Rezension

 

Jürgen Krüger und Michael Meyer-Blanck: Evangelisch in Rom. Der etwas andere Reiseführer, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-525-63390-8, 240 Seiten, 19,90 Euro

Wer diesen einladend gestalteten Reiseführer in die Hand nimmt, wird sofort ergriffen von der Sehnsucht, sich mit Leib, Seele und Geist in Rom auf die Suche nach den Wurzeln der Christenheit zu machen. Die Leserinnen und Leser werden förmlich hineingezogen in eine spannende Auseinandersetzung um die Geschichte des Christentums an einem seiner Ur- sprungsorte. Charakteristische Lebensspuren vieler Generationen von Christen werden erkennbar, von den ersten Zeugen aus dem Umfeld Jesu bis in die Gegenwart.

Bei Romkennern erwachen Erinnerungen an frühere Reisen, Unkundige fühlen sich besonders angesprochen, endlich jene namhaften Orte zu besuchen, die bis heute konfessionsübergreifend Pilger aus aller Welt anziehen. Beim Umblättern erwacht die Lust, behutsam Skulpturen oder Steine zu berühren wie Millionen Menschen vorher, dabei selbst andächtig zu staunen und still zu werden. Die Autoren schreiben: „Jeder Stein hat seine Geschichte und mit jedem Stein wächst das Mosaik europäischer Geschichte zusammen. Dabei liegen die Steine nicht sauber nebeneinander, vielmehr übereinander und durcheinander, aus dem Zusammenhang gerissen und doch wieder ineinander verwoben.“

Für evangelisch Glaubende wird der Weg gelenkt und der Blick geschult, inmitten geschichtsträchtiger Zeugnisse besonders jene Spuren zu entdecken, die aus evangelischer Perspektive gesehen den eigenen Glauben unterstützen können. Über alle Konfessionszugehörigkeit hinweg entwickelt sich schon bei Lesenden ein Gespür für den ganz persönlichen Platz in dieser 2000-jährigen Geschichte von Christinnen und Christen: „Heilige Orte leben von den Spuren des Glaubens der Christen vor uns und neben uns. Der Glaube verbindet über Zeiten, Orte und kulturelle Prägungen hinweg. Wir nähern uns in St. Peter den ersten Zeugen und bekommen Anteil an ihrer starken Hoffnung, vielleicht sogar an ihrem unglaublichen Mut, der Weltmacht Rom zu widersprechen, weil dem Auferstandenen alles gehört (Mt 28,18; Phil 2,5-11) (61).

Michael Meyer-Blanck, Professor für Praktische Theologie und Religionspädagogik an der Universität Bonn, und Jürgen Krüger, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Karlsruhe, begeistern Romliebhaber mit diesem ungewöhnlichen Reiseführer aus evangelischer Sicht. Schwerpunktmäßig beschäftigen sie sich mit den Wegen nach Rom, seinen Bauten und Kunstwerken und dem Leben besonders evangelischer Christen. Der handliche, reich bebilderte Reiseführer bietet neben eingängigen theologischen Erläuterungen einen ausführlichen Anhang mit praktischen Hinweisen.

Christiane Kürschner

 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 1/2009

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