Rezension

 

Moritz Stetter
Luther
Gütersloher Verlags-Haus, Gütersloh 2013
ISBN 978-3-579-07054-4, 159 Seiten,14,99 Euro (als ebook: 11,99 Euro )


Im zuweilen düsteren Stil einer graphic novel hat der Autor und Zeichner Moritz Stetter einen Band vorgelegt, der fesseln kann. Bezeichnend: Der Autor dankt an erster Stelle nicht anderen Künstlern, sondern den „Bilderwelten“ von heute bekannten wie unbekannten Künstlern seit dem 15. Jhdt., von Hieronymus Bosch über Albrecht Dürer bis Martin Schongauer. Der eigene Schwarzweiß-Stil des Autors, der auch schon das Leben Bonhoeffers behandelt hat, bleibt aber unverkennbar.

Auch in diesem Werk „aus einem Guß“ wird vor allem der Mensch Martin Luther plastisch: ein Hin-und-hergerissener zwischen Zeiten der Verzweiflung und der Zuversicht durch den Glauben – Zeit seines Lebens. Die Überschriften der vier Kapitel markieren gleichwohl bekannte Stationen: Stetter beschreibt die Geschichte „eines jungen Studenten, der sich auf dem Rückweg … befindet“, „eines kleinen Mönches, der ohne es zu wollen, die Welt aus den Angeln hebt“, „eines berühmten Mannes, der das Ende eines Zeitalters einläutet“, auch „eines älter werdenden Reformators“. Gerade das letzte Kapitel zeigt, dass Luther die Dämonen und harten Anfechtungen nicht hinter sich gelassen hat, und wie umstritten und bekämpft Luther, der seinerseits immer polemischer und härter wurde, noch nach seinem Tode war.

Der Leser merkt, wie gut sich Stetter in das Leben und die Umwelt Martin Luthers eingelesen hat. Drastische Zitate gepaart mit überraschenden und doch passenden Bildern zeigen, wie leidenschaftlich Luther gelebt und gekämpft hat: das Ringen um, ja mit einem Gott, wird plastisch. Der reformatorische Durchbruch, der später in Luthers Worte „Mir ist eine Tür aufgegangen. Ich habe das Paradies betreten“ mündete.

Das Buch ist, ähnlich wie ein Lutherfilm mit seinem eigenen Standpunkt gut geeignet, um es etwa kapitelweise in der Sek II oder mit Erwachsenen zu lesen und zu bearbeiten. Es fordert heraus, verdeutlicht die damalige Gedankenwelt Luthers, die noch eine mittelalterliche war, mit Teufel, Hölle und Dämonen. Auch Umstände und Entwicklungen in der Reformation werden thematisiert. Auch als Privatlektüre stellt das Buch einen Gewinn für alle Theologen, Religionspädagoginnen, Christenmenschen dar, die sich dieser wohl ungewohnten Kunstform auszuliefern wagen.

Felix Emrich

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 4/2016

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