Rezension

 

Reiner Andreas Neuschäfer und Matthias Hahn (Hg.): Gerechter werden. Unterrichtsvorschläge für kompetenzorientierten Religionsunterricht in der Sekundarstufe I, Verlag IKS Garamond, Jena 2010, ISBN 978-3-941854-21-5, 204 Seiten 24,90 Euro

„Wie geht Kompetenzorientierung im Religionsunterricht?“ Diese Frage stellen sich zur Zeit viele Kolleginnen und Kollegen. Sie ist der Situation geschuldet, dass in fast allen Bundesländern neue Kerncurricula für die Fächer Evangelische und Katholische Religion vorliegen, im Blick auf die Praxis allerdings noch eine gewisse Ratlosigkeit vorherrscht. Die vorliegende Praxishilfe macht als eine der ersten Veröffentlichungen den Versuch, nicht nur theoretische Antworten zu finden, sondern praxisorientierte Sequenzen und Materialien für den Religionsunterricht vorzustellen.

Einleitend gibt Frauke Büchner einen fundierten sachanalytischen Überblick zum Thema „Gerechtigkeit“. Dabei stellt sie Perspektiven auf das Thema seitens der Literatur, der Philosophie und der Theologie der abrahamitischen Religionen vor. Psychologische und pädagogische Aspekte schließen sich an und eröffnen erste Horizonte für religionspädagogisches Handeln. Hier setzt Matthias Hahn an und reflektiert das Thema „Gerechtigkeit“ im Fokus kompetenztheoretischer Überlegungen. Nach einer Einführung fragt Hahn, in welcher Weise das Thema „Gerechtigkeit“ Schülerinnen und Schüler in den unterschiedlichen Jahrgängen der Sekundarstufe I betrifft und welche Konsequenzen sich daraus für die Gestaltung kompetenzorientierter Unterrichtsprozesse im Religionsunterricht ergeben. Im unterrichtspraktischen Teil werden fünf Unterrichtssequenzen für die verschiedenen Doppeljahrgänge der Sekundarstufe I mit einer Vielzahl von Unterrichtsbausteinen vorgestellt. Der Bezug auf die den Sequenzen zugrunde liegenden Kerncurricula ist unterschiedlich, was daran liegt, dass die Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Bundesländern kommen. So stimmen die in den Einheiten verwendeten Kompetenzformulierungen in Teilen nicht überein. Insgesamt liegt den Sequenzen ein lebensweltlich-problemorientierter Ansatz zugrunde. Den Materialien geht es um einen Ausgleich zwischen erfahrungs- und bibelorientierten Herangehensweisen. Damit werden den Schülerinnen und Schülern Angebote gemacht, das Thema „Gerechtigkeit“ aus biblisch-christlicher Perspektive zu beleuchten und sie zu kritischem Handeln in der Welt zu befähigen. Die zur Verfügung gestellten Texte sind schülernah und die verwendeten Grafiken motivieren zu einer vertiefenden Auseinandersetzung. Insgesamt überzeugt die Auswahl der Bausteine durch eine Vielzahl unverbrauchter (d.h. noch nicht aus zahlreichen anderen Veröffentlichungen bekannter) Materialien. Eine CD mit den Materialien, Bildern, Grafiken und einem in der Praxishilfe vorgestellten Lied (MP3) ist beigefügt und hilfreich für die Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts.

Kritisch anzumerken ist, dass die von Matthias Hahn einleitend genannten Essentials einer Kompetenzorientierung im Religionsunterricht in den Unterrichtssequenzen und den didaktischen Überlegungen nur zum Teil umgesetzt werden. Insgesamt bleibt der Eindruck einer gewissen Differenz zwischen den theoretischen Vorüberlegungen und Teilen der einzelnen Praxissequenzen.
Trotz dieser Kritik ist die Praxishilfe allen zu empfehlen, die sich im Religionsunterricht grundlegend mit dem Thema auseinandersetzen möchten und auf der Suche nach neuen interessanten Unterrichtsideen sind, die das Thema „Gerechtigkeit“ in seiner Vielfalt aufgreifen.

Dietmar Peter

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 2/2011

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