Rezension

 

Sigrid und Lothar Dittrich: Lexikon der Tiersymbole. Tiere als Sinnbilder in der Malerei des 14. - 17. Jahrhunderts, Studien zur internationalen Architektur- und Kunstgeschichte 22, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2. Aufl. 2005, ISBN 978-3-937251-18-9, 672 S. mit 162 Farb- und s/w-Abb., 135,00 Euro

Die Mitte (S. 17-581) dieses monumentalen Werkes wird eingenommen von einem alphabetischen Katalog der Sinnbildtiere von „Adler“ bis „Ziege“, jeweils unterteilt in Zoologie und Symbolik mit einer großen Zahl von Schwarz-Weiß-Bildern, mit Hinweisen auf meist ganzseitige Farbtafeln am Ende des Lexikons. Eigene alphabetische Listen gibt es zu den Malern (mit „ihren“ Tieren) und von den Tierarten mit ihren Sinnbildbedeutungen.
In der Einleitung (S. 7-15) hat das Verfasser-Ehepaar das Ergebnis seiner jahrelanger Studien von Tieren in Natur und Kunst, Zoologie und Theologie zusammengetragen. Es geht in der Einleitung um Wurzeln und Tradition der Verwendung von Tieren als Sinnzeichen, über den Wandel und die Erweiterungen im (späten) Mittelalter und in der Frühen Neuzeit.

Die abgebildeten Tiere werden zoologisch identifiziert, nicht aber nach ihrer künstlerischen Wiedergabe bewertet. Sie werden vor allem auf ihren Sinnbild-„mehrwert“ hin vorgestellt. Es ist spannend zu entdecken, wie Tiersymbole im Zeitalter der Aufklärung von einer allegorischen zu einer eher rationalen Deutung verändert werden; wie über Einzeldarstellungen von Tieren hinaus ihre Vielzahl sinnbildlich gedeutet wird: Die Tiere bei der Schöpfung und in der Arche Noah z.B. werden zum Symbol des Friedens, Raubtiere und ihre Beute symbolisieren die Mächtigen und ihre Untertanen. Die Moral postuliert ihren Anspruch auch in der Kunst. Es bleibt Spielraum für weitere Deutungen.

Wer sollte sich durch das Lexikon angesprochen fühlen? Wer kann es gebrauchen? Alle, die es mit Theologie, Predigt, Katechese und Lehre zu tun haben. Das Lexikon gehört in die Bibliothek von Schulen, Volkshochschulen, Akademien und Universitäten. Nicht zuletzt profitiert der „stille Kunstliebhaber“ von diesem Buch.
Der in jeder Hinsicht gewichtige Band dient zur Konsultation, wenn es darum geht, Tierdarstellungen zu deuten; er bietet zuverlässige Informationen, ohne das Gespräch mit dem Bild bzw. untereinander über das Bild mit einer ausschließlichen Deutungshoheit zu belasten.
Die rasch erfolgte zweite Auflage spricht für das Werk von Sigrid und Lothar Dittrich. Den Lesern und Leserinnen des „Pelikan“ seien die Seiten 337 bis 342 besonders empfohlen.

Joop Bergsma