Rezension

 

Serap Erkan, Evelin Lubig-Fohsel, Gül Solgun-Kaps und Bülent Ucar: Mein Islambuch, Grundschule 1/2, Oldenburg Verlag 2009, ISBN 978-3-637-00553-2, 96 Seiten, 14,90 Euro

Ähnlich wie das Problem, dass es in Deutschland kaum Primärliteratur zum Islam existiert ist auch das Feld bezüglich der Literatur zum islamischen Religionsunterricht – sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht – defizitär. Diese Lücke wird nun mit dem Buch, das den kindgerechten Titel „Mein Islam­buch“ trägt, gefüllt. Zielgruppe des ersten Buches aus der Reihe sind muslimische Kinder im ersten und zweiten Schuljahr. Durch zahlreiche Illustrationen und Bilder vermittelt das Buch in zehn Kapiteln die Grundlagen islamischen Glaubens, also ganz im Sinne der Zielsetzung eines islamischen Religionsunterrichts. Wichtige Themen wie Schöpfung, Koran und die Propheten, Familie und Gemeinschaft werden auf der Grundlage des Grundkonsens – sowohl sunnitischer als auch schiitischer – der Muslime behandelt und daher darf das Werk auf eine breite Resonanz in der deutsch-muslimischen community hoffen.

„Mein Islambuch“ zielt darauf ab, die Identität als Muslim zu stärken und den Kindern somit Identifikations- und Orientierungsangebote in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft zu stellen. Die Lebenswirklichkeit der muslimischen Kinder wird ganz im Sinne einer Korrelationsdidaktik – u.a. durch die Themen- und Bildervielfalt – wiedergegeben, allerdings ist in diesem Kontext zu monieren, dass man wohl darauf bedacht war, Frauen mit Kopftüchern so wenig wie möglich abzubilden und somit auszublenden.

Das Buch ist so konzipiert, dass die religiösen Erfahrungen und das Vorwissen der Kinder bezüglich ihres alltäglichen Lebens und Fragen berücksichtigt werden, welche in den verschiedenen Arbeitsaufgaben zum Tragen kommen. Religion wird für die Kinder durch die verschiedenen Aufgaben wie durch das Verfassen eigener, kleinerer Bittgebete erlebbar gemacht. Dem religiösen und weltanschaulich pluralen Umfeldes der Kinder wird durch den interreligiösen Ansatz Rechnung getragen. Insbesondere in der konstruktiven Auseinandersetzung mit den abrahimitischen Religionen – Judentum und Christentum – werden die Kinder dazu animiert, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Dabei wird also pädagogisch versucht, den Kindern einerseits eine muslimische Identität zu vermitteln, die sich aber andererseits durch seine Offenheit für andere Religionen auszeichnet. Dies gelingt den Autoren beispielsweise durch die abwechselnde, synonyme Verwendung der Begriffe Gott und Allah – eine einfache, aber sehr feinfühlige Methode zur Bewusstmachung bei Grundschulkindern, dass Juden, Christen und Muslime an den einen Gott glauben. Alles in einem ist „Mein Islambuch“ ein Religionsbuch mit Profil geworden. Wollen wir hoffen, dass weitere Bände in der gleichen Tradition folgen werden.

Rauf Ceylan

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 4/2009

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