Rezension

 

Rita Burrichter und Claudia Gärtner: Mit Bildern lernen. Eine Bilddidaktik für den Religionsunterricht
Kösel-Verlag, München 2014, ISBN 978-3-466-37086-3, 272 Seiten, 24,99 Euro

 

Bilder haben es im Religionsunterricht nicht schwer. Sie sind bei Unterrichtenden aller Schularten beliebt. Sie eigenen sich zur Illustration und Vertiefung von Themen, können in der Vielfalt ihrer Zusammenhänge aber auch provozieren und irritieren. Ob sie dabei eine eigene Quelle theologischer Erkenntnis sein können, wie Alex Stock bereits 1996 pointiert gefragt hat, oder dem ästhetischen Lernen im Religionsunterricht lediglich einen eigenen, neuen Erfahrungsraum hinzufügen, gehört zu den spannenden Fragen, die die lesenswerte und überaus anregende Bilddidaktik von Rita Burrichter und Claudia Gärtner von Anfang an begleiten.

Mit Bildern lernen, so lautet der zunächst schlicht und sachlich klingende Titel ihres im letzten Jahr erschienenen Buches. Bilder, die zum Lernen anregen sollen, – das sind in diesem Fall nicht nur „klassische“ Tafelbilder der Kunstgeschichte, wie beispielsweise Die Erschaffung der Tiere von Meister Bertram (1383), sondern auch Bilder der Moderne, wie Horst Antes Großes Ockerbild (1970) oder Daniel Spoerris Fallenbild (1962). In besonderer Weise tun sich in diesem mit über fünfzig farbigen Abbildungen reich bebilderten Buch jedoch die vielen Arbeiten von Konzept-, Foto- und Videokünstlern hervor. Sie machen gerade durch die kunst- und religionsgeschichtlichen Rückbezüge und Vergleiche Lust, sich auf die erweiterten Bildwelten der Gegenwart im Unterricht einzulassen. Denn den Autorinnen geht es besonders darum, darzustellen, wie sich „Religion heute in künstlerischen Arbeiten zeigt.“ [14]

Dank der vielen Bildbeschreibungen, Interpretationen sowie methodischen Hinweisen und Unterrichtsideen lässt sich das Buch gut für den Unterricht nutzen. Freilich geht es den Autorinnen nicht allein darum. Die drei großen Abschnitte des Buches gehen zunächst bilddidaktischen Grundfragen nach, ihnen folgen bildtheologische Grundfragen, und schließlich folgt die Frage nach den unterschiedlichen Lernorten, in denen Bilder durch ihren unterschiedlichen Kontext gedeutet und verstanden werden. Es gilt, unsere Bildwahrnehmung zu schärfen und die vielfältigen religionspädagogischen Chancen, die sich aus der Beschäftigung mit Bildern ergeben, nicht zu übersehen.

Die Einzelfragen der Abschnitte werden nicht allgemein erörtert, sondern jeweils mit eigenen Bildbeispielen dargestellt und auf eine mögliche Unterrichtspraxis bezogen. So wird beispielsweise das grundlegende bilddidaktische Konzept von Gunter und Maria Otto mit einem Bild Die Eltern des Künstlers II (1924) von Otto Dix dargestellt [40] oder das theologische Thema der Schöpfung mit Timm Ulrichs Landschafts-Epiphanie (1972/87) in Verbindung gebracht [114]. Unterrichtende werden angeregt, Bild- und Unterrichtsideen der einzelnen kurzen Kapitel selbst auszuprobieren und weiterzudenken.

Das auf vielerlei Weise anregende Bild-, Text- und Arbeitsbuch, das im Herzen Bildkompetenz als Schlüsselkompetenz eines kritisch-reflektierten Weltzugang zu begreifen sucht [54], lässt, gemessen an seinem praxisbezogenen Anspruch, kaum kritische Randbemerkungen zu. Möglicherweise lässt sich bei der getroffenen Bildauswahl der katholisch-konfessionelle Hintergrund der Autorinnen nicht gänzlich leugnen. Auch das hervorragende Buch von Andreas Mertin und Karin Wendt: Mit zeitgenössischer Kunst unterrichten (2004) sucht man im umfangreichen Literaturverzeichnis vergebens. Die Frage der Interreligiösität wird nur beiläufig aufgriffen, und last but not least fragt natürlich der Praktiker, wo und wie Unterrichtende an die vielen schönen Bilder kommen, um sie ohne Copyright-Verletzung im Unterricht einsetzen zu können …
Doch bleibt es natürlich dabei: ein überaus lesenswertes, ja schönes Buch, das ich in meinem Regal nicht missen möchte.

Steffen Marklein

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 2/2015

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