Rezension

 

Roland Biewald und Bärbel Husmann: Frauen und Männer in der Bibel. Impulse für biografisches Lernen im Religionsunterricht, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2009, ISBN 978-3-374-02672-2, 102 Seiten 19,80 Euro

1953 definierte der deutsche Philosoph Wilhelm Albert Johann Schapp: „Was und wer wir jeweils sind, sind wir durch „Geschichten“, in die wir „verstrickt“ sind.“ (Zitiert nach: Wilhelm Schapp, In Geschichten verstrickt. Frankfurt am Main, 4. Auflage 2004, S. VI). Solche Ge­schichten finden sich in der Bibel zuhauf, denn diese bildet das Leben in all seinen Facetten ab und gibt darin besonderen Men­schen – Frauen wie Männern – Raum für ihre Erfahrungen mit Gott.

Daher nimmt es nicht Wunder, dass das Themenheft Religion von Roland Biewald und Bärbel Husmann einige dieser besonderen, fast schon exemplarischen Menschen herausgreift und anhand der enthaltenen Erfahrungen biografisches Lernen im Religionsunterricht ermöglichen will. Die beiden Autoren sind davon überzeugt, dass „im biografischen Lernen jenseits aller curricularen Vorgaben große Lernchancen liegen“ (S. 21), und dies ist gerade angesichts der immer wieder aufkeimenden Frage nach dem Kompetenzerwerb im Religionsunterricht von großer Bedeutung. Um diese biblischen Gestalten nicht ohne didaktische Reflexion vorzustellen, beginnt das Themenheft Religion mit einigen grundlegenden Überlegungen zum biografischen Lernen und didaktischen Leitlinien (Kapitel A und B), worauf die Unterrichtsbausteine (C) folgen. Die beiden Herausgebenden haben sich dabei für sechs Personen entschieden: Paulus, Rut, Ester, Maria, David und Petrus. Die Modelle sind für die Klassenstufen 5/6 (Rut, David), 7/8 (Paulus, Maria, David) und 9/10 (Ester, Petrus) konzipiert.

Bei der Beschäftigung mit Menschen aus der Bibel geht es nicht darum, ob diese Personen historisch belegt sind, es geht vielmehr darum, „Wahrheiten von allgemeinem Wert weiterzutragen“ (S. 29). Diese können – z.B. in der Unterrichtseinheit zu Paulus – im „leistungslosen Selbstwert des Menschen, der sich aus der bedingungslosen Annahme durch Gott ergibt“ (S. 25), aufgezeigt werden, oder auch – wie in der Unterrichtseinheit zu Maria formuliert – in der Einsicht, „dass Erwählung nicht bedeutet, aller Sorgen und Nöte ledig zu sein“ (S. 47).

Daneben finden Lehrende in jedem Kapitel neben Sachinformationen und einleitenden Überlegungen umfangreiche Ideen für in sich geschlossene Unterrichtseinheiten zu diesen Menschen, aus denen man aber auch nur einzelne Stunden oder Ideen entnehmen kann. Weiterführende Literatur am Ende der Kapitel ermöglicht einen noch tieferen Einstieg in die Thematik. Ein umfangreicher Materialteil (41 Seiten) am Ende des Buches bietet fertige Kopiervorlagen für Lehrende an.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der an der Unterrichtspraxis der Sekundarstufe I orientierte Band sehr reflektiertes und vielfältiges Material sowie Ideen bereitstellt, um Schülerinnen und Schülern biografisches Lernen anhand bedeutender biblischer Frauen und Männer zu ermöglichen. Wünschenswert wäre dazu lediglich ein übersichtlicheres Inhaltsverzeichnis gewesen, um sich schneller im Buch orientieren zu können. Davon abgesehen bleibt dem Band zu wünschen, dass er seine Ziele im Religionsunterricht auf dem Weg hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit erreicht. Er sei daher allen Religionslehrerinnen und Religionslehrern wärmstens empfohlen!

Tim Hofmann

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 2/2011

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