Rezension

 

Rainer Oberthür: Das Buch der Symbole. Auf Entdeckungsreise durch die Welt der Religion, Kösel-Verlag, München 2009, ISBN 978-3-466-36805-1, 312 Seiten 19,95 Euro

„Stell dir vor, du würdest alle auf der Welt lebenden Tiere kennen: Natürlich nicht jedes Tier persönlich, aber immerhin jede Tierart mit Namen. Das wäre eine ziemlich gute Leistung, denn es sind ungefähr 1,75 Millionen verschiedene Arten, die die Wissenschaftler insgesamt bis heute erfasst haben.“ (189)
Rainer Oberthür hat ein Buch der Symbole geschrieben und zusammengestellt, das zu einer „Entdeckungsreise durch die Welt der Religion“ einlädt. Es unterteilt sich in zehn „Symbollandschaften“, von denen die Tiersymbolik eine bildet. Daneben werden z. B. Symbole aus dem Bereich der Erde (Erde, Wasser, Feuer, Luft), des Menschen (Auge, Ohr, Hand, Herz), der Natur (Berg, Baum, Wüste, Garten…), aber auch der Zahlen und Formen thematisiert. Jede dieser Symbollandschaften ist eine Zusammenschau von unterschiedlichen Perspektiven auf die eine Welt und deren Elemente. „Alle Dinge, die wir sehen, können wir doppelt anschauen: als Tatsache und als Geheimnis…“ (8) Auf eben diese Weise finden sich in jedem Kapitel zu einem Symbol neben Gedankenimpulsen „Stell dir vor…“, die bei den Leserinnen und Lesern direkt konkrete Vorstellungen hervorbringen, Wissens- und Staunenswertes („Aus 2000 Metern Höhe erkennen Seeadler eine Maus am Boden.“ (198), Historisches, Geschichten und „Bibel-Bilder“ („Der Adler ist der meistgenannte Vogel in der Bibel. ..Gott hütet sein Volk, wie der Adler, der sein Nest beschützt…(199))“sowie Erklärungen zu den Bedeutungen, die die Symbole im Christentum bekommen haben.

In gewisser Weise setzt Rainer Oberthür so in die Tat um, wozu Religionspädagoginnen und Religionspädagogen seit langem auffordern: das komplementäre und mehrperspektivische Denken zu fördern und die Unterschiede, aber auch die Ergänzungen und Abhängigkeiten der verschiedenen Sichtweisen auf einen Gegenstand in den Blick zu nehmen.

Oberthür bietet mit dem Buch eine „Symboldidaktik der anderen Art“. Diese andere Art besteht vor allem im Zugriff und in der Aufbereitung. Es geht ihm darum, die Symboldidaktik konkret werden zu lassen und in der Linie des Theologisierens und Philosophierens mit Kindern diese dazu anzuregen, anhand der Symbole, des Wissens um die Naturphänomene, aus denen sie gewonnen sind und der Bedeutungen, die andere ihnen zuschreiben, eigene Zugänge zu finden und eigene Erfahrungen zu machen – mit der Symbolsprache und ihrem Potential Wirklichkeit in ihrer Mehrschichtigkeit zur Darstellung zu bringen.

Dazu gehören auch fünf Kurzkapitel, sog. „Atempausen“, in denen Oberthür die Bedeutung der Symbole im Kontext menschlicher Entwicklung und menschlicher Sprache für Kinder verständlich erklärt. Dieses Buch ist eine Symboldidaktik, die sowohl in Theorie als auch in Praxis an Kinder gerichtet ist. Es reiht sich so ein in die Veröffentlichungen von Oberthür, die Kinder ansprechen und sie mit in auf eine gedankliche Reise in die Religion als Weltdeutung und Lebensdeutung mitnehmen.

Genauso ist es an Erwachsene gerichtet, die mit Symbolen arbeiten. Am Ende finden sich methodische Impulse für die Arbeit mit diesen Symbolen im Unterricht.

Das Buch ist nicht nur ein reicher Fundus an Wissens- und Staunenswertem, es setzt auch beispielhaft um, was religionspädagogisch wichtig ist: eigene Zugänge zur Religion zu eröffnen. Religion wird dabei vor allem orientiert an dem sprachlich und bildlich Darstellbarem. Der Bereich der Handlung resp. Ethik bleibt weitgehend außen vor, im Mittelpunkt steht die Beschreibung, Veranschaulichung und das Verstehen von Zusammenhängen. Was daraus folgt, für die eigene Religiosität der Kinder und Erwachsenen, bleibt offen, so offen, wie es sein soll, wenn man sich wirklich auf eine Entdeckungsreise begibt.

Melanie Beiner

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 1/2011

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