Rezension

 

Helmut Hanisch: Unterrichtsplanung im Fach Religion. Theorie und Praxis, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 2007, ISBN 978-3-8252-2921-4, 221 S., 19,90 Euro

Das vorliegende Buch erscheint als drittes Werk auf dem Markt, das sich thematisch mit der praktischen Vorbereitung des Religionsunterrichts beschäftigt. Das besondere Anliegen des Autors ist es, der didaktischen Theorie und der daraus ableitbaren Unterrichtsvorbereitung gleichermaßen Gewicht zu geben.
Hanisch setzt dieses Vorhaben konsequent am Beispiel von fünf didaktischen Konzepten um, und geht dabei dreischrittig vor:

1. Darstellung des didaktischen Konzeptes

2. Beispiel einer darauf basierenden Unterrichtsplanung zu einem bestimmten Thema für eine ausgewählte Klasse

3. Kritische Würdigung der wissenschaftlichen Vorannahmen des Konzeptes.

So wird der Nutzer des Buches mit hinein genommen in eine an einer bestimmten didaktischen Konzeption orientierte ausführliche Unterrichtsgestaltung; er kann anschließend Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit dieses Konzeptes ziehen und hat am Ende fünf umsetzbare Einheiten für Religionsunterricht in verschiedenen Schul- und Klassenstufen mit dem dazugehörenden Material zur Verfügung.
Die theoretische Analyse der fünf ausgewählten Modelle wird gut verständlich durchgeführt. Immer wieder werden dabei die Theorien an konkreten Beispielen plastisch gemacht. Fachtermini, die das jeweilige Modell charakterisieren, werden bei Verwendung erklärt. Jedes Modell wird schließlich mit einer Grafik veranschaulicht und auf einen Blick zusammengefasst, was besonders für die religionspädagogische Ausbildung eine hilfreiche Unterstützung ist.

Folgende didaktische Modelle und Unterrichtsbeispiele bearbeitet das Buch:

1. Das bildungstheoretische Modell, das Wolfgang Klafkis Grundsatz vom Primat der Didaktik und den Vorgang der kategorialen Bildung erklärt. Die daraus folgenden fünf Grundfragen der didaktischen Analyse werden dann am Beispiel „Kirchenjahr“ konkretisiert. Anhand des Themas Der Zöllner Zachäus – Lk 19,1-10 wird die Unterrichtsplanung, auf der Basis der fünf Grundfragen und unter Rückbezug auf die theoretischen Vorannahmen, für eine vierte Grundschulklasse durchgeführt.

2. Das von einem Arbeitskreis Berliner Pädagogen entwickelte lerntheoretische Modell – auch Berliner Modell genannt. Hanisch führt in die Entstehungshintergründe des Modells ein und stellt die grundlegenden Elemente der Unterrichtsplanung nach diesem Modell dar, die zu berücksichtigen sind: die Intentionen, die Inhalte, die Verfahrensweise und die Medien. Am Beispiel Islam werden diese vier Faktoren konkretisiert und zu didaktischen Entscheidungen geführt, die unter Berücksichtigung der anthropogenen und soziokulturellen Bedingungen der am Unterricht Beteiligten gefällt werden. Deutlich wird auf die Entwicklung von Qualitätsstufen und Lerndimensionen im Unterricht eingegangen. Als Planungsbeispiel wird eine Unterrichtseinheit unter dem Thema Ich klage an: Amos für eine Lerngruppe des achten Schuljahres am Gymnasium gewählt.

3. Die kritisch-konstruktive Didaktik wird als Revision und Erweiterung von Klafkis bildungstheoretischem Modell vorgestellt, die sich in dem stärker hervortretenden Grundsatz der Beziehung zwischen Lehren und Lernen und vor allem in der allgemeinen Zielbestimmung von Unterricht ausdrückt. Die Bedingungsanalyse als entscheidende Vorarbeit der Unterrichtsplanung und der Vorrang der Zielentscheidungen werden systematisch erklärt und am Beispiel eines Unterrichts über Franz von Assisi konkretisiert. Das Planungsbeispiel wird entwickelt am Thema Gotteserfahrungen für ein neuntes Schuljahr in der Hauptschule.

4. Im Konzept der Elementarisierung von Karl Ernst Nipkow werden die vier Dimensionen des Elementaren dargestellt, wobei der Autor bereits die Erweiterung um die fünfte Dimension, die elementaren Lernformen einbezieht. Diese wird ausführlich an sechs Lernformen präzisiert. Etwas verwirrend kann hier allerdings sein, dass sich die Reihenfolge der Dimensionen in der ersten Aufzählung, in der Darstellung und in der Unterrichtsplanung jeweils unterscheiden. Die Unterrichtsplanung wird dann am Thema Schöpfung in einer vierten Grundschulklasse vorgenommen.

5. Besonders aktuell zeigt sich die Darstellung des vierten Ansatzes, der Kompetenzorientierung. Allerdings liegt gerade in der Aktualität eine Schwäche, wenn man berücksichtigt, dass die Diskussion um kompetenzorientierten Unterricht weder abgeschlossen ist, noch einheitlich verläuft. Ob z.B. Methodenkompetenz ein eigenständiger Kompetenzbereich unter den vieren ist, oder jedem der drei anderen untergeordnet werden sollte, ist nur ein Diskussionsfeld der Debatte. Entsprechend kann die Analyse und die Konkretisierung des Ansatzes nur exemplarisch geschehen am Beispiel der baden-württembergischen Bildungspläne. Die dort ausgewiesenen Kompetenzen, die im Religionsunterricht zu erwerben sind, werden dargestellt und auf die Lehrplaninhalte angewendet. Für das 5./6. Schuljahr in der Realschule wird ein kompetenzorientierter Unterricht zum Thema Ich bin bei euch – Beziehung Gottes zum Menschen durchgeführt.

Das Buch stellt eine wertvolle Hilfe für die Ausbildung von Religionslehrerinnen und -lehrern dar und sollte in deren Literaturliste aufgenommen werden.

Evelyn Schneider