Krieg und Frieden
Filmtipps für die Bildungsarbeit in Schule und Kirchengemeinde

Von Marion Wiemann

 

Kriege beeinflussen das Weltgeschehen seit Menschengedenken. Der Erste Weltkrieg läutete die bis dahin umfassendste kriegerische Auseinandersetzung der Geschichte ein und wird oft als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Sein Ende jährt sich am 11. November 2018 zum hundertsten Mal. Erich Maria Remarque hat in seinem Antikriegsroman, der mehrere Male verfilmt wurde, die Gräuel dieses zermürbenden Krieges äußerst eindrücklich geschildert und damit ein Plädoyer für den Frieden verfasst. Der Erste Weltkrieg war Nährboden für den Nationalsozialismus in Deutschland und wurde so zum Vorläufer des Zweiten Weltkriegs, der den größten militärischen Konflikt in der Geschichte der Menschheit darstellt. Die beiden Weltkriege des letzten Jahrhunderts haben die Welt maßgeblich verändert und wirken sich bis heute aus. Auch die Gegenwart ist geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen, wie z.B. im Bürgerkrieg in Syrien oder im Konflikt zwischen den Israelis und Palästinensern. Die filmische Umsetzung des Themas „Krieg und Frieden“ ist besonders geeignet, (junge) Menschen zur Auseinandersetzung mit diesem Problem zu motivieren.

 

Asymmetrische Kriegsführung – FIND FIX FINISH
Sylvain Cruiziat; Mila Zhluktenko
Deutschland 2017
Kurzspielfilm, 20 Min.
FSK: LEHR-Programm gemäß §14 JuSchG
Geeignet ab 16 Jahren.

Ein Auto fährt auf einer Landstraße durch die Nacht, badende Urlauber entspannen sich an einem Meeresstrand, ein Swimmingpool mit Heranwachsenden: alltägliche Szenen aus der Vogelperspektive. Gleichzeitig erzählen drei US-Drohnenpiloten aus dem Off von ihrer Arbeit. Nüchtern beschreiben sie Arbeitsvorgänge und militärische Routine sowie ein Gefühl von Nähe zu ihren Opfern, die sie tage-, manchmal monatelang beobachten. Am Ende jedoch haben die Piloten nur einen Auftrag: Find Fix Finish.

Der Einsatz von Drohnen in kriegerischen Auseinandersetzungen hat immense Formen angenommen. Zunächst wurden unbemannte Drohnen nur mit Kameras versehen und für Aufklärungsflüge eingesetzt, mittlerweile sind sie waffentechnisch so ausgerüstet, dass die an Bord befindlichen Raketen von außen durch Drohnenpiloten abgeschossen werden können. Diese Drohnen gleichen die asymmetrische Kriegsführung, die aktuell überwiegend von Terroristen und Untergrundkämpfern praktiziert wird, wieder aus. Denn auch die Opfer von Kampfdrohnen ahnen nichts von der lang andauernden Beobachtung und der Gefahr eines Raketenabschusses.

Der Film greift diese neue Kriegspraxis auf und berührt zentrale Fragen für den Ethik- und Religionsunterricht der Sekundarstufe II. Er ist auch in der Erwachsenenbildung gut einsetzbar.

 


Im Westen nichts Neues
Delbert Mann, Großbritannien 1979
Spielfilm, 122 Min. (originale TV-Version) bzw. 150 Min., (Director‘s Cut, teilweise in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln), FSK: 12
Geeignet ab 16 Jahren

Zweite Verfilmung des Antikriegsromans von Erich Maria Remarque. – Der Film zeigt das Leben des Deutschen Paul Bäumer und seiner Mitschüler, die sich aus patriotischen Motiven als Freiwillige für den Ersten Weltkrieg melden und nach der militärischen Grundausbildung durch den Unteroffizier Himmelstoß das Grauen des Stellungskrieges an der Westfront erleben. Am Beispiel einer Abiturklasse verdeutlicht der Film auf eindringliche Weise, wie junge Menschen von ihrem Lehrer manipuliert und durch die allgemeine Kriegsbegeisterung fehlgeleitet werden. Da sich die Schülerinnen und Schüler sehr gut mit den Protagonisten identifizieren können, lernen sie, dass als Wahrheiten verkündete Parolen kritisch zu hinterfragen sind. Der Film führt die Sinnlosigkeit des kollektiven Tötens drastisch vor Augen und behandelt damit ein Thema von anhaltender Aktualität.
Geeignet für die Sekundarstufe II und in der Erwachsenenbildung.

 


The Cut
Fatih Akin, Deutschland / Frankreich / Italien /  Kanada / Russland / Türkei 2014
133 Min., Spielfilm, FSK: 12
Geeignet ab 16 Jahren

Mardin, 1915: Eines Nachts treibt die türkische Gendarmerie alle armenischen Männer zusammen und überstellt sie zum „Straßenbau“ in die Wüste, in Wahrheit ein Todeskommando. Auch der junge Schmied Nazaret Manoogian wird von seiner Familie getrennt. Durch den Gnadenakt eines türkischen Hilfssoldaten überlebt er das Massaker, muss aber künftig mit dem Verlust seiner Stimme zurechtkommen. In einem Flüchtlingslager verliert der gläubige Christ schließlich auch sein Vertrauen in Gott: Seine gesamte Familie – so teilt man ihm fälschlicherweise mit – sei von türkischen Soldaten ermordet worden. Jahre später erreicht ihn die Nachricht, dass seine Zwillingstöchter noch am Leben sind. Besessen von dem Gedanken sie wiederzufinden, folgt er ihren Spuren. Sie führen ihn von den Wüsten Mesopotamiens über Havanna bis in die kargen, einsamen Prärien North Dakotas.

„The Cut“ ist der erste Kinofilm, der sich mit dem Völkermord an den Armeniern, mit dem die Genozide der Neuzeit begonnen haben, auseinandersetzt. Die kinotypische Konzentration auf ein Einzelschicksal lässt die politisch-geschichtlichen Rahmenbedingungen an den Rand treten, behält damit aber auch den Vorzug emotionaler Anschaulichkeit. Angesichts der deutschen Verwicklung in diesen Konflikt ist es wichtig, besonders die Schuld- und Ursachenfrage in den Blick zu nehmen. Der Film eignet sich für den Religionsunterricht der Sekundarstufe II und die Erwachsenenbildungsarbeit im kirchengemeindlichen Kontext.

Erwähnenswert im Spielfilmbereich sind noch „Den Menschen so fern“ von David Oelhoffen (Algerienkrieg 1954-1962) und „Hotel Ruanda“ von Terry George (Konflikt in Ruanda zwischen den Stämmen der Hutu und der Tutsi).

 


Waltz With Bashir
Ari Folman,
Israel / Frankreich / Deutschland 2008
86 Min., animierter Dokumentarfilm,
FSK: 12; Geeignet ab 16 Jahren

In diesem animierten Dokumentarfilm geht Regisseur Ari Folman seinen eigenen, größtenteils verdrängten Erinnerungen aus der Zeit des ersten Libanonkrieges (1982) nach. Er wurde damals Zeuge des berüchtigten Massakers von Sabra und Schatila, bei dem Falangisten tausende Palästinenser töteten – unter den Augen der israelischen Armee, die nicht eingriff. Folmans Gespräche mit Kriegskameraden lassen schonungslos die damaligen Ereignisse wieder aufleben.

Die kunstvolle Animation erzeugt eine apokalyptische Bilderwelt von größter Intensität. Die packende Kollage von Erinnerungen, Wach- und Albträumen führt die unglaubliche Grausamkeit und Absurdität des Krieges vor Augen. Der Film eignet sich für den Einsatz ab der 10. Klasse, insbesondere für die Sekundarstufe II sowie für die außerschulische Jugendarbeit und Erwachsenenbildung.

 


Das Herz von Jenin
Leon Geller, Marcus Vetter
Deutschland / Israel 2008
89 Min., Dokumentarfilm, FSK: 12
Geeignet ab 14 Jahren

Während eines Feuergefechts mit palästinensischen Kämpfern erschießt im November 2005 ein israelischer Soldat den zwölfjährigen Ahmad, der im Spiel ein Plastikgewehr schwenkt. Der Dokumentarfilm setzt ein, als der Vater des Jungen vor der schweren Entscheidung steht, ob er die Organe seines Sohnes, darunter auch das Herz, an die Kinder seiner Feinde spenden soll. Nach Rücksprache mit einem Imam und einem Vertreter der Al-Aksa-Brigaden beschließen die Eltern, die Organe ihres hirntoten Kindes fünf kranken israelischen Kindern zur Verfügung zu stellen.

Zwei Jahre später besucht Ismael Khatib drei der fünf Kinder, die wegen dieser Entscheidung weiterleben können: einen lebhaften Beduinensohn, ein schüchternes jüdisch-orthodoxes Mädchen und ein Mädchen, deren Eltern der Religionsgemeinschaft der Drusen angehört. Ein deutsch-israelisches Filmteam begleitet den Palästinenser von Jenin im besetzten Jordanland über Jerusalem bis an den Rand der Negev-Wüste. „Das Herz von Jenin“ ist die Geschichte eines Mannes, der nicht mehr wie ein Jugendlicher gegen seine Feinde kämpfen will, sondern diese durch seine Menschlichkeit verwirrt.

Der Dokumentarfilm „Das Herz von Jenin” lässt sich auf vielfältige Weise im Religions- und Ethikunterricht, in den Fächern Politik, Geschichte sowie in der außerschulischen Bildungsarbeit einsetzen. Er berührt die Themenfelder „Fundamentalismus und Nächstenliebe“, „Nächstenliebe und Feindesliebe“, „Krieg und Frieden“, „Überwindung von Vorurteilen und Hass“, „Organspenden im Islam und im Christentum“.

 


Knowledge is the Beginning
Daniel Barenboim und das West-Eastern
Divan Orchestra
Paul Smaczny, Deutschland 2010
115 Min., Dokumentarfilm, FSK: 6
Geeignet ab 12 Jahren

1999 gründeten der weltberühmte israelisch-argentinische Dirigent Daniel Barenboim und der palästinensische Literaturwissenschaftler Edward Said das „West-Eastern Divan Orchestra”. In ihm spielen junge Musiker aus Israel, den palästinischen Autonomiegebieten, Libanon, Ägypten, Syrien und Jordanien. Nach den Konzerten kehren die Jugendlichen in eine Welt zurück, die geprägt ist von Bombenanschlägen und militärischen Übergriffen und in der die Menschen aus den jeweils anderen Ländern meist als Feinde gelten. Es sind große Anspannungen, die sie bei ihrer Arbeit aushalten müssen, denn die politisch verfahrene Situation ist immer präsent. Aber die gemeinsame Musik schafft eine eigene Form des Dialogs jenseits aller ideologischen Grenzen.

Der Dokumentarfilm zeigt, wie durch die gemeinsamen Proben, Konzerte und auch das Feiern danach Vorurteile überwunden werden und Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten in der Musik eine Basis der Verständigung finden können.
Der Film kann ab Klasse 8 im Unterricht eingesetzt werden, vorzugsweise allerdings ab Klasse 9/10 in den Themenbereichen „Welt und Verantwortung“, „Anthropologie“, „Problemfelder der Moral/Moralphilosophie“, „Menschenrechte und Friedenssicherung“.

 


Der Imam und der Pastor
Alan Channer, Großbritannien / Nigeria 2006
40 Min., Dokumentarfilm
FSK: LEHR-Programm gemäß §14 JuSchG
Geeignet ab 14 Jahren

Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen sind in vielen afrikanischen Ländern an der Tagesordnung, oft enden sie gewalttätig, wie in Kaduna, im nördlichen Nigeria in den 1990er Jahren. Der Film erzählt die außergewöhnliche Geschichte einer Frieden stiftenden Partnerschaft zweier mutiger, einst feindseliger Protagonisten.

Imam Muhammad Ashafa musste die Ermordung seiner nahen Angehörigen durch christliche Milizen erleben. Pastor James Movel Wuye verlor eine Hand, als Muslime versuchten, ihn zu ermorden. Wenig verwunderlich, dass Imam Ashafa und Pastor Wuye sich als Führungsleute ihrer jeweiligen Milizen deshalb als Feinde betrachteten. Der Film schildert auf eindrückliche Weise, wie es den beiden Geistlichen gelungen ist, Misstrauen, Hass, Ängste und innere Verletztheit, aber auch die Verschiedenheiten von kulturellen Werten und religiöser Prägung zu überwinden und zu gemeinsamen Positionen zu finden. Die einstigen Feinde leiten heute gemeinsam ein Mediationszentrum, dessen Dienste in der ganzen Region in Anspruch genommen werden.

Da der Film gut strukturiert und kurzweilig ist, seine Protagonisten Sympathie erzeugen und der Inhalt auch ohne Nigeria-Vorkenntnisse verständlich ist, eignet er sich für unterschiedliche Zielgruppen: Schüler*innen der Sekundarstufe II, Erwachsenenbildung und kirchliche Veranstaltungen.

 


Akim rennt
Claude K. Dubois, Martina Steinkühler, Deutschland 2015
Bilderbuchkino
FSK: 0/freigegeben ohne Altersbeschränkung
Geeignet ab 8 Jahren

Nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Claude K. Dubois, für das die Autorin 2014 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhielt. – Als der Krieg eines Nachmittags in Akims Dorf einbricht, ist mit einem Schlag nichts mehr, wie es vorher war. Die Bewohner fliehen aus den Trümmern ihrer Häuser und der kleine Junge wird von seiner Familie getrennt. Eine unbekannte Frau nimmt sich des Jungen an. Dann aber kommen Soldaten und nehmen ihn gefangen. Er kann erneut fliehen und rennt und rennt, bis er auf der anderen Seite des Flusses ein Flüchtlingslager erreicht.

Das Bilderbuchkino (in zwei Fassungen: Einzelbilder zum Vorlesen bzw. dialogischen Erarbeiten; animierte Bilder mit einer Dauer von sechs Minuten) zeigt am Beispiel des Bürgerkriegs in Syrien sehr eindrücklich, welche Folgen kriegerische Auseinandersetzungen haben. Der sachlich berichtende Text beschreibt vor allem, was mit Akim geschieht. Die schemenhaften und intensiven Zeichnungen zeigen, wie Akims Welt plötzlich aus den Fugen gerät, nachdem an die Stelle der Vögel über seinem Dorf Bomberflugzeuge und anstatt der Wolken Rauchsäulen getreten sind. Das Grauen wird aber lediglich skizziert, sodass die Betrachter*innen vom verstörenden Inhalt des Buchs nicht emotional überrumpelt werden, sondern sich langsam annähern können. Empfehlenswert für Grundschule, Sekundarstufe I und Gemeindearbeit.

 

Alle genannten Filme können im Haus kirchlicher Dienste ausgeliehen werden (Tel.: 05 11 /  12 41 - 4 03) Für einige gibt es auch eine Downloadfunktion. Recherche und Download sind unter www.medienzentralen.de möglich.

Asymmetrische Kriegsführung – FIND FIX FINISH, Sylvain Cruiziat; Mila Zhluktenk, Deutschland 2017
Im Westen nichts Neues, Delbert Mann, Großbritannien 1979
The Cut, Fatih Akin, Deutschland / Frankreich / Italien /  Kanada / Russland / Türkei 2014  
Waltz With Bashir, Ari Folman, Israel / Frankreich / Deutschland 2008
Das Herz von Jenin, Leon Geller, Marcus Vetter, Deutschland / Israel 2008
Knowledge is the Beginning, Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra, Paul Smaczny, Deutschland 2010  
Der Imam und der Pastor, Alan Channer, Großbritannien / Nigeria 2006  
Akim rennt, Claude K. Dubois, Martina Steinkühler, Deutschland 2015