Rezension

 

Petra Freudenberger-Lötz, Theologische Gespräche mit Kindern, Untersuchungen zur Professionalisierung, Studierender und Anstöße zu forschendem , Lernen im Religionsunterricht, Calwer Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3766839381, 367 Seiten., 29,90 Euro

Mit der Habilitationsschrift von Petra Freudenberger-Lötz ist der Verfasserin ein wesentlicher Baustein zu einer „Didaktik der Kindertheologie“ gelungen. Ausgehend von der These, dass theologische Gespräche mit Kindern den „Kern des Religionsunterrichts aus(machen), weil Kinder in ihnen zur Sprache bringen, was sie existentiell angeht und was ihr Denken sowie ihren Glauben herausfordert“ (16), werden Ergebnisse und Folgerungen der Karlsruher Forschungswerkstatt „Theologische Gespräche mit Kindern“ systematisiert vorgestellt.

Das Besondere des Forschungsansatzes von Petra Freudenberger-Lötz ist, dass hier die Frage einer Didaktik theologischer Gespräche mit der Frage der Professionalisierung von Studierenden bzw. Lehrenden verbunden wird. Daher enthält die Veröffentlichung wesentliche Anstöße nicht nur für angehende und „etablierte“ Religionslehrkräfte, sondern ebenso für Lehrende und Forschende in der Lehrerbildung. Zugleich ist diese Arbeit ein weiterer Beitrag für eine empirische Erforschung der Praxis des Religionsunterrichts, insofern die Qualitätsmerkmale theologischer Gespräche bzw. die grundlegenden Kategorien des Lehrerhandelns in theologischen Gesprächen mit Hilfe der Grounded Theory erhoben worden sind.

In den ersten Kapiteln werden der kindertheologische Forschungsstand fokussiert auf die Fragestellung und die Voraussetzungen bzw. konzeptionellen Grundlagen der Karlsruher Forschungswerkstatt ausgeführt. In Aufnahme konstruktivistischer Perspektiven wird ein Begriff von Unterricht entwickelt, in dem Intentionalität und Offenheit in der Ausgestaltung von „Lernlandschaften“ den Lernprozess bestimmt. Die dokumentierten Unterrichtsbeispiele zum Gleichnis vom verlorenen Schaf und zur Christologie zeigen in exemplarischer Weise, wie eine Vernetzung von Kindertheologie und konstruktivistischer Religionspädagogik in der Praxis des Religionsunterrichts nicht nur möglich ist, sondern zu beeindrucken Ergebnissen führt. Auch an dieser Stelle erweist sich die Arbeit der Verfasserin als eine wahre Fundgrube nicht nur für die wissenschaftliche Religionspädagogik, sondern ebenso für Praktiker des Religionsunterrichts in der beispielhaften Verzahnung von religionsdidaktischer Theoriebildung und unterrichtspraktischer Gestaltung. Im Blick auf die Rolle der Lehrkraft in theologischen Gesprächen mit Kindern wird die situationsgemäße „Rollenmodulation“ im Wechsel der Rollen als aufmerksame Beobachterin, stimulierende Gesprächpartnerin und begleitende Expertin herausgearbeitet. Mit dieser „Kernkategorie“ wird ein Ansatz markiert, der den Professionalisierungsprozess von Studierenden (und Lehrkräften) als Zielhorizont beschreibt. Die dokumentierten Unterrichtsgespräche zeigen in großer Anschaulichkeit, wie im Rahmen der Forschungswerkstatt Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler und Kompetenzentwicklung bzw. der Professionalisierungsprozess angehender Lehrkräfte im wechselseitigen Bezug stehen. Auch an dieser Stelle wird der doppelte Gewinn dieser Arbeit deutlich: sie liefert Anstöße für Veränderungen in der Lehrerbildung und zeigt die zentrale Bedeutung theologischer Gespräche für den Kompetenzerwerb im Religionsunterricht auf.
Zu wünschen ist dieser Arbeit ein breiter Leserkreis von Lehrenden in Schule sowie Hochschule.

Friedhelm Kraft