Rezension

      

Petra Roedenbeck-Wachsmann, Bernd Vogel:
Werkbuch Paulus – Inspirationen und Provokationen für Gemeinde, Schule und Erwachsenenbildung,
Kohlhammer, Stuttgart 2016,
ISBN -3-17-029204-8, 233 Seiten, 26,00 Euro

Die Auseinandersetzung mit Paulus steht im Religionsunterricht, in Gemeindegruppen und in der Erwachsenenbildung sicher nicht ganz oben auf der Agenda. Zwar sind die Missionsreisen und das Bekehrungserlebnis immer wieder einmal Thema, die Auseinandersetzung mit der paulinischen Theologie scheint vielerorts allerdings den Fachleuten vorbehalten zu sein. Als Gründe werden häufig die zu schwierigen und theologisch steilen Texte des Apostels und deren Ferne zu heutigen Lebenswelten aufgeführt.

Hier setzen Petra Roedenbeck-Wachsmann und Bernd Vogel an und beschreiben im Vorwort die Intention ihres Werkbuchs: „Wir möchten die großen Texte des Paulus zur Aufführung bringen, etwas riskieren dabei – inhaltlich und methodisch. Es geht nicht um Laientheater in einem abschätzigen Sinn, sondern umgekehrt: Wo das Volk (gr. laos) sich diese großen Texte nicht neu aneignet, sie so und anders inszeniert, verklingt das große Erbe ungehört im Archiv der Geschichte“ (S. 13). Der hier formulierte Anspruch, die Theologie des Paulus performativ zum Klingen und damit ins Gespräch zu bringen, ist hoch.

Einleitend führt das Buch in das Denken und Handeln des Apostels ein, setzt sich mit seiner Zeit und Umwelt auseinander, beschreibt bibelhermeneutische Ansätze, geht ausführlich auf den grundlegenden didaktischen Ansatz der Unterrichtssequenzen und -ideen ein und gibt Hinweise zur Methodik.

Die darauffolgenden Kapitel „Mitten ins Herz“, „Wahrheit“, „Ins Leben getauft“, „Religion und Gewalt“ „Vorbildlich leben“, „Freiheit“, „Evangelium und Gebot“, „Ein Fest in Korinth“, „Wer sind wir, dass wir das Gute tun?“, „Den Tod besiegen“ und „Gottes Gnade für die Welt“ greifen zentrale Themen der paulinischen Theologie auf und stellen Möglichkeiten einer unterrichtlichen Annäherung vor. Dabei richtet sich die Auswahl der Inhalte eher an Klassen der Sekundarstufe II und Gruppen der Erwachsenenbildung. Alle Unterrichtssequenzen orientieren sich an der „Bet Midrasch“, der jüdischen Lehrhaustradition und stellen das dialogische Lernen, die Begegnung der Menschen untereinander und ihre Begegnung mit den biblischen Texten in den Mittelpunkt. Hier liegt eine besondere Stärke der thematischen Einheiten. Eine Hierarchie zwischen Lehrenden und Lernenden gibt es nicht. Inhaltlich und methodisch geht es um Partizipation. Dieses gelingt durch performative Ansätze; spielerische und experimentelle Zugänge ermöglichen individuelle Annäherungen an die Texte, stellen aktuelle Bezüge zu heutigen Lebenswelten her und schaffen damit eine Grundlage, um über Wesentliches ins Gespräch zu kommen. Diese offene Herangehensweise überzeugt. Die Praxismaterialien werden durch Zusatzmaterialien im Internet ergänzt. Dadurch können die für den Unterricht ausgewählten Bilder farbig und in guter Qualität heruntergeladen werden.

Das Buch bietet eine fundierte theologisch-didaktische Grundlage, um die Theologie des Paulus zu erschließen. Im Zentrum stehen eine Fülle von neuen Anregungen und Zugängen für die Praxis. Das auf vielerlei Weise anspruchsvolle Text- und Arbeitsbuch lässt, gemessen an seinem selbst formulierten Anspruch, kaum kritische Randbemerkungen zu. So ist zu wünschen, dass viele interessierte Leserinnen und Leser sich durch das Buch „inspirieren“ und „provozieren“ lassen und dadurch ermutigt werden, die Theologie des Paulus auf neue Weise in Schule und Gemeinde ins Gespräch zu bringen.

Dietmar Peter

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 3/2016

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