Rezension

 

Ulrike Baumann, Rudolf Englert, Birgit Menzel, Michael Meyer-Blanck, Agnes Steinmetz
Religionsdidaktik
Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II,
Cornelsen Scriptor, Berlin 2005,
ISBN 3-589-22119-4, 256 Seiten, 19,95 Euro

Vor einigen Jahren hat der Verlag Cornelsen Scriptor begonnen, handliche Didaktik-Bücher zu den schulischen Fächern herauszugeben. Es sind allesamt Bücher „für die neue Lehrergeneration“, wie der Verlag schreibt, d.h. das Buch ist nicht im universitären Forschungskontext angesiedelt, sondern es ist ein „Praxishandbuch“ für junge Lehrerinnen und Lehrer. Das bedeutet zugleich: Es ist kein Gesamtentwurf einer Didaktik aus einem Guss, sondern eher ein Steinbruch, bei dem verschiedene Autorinnen und Autoren – drei katholische und zwei evangelische, zwei Professoren, zwei Fachleiterinnen und eine Dozentin in der Lehrerfortbildung – zusammentragen, was ihnen in Bezug auf den Religionsunterricht wichtig ist. Der Titel „Religionsdidaktik“ ist vor diesem Hintergrund vielleicht etwas hoch gegriffen.
Das Buch hat zwei Teile: „Annäherung“ und „Exemplarische Themen“. Die Annäherungen beleuchten den Kontext des schulischen Religionsunterrichts, indem sie in drei Kapiteln die Zugänge Jugendlicher zu Religion und Glauben, die Situation von Religionslehrerinnen und -lehrern sowie das Fach im Kanon der anderen Fächer thematisieren. Hier scheint das alte didaktische Dreieck auf: Schüler-Lehrer-Sache. Quer dazu ist ein viertes Kapitel, das eher die Grundaufgaben der Lehrkräfte im Blick hat, die neben dem Unterrichten eine Rolle spielen: Beurteilen, Beraten und Gestaltung des Schullebens.

Die anderen vier Fünftel des Buches sind den exemplarischen Themen gewidmet, die auf jeweils dreizehn bis zwanzig Seiten so etwas wie didaktische Leitlinien für das betreffende Thema entfalten. Auf den ersten Blick könnte es so scheinen, als habe das Autorenteam die sechs klassischen katholischen Oberstufenthemen abgearbeitet, die sich so auch im evangelischen RU in NRW wiederfinden. Die Kapitelüberschriften zeigen jedoch etwas anderes: Hier wird nicht christliche Dogmatik abgearbeitet, sondern der Kontextbezug in der Gesellschaft bzw. Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler sowie die Anbindung an aktuelle Lerntheorien und daraus resultierende didaktisch-methodische Folgerungen, war den Autorinnen und Autoren wichtig:

• „Was ist Glück? Theologisieren mit Jugendlichen“,
• „Christen im Dilemma – geschichtliches Lernen“,
• „’Das kann nicht wahr sein!’ Wundergeschichten“ (alle drei von Rudolf Englert),
• „Die Frage nach dem Anfang – fächerübergreifendes Lernen“,
• „‚Was ist gerecht?‘ – Lernen in Projekten“ (beide von Birgit Menzel),
• „Sinn und Sinnlichkeit in sakralen Räumen“,
• „Wie viel Form braucht die Religion? Rituale“ (beide von Agnes Steinmetz),
• „Fragen nach Kirche und Sakrament: konfessionell-kooperativ“,
• „Wie finde ich Anerkennung? Christologie elementar“ (beide von Michael Meyer-Blanck),
• „Gottesglaube und interreligiöses Lernen“,
• „Die Frage nach dem Ende“ (beide Ulrike Baumann).

Entwicklungspsychologische Überlegungen finden sich ebenso wie einzelne Unterrichtsbausteine. Zusammenfassungen und Zitate aus der religionspädagogischen Literatur sind durch Kästchen hervorgehoben. Wer mag und Zeit hat, findet also reichlich Anregung zum vertiefenden Weiterlesen, ohne von der Fülle sogleich entmutigt zu werden. Überhaupt ist das gesamte Layout der Reihe lesefreundlich und macht das Buch als Ferienlektüre für die geeignet, die sich didaktisch auf dem Laufenden halten oder wieder Anschluss finden wollen.

Bärbel Husmann