Rezension

 

Kirsten Gerhardt (Hg.)
Martin Luther – Der Comic
Wißner-Verlag, Augsburg 2. Aufl. 2015
ISBN 978-3-95786-012-5, 104 Seiten, 9,80 Euro


Leidenschaftlich, witzig, provozierend … so wirkt dieser Comicband, der eine Sammlung von vielen Luthercomics darstellt. So kann es aussehen, wenn sich Schülerinnen eines Kunstkurses auf das Thema „Martin Luther und die Reformation“ einlassen. Schon auf den ersten Blick zeigen sich die vielen unterschiedlichen Stile vom klassischen Bildercomic über Manga bis zu experimentellen und expressionistisch gestalteten Kapiteln.

Bewunderung und Anerkennung schwingt da mit, wie auch Ablehnung oder ein Ringen um Verständnis. Immer aber wird die persönliche Sicht auf Martin Luther als einen Menschen deutlich, der die Menschen nicht kalt lässt – damals sicher nicht. Aber auch heute nicht, wenn man sich mit ihm beschäftigt. Die kreativen, in sich abgeschlossenen, aber grob chronologisch orientierten Kapitel zeigen – oft mit Elementen aus unserer Zeit vermengt – die Relevanz der Reformation auf. Sie sind teilweise verspielt und witzig, wie etwa eine Werbung zeigt: „Der Ablassbrief – Nichts ist unmöglich“ (Anna Gumpel), oder „Klatsch am Sonntag: Immer diese Augustiner!!! Mönch veröffentlicht HORROR-Thesen!!!“, abgedruckt mit einer Analyse der Thesen von Johannes Tetzel (Alina Platzer et al.). Die Förderung einer Fachlehrerin, Kirsten Gebhardt, war dabei wohl ebenso wichtig für die mehr als 16 jungen Künstlerinnen wie die finanzielle durch Ermöglichung des Druckes.

Das großformatige Buch ist von Jugendlichen für Jugendliche gemacht und bietet viele Entdeckungen und auch Reibungsflächen. Es ist für Lehrende in Kirche und Schule und für Kinder ab 13 Jahre sehr zu empfehlen. Historische und theologische Interpretationen sollten dabei gemeinsam auf den Prüfstein gestellt werden.

Felix Emrich

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 4/2016

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