Rezension

 

Martin Möller: RU praktisch fachdidaktisch. Für das Referendariat und die ersten Berufsjahre, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 2008, ISBN 978-3-525-59519-0, 238 Seiten, 29,90 Euro

Das vorliegende Werk versteht sich als Arbeitsbuch für Referendare und Berufseinsteiger, wobei aber sowohl die inhaltlichen Bezüge, wie auch die Positionierung innerhalb der fachdidaktischen Diskussion deutlich machen, dass das Werk nordrheinwestfälischen Hintergrund hat.

Zum Aufbau: Die sehr kurze Einleitung (Kapitel I) stellt klar, dass im Zuge der Wende zur Kompetenzorientierung vor allem nach Basiswissen und methodischen Kompetenzen gefragt wird und dass der kritische Bildungsbegriff von Klafki zugrunde gelegt wird. In den folgenden 16 Seiten wird in Kapitel II die Fachdidaktische Orientierung dargestellt, die dem Arbeitsbuch zugrunde liegt, inklusive der Auflistung eines Schulcurriculums auf der Basis der Lehrpläne aus NRW für die Sekundarstufe I und der Auflistung der Kompetenzen nach dem Modell des Comenius Instituts. Dem schließen sich in breiter Form ausgearbeitete Basisthemen im Kerncurriculum des RU in der Sek I (Kapitel III) und Basis- und Kernthemen des RU in der Sek II (Kapitel IV) an. Abschließend werden unter Kapitel V Basisliteratur und Unterrichtsmaterialen inklusive biblischer Primärtexte aufgelistet.

Die fachdidaktische Orientierung beginnt mit der Grundfrage von Unterrichtsvorbereitung: „Wie finde ich mein Unterrichtsthema? bzw. Wie plane ich geschlossene Unterrichtsreihen?“ Abgesehen davon, dass es sich hier um zwei zu differenzierende Fragestellungen handelt, wird im Folgenden trotz der Voranstellung des Perspektivenschemas von Klafki die Frage nicht weiter verfolgt, sondern es erfolgt die Darstellung und Erläuterung der drei didaktischen Leitprinzipien, denen sich das Arbeitsbuch verpflichtet sieht: der Erfahrungs-, der Schüler- und der Problemorientierung. Der Leser benötigt diese Darstellung vor allem auch deshalb, weil das Verständnis der Prinzipien hier teilweise stärker fokussiert, um nicht zu sagen reduziert wird, als dies aus der allgemeinen Debatte bekannt ist. Der Begriff Erfahrungsorientierung wird in Anlehnung an Henning Luther als Grenzerfahrung definiert mit dem Ziel, die Handlungskompetenz der Schülerinnen und Schüler zu stärken und eine religiöse Deutungskompetenz aufzubauen. Das Prinzip der Schülerorientierung wird in erster Linie als aktives Lernen beschrieben, entsprechend beinhaltet der Kriterienkatalog von Schülerorientierung überwiegend Grundlagen des methodischen Vorgehens.

Ebenfalls wird die eigene Interpretation der didaktischen Prinzipien bei der Problemorientierung deutlich, die verstanden wird als 1. kontrollierter Lernprozess, der sogleich methodisch durch ein Artikulationsmodell genauer beschrieben wird und 2. als thematische Orientierung an gesellschaftspolitisch bedeutsamen Themen. Die drei Prinzipien werden in der Arbeitshilfe als interdependente Bezugspunkte der didaktischen Analyse betrachtet. Die inhaltliche Auswahl erfolgt auf der Basis der Lehrpläne Nordrhein-Westfalens, die für die Klassenstufen 5/6, 7/8 und 9/10 Leitlinien vorgeben. Diese Leitlinien beabsichtigen, die Inhalte des Faches mit den Intentionen bzw. Lernzielen überprüfbar zu verknüpfen. In modifizierter Form lassen sich die Themenvorschläge auch für den niedersächsischen Religionsunterricht übernehmen. Auf knapp 140 Seiten werden in Kapitel III 17 mehrstündige Basisthemen für die Sekundarstufe I für die Klassenstufen 5-10 ausführlich ausgearbeitet. Die Themen wurden als Schulcurriculum eines Gymnasiums in Schwerte/ Ruhr entwickelt und in einer schematischen Übersicht den Ausarbeitungen vorangestellt. Leider ist die Struktur der einzelnen Ausarbeitungen uneineinheitlich: mal erfolgen Didaktische Erläuterungen, mal Didaktische und methodische Erläuterungen, mal erfolgen die Darstellungen ohne qualifizierende Titulierung.

Vereinzelt werden Unterrichtsstunden in einer schematischen Übersicht dargestellt, wobei sich der Leser/die Leserin bisweilen selbst heraussuchen muss, um welche Stunde der Reihe es sich handelt. Auch die Reihenfolge der Materialien und Tafelbilder auf der einen und der Stundenübersichten auf der anderen Seite wechselt. Alle Beispiele schließen mit einer Darstellung der zu erreichenden Kompetenzen auf der Basis des Kompetenzmodells des Comenius Instituts. Die Themen umfassen biblisch-theologische, kirchengeschichtliche und sozialethische Inhalte für jede Klassenstufe zu gleichen Teilen, die Unterrichtseinheiten sind konzipiert für fünf bis 15 Stunden.

Kapitel IV führt Kernthemen für die Sekundarstufe II aus, die ebenfalls der Grundstruktur des nordrheinwestfälischen Lehrplans folgen und sich in folgende fünf Kurse aufgliedern: 1. Theologie (ausgearbeitet für Stufe 12/2), 2. Christologie (ausgearbeitet für 12/1), 3. Ekklesiologie (ausgearbeitet für 13/1), 4.Eschatologie (ausgearbeitet für 13/2) und 5. Anthropologie (ausgearbeitet für 11/2). Leider gibt in diesem Fall keine Generalübersicht Auskunft über die behandelten Themen. Die Teilthemen und Inhalte werden den Ausarbeitungen der einzelnen Kurse in einer Übersicht vorangestellt. Mögliche Arbeitsergebnisse, Fragestellungen und Tafelbilder folgen den didaktischen Ausführungen. Eine der Unterrichtsstunden wird als Übersicht aufgeführt. Auch auf die Sekundarstufe II wird das Kompetenzmodell des Comenius Instituts angewendet und die zu erreichenden Kompetenzen in einer Übersicht ans Ende der Kursausführungen gestellt.

Einige der verwendeten Materialien sind im Arbeitsbuch abgedruckt, die meisten muss sich der Nutzer über die angegebenen Fundstellen heraussuchen. Auch wenn das Werk deutlich den nordrhein-westfälischen Hintergrund hat, können Lehrkräfte aus anderen Bundesländern es als Steinbruch mit detailliert ausgearbeiteten Unterrichtsthemen nutzen oder als exemplarisches Beispiel für die Entwicklung schuleigener Curricula. Der Autor ist Fachseminarleiter für Ev. Religion in Dortmund, das Buch ist aus der Seminarausbildung erwachsen bzw. besteht aus Unterrichtsbausteinen von Referendarinnen und Referendaren.

Evelyn Schneider

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 2/2009

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