Rezension

   

Matthias Günther: Rock ‘n‘ Religion. Populäre Musik und biblische Texte im Religionsunterricht, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-525-77015-3, 60 Seiten, 20,00 Euro

 

Schon immer haben sich Christen überlegen müssen, in welchen Ausdrucksgestalten Bibel für die Gegenwart verständlich wird. Zur aktuellen Lernsituation des Religionsunterrichts gehören mehr denn je die Überlegungen, von wo her Jugendliche überhaupt auf Religion, religiöse Tradition und erst recht auf die Bibel zugehen können. Bei Jugendlichen spielt Musik eine große Rolle – als Begleitung, als Gegenwelt, zur Selbstgestaltung. Konkret: Rock- und Popkultur, die von Jugendlichen gehört, gesummt, gespielt, gehämmert wird, enthält nicht nur religiöse Motive, sondern ganz konkret biblische Bezüge.

Die Arbeitshilfe „Rock ‘n‘ Religion“ nimmt diese Herausforderungen auf – als Motto für einen an musikalischer Jugendkultur orientierten Religionsunterricht der Sekundarstufe II an allgemeinbildenden und berufsbildenden Gymnasien. Ihr Autor, Matthias Günther, der als Schulpastor selbst an einem solchen unterrichtet, gibt in einer kurzen Einleitung eine didaktisch-methodische Übersicht über die kompetenzorientierte Struktur: Auf 60 Seiten folgt eine Materialsammlung im DIN A-4-Format mit neun Songtexten sowie jeweils einem entsprechenden Bibeltext und zwei bis drei weiteren Ergänzungstexten, denen Aufgabenstellungen in Anlehnung an prozessorientierte Kompetenzen zugeordnet sind. Manche Kurzsequenzen werden durch Zusatzinformationen angereichert. Die Materialien und Aufgaben beziehen sich auf die zentralen inhaltlichen Kompetenzbereiche des Religionsunterrichts in der Oberstufe, die Operatoren der Abiturprüfungsanforderungen sind kompatibel. Der Wermutstropfen: Die musikalische Seite der Songs bleibt dabei letztlich unberücksichtigt. Der Zugang bemächtigt sich dadurch nicht der subjektiven Hörerlebnisse Jugendlicher und entlastet Religionslehrkräfte, die sich musikalisch nicht genügend musikalisch fit fühlen. Für eine subjektorientierte religiöse Hörschule und die Chance auf Fächerverbindungen mit dem Fach Musik wäre es jedoch sicherlich eine Unterstützung im Sinne des eigenen Anliegens, wenn die Wirkung der Klänge und Rhythmen zur Geltung gekommen und musikalische Hörhilfen einbezogen wären. Hierfür sind ergänzende Aufgabenstellungen nötig.

Der Gewinn: Schülerinnen und Schüler in der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter lernen in der biblischen Interpretation durch Auseinandersetzung mit den Songtexten von Xavier Naidoo über Fettes Brot, Die Toten Hosen, Bushido, Herbert Grönemeyer u.a. bis zu Kanye West, wo die Endlichkeit, Kostbarkeit und Wertschätzung des von Gott geschenkten Lebens, aber auch der Blick darüber hinaus in den Himmel zur Geltung kommen. Das bedeutet gemeinsames Hören, anderes Lesen, Gestalten – elementare Prozesse des Religionsunterrichts. Religion hat eben Rituale, Rhythmen, Räume – und manchmal rockt sie auch.

Silke Leonhard

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 1/2016

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