„Warum bin ich auf der Welt?“
Bausteine für eine schöpfungstheologische Lektüre von Wolf Erlbruchs „Die große Frage“ im Jahrgang 5/6

von Kirsten Rabe

 

Vorüberlegungen

Die Originalausgabe des Bilderbuches von Wolf Erlbruch erschien 2003 unter dem Titel „La grande question“ bei Éditions Étre in Paris. Der Peter Hammer Verlag in Wuppertal hat das Buch 2004 in Deutschland herausgegeben. 2012 erschien es als Sonderausgabe bereits in der 7. Auflage und ist ab 7,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Empfohlen wird das Buch für Kinder ab vier Jahren, es lässt sich über die erste Erzählebene hinaus allerdings mit Schülerinnen und Schülern ab Klasse 5/6 noch einmal neu und anders lesen.

Der Ursprung dieses Kinder- wie Erwachsenenbuches könnte nicht deutlicher schöpfungstheologisch verortet sein: Es entstand als Auftragsarbeit des französischen Département Val de Marne im Großraum von Paris. Hier gibt es die Tradition, dass die Regierung für jeden neuen Geburtsjahrgang bei einem Künstler ein eigens für diese Kinder verfasstes Buch in Auftrag gibt, das dann zur Geburt verschenkt wird. 2003 war es Wolf Erlbruch, bekannter deutscher Kinderbuchautor und Illustrator, geboren 1948 in Wuppertal und dort auch mit seiner Familie zu Hause, dessen Aufgabe es wurde, einen Beitrag zur Identitätsstiftung dieser Kinder zu leisten.

Die Stadt Wuppertal hat seitdem diese Tradition aufgegriffen und verschenkt Erlbruchs Buch zum Schulbeginn an alle neuen Erstklässler (vgl. zu den Informationen Thadden 2004).

 

Die große Frage – und viele Antworten

Erlbruchs Geschichte, erzählt auf 21 Doppelseiten, lebt von großen, schlicht gehaltenen Bildern, Collagen in überraschend wenigen Farben und Mustern, die leitmotivisch wiederkehren und die einzelnen Szenen und Figuren miteinander verbinden. Nicht weniger stark gibt sich der sparsam, aber eindrücklich gesetzte Text. Eine 22. Doppelseite lässt Raum für persönliche Gedanken zur eigenen Lebensgeschichte: „Im Laufe der Zeit, wenn du größer wirst, findest du bestimmt noch viele Antworten auf die große Frage. Hier kannst du sie aufschreiben.“

Ein Kind, namentlich nicht festgelegt, ist Protagonist dieses Buches – und kommt dabei nicht ein einziges Mal selbst zu Wort. Auf dem Buchcover steht es lachend und mit ausgebreiteten Armen, offen für diese Welt, seitlich auf einer blauen Kugel, der angedeuteten Erde. Dabei ist diese so stark in ihrer Anziehungskraft, dass das Kind nicht hinunterfällt. „Die große Frage“, so ist die Szene überschrieben. Diese Frage wird im ganzen Buch nicht formuliert und lässt sich allein aus den Antworten erschließen: „Warum bin ich auf der Welt?“

Das Kind unternimmt eine Reise durch diese Welt, trifft auf ihm nahe wie fremde Menschen, auf Tiere und die Natur, sogar auf den Tod. Alle geben eine Antwort auf die „große Frage“, aus ihrer eigenen Perspektive, ihrer persönlichen Erfahrung und ihrem Selbstverständnis innerhalb der Schöpfung heraus. Das Sympathische an diesen Antworten ist, dass sie keinen Absolutheitsanspruch stellen, vielmehr authentische Momentaufnahmen sind und damit Teile einer wohl erst in ihrer Gesamtheit vollständigen Antwort.

Die erste Erklärung für den Sinn der eigenen Existenz gibt der große Bruder: „Um Geburtstag zu feiern“, sagt er, pustet die fünf Kerzen auf seiner Torte aus und setzt damit im doppelten Sinne die Ausgangssituation der Geschichte.

Um das Leben zu genießen, sei man auf der Welt, „zum Schnurren“ und „Mäusefangen“, „zum Bellen“ und „um den Mond anzuheulen“, so die Meinung von Katze und Hund; „zum Essen“ die genussvolle Antwort des dicken Mannes.

Aber auch, um etwas aus seinem Leben zu machen, „die Wolken zu küssen“ (der Pilot),“damit du eines Tages bis drei zählen kannst“ (die Drei), „um die Meere zu befahren“ (der Matrose), „früh“ aufzustehen (der Bäcker), sogar „um zu kämpfen“ (der Boxer) und „zu gehorchen“ sei man auf der Welt, so die sperrige Antwort des Soldaten. Der Vogel ist sich sicher: „Um dein Lied zu singen, bist du da.“ Dabei verspreche das Leben nicht immer leicht zu sein, man benötige auf dieser Welt Geduld (so der Gärtner) und Vertrauen (der Blinde).

Der Mensch sei auf der Welt, um als Beziehungswesen zu leben, das aus Liebe heraus entstanden ist, „weil Mama und ich uns lieb haben“ (der Vater), das selbst geliebt werde (die Mutter) und da sei, „um verwöhnt“ (die Großmutter) und „gestreichelt zu werden“ (das Kaninchen). Vor allem aber sei man um seiner selbst willen auf der Welt: „um dich selbst lieb zu haben“ (die Schwester) und „um da zu sein“ (der Stein).

Sympathisch ist die Antwort der Ente, die gesteht: „Ich habe keine Ahnung.“ Genau in der Mitte des Buches kommt der Tod zu Wort und erklärt dem Kind liebevoll und lebensbejahend: „Du bist auf der Welt, um das Leben zu lieben.“ Beide Figuren sind übrigens bekannt aus Wolf Erlbruchs „Ente, Tod und Tulpe“, einem Kinderbuch mit dem Anliegen, den Gedanken des Todes in das Selbstverständnis des Lebens hineinzunehmen.

 

Didaktische Überlegungen 

Schöpfungstheologische Perspektive

Erlbruchs Geschichte ist nicht dezidiert religiös oder gar christlich formuliert. Das kann bei einer staatlichen Auftragsarbeit in Frankreich, wo Religion und religiöses Lernen mit einzelnen Ausnahmen klar den Kirchengemeinden und gerade nicht dem Staat vorbehalten sind, auch nicht Anliegen und Ziel sein. Und doch fordert „Die große Frage“ dazu heraus, mit Schülerinnen und Schülern auch unter schöpfungstheologischer Perspektive gelesen zu werden.

 

Anthropologische Grundfragen und Antwortversuche

Thematisiert man mit Schülerinnen und Schülern dieser Altersstufe das Thema „Schöpfung“, so verbinden die Kinder damit häufig zunächst die Natur, die sie in ihrer Schönheit wie Bedrohtheit wahrnehmen. Sich selbst als Geschöpf sowie als Teil der (theologisch perspektivierten) Schöpfung wahrzunehmen, ist durchaus erst ein zweiter Blick. Dabei kann das Reden von Schöpfung mit Schülerinnen und Schülern gerade über die Anthropologie gelingen. Die Frage nach sich selbst, nach der eigenen Verortung in sozialen Gefügen, die Entwicklung des eigenen Selbstbewusstseins auch im wörtlichen Sinne sind die Dinge, die die Kinder beschäftigen.

Das Leben wird komplexer, vielleicht unübersichtlicher und die Schülerinnen und Schüler machen zunehmend die Erfahrung, dass Mensch zu sein bedeutet, sich mit anthropologischen Grundfragen auseinanderzusetzen: Wo komme ich her? Warum sind die Dinge, wie sie sind? Was geschieht nach dem Tod? Und eben auch: Warum bin ich auf der Welt? Damit stellt Erlbruchs „Die große Frage“ die anthropologische Grundfrage überhaupt, nämlich die nach dem Sinn der eigenen Existenz, des eigenen (gestalteten) Lebens.

 

„Du bist da, um da zu sein.“

Wenn Gott als schöpferisch tätige Instanz auch unerwähnt bleibt und kein expliziter Bezug zu den Schöpfungsmythen in Gen 1 und 2 hergestellt wird, so lassen sich die unterschiedlichen Antwortversuche, die im Laufe der kindlichen Reise durch die Welt formuliert werden, doch hier verorten: Die Gottebenbildlichkeit des Menschen (imago dei) als „Grundfigur theol[ogischer] Anthropologie“ (Jüngel) (nach Biehl 2001, 1314) beinhaltet im Kern die Würde und den Wert des Menschen an sich. Aus der besonderen Verhältnisbestimmung Gottes zum Menschen heraus resultiert die positive Auszeichnung des Geschöpfes Mensch – unabhängig von eigenen Leistungen und Bewertungen anderer. Lesbar ist dieser Gedanke in der Lektüre sowohl in der Antwort der Schwester („Um dich selbst lieb zu haben“), vor allem aber in der des Steins, der das (menschliche) Dasein an sich als alleinige Antwort auf die Sinnfrage erkennt: „Du bist da, um da zu sein.“ Wie beabsichtigt die Anspielung auf den Gottesnamen in Ex 3 hier ist, sei dahingestellt.

 

„Weil ich dich lieb habe.“

Mit der Gottebenbildlichkeit ist der Mensch nicht nur Gegenüber Gottes, sondern zugleich Gegenüber seiner Mitgeschöpfe und damit von Anfang an auf Beziehung angelegt. Diese Beziehungen, in denen der Mensch sich erkennt, tragen zur eigenen Identitätsfindung wie -stiftung bei.

In Erlbruchs Geschichte ist diese Dimension des Menschseins lesbar vor allem in den Antworten der Menschen, die dem Kind nahe stehen. Kinder erkennen ihr eigenes Besonders-Sein, ihre Einzigartigkeit, wie auch die anderer Menschen in ihrer Lebenswelt in ihren zentralen Bezugspersonen wie Eltern, Geschwistern oder Großeltern.

Zeitlich gesehen sind es gerade Schlüsselsituationen und Übergänge im Lebenslauf wie Geburt, Taufe, Geburtstag, Einschulung etc., in denen das eigene Besonders-Sein deutlich wahrgenommen wird. Mit dem konkreten Entstehungskontext bzw. der in Wuppertal etablierten Tradition ist Erlbruchs Buch genau in diesen Zeiten verortet.

 

„Du bist auf der Welt, um das Leben zu lieben.“

Die Wertschätzung des eigenen Lebens und die Gestaltung desselben in Verantwortung für sich, den anderen und die Welt, theologisch begriffen im Bewahrungsauftrag (dominium terrae) in der Nachahmung Gottes (imitatio dei), sind Konsequenz der Gottebenbildlichkeit.

Diese Lebensaufgabe findet sich in Erlbruchs Lektüre in den zahlreichen Antworten, die sinnstiftend wirken und Lebensziele wie Lebensaufgaben implizieren. Vor allem die Antworten des Vogels („Um dein Lied zu singen, bist du da“) und des Todes („Du bist auf der Welt, um das Leben zu lieben“) haben motivierenden, lebensfrohen Charakter.

 

Ein eigenes, ganz persönliches Buch

Es ist in mehrfacher Hinsicht lohnenswert, die Lektüre von den Schülerinnen und Schülern selbst anschaffen zu lassen. Dieses Buch lebt von seinen farbigen Bildern, seiner handlichen Größe und auch den persönlichen, (noch) leeren Seiten am Ende. Direkt mit dem eigenen Buch arbeiten zu können, ist motivierender als (Schwarz-Weiß-)Kopien zu verwenden, die sich von sonstigen Arbeitsblättern nicht unterscheiden. Das persönliche Exemplar bietet die Chance, dann auch ganz persönlich zu werden – in dem Moment, in dem die Schülerinnen und Schüler beginnen, ihre eigenen Antworten festzuhalten und ihre eigene Geschichte zu erzählen.

 

Zur Praxis des Unterrichts

Die Lektüre sollte Teil einer Unterrichtseinheit zum Thema „Leben als Gottes Geschöpf“ sein. Innerhalb dieser Einheit sind zentral:

a.  folgende prozessbezogene Kompetenzen:

  • Religiöse Spuren und Dimensionen in der persönlichen Lebenswelt entdecken und mitteilen (KC Ev. Religion 2009, S. 15 [im Folgenden nur die Seitenzahl]).
  • Situationen beschreiben, in denen existenzielle Fragen des Lebens auftreten (15).


b.  folgende inhaltsbezogene Kompetenzen:

     Die Schülerinnen und Schüler …

  • beschreiben die Schönheit der Schöpfung und bringen ihre Gedanken und Gefühle angesichts der Schöpfung zum Ausdruck (20),
  • erläutern eine Schöpfungserzählung als Glaubensaussage (20),
  • erläutern die Einzigartigkeit und Würde jedes Menschen als christlichen Grundwert (26),
  • stellen die Relevanz biblischer Aussagen in eigenen und fremden Lebenssituationen dar (26).


c.  folgende Grundbegriffe:

Genesis, Schöpfer (20), Menschenwürde, Selbstannahme und Nächstenliebe (26).

Der Begriff „Mythos“, im KC erst Jahrgang 9/10 zugeordnet (22), sollte im Zusammenhang dieser Reihe in vereinfachter Form zusätzlich erarbeitet werden, da er in seinem Anliegen, anthropologische Grundfragen zu beantworten, eine direkte Brücke zwischen Genesis 1+2 und Erlbruchs Buch bietet.


d.  als biblische Basistexte:

Gen 1 (Die Schöpfung), hier vor allem Gen 1, 26-28 (Ebenbildlichkeit und Schöpfungsauftrag) und Gen 2 (Das Paradies) (20+26).

Für den Einsatz der Lektüre bieten sich zwei Möglichkeiten an: Die Lektüre wird im Sinne einer Anforderungssituation zu Beginn der Unterrichtseinheit gelesen. Die Auseinandersetzung bleibt zunächst auf der reinen Erzählebene sowie bei der persönlichen Lebenssituation des Protagonisten und der Schülerinnen und Schüler. Ergänzend kann hier der Entstehungskontext des Buches zum Redeanlass werden. Die theologische Perspektive als eine Lesart des Buches und als eigene Antwortmöglichkeit auf „die große Frage“ erfolgt im Anschluss als vertiefende Auseinandersetzung mit dem Gelesenen. Dem Charakter einer Anforderungssituation entsprechend kann die Lektüre den Unterrichtsgang begleiten, einzelne Seiten und Antworten können erneut gelesen und diskutiert werden. Alternativ dazu wird die Lektüre am Ende der Einheit gelesen und kann so gleich von Anfang an mit inhaltlicher Mehrdimensionalität verstanden werden. Bisher Gelerntes wird wiedererkannt und angewendet.

Der im Folgenden skizzierte Unterrichtsgang lässt beide Möglichkeiten offen, stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern macht Vorschläge für Arbeitsphasen mit der Lektüre.

 

Baustein A:  Die Geschichte an sich – Philosophieren mit Kindern

Cover und Einstieg

Bevor die Schülerinnen und Schüler die ganze Geschichte lesen, verbleiben sie beim Cover des Buches (M 1). Sie beschreiben es und stellen Vermutungen zur Handlung an. Der Titel sollte an dieser Stelle von den Kindern inhaltlich gefüllt werden: Sammelt „große Fragen“, die Menschen sich stellen. Stellt Vermutungen an, welche dieser Fragen „die große Frage“ sein wird, und begründet eure Einschätzung.

An dieser Stelle können auch die Adressaten eines solchen Buches antizipiert werden.

Mit dem Blick auf die erste Seite des Buches wird den Kindern Erlbruchs „große Frage“ inhaltlich erschließbar. Der Bezug zu Geburtstagen bietet sich an: Nennt Gründe, warum der Bruder gerade diese Antwort gibt. Persönliche Erfahrungen an Geburtstagen, vertraute familiäre oder schulische Rituale, persönliche Erwartungen und Wünsche können in dieser Unterrichtsphase zum Thema werden. Die Schülerinnen und Schüler werden ihre Erfahrungen gerne durch private Fotos unterstreichen.

Ist die „große Frage“ bekannt, können die Kinder überlegen, wie ihre eigene Antwort aussieht: Notiere für dich, welche Antwort du auf die Frage „Warum bin ich auf der Welt?“ geben würdest. Die unterschiedlichen Antworten lassen sich vorstellen, sammeln, wenn sie auf großen farbigen Blättern festgehalten werden, auch ordnen und für den weiteren Unterrichtsgang in der Klasse aufhängen. Ein philosophischer Gesprächsanlass über die Wahrnehmung und den „Sinn“ des eigenen Lebens ist gegeben.

Jetzt folgt die gemeinsame Lektüre des ganzen Buches. In der sich anschließenden Gesprächsphase können überraschende Antworten thematisiert werden, solche, die den zuvor selbst formulierten Antworten der Schülerinnen und Schülern sehr nahe sind, wie solche, die sie stören.

 

Ausgewählte Szenen

Im folgenden Unterrichtsgang können einzelne Doppelseiten des Buches durch unterschiedliche Gesprächsimpulse und Arbeitsaufträge (M 2) vertiefend bearbeitet werden. Dabei ist die Auswahl der Szenen frei, je nach Zeit und Interesse entscheidbar. Es bestehen die Möglichkeiten, Szenen mit der ganzen Klasse zu bearbeiten oder sie arbeitsteilig zu vergeben, um anschließend die Ergebnisse der Kleingruppen zusammentragen zu lassen.

Die einzelnen Arbeitsgruppen können je nach Interesse auch Aufgaben untereinander aufteilen oder gezielt auswählen. Für diese Arbeit bietet es sich an, die Bilder zusätzlich in laminierter Form zur Verfügung zu stellen.

 

Baustein B: Theologische Perspektiven

Um mit Schülerinnen und Schülern der schöpfungstheologischen Dimension der unterschiedlichen Antwortversuche in Erlbruchs Buch nachgehen zu können, wird zunächst der Auszug aus Gen 1 (M 3) erarbeitet. Je nach Verortung der Lektüre im Unterrichtsgang hat dies wiederholenden oder neuen Charakter. Letzteres erfordert dann ggf. die Erarbeitung der vollständigen biblischen Texte. Ziel der Arbeitsphase ist das Verstehen und Inbezugsetzen der Grundbegriffe Menschenwürde, Nächstenliebe, Schöpfer, Selbstannahme, Ebenbild Gottes und Bewahrungsauftrag.
Um deren Zusammenhang zu verdeutlichen, können auch sie auf farbige Blätter gedruckt, von den Schülerinnen und Schülern in einem Schaubild in einen Sinnzusammenhang gebracht und für den weiteren Unterrichtsgang im Klassenraum aufgehängt werden.

Ein möglicher Transfer der hier erarbeiteten Ergebnisse auf die Lektüre hin kann im Anschluss über die Antworten des Steins, der Schwester und der Mutter (M 4) geschehen, in denen sich Gottebenbildlichkeit wie der Charakter des Menschen als Beziehungswesen und damit die von den Schülerinnen und Schülern inhaltlich zuvor besetzten Grundbegriffe wiederentdecken lassen.
Fritz Baltruweits „Ich sing dir mein Lied“ (M 5) lässt die Schülerinnen und Schüler inhaltlich an der Antwort des Vogels anknüpfen, bietet in seiner positiven und lebensbejahenden Verhältnisbestimmung des Menschen zu seinem Schöpfer eine Rückbindung zu Genesis 1 und ermöglicht im Unterricht einen Übergang zur persönlichen Verortung in der Frage „Warum bin ich auf der Welt?“

 

Baustein C: Die eigene Verortung

Erlbruchs Buch lässt genau genommen zwei freie Doppelseiten. Die zweite ist mit der Aufforderung überschrieben, eigene Antworten auf „die große Frage“ festzuhalten. Die Schülerinnen und Schüler können am Ende der Lektüre die Antwort(en) festhalten, die sie für sich selbst zum jetzigen Zeitpunkt gefunden haben. Je nachdem, über welchen Zeitraum man die Lerngruppe unterrichtet, bietet es sich an, zu bestimmten Zeiten wieder in das Buch zu schauen und diese Seite fortzuschreiben. Auch das Abitur wäre hier ein schöner Anlass.

Vor dieser Doppelseite mit der direkten Schreibaufforderung findet sich noch eine weitere freie Doppelseite. Hier können die Schülerinnen und Schüler selbst gestalterisch tätig werden, entweder in Erlbruchs Collagentechnik oder als Zeichnung. So entsteht eine individuelle Seite innerhalb der eigenen Lektüre.

Und noch ein Hinweis zum Schluss: „Die große Frage“ ist verfilmt worden und abrufbar auf youtube bzw. verfügbar über die DVD: Die Maus. Warum bin ich auf der Welt? Die Trickfilme aus der Sendung mit der Maus. Über Freundschaft, Liebe, Glück, Religion und Familie. WDR 2006.
 

Literatur

  • Biehl, Peter: Art. Mensch, Menschenbild. 1. Theologisch. In: Lexikon der Religionspädagogik Bd. 2. Hg.v. Norbert Mette und Folkert Rickers. Neukirchen-Vluyn 2001. Sp. 1314-1319.
  • Härle, Wilfried: Art. Mensch VII. Dogmatisch und Ethisch. 1. Problemgeschichtlich und systematisch. In: RGG4 Bd. 6 (2003). Sp. 1066-1074.
  • Janowski, Bernd: Art. Mensch IV. Altes Testament. In: RGG4 Bd. 6 (2003). Sp. 1057f.
  • Merkel, Rainer: Besinnung auf das Eigene. Impulse zur Didaktik der Schöpfungsberichte, in: Loccumer Pelikan 1/2009, S.15-19.
  • Niedersächsisches Kultusministerium: Kerncurriculum für das Gymnasium Schuljahrgänge 5-10. Evangelische Religion, Hannover 2009.
  • Patenge, Horst: Aufgelesen – Literarische Fundstücke (27). 27.06.2004. (http://www.bistummainz.de/bistum/bistum/ordinariat/dezernate/dezernat_6/buecher/dez6abt4/Literatur/fundstuecke.html?f_action=show&f_newsitem_id=1160) Platthaus, Andreas: Die Frage der Neugeborenen. Wozu sind wir auf der Welt? Wolf Erlbruchs Antwortbuch, in: FAZ Nr.2 (03.01.2004), S.30.
  • Thadden, Elisabeth von: Luchs 208. Die Jury von ZEIT und Radion Bremen stellt vor: Wolf Erlbruch: „Die große Frage“, in: Die ZEIT Nr. 25 (09.06.2004) (http://www.zeit.de/2004/25/KJ-Luchs_25/komplettansicht?print=true)
 

Text erschienen im Loccumer Pelikan 2/2013

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