Rezension

 

Matthias Günther
Mit Tod und Trauer umgehen
Material zu kompetenzorientiertem RU in berufsbildenden Schulen.
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016
Reihe RU praktisch – Berufliche Schulen
ISBN 978-3-525-77691-9, 80 Seiten, 22,00 Euro

 

Besonders für diejenigen Berufsprofile, bei denen die Schülerinnen und Schüler trauernden Menschen begegnen, gehört die Beschäftigung mit dem Themenbereich „Tod und Trauer“ schon immer in besonderer Weise in den BRU. Tod und Trauer beschäftigen jedoch jeden Menschen im Laufe seines Lebens. Der Umgang mit Verlusten fällt nie leicht. Umso wichtiger ist es, das Thema in der Schule aufzugreifen. 

Das vorliegende Buch soll nun die Arbeit für die Lehrkraft erleichtern. Ein einleitender Abschnitt zur Frage „Kann man Trauer(n) lernen?“ profiliert bereits den Themenkomplex, denn natürlich kann alles Wissen nur bedingt auf die Situation eigenen Trauerns vorbereiten. Und doch hilft die Beschäftigung mit einem Thema, das medial allgegenwärtig und doch hospitalisiert ist, dabei, andere Trauernde wahrnehmen und begleiten zu können. Die vier Module „Was ist Trauer?“, „Wo ist Gott, wenn Menschen trauern?“, „Was hilft beim Abschied?“ und „Wie können wir trauernde Menschen begleiten?“ entfalten wichtige Aspekte des Themas. Ein didaktischer Kommentar und Unterrichtsbausteine gehen den Vorschlägen in jedem Kapitel voraus, mit welchen Arbeitsaufträgen die Lerngruppe an die jeweiligen Fragestellungen herangeführt werden kann.

Die dann folgenden differenzierten Arbeitsblätter sind als Materialsammlung gestaltet und für unterschiedliche Schwierigkeitsgrade aufbereitet. Das E-Book dazu bietet die Möglichkeit, die verschiedenen Arbeitsblätter bereits angepasst auf den jeweiligen Einsatz auszudrucken.

Etwas irritierend sind gerade bei diesem Thema die mangaartigen Abbildungen im ersten Kapitel, mit denen der Unterschied zwischen Traurig-Sein und Trauern erarbeitet werden sollen. Ob es gelingt, die Ernsthaftigkeit dieser Fragestellung zu stützen, wird von der Akzeptanz dieser Bilder mit abhängen. Die vielfältigen Anregungen zur Erarbeitung für die SuS bieten der Lehrkraft in jedem Fall einen großen Strauß an Möglichkeiten an: Von grundlegenden Erkenntnissen und Entwicklungen der Trauerforschung über eine Filmbearbeitung („Der letzte schöne Tag“ WDR 2012) bis hin zu Gender- und Alters-Unterschieden in der Art des Trauerns ist der Bogen so weit gespannt, dass jeder hier passendes Material für seine Lerngruppe finden wird.

Das zweite Kapitel widmet sich der Frage nach Gott in der Trauer. Natürlicherweise werden hier eher Fragen geweckt als vordergründige platte Antworten geboten. Ähnlich arbeitet auch das folgende Kapitel („Was hilft beim Abschied?“) mehr mit Anregungen zum Nachdenken und bietet auch jüdische und muslimische Trauerrituale zur Erkundung an.

Das letzte Kapitel ist dann der Begleitung trauernder Menschen gewidmet und ermöglicht einer Lerngruppe, die jeweils individuellen Unterschiede dessen, was sich jede/r wünschen würde, wäre er oder sie selbst betroffen, empathisch bereits mitzuvollziehen.

Einiges Material kennen interessierte Leser bereits von Günthers Buch „Der Tod ist eine Tür“ – doch hier sind die entsprechenden Passagen jetzt jeweils für die Hand des Schülers konzipiert. Dieses Buch bietet somit eine weite Spanne von Arbeitsmaterial und didaktisch-methodischen Überlegungen und ermöglicht so auch denen, die vor diesem großen Thema Respekt haben, die unterrichtliche Erschließung.

Bettina Wittmann-Stasch

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 2/2016

PDF