Rezension

 

Christine Reents und Christoph Melchior: Die Geschichte der Kinder- und Schulbibel. Evangelisch – katholisch – jüdisch, V&R unipress, Göttingen 2011, ISBN 978-3-89971-837-9, 676 Seiten, 408 Abbildungen, 141,95 Euro

„Die Geschichte der Kinder- und Schulbibel“ von dem Autoren-Duo Christine Reents und Christoph Melchior ist ein Überblickswerk dieses Bereiches, das als Buchprojekt beim 6. Internationalen Forschungskolloquium „Kinderbibel“ 2009 in Zürich vorgestellt wurde und auf das man gespannt wartete. Es liegt nun als Handbuch in gebundener Form vor und hat alle Voraussetzungen, zu einem Standardwerk zu werden.

Lange Zeit spielten Kinder- und Jugendbibeln nur für die Praxis eine Rolle. Seit ungefähr 30 Jahren hat sich auch das Augenmerk von Theologie und Religionspädagogik auf diese Textform gerichtet. In ihrer 1984 veröffentlichten Habilitation befasste sich Christine Reents mit der Geschichte einer Schul- und Kinderbibel im 18. und 19. Jahrhundert. „Die Bibel als Schul- und Hausbuch für Kinder“ war der 2. Band der Reihe „Arbeiten zur Religionspädagogik“, in der auch das neue Buch erschienen ist. Der Forschungsgegenstand war „Zweymal zwey und funffzig auserlesene biblische Historien, der Jugend zum Besten abgefasset“ des Autors Johann Hübner.

Das jetzt vorliegende Buch setzt nicht erst im 18. Jahrhundert an, denn schon vorher gab es eine biblische Gebrauchsliteratur für Kinder und Laien. Diesen Vorläufern wird Rechnung getragen. Das Buch enthält somit eine systematisch geordnete Gesamtdarstellung der Geschichte der Kinder- und Schulbibeln im deutschen Sprachgebiet vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart in sieben Kapiteln, die die evangelischen und katholischen Kinderbibeln in ihren individuellen, gesellschaftlichen, kirchlichen und schulischen Kontexten einordnen und jeweils mit einer Zwischenbilanz enden. Im 8. Kapitel werden jüdische Kinder- und Schulbibeln in deutscher Sprache behandelt. Das 9. Kapitel bietet einen kurzen Ausblick auf die gegenwärtigen Herausforderungen.

Die Verfasser gehen in ihrem Werk von einem weit gefassten Begriff der Kinder- und Schulbibel („Containerbegriff“, S. 566) aus und unterscheiden vier Hauptgattungen: biblische Spruchbücher, bibelnahe Paraphrasen und Historien, freie Erzählungen und Bilderbibeln. Neben Klassikern werden auch „Querdenker“ analysiert.

Der relativ hohe Preis wird durch die hochwertige Ausstattung mit zahlreichen sehr gut ausgewählten Abbildungen in hoher Druckqualität gerechtfertigt. Dadurch wird sich allerdings der Käuferkreis weitgehend auf Bibliotheken beschränken.

Auf der beiliegenden CD-ROM findet sich die „Bibliographie zu Kinder- und Schulbibeln sowie biblischen Spruchbüchern in Deutschland bis 2010“ einschließlich Sekundärliteratur. Allein seit der Jahrtausendwende sind über 160 neue Primärtitel auf dem Buchmarkt erschienen, davon sind 25 bis 30 Prozent Lizenzausgaben.

Die Titel aus sieben Jahrhunderten sind in Abschnitte zu je 50 Jahren unterteilt und alphabetisch nach Verfassernamen aufgelistet. Werke ohne genannten Verfasser oder Herausgeber stehen unter »anonym«. Bei älteren Rara ist zum Teil eine Standortangabe in Bibliotheken aufgeführt. Verschiedene Auflagen und Ausgaben werden in einer bibliographischen Angabe nachgewiesen und Autorennamen von Longsellern bzw. Klassikern sind unterstrichen. Die pdf-Datei ist durchsuchbar.

Es wäre wünschenswert, diese sehr sorgfältig recherchierte Bibliographie fortzuführen, zu erweitern und im Internet zugänglich zu machen. Zusätzlich böte sich eine Klassifizierung nach den Haupt- und Untergattungen sowie nach evangelisch/katholisch an, z.B. über Register.

Zum Thema des Buches wird die Landesbibliothek Oldenburg vom 1. November 2012 bis zum 19. Januar 2013 eine Ausstellung zeigen: „Kinderbibeln aus sechs Jahrhunderten von ihren Vorläufern bis zum Comic. Evangelisch – katholisch – jüdisch“.

Britta Papenhausen

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 2/2012

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