Rezension

   

Albert Biesinger, Friedrich Schweitzer, Matthias Gronover, Joachim Ruopp (Hrsg.): Integration durch religiöse Bildung. Perspektiven zwischen beruflicher Bildung und Religionspädagogik Reihe Glaube – Wertebildung – Interreligiosität. Berufsorientierte Religionspädagogik, Waxmann-Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-8309-2761-7, 254 Seiten, 32,90 Euro

Der vorliegende Band ist als erster Band einer ganzen Reihe konzipiert, die sich unter dem Obertitel „Glaube – Wertebildung – Interreligiosität. Berufsorientierte Religionspädagogik“ mit unterschiedlichen Fragestellungen beschäftigen wird. Der Band 1 dieser Reihe widmet sich dem Thema „Integration durch religiöse Bildung“ und schließt eine Lücke in der bisherigen Debatte zu Integration: Üblicherweise geht es bei Integration um die Frage der Anpassungsfähigkeit oder gar um Assimilation von Migraten und Migrantinnen, im besseren Fall auch noch um die Aufnahmefähigkeit der ansässigen Bevölkerung – und zeigt damit dennoch, dass von den Kommenden keine kulturellen oder gar religiösen Impulse für die autochthone Gesellschaft erwartet werden. Die Beiträge dieses Bandes dagegen öffnen den Blick in die Weite des Themas. Wenn Integration als Geben und Nehmen verstanden würde, was hieße das dann auch für den Wertekanon und am Ende für den Religionsunterricht? Wie könnte Integration gelingen, so dass Menschen nicht trotz, sondern mit ihrer Religiosität anerkannt und akzeptiert werden? Hat Religion eventuell sogar integrierende Kraft?

Vier Themenbereiche werden von unterschiedlichen Autoren beleuchtet: Interkulturalität, Integration, Praxisbeispiele aus dem Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen und schließlich ein Blick aus und in Politik und Wissenschaft.
Nach der grundlegenden Untersuchung der Beziehung von Integration und Interkulturalität untersucht Friedrich Schweitzer den Zusammenhang von Integration und religiöser Bildung und stellt in seinem Beitrag die Notwendigkeit einer integrationsunterstützenden religiösen Erziehung dar. Fremdheit macht Angst auf beiden Seiten: auf der des Fremden und auf der des Nicht-Fremden, und ist in den meisten Fällen auch mit religiösem Nichtkennen verbunden. Spätestens hier zeigt sich, dass der Integrationsbegriff selbst komplex und problematisch zugleich ist. In zehn Thesen entfaltet Friedrich Schweitzer die Chancen einer Auseinandersetzung mit dem Integrationsbegriff und kommt zu dem Schluss: „Der BRU (Religionsunterricht in beruflichen Schulen) kann dann am besten zur Integration beitragen, wenn er sich nicht auf eine kaum mehr als religiös erkennbare Wertebildung beschränkt, sondern als ein selbst religiös profiliertes Angebot zugleich ein respektvolles Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Religionen einübt“ (S.98).

Die empirische Forschungslage zum Einfluss christlich-religiöser Werte auf die Akzeptanz von Rechtsnormen zeigt die Rolle der Religion lebensgeschichtlich auf. Ein Beitrag aus muslimischer Sicht vervollständigt das Bild. Wie diese didaktischen Herausforderungen der Heterogenität durch interreligiöse Lernarrangements gemeistert werden können wird in dem Band ebenso bedacht, wie die dahinterstehende Theorie, die zu solcher Praxis führt. Die Leserinnen und Leser werden in einem großen Bogen in die religionspädagogische Debatte um Integration mitgenommen, die zum Weiterdenken einlädt. Davon profitieren sowohl die an theoretischen Grundlegungen der Debatte Interessierten, als auch diejenigen, die ganz praktisch ihre Schülerinnen und Schüler an ein wertschätzendes Miteinander unterschiedlicher Lebenseinstellungen und Religiositäten heranführen wollen.

Bettina Wittmann-Stasch

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 1/2013

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