Rezension

 

Katharina Kammeyer: „Lieber Gott, Amen!“ Theologische und empirische Studien zum Gebet im Horizont theologischer Gespräche mit Vorschulkindern, Calwer Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3766840981, 539 Seiten, 29,90 Euro.

Der Kindergarten ist als Bildungseinrichtung auch im Fokus wissenschaftlicher Beobachtung und Analyse. Ausdruck dessen ist die beeindruckende Studie von Katharina Kammeyer zum Gebetsverständnis von Kindergartenkindern.

Im Zentrum dieser qualitativen Studie steht die Auswertung und Diskussion von theologischen Gesprächen und Spielszenen von Kindern aus einem evangelischen Kindergarten. Dabei entwickelt die Autorin ausgehend von Beobachtungen und Deutungen der Gebetspraxis von Kindern ein explizit theologisches Verständnis zu verschiedenen Aspekten des Gebets. Es werden Beiträge aus der aktuellen theologischen Debatte zum Gebet aufgenommen und mit den Gebetsbeispielen von Kindern ins Gespräch gebracht.

Mit dieser Vorgehensweise entfaltet Katharina Kammeyer in überzeugender Weise ein Verständnis von Gebet, das sich zugleich mit einer kindertheologischen Forschungsperspektive verbinden lässt. So fragt sie: Wie gehen „Kinder mit dem Beten als unmittelbarem menschlichen Handeln und mit Elementen aus der biblischen Tradition um“, ob und wie „(gebrauchen) sie die christlichen Deutungsangebote dieser bestimmten Religion für ihre eigene Lebenswirklichkeit in der für sie einleuchtenden Weise“ (269)?

Die kindertheologische Perspektive der Verfasserin wird im ersten Teil ihrer Studie entfaltet. Das religionspädagogische Konzept der Kindertheologie wird mit der sozialwissenschaftlichen Kindheitsforschung verknüpft. Allein dieser Teil der Studie bietet in Aufnahme der aktuellen Diskussion einen hervorragenden und verständlich ausgearbeiteten Zugang zu den genannten Themenfeldern.

Im dritten Teil der Studie werden die eigenen empirischen Erhebungen dokumentiert und interpretiert. Die Überlegungen der Kinder werden als „religiöse Lebensdeutungen“ vorgestellt, „in denen sie eigene Fragen und bekannte biblische Erzählungen auf ihre Lebenswelt hin interpretieren und theologisch weiterdenken“ (443).

Indem die Studie von der konkreten Glaubenspraxis des Betens ausgeht, richtig sich der Fokus auf das Wechselspiel von konkreter Praxis und ihrer Reflexion. In diesem Sinne lässt sich die ausgezeichnete Studie auch als ein Beitrag für das Gespräch zwischen Kindertheologie und performativer Religionspädagogik lesen.

Friedhelm Kraft

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 4/2010

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