Eine etwas andere Ostergeschichte
Ein Gleichnis vom Sterben und Auferstehen für den Unterricht in der Grundschule, Sonderschule und im Vorschulbereich

von Monika Gottschalk-Kirchner, Renate Schick und Sophie-Christin Steinke

 

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein,
wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Joh. 12,24)

"Es gibt meines Erachtens keine Ebene, auf der für ein Kind der Tod des Christus am Kreuz als erlösend, als hilfreich erscheinen könnte. Es ist schon fast unmöglich, einem Erwachsenen begreiflich zu machen, was sich im Mysterium des Todes Christi wirklich vollzog. ...Sie kann allein von den Ostergeschichten her erträglich werden, wie ja überhaupt das ganze Evangelium sein Licht aus den Ostergeschichten hat und ohne sie seinen Sinn verlöre."

Wie können wir die Botschaft von Kreuz und Auferstehung, von Karfreitag und Ostern vielleicht doch ein Stück erlebbar machen und zwar in einer Art und Weise, die die Wahrnehmungsmöglichkeiten von Kindern, möglicherweise sehr kleinen oder auch behinderten Kindern berücksichtigt?

Eine Mitarbeiterin erzählte, dass sie im Tanz zu dem Bildwort aus Johannes 12,24 eine erstaunliche Erfahrung gemacht hatte. Während die Vorstellung ihr zunächst beklemmend erschien, als Weizenkorn in der Erde zu sterben, stellte sie überrascht fest, dass während des Umsetzens in Tanz und Bewegung auch das Erlebnis von Geborgenheit, Gehaltenwerden, Nähe und Befreiung sie sehr berührten. Ein Stück Ostergeschichte sei für sie dabei deutlich geworden: Es gibt einen Weg aus der Dunkelheit zum Licht, der uns ahnen lässt, dass es einen Weg vom Tod zum Leben gibt.

Wir beobachten dieses Geheimnis – auch mit den Kindern – Jahr für Jahr in der Natur. Auch in unserem Leben ereignet es sich immer wieder: Wege tun sich auf aus Traurigkeit, Leid, Einsamkeit und Tod. Auch Kinder haben diese Erfahrung ansatzweise bereits machen müssen und machen können, besonders wohl auch unsere behinderten Schülerinnen und Schüler. Diese Erfahrung kann in Verbindung mit dem Wort vom Weizenkorn Ausgangspunkt zu einer Hinführung zur Osterbotschaft genutzt werden. So soll mit den Kindern das Bildwort vom Weizenkorn gestaltet und sinnlich erlebbar gemacht werden. Eine behutsame Anleitung und Begleitung ohne Zeitdruck sind wichtige Bedingungen dafür.
 

Ablauf Kommentar Material

L und Sch sitzen im Kreis, in der Mitte eine große Schale mit Weizenkörnern.
L greift eine Handvoll Weizenkörner und lässt sie in die Schüssel zurückrieseln, geht mit der Schale herum, Sch rieseln selber und L lässt die Körner über die Sch-Hände rieseln.
L liest/sagt: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt....".














L bereitet die Mitte vor und einigt sich mit Sch, wer sich in die Rolle des Weizenkorns einfindet
Sch legt sich auf die Decke und wird mit einer zweiten braunen Decke zugedeckt.
Mit Händen (weitere Sch) wird zusätzlicher Druck ausgeübt.










L lässt leise, dumpfe Musik erklingen
Nach mindestens 15-30 Sek. (besser länger!): Ausschleichen aus der Musik, L liest Joh. 12,24





L (oder ein anderer Sch) schaltet Rotlichtlampe ein und bestrahlt das "Weizenkorn", an den Füßen beginnend, langsam zum Kopf wandernd.



L (oder ein weiterer Sch) schaltet Musik ein.








Die drückenden Hände lösen sich allmählich, L zieht – am Kopf beginnend – die Decke langsam vom "Weizenkorn" und hilft ggf. dem Sch sich zu strecken und aufzurichten.
Sch geht auf seinen Platz zurück, L und Sch singen das Lied: "Wer leben will wie Gott...."




L (oder Sch) geht mit einer braunen flachen Schale, aus der Weizenhalme wachsen, herum. Die Sch befühlen den Weizen (u.U. mit geschlossenen Augen).
Dazu: noch einmal Grieg-CD.





Wenn die Musik zu Ende ist, ehe alle Sch gefühlt haben, liest L noch einmal Joh. 12,24, dann beginnt die Musik erneut.



Zum Abschluss Möglichkeit zur Verbalisierung des Erlebten geben.

Die Sch "hören" den Weizen und fühlen ihn.









Es wird der ganze Text gesprochen. Sprache ist ein wesentliches Element unserer Kultur. Das Vorlesen trägt zu einer ruhigen und gesammelten Atmosphäre bei. Biblische Texte und ihre Aussagen, der Klang ihrer Worte in Versmaß und Melodie gehören unverwechselbar zu unserer christlich-liturgischen Tradition. Sie erreichen uns vielleicht auf einer tieferen Ebene, wo sie ganzheitlich-heilsam in uns wirken.
Auch wenn die Sch den Text nicht immer verstehen, sollte nicht darauf verzichtet werden.



Sch sollte sich auf eine braune Decke legen, um durch die Farbe eine Verbindung zur Erde bereitzustellen. Falls der Boden sehr kalt ist, Iso-Matte darunter legen.
Ängste sollten berücksichtigt werden! U.U. sitzt der Sch oder geht mit Begleitung unter die Decken. Bei offensichtlichem Widerstand sollte kein Sch gezwungen werden.
Durch eine möglichst schwere dunkle Decke und den zusätzlichen Druck der Hände soll die Schwere der Erde über dem Korn vermittelt werden. Das kann einerseits als Enge und Knappheit an Atemluft empfunden werden, andererseits aber auch das Gefühl von Geborgenheit vermitteln.
Wichtig ist, dass es jetzt möglichst still ist.



Z.B. auf der Gitarre gezupfte Akkorde oder eine "passende" CD
Die Dauer hängt wesentlich von der jeweiligen Sch-Gruppe ab, insbesondere davon, welche Dauer dem "Weizenkorn" zugemutet werden kann.




Wichtig ist es, mit der Bestrahlung längere Zeit an einer Stelle zu verweilen, damit die Wärme die Decke durchdringen kann.
(Sinnvoll: vorher selber ausprobieren!)




Musik wird versetzt zum Rotlicht eingeschaltet – nachdem die Wärme eine Weile gespürt wurde.
Mit dem Verklingen der Musik wird auch die Rotlichtlampe gelöscht. Jetzt sollte genügend Zeit zum "Nachspüren" zur Verfügung stehen.



Nach einem Erlebten kann der Einsatz eines Liedes diesen Inhalt noch einmal zusammenfassen.










Der Weizen sollte ca 1 Woche vorher eingesät werden und nur max. 10 cm hoch, besser: 4-7 cm sein. Die Schale sollte dicht bepflanzt sein.
Durch mehrmaliges Besprühen des Weizens mit Wasser kommt es zu einer Intensivierung der Gerüche "grün" und "Erde".




Die nonverbalen Reaktionen unserer Schülerinnen und Schüler waren entspanntes Horchen und Schauen, große Aufmerksamkeit, Stillewerden, Freude.
Erwachsene, die sich auf dieses biblische Spiel eingelassen hatten, äußerten eine breite Gefühlspalette. Sie reichte von Enge über Geborgenheit, Wärme, Halt, Freude am Licht, am Weiterwerden und Wachsen.

Schüssel,
Weizenkörner








Bibel















Braune Decken
u.U. Iso-Matte

















Gitarre / CD









Rotlichtlampe







CD-Player u. CD:
Grieg, Peer Gynt,
Morgenstimmung















Gitarre




Schale mit Weizenkeimen










Blumenspritze,
"Weizenbeet"
CD-Player, CD s.o.

 

Indem wir versucht haben, religiöse Inhalte für unsere Schülerinnen und Schüler zu elementarisieren und durch viele Wahrnehmungseindrücke erfahrbar werden zu lasen, haben wir überrascht festgestellt, dass auch wir vieles eindrücklicher und intensiver erleben haben, neu berührt worden sind – als Glaubenspartner unserer Schülerinnen und Schüler:
"Wo zwei oder drei...."

 

 Anmerkungen

  1. Jörg Zink: Der Morgen weiß mehr als der Abend, Bibel für Kinder, Stuttgart, Berlin 1981, S. 181
 

Text aus Loccumer Pelikan

1/2003