8.2017 in der St. Johannis-Kirche in Rosdorf
(Vorbereitungsteam: Esther Jacobson (Heinrich-Grupe-Schule), Diana Schlicker-Merz (Heinrich-Grupe-Schule), Klasse 4a der Heinrich-Grupe-Schule, Bettina Gemeinhardt (Kirchenvorsteherin, Schulanfänger-Mutter,Sonderpädagogin; hat den Text für die Geschichte erstellt), Simone Mertins (Pastorin).
Die St. Johannis-Kirche ist brechend voll; ca. 350 Erwachsene und Kinder sind versammelt. Die Pastorin schlägt ein Experiment vor: Ob wir alle so leise werden können, dass wir die Kirchenglocken in der Kirche hören können. Das Experiment gelingt.

Orgelmusik (Marvin Flügel)
Begrüßung (Simone Mertins)
Guten Morgen, liebe Schulanfänger, liebe Eltern, Großeltern, Paten und Geschwister, liebe Lehrerinnen von der Heinrich-Grupe-Schule, liebe Klasse 4a und liebe Gäste.
Nun ist er da – der Tag, an dem ihr in die Schule kommt: in die 1a, die 1b, die 1c oder in die Vorschule.
Ich glaube, ihr seid ganz schön gespannt auf alles Neue, das euch in der Schule begegnen wird. Und das ist gut so! Denn es gibt so viel zu entdecken und zu lernen.
Das Geheimnis der Schrift werdet ihr knacken und selber lesen und schreiben lernen. Und rechnen natürlich auch. Ihr werdet die Natur und die Wunder des Lebens erkunden und staunen. Gemeinsam werdet ihr in der Schule auf Entdeckungsreisen gehen, Versuche und Erfindungen machen und zusammen über wichtige Fragen nachdenken. Das ist toll!
Mit diesem Gottesdienst am Anfang eurer Schulzeit möchten wir euch sagen: da ist einer, der für euch da ist. Der war von Anfang an da und begleitet euch auf eurem Weg, auch wenn ihr ihn nicht sehen könnt. Wir nennen ihn Gott, Herr oder wie Jesus Vater im Himmel. Ihm vertrauen wir und um seinen Segen bitten wir, heute besonders für euch Schulanfänger.

Außerdem hat die Klasse 4a mit Frau Schlicker-Merz und Frau Jacobson eine tolle Geschichte für euch vorbereitet. Für diese Geschichte mussten wir die Kirche heute Morgen in ein Korallenriff verwandeln. (Aus zwei Kartenständern, an denen übermalte Landkarten befestigt wurden. Zwischen den Kartenständern gibt es Platz für die Kinder, die die Fische (Stabpuppen) bewegen.)
Erst einmal singen wir jetzt aber „Danke für diesen guten Morgen.“ (EG 334,1-6)

Gebet
Lieber Gott,
danke für diesen guten Morgen, an dem Neues beginnt,
für  die Kinder und auch für viele Eltern.
Wir bitten dich: begleite uns auf unseren Wegen.
Segne und behüte unsere Kinder. Amen

Überleitung: Und nun geht sie los, die Geschichte. Vielleicht ist sie manchen von euch schon bekannt. Sie erzählt von einem kleinen Fisch. Er heißt Nemo. Mehr verrate ich nicht.

(Anmerkung: Bei der Vorbereitung am Ende des vorausgehenden Schuljahres hat sich die Klasse 4a in Leser/innen und Stabpuppenspieler/innen aufgeteilt, so dass jede/ r eine Rolle hat.)

1. Szene: Erster Schultag
Malin, Nemo, Rochen, kleine Fische
Nemo:    Aufwachen, Paps, aufwachen! Heute geht die Schule los!
Malin:    Willst du wirklich schon in die Schule? Ich meine, du kannst doch ruhig auch nächstes Jahr gehen oder übernächstes, für mich ist das kein Problem …
Nemo:    Komm jetzt, Paps, ich will in die Schule, das wird toll!
Malin:    Na gut, dann los! Was macht die Glücksflosse?
Nemo:    Bringt Glück! (Abklatschen) Paps, wie alt werden Schildkröten?
Malin:    Keine Ahnung! Bleib an der Flosse, immer an der Flosse bleiben!
Nemo:    Hast du schon mal einen Hai getroffen, Paps?
Malin:    Hab ich nicht vor!
Nemo:    Sundy Plankton von nebenan hat mir erzählt, dass sie mit Herrn Rochen, dem Lehrer manchmal zum Abgrund schwimmen und …
Malin:    Zum Abgrund?! Dort beginnt das offene Meer!! Das ist viel zu gefährlich!
Nemo.    Ja, dir wäre es lieber, wenn ich immer nur auf den Schwammbänken spiele, mit den Babyfischen!
Malin:    Nemo, du denkst immer, du kannst das alles schon, aber das stimmt nicht!
Rochen:  (singt)  Oh, nennt mir die Arten, die Arten des Meeres!
Kleine Fische: Herr Rochen! Komm Nemo!
Rochen: Alles an Bord, ihr mutigen Forscher!
Malin:    Herr Rochen, seine rechte Flosse ist zu klein, wir nennen sie seine Glücksflosse, aber er darf sich beim Schwimmen nicht überanstrengen…
Rochen: Keine Angst, bei uns kommen alle gut mit!
Malin:    Herr Rochen, bitte verstehen Sie das nicht falsch, aber mein Nemo ist etwas Besonderes, und Sie können Ihre Augen ja auch nicht immer überall haben…
Nemo:    Paps, du kannst jetzt gehen!
Malin:     Na, ja,  wir können sie ja nicht ewig festhalten…
Tschüß, mein Junge, pass auf dich auf!
Aber ich glaube, bis zum Abgrund schwimme ich lieber noch mit…

Erzähler: Wie es weitergeht? Als der Lehrer länger von seinem Lieblingsthema spricht, schleichen sich ein paar der Kinder davon. Am Abgrund sagen sie zu Nemo: Du traust dich nicht, rauszuschwimmen. Malin kommt dazu und sagt: Nemo, wage es ja nicht! Und: Ich wusste es! Du gehst lieber erst nächstes Jahr zur Schule!
Und es kam, wie es kommen musste: Nemo schwimmt hinaus. Er wird von einem Taucher gefangen und entführt. Fortan soll er in einem Aquarium leben.
Für seinen Vater beginnt eine Odyssee quer durch den ganzen Ozean auf der Suche nach ihm, er begegnet Haien, gerät in einen Quallenwald und wird sogar einmal von einem Wal verschluckt. Aber er gibt nicht auf und  auf seiner Suche findet er auch Freunde. Von ihnen lernt er, anderen zu vertrauen und mit anderen Augen auf die Welt zu schauen.

2. Szene: Auf der Suche
Malin, Dori, andere Meeresbewohner

Malin schwimmt traurig vor sich hin, Dori fröhlich singend.
Dori:    Einfach schwimmen, schwimmen … sie stoßen zusammen
Malin:  (in Gedanken) Entschuldigung!

Dori:    Hey!! Kannst du nicht aufpassen?!
Malin:  Ich hätte besser aufpassen müssen …
Dori:    Na macht ja nichts, ist ja nichts passiert! Hi, ich bin Dori!
Malin:  Doch es ist etwas passiert! Er ist entführt worden. Nemo.
Dori:    Hallo Nemo!
Malin:  Nein, ich heiße Malin. Ich suche meinen Sohn Nemo. Er ist weg!
Dori:    Ach, der findet sich schon wieder an!
Malin:  Aber ich habe ihm doch versprochen, dass ich immer auf ihn aufpasse, dass ich nie zulasse, dass ihm was passiert!
Dori:    Ahh, das ist aber ein komisches Versprechen…
Malin:  Was?!
Dori:    Du kannst doch nicht zulassen, dass ihm nie etwas passiert. Dann passiert ihm doch nie etwas!
Malin:  Ach so, …aber ich weiß doch gar nicht, ob es ihm gutgeht.
Dori:    Dann musst du ihn unbedingt suchen!
Malin:  Also, du bist irgendwie komisch! Dabei bin ich doch ein Clownfisch!
Dori:    Ach, mach dir nichts draus, du trauriger Clownfisch! Weißt du, wie ich das mache, wenn ich nicht mehr weiter weiß? Einfach schwimmen, schwimmen … Wir finden ihn schon, deinen kleinen Nero!
Malin:  Nemo! Also ehrlich! Vielleicht sollten wir es mal in dieser Richtung versuchen, komm!
Dori:    Los, um die Wette! Ich bin schneller!
Malin:  Aber pass auf, dass du nicht heulst, wenn ich gewinne!
 
Pastorin: Liebe Eltern, wie geht es Ihnen heute Morgen? Ein bisschen so wie Nemos Papa Malin, der sagt: „Wir können Sie nicht ewig festhalten.“? Aber jetzt schon loslassen?  Haben unsere Kinder nicht gerade erst laufen gelernt? Haben wir sie nicht eben erst zur Taufe gebracht?
Dabei muss ich daran denken, dass viele Eltern für ihre Kinder einen Vers aus Psalm 91 als Taufspruch auswählen: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“ (Ps. 91, 11f.)   Ja, wir wünschen uns sehnlichst, dass es unseren Kindern gut geht, dass ihnen kein Leid geschieht. Aber können wir zulassen, dass ihnen nie etwas passiert? Sie sollen doch das ganze reiche, spannende und schöne Leben erleben! Dann müssen wir sie ins Leben hinausschwimmen lassen, damit sie Abenteuer erleben. Dann müssen wir sie auf Bäume klettern lassen, auch wenn sie mal runterfallen könnten. Damit sie mutig und fröhlich und selbstbewusst werden. Und dafür brauchen sie unser Vertrauen, unsere Liebe und unseren Rückenwind. Und wir können darauf vertrauen, dass sie da draußen nicht allein sind. Im selben Psalm 91 steht der Vers: „Er wird dich mit seinen Fittichen decken und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.“ (Ps. 91,4) Unsere Kinder sind in guten Händen, nicht nur bei ihren Lehrerinnen, sondern immer auch bei Gott, er hat ein Auge auf sie.

Lied: „Das wünsch ich sehr“ (Das Liederheft Kirche mit Kindern 1)

3. Szene: Befreiung aus dem Fangnetz
Malin, Nemo, Dori, ein Fisch, alle Fische

Erzähler:    Mit Hilfe seiner neuen Freunde im Aquarium schafft er es, zu fliehen, er kommt zurück in den Ozean und findet seinen Vater. Als sie auf ihrem gemeinsamen Rückweg ein neues Abenteuer bestehen müssen, wird deutlich, dass auch Nemo sich verändert hat …
Sie sind inmitten eines großen Fischschwarms unterwegs, als plötzlich ein großes Fischernetz alle Fische einfängt, auch Dori. Sie wird fast erdrückt.

Fisch: Achtung, ihr schwimmt alle in die verkehrte Richtung! Schwimmt schnell zurück!
Dori:  Hilfe! Hilfe!
Nemo, der durch die Maschen schlüpfen kann, schwimmt zu den Fischen ins Netz.
Nemo: Ich weiß, was wir machen!
Malin: Nemo! Nein, Nemo, komm da raus!
Nemo: Alle Fische müssen zusammen runterschwimmen, ich weiß, dass das klappt!
Malin: Nemo, nicht, ich will dich nicht nochmal verliern!
Dori:   Hilfe!
Nemo: Wir haben keine Zeit mehr, sonst können wir Dori nicht mehr retten!
Glaub mir, ich schaff das!
Malin: Du hast Recht! Ich weiß, dass du`s schaffst!
Nemo: Glücksflosse! (Malin klatscht ab!) Sag allen Fischen, sie sollen runterschwimmen! Los, Dori, schwimm runter!
Malin: Ihr habt gehört, was mein Sohn gesagt hat: Schwimmt runter!
alle Fische:    Schwimmt runter! Schwimmt runter!
Das Netz reißt und alle Fische sind frei
Dori:   Danke, Silvio!
Nemo: Nemo! Das haben wir alle zusammen geschafft, Dori!

Pastorin: Liebe Kinder,  habt ihr es gemerkt? Nemo ist in allem, was er erlebt, immer mutiger geworden.  Er hat sich getraut, zu den anderen Fischen ins Netz zu schwimmen, weil er eine Idee hat, wie sie alle miteinander wieder frei kommen.
Er hat darauf vertraut, dass seine Idee funktioniert.
Er war nicht leichtsinnig und übermütig wie einer, der seine Kräfte überschätzt, sondern mutig wie einer, der darauf vertraut, dass er in allen Nöten und Gefahren die nötige Kraft und eine gute Idee erhalten wird.
Wäre ich an Nemos Stelle, würde ich das mit meinen Worten so sagen: „Ich vertraue darauf, dass Gott da ist und dass er mir hilft, mir Kraft und Ideen gibt.“
Das hat Gott versprochen; wir können es in der Bibel an vielen Stellen lesen.
Einmal sagt Gott zu Abraham: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein!“
Auch ihr sollt gesegnet werden und sollt ein Segen sein.
Damit ihr das nicht vergesst, haben die großen Schüler das für jeden von euch auf einen kleinen Fisch geschrieben, den ihr nachher erhalten werdet.
Gesegnet werden, das kennt ihr vielleicht schon. Aber wie kann man denn ein Segen sein?
Indem ihr euch wie bei Nemo jede und jeder in eure neue Klasse einbringt, so wie ihr seid. Wie Nemo werdet ihr in der Schule Hilfe bekommen und selber anderen helfen. Ihr werdet Freunde finden und anderen ein Freund sein und zusammen eine gute Gemeinschaft werden. So seid ihr ein Segen, für eure Familien, für eure neuen Lehrkräfte und Mitschüler und für alle, die euch kennenlernen. Mit ihnen könnt ihr euren Weg durch die Schulzeit fröhlich und gesegnet gehen. Amen.


4. Szene: Wieder zu Hause

Malin, Nemo, Herr Rochen, Dori, kleine Fische

Malin:    Aufstehn, Nemo, Schule!
Ich bin als Erster da!
Nemo.    Bist du nicht!  … Gewonnen!
Herr Rochen:    Na, dann los, ihr kleinen Forscher!
Nemo:    Tschüß, Paps!
Malin:    Wiedersehn, mein Junge!
Nemo:    Sekunde, Herr Rochen, ich hab was vergessen!
Ich hab dich lieb, Paps!
Malin:    Ich hab dich auch lieb, Nemo!
Nemo:    Ähm,  … Paps, du kannst jetzt loslassen!
Malin:    Na los, dann geh die Welt entdecken! Glücksflosse! Tschüß, Nemo!
Dori:      Tschüss, Elmo!
Malin:    Nemo!
Dori:      Tschüß, Nemo!

Lied: „Einfach nur so“ (Diakon Volker Wagner mit Gitarre und Klasse 4a im Altarraum, die das Lied mit Bewegungen begleitet.)

Segnung der Kinder in Klassengemeinschaften (Pastorin, Diana Schlicker-Merz)
Der Name jedes Kindes wird kurz erfragt. Segen: NN, Gott segne und behüte dich auf allen deinen Wegen. Amen.

Lied: „Vertraut den neuen Wegen“ (EG 395,1-3)

Fürbitten und Vaterunser

Pastorin: 
Guter Gott, für unsere Schulanfänger und ihre Eltern beginnt ein neuer Lebensabschnitt.
Vieles haben die Kinder in ihren Familien erfahren und erlebt:
Liebe, Geborgenheit, Begleitung bei der Entdeckung der Welt und der eigenen Möglichkeiten. Wir bitten dich: Lass diese liebevolle Begleitung ihre Fortsetzung finden.
Gib den Eltern die Bereitschaft, ihre Kinder neuen Erfahrungen zu überlassen, und segne und behüte unsere Schulanfänger auf ihren Wegen. Wir bitten dich: Erhöre uns.
Lehrerin:
Gib uns Lehrerinnen und Lehrern offene Augen für die Kinder, die jetzt neu zu uns kommen. Hilf uns, dass wir miteinander zu einer guten Gemeinschaft finden, in der jede und jeder sich aufgehoben fühlt. Schenke uns Freude daran, neues zu entdecken und zu lernen, miteinander und voneinander. Wir bitten dich: Erhöre uns.
Mutter: Lieber Gott, sei du bei uns Eltern, dass wir unsere Kinder gut begleiten bei diesem großen, neuen Schritt. Du kennst unser Herz an diesem besonderen Tag. Wir wünschen uns, dass unsere Kinder gerne zur Schule gehen, dass sie Freunde finden, dass sie leicht und mit Eifer lernen. Wir sind dankbar und stolz. Du kennst auch unsere Sorgen.
Gib uns Mut ins Herz, dass wir unsere Kinder mit unseren Sorgen nicht bremsen, wo sie gut alleine zurecht kommen; gib uns Aufmerksamkeit und die richtigen Worte, wenn sie uns brauchen, weil sie mutlos oder erschöpft sind; gib uns das Vertrauen, dass die Lehrer unsere Kinder gut unterrichten, weil sie das können und gerne tun; gib uns Offenheit, die Kinder von nun an gemeinsam mit ihnen zu begleiten;
und gib uns die Gewissheit, dass unsere Kinder nicht allein sind, dass andere sie begleiten und dass du sie behütest, wenn sie nun manche Wege ohne uns gehen. Wir bitten dich: Erhöre uns.
Gemeinsam bitten wir mit den Worten Jesu: Vater unser im Himmel….

Lied: „Gott, dein guter Segen“ (Das Liederheft Kirche mit Kindern 1) (Diakon Volker Wagner und Klasse 4a singen im Altarraum und zeigen die Bewegungen zum Lied.)

Kollektenansage: Die Kollekte kommt unseren Patenkindern in Südindien im Kinderheim in Mayiladuthurai und im Dorf Velichangudi zugute, damit auch sie eine Schule besuchen können.

Segen

Orgelmusik zum Abschluss des Gottesdienstes und Gitarrenmusik zum Auszug der Gemeinde

Mit herzlichen Grüßen aus dem Vorbereitungsteam zur fruchtbaren weiteren Verwendung!
Rosdorf, den 5.8.2017