Rezension

 

Marlene Röder: Zebraland, Ravensburger Buchverlag, Ravensburg 2009, ISBN 978-3-473-35301-9, Gebunden, 222 Seiten, 14,95 Euro

Manchmal geht alles ganz schnell: Die vier Jugendlichen Anouk, Ziggy, Philipp und Judith fahren nachts nach einem Musikfestival eine junge Mopedfahrerin an, die sich als ihre türkische Mitschülerin Yasmin, genannt Zebra, herausstellt. Aus Schreck und in der Annahme, das Mädchen sei tot, begehen sie Fahrerflucht. Ein verhängnisvoller Kurzschluss. Denn Yasmin stirbt, wie die Jugendlichen am nächsten Tag erfahren, auf dem Weg ins Krankenhaus. Vier Jugendliche, die eine schreckliche Schuld verbindet. Jeder verarbeitet das Geschehen auf eigene Weise. Die Zweifel, die Ängste, die Durchhalteparolen – all das ist menschlich und einfühlsam beschrieben. Doch damit nicht genug: Eines Tages tauchen anonyme Botschaften eines Mitwissers auf. Der Erpresser nennt sich Mose und fordert von jedem aus der Gruppe eine persönliche Aufgabe. Ein grausames Spiel setzt ein, in dem es um Verstrickung und um die Grenzen der Moralität geht. Ein Spiel, das sich langsam steigert und in einem überraschenden Finale seine Auflösung findet. Der Jugendthriller zieht die Leserinnen und Leser (ab etwa 12 Jahren) nicht nur wegen seiner ungeheuren Spannung in den Bann. Wie weit würde ich gehen? Wie ist es um meine eigene Courage bestellt? Wo fängt Schuld an, wo hört sie auf? Durch intelligente Verschränkung von Erzählperspektiven, anregende Motive und einfache, aber realistische Konstellationen hält die junge Autorin diese Fragen durchgängig wach und bereichert sie immer wieder um neue Aspekte. Völlig zu Recht ist das Buch 2010 mit dem Evangelischen Buchpreis ausgezeichnet worden. Dabei machen nicht nur die biblischen Anspielungen (Mose, Kain und Abel, Adam und Eva) den Jugendroman religionspädagogisch interessant: Die Themen Schuld und Vergebung, Ethik und Freundschaft sind religiös relevante Fragen, die hier literarisch mit großem Einfühlungsvermögen und jugendgerecht zur Sprache kommen. Daher eignet sich das Buch, das als Taschenbuchausgabe durchaus erschwinglich ist, nicht zuletzt als Ganzschrift im Religions- oder Konfirmandenunterricht. Allerdings sollten die Schülerinnen und Schüler, etwa durch eine Lesenacht, stets auf dem gleichen Lesestand sein: Denn es wäre jammerschade, wenn die Auflösung des gekonnt inszenierten Spannungsbogens vorweggenommen würde.

Rainer Merkel

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 2/2013

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