Rezension

 

Bernd Schröder: Religionspädagogik. Reihe Neue Theologische Grundrisse, Mohr Siebeck Tübingen 2012, ISBN 978-3-16-150979-7, 733 Seiten, 49,00 Euro

Ein Lehrbuch soll „(…) die Grenzen des Fachterrains abstecken und seine Übergänge(…) zu anderen Disziplinen markieren, das Spektrum der Verfahrensweisen und Fragerichtungen auffächern, und vor allem eine Ordnung der Gegenstände und Theoreme anbieten….“ – so wissenschaftlich präzise macht Bernd Schröder die Intention seines umfangreichen Lehrbuches im Vorwort deutlich. Damit verleiht er der wissenschaftlichen Reflexion und theoretischen Durchdringung der praktischen Arbeit der Religionspädagoginnen und Pädagogen Bedeutung und unterscheidet genau und für die Praxis ebenso wie für die Theorie sinnvoll zwischen beiden: „Die `Logik` der Religionspädagogik deckt sich nicht ohne Weiteres mit der Dynamik der Fragen und Problemanzeigen, die sich aus dem Handeln der Religionslehrer (…), der Praxis der Pfarrerin in der Konfirmandenarbeit, der Andragogin in der Erwachsenenbildungswerk oder des Gemeindepädagogen in der Jugendgruppe ergibt. Das (…) stellt aber das entscheidende produktive Moment des Theorie-Praxis-Verhältnisses dar: Ohne diesen Abstand würde die Theorie die Praxis lediglich abbilden und bestätigen. Das aber ist nicht ihre Aufgabe; sie soll und will die Praxis in ein neues Licht rücken, kritisch sichten und verbessern helfen.“

Mit dieser Zielrichtung beginnt das Lehrwerk von Bernd Schröder, in dem er eine umfassende Sicht auf die derzeitigen Themen und Fragestellungen in der Religionspädagogik bietet. Dabei fächert er das weite Feld mit Hilfe verschiedener Perspektiven auf: der historischen Perspektive (Kap1) mit einer Geschichte vom antiken Judentum bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, der systematischen Perspektive (Kap 2) mit Themen wie der Berufstheorie, des Bildungsbegriffs und der Maxime der Subjektorientierung, sowie einer wissenschaftstheoretischen Einordnung der Religionspädagogik als theologischer Disziplin, der empirischen Perspektive (Kap 3), der vergleichenden (mit anderen Religionen und Ländern, Kap 4) und der handlungsorientierten Perspektive (Kap 5). Was so klar und einfach gegliedert auftaucht, zeigt sich bei näherem Hinsehen und Lesen als eine sorgfältige und in der Tat geordnete Zusammenstellung der komplexen und umfangreichen, gleichwohl relevanten Aspekte und Themen der Disziplin. Man merkt beim Lesen nicht nur, wie gehaltvoll die theoretische Auseinandersetzung innerhalb dieser Disziplin ist und wie lebendig der fachliche Diskurs, sondern kann sich durch die klare Darstellung auch einen schnellen Überblick über einzelne Themen und weitere Literatur verschaffen.

Hinter den großen Kapiteln verbergen sich konkrete Themen wie z.B. unter der Religionspädagogik in handlungsorientierter Perspektive Themen wie Bibeldidaktik, Kirchengeschichtsdidaktik, Didaktik ethischer Theorie, aber auch die Beschreibung der Felder der Gemeindepädagogik, die Bedeutung der Medien, die Schulseelsorge und der Öffentlichkeit von Religion und Religionspädagogik. Der Fachstand hinsichtlich der Frage nach der religiösen Entwicklung wird ebenso wieder gegeben wie die Bedeutung der Kirchenpädagogik. Wer das Buch liest, hat einen klaren und fundierten Überblick über einzelnen Themen und die Religionspädagogik insgesamt und bekommt Hinweise zur weiterführenden Literatur. Dass ein Lehrbuch in dieser Klarheit und mit Struktur die Ordnungsleistung der einzelnen Probleme und Fragestellungen erbringt, kann man nur begrüßen. Begrüßen kann man auch eine religionspädagogische Theoriebildung, der es gelingt, ihr Movens eines christlichen Menschenbildes und Verständnisses der Wirklichkeit so in den bildungstheoretischen Diskurs einzubringen, dass deutlich wird, es geht nicht nur um ein Fach und seine Didaktik, sondern es geht um eine Sichtweise von Wirklichkeit und eine daraus erwachsende Profilierung der pädagogischen Aufgabe, die immer in Dialog mit anderen Sichtweisen steht, immer aber auch tiefgreifende Konsequenzen für die pädagogische Praxis hat und deshalb einen reflektierten und verantwortlichen Umgang erfordert.

Bei den Themen, die neue Aspekte und Vorschläge enthalten, wie z.B. bei der wissenschaftstheoretischen Ortsbestimmung der Religionspädagogik oder der Bedeutung einer öffentlichen Religionspädagogik, hätte man gerne die eigenen Reflexionen des Autors weiter verfolgt. Auch da aber zeigt sich das Lehrbuch präzise und schnörkellos. Und lädt in gewisser Weise dazu ein, selbst weiter zu denken und sich an den Reflexionsprozessen innerhalb der Religionspädagogik als Wissenschaft und Theorie für die Verbesserung der Praxis zu beteiligen.

Melanie Beiner

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 4/2013

PDF